Stefan und die Sikhs

 

18. Kapitel: Eine E-Mail von Loveen

Als Stefan am Nachmittag Corinna seine neue Entdeckung, die Kataloge, zeigte, war er ebenso stolz wie glücklich. Auch Corinna war davon beeindruckt, wie schnell sie hier lohnende Websites über Theodor Fontane fand. Vor allem eine Kurzbiographie fand sie geil. Auch die Katalogsuche nach Informationen über die Mark Brandenburg erwies sich als ergiebig. Eine halbe Stunde vorher hatte er ihr den Sikh-Teddy mit der Botschaft "Waiting for you" gemailt und sie hatte mit einen "Ist der süüüüß! CU !" geantwortet.

Corinna fragte ihn nach seinem Sikh-Projekt.
"Das läuft gut. Material habe ich jetzt reichlich. Nur habe ich noch keine Antwort auf meine Mail bekommen. Ich hatte ja einen Sikh angeschrieben."
Als ob ein Flehen erhört worden wäre, machte es in diesem Moment PING und ein Hinweis auf eingegangene Mail tauchte auf dem Bildschirm auf. Einen Moment später saß Stefan senkrecht auf seinem Stuhl.

Dear Stefan,

Thank you for your warm email.

Warm? dachte Stefan. Musste wohl so etwas wie freundlich bedeuten. Sein E-Mail Partner entschuldigte sich für die späte Antwort. Er sei im Urlaub gewesen. In der Tat, so bestätigte er Stefans Vermutung, war Dastaar ein anderes Wort für Turban. Dann erklärte er ihm die Begriffe Sikhi und Gurmat. Informationen aus erster Hand!


Sikhi is a phrase that encompases what we do that is prescribed by our Sikh Gurus (like keeping unshorn tresses, wearing a dastaar, waking up in the ambrosial hours of the morning to meditate, becoming a Khalsa [initiated Sikh who maintains the 5Ks) and living a life of honesty, prayer and sharing with the less endowed.

About the Gurmat Week, Gurmat means 'teachings of the Guru', and it is a Sikh Youth Camp which lasts a week, gathering youngsters from the ages of 10 to 25 and teach them the basics of the Sikh way of life, right from learning about their language (Gurumukhi) to martial arts (Gatka). You can find out more about what the Sikh way of life is all about on www.allaboutsikhs.com which has loads of basic information about the Sikhs.

In the course of your work, if you may require any further assistance of me, please do not hesitate to let me know.

Warm regards,

Loveen


Dass die Sikhs auch eine eigene Kampfsportart hatten, war Stefan neu. Er klickte sich durch ein paar Gatka-Webseiten durch und speicherte einige der Bilder ab. Aber eigentlich war dies nicht sein Thema. Oder doch? Wie viele Gatka-Sportler gab es in Großbritannien?

Am besten gefiel ihm an der E-Mail,. dass sein elektronischer Briefpartner ihm weitere Hilfe anbot. Er schrieb rasch eine kurze Dank-E-Mail. Und dann ging er auf die von Loveen erwähnte Website AllAboutSikhs.

Die enthielt in der Tat massenhaft Informationen. Stefan suchte nach Dastaar. Die Seite zum Thema Turban war lang. Stefan machte einen kurzen Test. Er kopierte den Text in ein Word Dokument und ließ die Wörter zählen. Über 2300 ! Und Weaver wollte ja nur 2500 Wörter für die Ausarbeitung. Da wäre ja der Turbantext schon ausreichend. Und es gab ja noch so viel anderes zu sagen über die Sikhs.

Corinna lachte: "Du hast es gut. Wenn ich meine KlassenkameradInnen höre, dann finden die oft überhaupt nichts. Und du ertrinkst in brauchbarem Material."

"Inzwischen verstehe ich es überhaupt nicht mehr, wie jemand sagen kann, er finde nichts. Das ist doch alles nur eine Frage der Suchtechnik. Im Netz findet man doch immer was Brauchbares."

"Aber niemanden, der mit mir am Freitag zum Stufenfest geht. WG 13. Das ist immer fett. Kommst du mit?"

"Klar! Hol mich ab."

Ein überglücklicher Stefan verabschiedete Corinna an der Haustür...

Alles finden im Netz? Da war Stefan vielleicht etwas zu optimistisch, wie ihn Mischter Weaver am nächsten Tag aufklärte. "Wenn ihr ein tolles Buch geschrieben hättet, würdet ihr es verkaufen wollen oder kostenlos ins Netz stellen?" Die Antwort lag auf der Hand. Kohle konnte man immer brauchen. "Also gibt es vielleicht die besten Informationen eher in Buchform als im Netz."

Und dann stellte er seinen SchülerInnen eine Frage, die sie offenbar nur schwer beantworten konnten."Versetzt euch einmal nur 15 Jahre zurück. Da war das WWW noch in den Anfängen und es gab kaum Informationen. Wenn Ihr zu der Zeit welche gebraucht hättet, an wen hättet ihr euch wenden können?"

Die Schüler grübelten. Gab es damals irgendeine zentrale Informationsstelle oder worauf wollte Weaver hinaus? Der fragte weiter: "Gäbe es irgendeine Institution, die zu dem Thema Bescheid wüsste? Wo etwa würdet Ihr aktuelle Meldungen suchen?"

Bald war die Klasse darauf gekommen, dass Fernsehsender oder Zeitungen, überhaupt die Medien, aktuelle Nachrichten hätten. "Und heutzutage findet ihr die rasch auf deren Websites. Egal, ob das die Times, CNN, Spiegel.de oder die Tagesschau ist."

Das leuchtete ein. Aber Weaver wollte noch mehr wissen und nach einiger Zeit stand eine kleine Sammlung mit der Überschrift Themen und Quellen an der Tafel.

Arbeitswelt Gewerkschaften
Menschenrechte Amnesty international, UN
Umweltschutz Greenpeace, Robin Wood, BUND
Verkehr Bundesbahn, Airbus, Boeing, Autofirmen
Benedikt XVI. Vatikan
New York City Stadtverwaltung
Nachrichten über England BBC, Guardian, Daily Telegraph, Daily Mirror

"Google hat über 8 Milliarden Dokumente erfasst. Je klüger ihr eure Suche eingrenzen könnte, umso leichter habt ihr es. Und auch Google findet nicht alles, andere Suchmaschinen suchen wesentlich gründlicher. Denkt außerdem daran: Es gibt Kataloge, es gibt andere Suchmaschinen, Meta-Suchmaschinen und Meta-Meta-Suchmaschinen."

Robert meldete sich. "Was soll das denn sein? Metameta?" Weaver erinnerte ihn daran, dass Metasuchmaschinen mehrere Suchmaschinen gleichzeitig befragten. Und Meta-Meta-Suchmaschinen halt mehrere Metasuchmaschinen gleichzeitig. "Ihr sucht dann also nicht nur mit Google sondern mit 50 Suchmaschinen gleichzeitig. Aber probiert es unbedingt einmal mit der Suche auf Websites aus, die von Experten zu eurem Thema verfasst wurden. Bei Greenpeace oder der BBC oder sonst wo. Ihr könnt eure Suche bei Google ja mit dem Befehl site: auf eine Website eingrenzen. Aber meist haben diese Websites ja eine eigene Suchfunktion."

Daran hatte Stefan noch nicht gedacht. Zwar hatte er schon einzelne Webseiten der BBC gefunden, aber systematisch auf der Website zu suchen, war ihm noch nicht eingefallen. Gerade zum Thema Diskriminierung oder rassistische Überfälle könnte er da vielleicht schnell Belege finden. Und vielleicht sollte er auch bei Amnesty international nachschauen.

Nach der Stunde wandte er sich an Mischter Weaver. "Sie wollen 2500 Wörter für die Ausarbeitung und ich habe einen Text über Sikh-Turbane mit 2300 Wörtern. Was mache ich jetzt?"

"Tcha, Stefan, genau darum geht es bei der GFS: Was wählt ihr aus Eurem Material aus? Was ist wichtig und was kann man weglassen? Du scheinst ja gut voranzukommen, aber pass auf, dass du nicht deine ganze Energie aufs Sammeln verwendest. Ziehe rechtzeitig die Bremse an, sonst verzettelst du dich."

"Und wo ist die Bremse?" fragte Stefan grinsend.

"Wenn du dir noch einmal deine Fragen vornimmst, kannst du systematisch nach den Antworten suchen und eine Frage nach der anderen abhaken. Was du da gesammelt hast, schien ja schon recht umfangreich. Du musst dann halt nur noch deinen Schwerpunkt finden."

Zufrieden ging Stefan in die große Pause. Es lohnte sich, rechtzeitig mit der GFS anzufangen

 

Demnächst: Spreckel legt nach. Fortsetzung hier.
   

Thanks at Surinder Singh (solarider) for letting us use the above gatka photo. More of his admirable work can be found in his blog and on Flickr.

 

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