Altes Haus am WeberbergDas Haus Weberberggasse 19

STÄDTEBAULICHE SITUATION   Das Wohnhaus Weberberggasse 19 ist ein charakteristisches Weberhaus am Weberberg- eine der letzten noch erhaltenen Webersiedlungen in Deutschland. Es ist mit den bereits sanierten Gebäuden Weberberg 17 und 21 direkt verbaut und bildet einen einheitlichen Häuserblock. Für das historische Ensemble ist dieses Haus von besonderer städtebaulicher Bedeutung, da es als Kopfbau die Engelgasse begrenzt, und vom Marktplatz aus als erstes Gebäude des Weberbergs ins Auge fällt. Zugleich ist es gegenüber den anderen Häusern etwas vorgerückt, so dass es auch von allen anderen Gassen aus sichtbar ist.

KONSTRUKTION   Das Wohnhaus besaß leider, so "gut" es von außen aussah, kein statisches Gefüge mehr, weder im Bereich der Zwischenwände noch in der Dachkonstruktion. Wir konnten dennoch die kompletten Fachwerkaußenwände, die Balkendecken im EG, sowie die tragende Fachwerkmittelwand des Gebäudes in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Erhalten blieben ebenfalls die gewölbten Weberkeller im UG, die heute wieder durch Fenster belichtet und von außen zugänglich sind. Um die Gesamtproportion nicht zu verändern, wurde das neue Dach genau wie das alte als windschiefe, asymmetrische Holzkonstruktion nachgebaut. Als älteste Teile sind die zweigeschoßigen Eck-u. Mittelständer aus Eichenholz erhalten. Diese datieren nach dendrochronologischem Gutachten auf das Jahr 1340, sind also rund 650 Jahre alt., wobei auch hier die originalen Kopf-u. Fußbänder sowie die damals typische Konstruktionsform der "Überplattung" durch spätere Änderungen an den Gefachen zerstört wurden.Das Fachwerk des Dachgeschoßes wiederum zeigt eine gotische Ausprägung, deutet also ebenfalls auf nachträgliche Änderungen hin und ist sehr schwach und spärlich ausgebildet.

Wir haben uns entschlossen, bei der Sanierung die wechselvolle Geschichte und die häufigen, z.T. auch unfachmännischen Eingriffe der Vorbesitzer nicht zu kaschieren, sondern sie mit in die neue Gestaltung zu integrieren. So sind auch im Inneren des Gebäudes die neuen Tragelemente erkennbar neu gestaltet, wichtige Balken und Stützen, die nicht mehr tragfähig waren, wurden somit folgerichtig durch neue Stahlkonstruktionen ersetzt oder verstärkt, sodaß sie als Bauteile aus dem Jahr 1990 identifizierbar sind. Hierin besteht der generelle Unterschied zum früher vertretenen, nachbildenden Charakter in der Altstadtsanierung. Diese Haltung setzt sich in zunehmendem Maß auch auf Seiten der Denkmalämter durch. Im Bereich der Kunst gilt dieser Grundsatz in der Restaurierung von Gemälden und Skulpturen schon lange.

NUTZUNG HISTORISCH    Seit der ersten urkundlichen Erwähnung 1570 sind insgesamt 85 Vorbesitzer im Grundbuch vermerkt, was eine Vorstellung von der wechselhaften Geschichte des Hauses, und auch vom dadurch bedingten schlechten Zustand des Gebäudes vermittelt, da es sich zumeist um Stockwerkseigentum handelte und das Haus z.T. zimmerweise aufgeteilt war. Eine gemeinsame Renovierung oder Sanierung des Gebäudes ist unter solchen Voraussetzungen natürlich nur sehr schwer realisierbar. Die Eigentümer waren zumeist Handwerker, Leineweber, Schlosser, Schuhmacher, und auch seit 250 Jahren der Schwarzroßwirt. Im Erd- u. Obergeschoß wurde gewohnt, das Dach war nicht ausgebaut. Im Keller waren die Arbeitsräume der Weber, die sogenannte "Weberdunk" eingerichtet. Diese Keller waren meist als gewölbte Halbkeller ausgebildet mit einem separaten Straßeneingang und relativ großen Fenstern oder Holzklappen zur Belichtung. Dadurch entstehen auch die für den Weberberg charakteristischen Gebäudemerkmale und Details, die die Häuser eindeutig als Weberhäuser kennzeichnen, z.B. der hohe Gebäudesockel, die vorgelagerten Außentreppen, und die Holztore und Klappen der Kellereingänge. Die Eingänge zum Weberkeller wurden meist mit einer äußeren, geschlossenen Holztür und einer inneren Lattentür ausgestattet. Die schwere Außentür war tagsüber geöffnet und die innere Lattentür bildete dann den normalen Raumabschluß. So war eine ausreichende Versorgung mit Frischluft, sowie der Kontakt zur Straße möglich. Dieses Detail haben wir aufgegriffen und in umgekehrter Form verwendet, sodaß es heute den Besuchern möglich ist, von außen, durch eine neue Lattentür aus Stahl, einen Blick in den typischen Weberkeller zu werfen. .

NUTZUNG HEUTE    Heute wird das Haus ebenfalls zu Wohn- u. Arbeitszwecken genützt, wobei auch das Dachgeschoß ausgebaut wurde. Zielsetzung war hierbei jedoch nicht nur, die für das Stadtbild wichtigen, historischen Bauteile soweit wie möglich zu erhalten, sondern es sollten auch moderne Wohnungen nach ökologischen u. ökonomischen Gesichtspunkten geschaffen werden, also z.B. Niedrigeneriehausstandard, Reduzierung des Energieverbrauchs durch individuell regelbare Heiztechnik, eine kontrollierte Lüftungsanlage, Schall u. Trittschallschutz entsprechend gültiger DIN Normen, und vorallem helle, gut belichtete Wohnräume, die Verwendung von baubiologisch und ökologisch einwandfreien Materialien und einfachen, natürlichen, unbehandelten Oberflächen..

HAUSDATEN    Wohnfläche Gesamt 270,00 m²; Weberkeller UG 45,00 m² ; Umbauter Raum 1000,00 cbm; Bauzeit 12 Monate; Fertigstellung 1997.

Das Haus Weberberggasse 19 heute