Stefan und die Sikhs

 

8. Kapitel: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Stefan war beeindruckt. Was Mischter Weaver da zum Thema "Vanishing Islands - The Threat of Global Warming" als Beispiel für gute Bildauswahl bei einer Präsentation vorgeführt hatte, war atemberaubend schön. Tuvalu und die Malediven in Luftaufnahmen - kleine helle Flecken im riesigen blauen Ozean. "Sie sollen natürlich keinen Diavortrag halten, aber wenn Sie etwas zeigen können, das ungewöhnlich ist und Ihr Thema gut illustriert, dann tun Sie das. Besonders Dinge, die anders sind als in unserer Kultur, muss man sehen können." Das leuchtete ein. Weaver fuhr fort: "Testen Sie mal die Google Bildersuche oder auch die von Yahoo oder anderer Suchmaschinen. Es gibt ja Tausende. Und die Bilder führen Sie vielleicht auch zu weiteren nützlichen Websites." "Tausende?" dachte Stefan. Ihm waren nur Google und Yahoo bekannt. "Was gibt es denn noch für Suchmaschinen?" fragte er. Weaver fing an, welche aufzulisten und Stefan versuchte mitzuschreiben: "Also außer Google lohnt natürlich auch Yahoo. Dann gibt es Hotbot, Alltheweb, MSN und Ask, dort können Sie übrigens ganz normale Fragen eingeben. Dann gibt es noch Metasuchmaschinen wie Mamma oder Ixquick, die in mehreren Suchmaschinen gleichzeitig suchen. Sie können auch bei Searchenginecolossus nachschauen, dort finden Sie Suchmaschinen, die auf bestimmte Regionen und Themen spezialisiert sind. Vielleicht auch auf Ihr Thema. Und bei den großen allgemeinen Suchmaschinen haben Sie meist auch eine Bildersuche dabei." Herr Weber hatte die Namen der Suchmaschinen an die Tafel geschrieben.

Stefan hatte sie notiert und stöhnte. Sollte er da etwa auch noch überall nachschauen? Da würde er nie fertig werden! Und andere Fächer hatte er ja auch noch. Als ob Weaver seine Gedanken gelesen hätte, sagte der: "Sie können endlos Zeit im Web verbringen. Es macht Spaß, mit verschiedenen Suchmaschinen zu suchen, denn Sie finden immer wieder neue Seiten. Keine Suchmaschine deckt ja das ganze Web ab. Und wer sich allein auf Google verlässt, ist nicht sonderlich schlau. Orientieren Sie sich ein wenig, legen Sie Lesezeichen an und dann konzentrieren Sie sich auf Ihr Thema und legen fest, was für Fragen Sie beantworten wollen. Je eher Sie sich darüber klar werden, desto besser. sonst haben Sie womöglich viele Hintergrundinformationen, aber nichts Konkretes für Ihr eigentliches Thema. Notieren Sie sich Ihre Fragen und Stichwörter möglichst bald. Dann sparen Sie Zeit."

Das beruhigte Stefan wieder, denn mit den Stichwörtern war er ja schon weit gekommen. Weaver schien mal wieder auf dem Monologtrip, wie immer, wenn er auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen kam. "Neben Suchmaschinen gibt es auch noch Verzeichnisse, die gute Webseiten sichten und kommentieren. Zwei Millionen Webseiten können Sie sowieso nicht sichten. Wenn man Ihnen die zehn sehr guten nennt, sind Sie besser bedient." Das hörte sich gut an. "Und wo gibt es solche Verzeichnisse?" Weaver: "Auf Englisch heißen die Directories oder Catalogues. Bei Google gibt es auch Verzeichnisse." Und damit warf er den Beamer an. Er rief Google die Startseite auf, klickte dann über dem Suchfeld auf "more" und danach auf "even more". Eine Liste mit speziellen Unterseiten von Google tat sich auf. Weaver klickte auf "Directory". Nachdem sich die Seite geöffnet hatte fragte er Isabel: "Was war noch Ihr Thema?" "The Civil Rights Movement" sagte Isabel, die sich eine fixe Lösung ihres Suchproblems erhoffte. Mit den Suchbegriffen MLK und Bürgerrechte hatte sie bisher noch nicht viel Passendes gefunden. Die Seite, die sich öffnete, nachdem Weaver nach Civil Rights Movement gesucht hatte, sah auf den ersten Blick nicht viel anders aus, als andere Suchergebnisseiten. Erst als Weaver auf die Kategorien verwies, die unter den Treffern standen und eine von ihnen anklickte, wurde klar, was er meinte. "Sie sehen hier Webseiten thematisch geordnet. Wie in einer Bibliothek mit immer mehr Unterbegriffen. Und das Gute: Sie sind alle kurz beschrieben." Tatsachlich: Was Stefan da sah, war erstaunlich. Alle Webseiten waren mit einigen Wörtern beschrieben, man wusste also gleich, was einen ungefähr erwartete. Das war hilfreich und Stefan beschloss, das noch am Nachmittag auszuprobieren. Ach, ja, und natürlich auch die Bildersuche. "Übrigens: Auch Yahoo hat ein solches Verzeichnis," fuhr Weaver fort.

Stefans Banknachbar Andreas meldete sich. "Also jetzt sollen wir 1000 Suchmaschinen durchchecken und dann noch das Verzeichnis und dann noch Millionen von Bildern. Wann sollen wir denn die Präsentation machen? 2012 oder wann?" Weaver lachte. "Nein, natürlich nicht. Ich wollte Ihnen nur zeigen, dass Google nicht alles ist. Und dass Sie gelegentlich mit anderen Suchmaschinen mehr Glück haben können. Wenn Ihre Frage von den ersten Googletreffern beantwortet wird, brauchen Sie natürlich nicht weiter zu suchen. Aber mal woanders reinzuschnuppern, mal einen anderen Ansatz zu wählen, das kann nie schaden. Aber ein Ich hab nichts gefunden sollten Sie erst von sich geben, wenn Sie ernsthaft gesucht haben und zwar mit mehreren Begriffen und mehr als einer Suchmaschine. Vielleicht gibt es ja wirklich nichts, das Ihnen weiterhilft. Das Web bietet viel, aber beileibe nicht alles."

Stefan grinste innerlich. Mit seinem Ansatz hatte er schon ein Sammelblatt halbvoll bekommen. Und als Mischter Weaver sagte: "Ende nächster Woche schauen wir uns mal ihre Arbeitsblätter an.", kam bei ihm gelassene Vorfreude auf. Sein Banknachbar aber zischte leise "Oh, shit!"

Wird Stefan im Directory fündig? Was für Überraschungen birgt die Bildersuche? Fortsetzung hier.

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