Stefan und die Sikhs

 

5. Kapitel: Die Sofort-her-damit-Präsentationen    

Was Stefan zu seinen Jubelschreien veranlasst hatte, waren zwei Dinge. Oder auch mehr, je nachdem, wie man zählt. Da waren zum einen die PowerPoint-Präsentationen über Sikhs, die er so rasch mit dem Suchbefehl filetype:ppt sikhs gefunden hatte. Sie waren ganz unterschiedlich.

Da war eine mit viel Text und aussagekräftigen Bildern. Eigentlich schon gut brauchbar. Eine andere kam sogar mit 17 Folien aus, war ebenfalls bilderreich und hübsch gestaltet. Sie stammte von der amerikanischen Johns Hopkins University. .Eine dritte war noch kürzer. Sie hatte nur 14 Folien, dafür aber sehr viel Text.

"Sofort her damit! Da steht wohl alles, was ich über Sikhs wissen muss", dachte sich Stefan und speicherte die Datei in dem Sikhs-Ordner ab, den er sich auf seinem Bildschirmschreibtisch angelegt hatte. "Und relativ kurz ist der Text auch. Alles eher in Stichworten formuliert. Genau wie es der Weaver für eine Präsentation will. Perfekt!" Aber er sucht noch etwas weiter und fand eine PowerPoint Präsentation, die offenbar als Weiterbildung für Polizisten gedacht war. Eine weitere war überaus unübersichtlich über Religionen in Südostasien enthielt aber den Aspekt der Diskriminierung und unterschiedlicher Turbane. Dann gab es auch Präsentationen, die offenbar Schülerarbeiten waren. Sehr verspielt und mit allerlei unnötigen PowerPoint Tricks, die zwar witzig aussahen, aber keinerlei Informationswert hatten. Eine Weile blieb er noch an einer Questions & Answers Präsentation über Indien hängen, die ihn aber nicht weiterführte.

Nachdem er die Präsentationen gesichtet hatte, nahm er das Blatt mit den Schlüsselworten noch einmal vor. In den Präsentationen hatten sich ja manche Wörter immer wieder wiederholt: temple, Gurdwara (so hießen offenbar die Gebetshäuser der Sikhs), guru und turban fielen ihm spontan wieder ein und er setzte sie in die Kästchen des Schlüsselwortblattes.

Gurdwara Sri Guru Singh Sabha, Southall, UK.
Sikhs religion church
priest customs Britain
United Kingdom England UK
religious minority discrimination
race racial temple
turban Gurdwara guru

Jetzt hatte er schon 18 Wörter mit denen er noch weiter suchen konnte. Nicht schlecht!

Wir müssen allerdings noch den zweiten Jubelschrei des Tages erklären. Der kam so zustande. Stefan hatte einfach mal einige der Wörter aus seiner Sammlung kombiniert, nämlich siKhs cHurcH raCial britaiN. (Aus Spaß schrieb Stefan die Wörter mit gemischten Groß- und Kleinbuchstaben, um zu prüfen, ob es Google wirklich egal war, wie man etwas schreibt. Es war tatsächlich so! Google schluckte den Buchstabensalat problemlos. In Zukunft würde er also immer alles klein schreiben, denn das war am einfachsten.) Und was ihn jubeln ließ, war der erste Treffer. Eine Seite der englischen Zeitung Guardian, die alle Religionen in Großbritannien kurz vorstellte. Das waren ideale Hintergrundinformationen für sein Papier oder das Handout für die Klasse! Stefan jubelte, weil er in zwei Tagen bereits fast schon genügend Material für ein attraktives Referat und eine hübsche Präsentation zusammen hatte. Zeit hatte er noch jede Menge bis zur Abgabe. Da waren aber noch diese Blätter, die er ausfüllen sollte. Eines war ja schon recht gut gefüllt. 18 Begriffe hatte er bereits gesammelt. Aber das Arbeitsblatt mit den key words hatte 60 Felder. Musste er die wirklich alle ausfüllen? Und woher sollte er weitere Wörter finden? Na, wenn er erst einmal die Präsentationen gründlich anschauen würde oder den Text aus dem Guardian lesen würde, kämen sicher noch etliche Wörter zusammen. Also überhaupt kein Grund zur Panik.

Aber da gab es ja noch weitere Blätter, die Mischter Weaver über kurz oder lang würde sehen wollen. Die nahm sich Stefan jetzt vor. Und bald waren auch darauf mehrere Felder ausgefüllt. Stefan musste grinsen. Wenn man erstmal mit so einer Präsentationsvorbereitung begann, ging fast alles irgendwie wie von selbst. Man musste nur erst einmal anfangen. Und so entspannt an einem Thema zu arbeiten, ohne last minute Stress war einfach geil. Er erinnerte sich noch an sein Referat über Skateboarding, mit dem er zwei Tage vor Abgabe angefangen hatte. Und das während der WM! Der reine, ätzende Stress. Allmählich begann das Suchen Stefan richtig Spaß zu machen. Und das sollte sich noch richtig heftig steigern.

Aber wie, das erfahren wir erst in den nächsten Kapiteln. Fortsetzung hier.

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