22.
Kapitel: Ein gemeinsames Problem

In der zweiten
Stunde hatte Herr Weber eine Hohlstunde und er wollte sie nutzen,
um aus den Ausdrucken eine Präsentationsgliederung zu konstruieren.
Aber die Fülle des Materials machte es ihm schwer, den richtigen
Einstieg zu finden. Immer wieder auch blieb er an einzelnen Texten
hängen, die er sich zur Lektüre ausgedruckt hatte. Manches
war überaus gut formuliert und unterrichtstauglich, manches
aber in fehlerhaftem Englisch und mit Bezug auf spezielle Ereignisse,
die nicht relevant waren. In seiner Suchbegeisterung hatte er vieles
ausgedruckt, das sich als letztlich nicht tauglich erwies.
Seufzend gab er sein Vorhaben auf, als es zur dritten
Stunde gongte.
In der großen
Pause suchte ihn Stefan auf und klagte ihm sein Problem: „Material
habe ich jetzt wohl genug, aber ich finde keinen richtigen Ansatz
und weiß nicht so recht, was ich der Präsentation behandeln
soll und was in der Ausarbeitung. „Wenn du mit PowerPoint
arbeitest, gehören die Dinge, dich sich gut zeigen lassen da
rein. Aber du hattest doch schon deine Fragen und material hast
du sicher genug.“!
„Ja, schon, aber mit dem Strukturieren komme ich nicht zurecht.“
„Ja, das kann ich verstehen.“
Herr Weber schlug seinem Schüler vor, sich in der Mittagspause
zusammenzusetzen und anhand einer Mind Map zu sichten, zu welchen
Aspekten des Themas Stefan etwas zu sagen hatte und wo eventuell
noch Lücken waren. Stefan war natürlich sofort einverstanden
und als die beiden später im Foyer an einem Tisch saßen,
befragte Mischter Weaver ihn und hielt seine Aussagen in einer Mind
Map fest.
Im Zentrum der
MindMap stand das Thema „Sikhs in Britain“
in einem Kreis und davon zweigten Linien ab, die sich immer weiter
verzweigten. Eine Linie hieß Britain und teile sich
auf in places, discrimination, everyday life,
gurdwaras, houseowners und media. Die
einzelnen Unterthemen war nicht gleichrangig, aber zu allen war
Stefan etwas Erwähnenswertes eingefallen. Eine andere Linie
hieß holy und teilte sich auf in book (Adi Granth),
temple (Amritsar / four doors), gurdwara und langar.
Eine dritte Linie hieß world religion, eine vierte
origin Punjab und schließlich gab es eine mit dem
Thema problems.
„Das sieht doch recht ordentlich aus,“ sagte Herr Weber.
„für die Präsentation reicht das allemal. Und das,
was du vielleicht noch zur Geschichte und die Gurus weißt,
kann ja in die Ausarbeitung. Auch zusätzliche Infos kannst
du dort, noch auflisten. Am besten du erstellst erst einmal deine
Präsentation, schaust, wie lang die wird und fasst dann die
weiteren wichtigen Dinge in der Ausarbeitung und auf dem Handout
zusammen.. Hast du dafür schon eine Idee?“
„Drei, aber ich kann mich nicht so richtig entscheiden. Eine
gute Seite habe ich auf Deutsch und zwei gute Texte von der BBC,
die aber weniger über die Religion sagen.“
„Dann mach halt einen Mix aus den drei Texten und gib sie
als Quelle an.“
„Dann überschneidet sich der Inhalt aber zum Teil mit
meiner Präsentation.“
„Das ist zwangsläufig so. Ich will nur nicht, dass wenige
Informationen dreimal aufgekocht werden. Einmal reduziert auf dem
Handout und dann noch einmal optisch gestreckt in der Ausarbeitung..
***
"Hello,
my name is Stefan Kolpitz and I would like to tell you something
about Sikhs in Britain." Stefan war fast beleidigt, als Corinna,
die drei Tage später auf seinem Bett saß und die Dauer
seines Vortrages stoppen sollte, einen Lachanfall bekam. "Du
bist doch nicht vor der Klasse," lachte sie.
"Aber ich will es so ausprobieren.
Damit das mit dem Timing hinhaut," sagte Stefan mit leicht
gerötetem Gesicht und stellte sich mit seinen Konzeptkärtchen,
auf denen er die wichtigsten Stichwörter notiert hatte, wieder
gerade neben seinen Rechner.
"OK, mach weiter."
"Sikhism
is the fifth largest religion in the world. The fifth largest after
Christianity, Islam, Hinduism, and Buddhism. Sikihism originated
in the North West of India, the Punjab, an area where traditionally
Muslims and Hindhus live. Sikhism grew out of these religions but
it is not just a mixture of both nor a sect but a religion in its
own right. Sikhs do not have churches or mosques; their temples
are called gurdwaras.
When you see a Sikh you will in most cases recognize him as one
immediately. Why that is so and what is special about Sikhism and
the Sikhi way of life will show you the following film from the
American non-commercial PBS TV network. It will take about four
minutes and afterwards I will tell you more about Sikhs in Britain
and the problems they have."
Nachdem er das Video vorgeführt
hatte, sagte Corrinna "Stop! Da ist manches etwas schwierig
zu verstehen, wegen des Akzentes. Vielleicht soltlest du da kurz
noch einiges zusammenfassen."
"Ja,
erstmal sehen, wie es mit der Zeit klappt," sagte Stefan und
fuhr mit seinem Referat fort: "You now have a general idea
about Sikhism. It is important to stress that Sikhs treat everybody
as equal. There are no castes as in Hinduism and men and women are
also equal which is very different from traditional Islam.
What
do we need to know about Sikhs in Britain? A large number of them
live in Southall which is a part of London. But you will also find
large numbers in Birmingham, Bradford, Cardiff, Coventry, Glasgow,
Leeds, Leicester and Wolverhampton.
They
can wear their turbans in their jobs and so you will see not only
pupils with turbans but also policemen with special turbans as part
of their uniform. Sikhs work in all kinds of jobs and it would be
totally wrong to think of them as guest workers who only do unskilled
work. When the first wave of Sikh immigrants, however, came to Britain
they worked in industries like foundries and textiles. Later they
were followed by thousands of Sikhs from East Africa.
According to the Wikipedia - and I quote - "they have done
remarkably well in the last fifty years in many fields from farming
and commerce to engineering, medicine and law. Today, among them
are distinguished businessmen, lawyers, judges, doctors and software
experts." End of quote.
Many of them also work in the music
business. Bhangra music has become popular also in the West and
in German discotheques.
The
Sikh traditions as far as the dress code is concerned are, however,
threatened. And that for several reasons: One problem for Sikhs
is that people mix them up with Muslims because of their turbans.
(You will remember that Osama bin Laden also wears a turban.) And
after September 11 in New
York City and July 7 in London where many people died in attacks
by Muslim terrorists Sikhs have often been attacked, verbally abused,
told to "go home", and become victims of other hate crimes.
Some have even been killed, at least in the USA.
Another threat comes from fashion.
Some Sikhs would rather wear a fashionable haircut and a baseball
cap than long hair and a turban.
And finally there is security. Should
you as a Sikh be allowed to carry a ceremonial dagger, the kirpan
on board a plane?
These are some of the problems Sikhs
have today. On my handout you will find some websites where you
can find further information on the religion and the Sikhi way of
life. Thank you for your attention."
"Bravo!"
applaudierte Corinna. "Der Kandidat hat 15 Punkte. Etwas über
10 Minuten, aber das dürfte kein Problem sein. Und ich habe
fast alles auf Anhieb verstanden..Man merkt es einfach, wenn jemand
sich auskennt und nicht einfach nur etwas abliest, das er irgendwo
kopiert hat."
"Danke,"
sagte Stefan leise.
"Und
zur Belohnung hab ich dir was mitgebracht," strahlte Corinna
ihn an. "Gib mal meine Tasche da rüber."
Aus
ihr zog sie dann einen hübschen Schnellhefter, der einen dicken
Packen Papier enthielt. "Hier, hab ich bei meinem Papa im Büro
für dich ausgedruckt."
Gespannt
nahm Stefan das Geschenk entgegen. "Was ist das denn?"
"Damit
du noch besser suchen kannst."
Was
Stefan in den Händen hielt, war ein Text mit dem Titel "Google
Guide". 150 Seiten mit Beschreibungen und Aufgaben zum
Suchen mit Google! "Wow! Wo hast du das denn her?"
"Bin
ich zufällig drauf gestoßen, weiß nicht mehr wie
und da dachte ich, mein Mr Suchprofi könnte das gebrauchen."
Stefan
grinste: "Bin zwar schon quasi fertig mit der GFS aber besser
spät als garnicht." Stefan bedankte sich. Corinna war
glücklich, ihm eine Freude gemacht zu haben. Und Stefan war
glücklich darüber, dass Corinna glücklich war. Und
da schließen wir jetzt ganz leise die Tür und lassen
die beiden allein...
Letztes
Kapitel Ende gut, alles gut. . |