17.
Kapitel: Spaß mit Keyword Lotto
Stefan
setzte sich in der Hohlstunde, die er einer Stundenplanänderung verdankte,
an einen der Schülerrechner im Flur. Er wollte eine Runde Keyword
Lotto spielen. Aber vorher schaute er noch einmal nach Bildern und musste
lachen. Den Sikhteddy könnte er vielleicht einmal Corinna als Grußmail
schicken. Sie mochte Stofftiere.
Dann aber fütterte er Google mit drei Begriffen aus seiner
keywords Sammlung ein und drückte die Returntaste.
Erstaunlich, wie rasch man durch Zufall fündig werden konnte! Vor
ihm auf dem Bildschirm hatte sich eine Seite der BBC aufgebaut. Es war
ein kurzer Text
über Sikhs in Großbritannien, der beschrieb, wo sie herkamen,
wann sie nach Großbritannien eingewandert waren, wie viele es von
ihnen gab und was die wichtigsten Grundsätze ihres Glaubens waren.
Stefan konnte sich an dem Rechner zwar Lesezeichen anlegen, aber von daheim
.aus hätte er keinen Zugriff darauf. Er notierte sich seine drei
keywords und die Website bbc.co.uk. So würde er die Seite schnell
wieder finden.
Er probierte noch
eine Weile weiter herum, gab weitere Kombinationen aus den Wörtern
keywords ein und sichtete die Ergebnisse. Bingo! Er stieß auf
eine Seite, in der der Fall eines Busschaffners beschrieben wurde. Die
Busgesellschaft wollte ihm untersagen, seinen Turban im Dienst zu tragen.
Er drohte mit Selbstmord. eine spannende Geschichte, die deutlich machte,
wie wichtig der Turban für die Sikhs war. Und die Website, auf der
der Text zu finden war, handelte von Einwanderern nach Großbritannien,
die voll von wertvollem Material schien. Er notierte sich die URL: Movinghere.co.uk.
Zwei Ortsnamen fielen
Stefan in dem Text auf: Wolverhampton und Bradford.
Hmm. Könnten ihm die weiterhelfen? Er musste ja immer noch herausfinden,
wo in Großbritannien die Sikhs eigentlich lebten. Er kombinierte
seine Suchwörter neu: sikhs wolverhampton bradford discrimination
Das
Ergebnis war überaus erfreulich. Es war eine weitere Beschreibung
der Einwanderung der Sikhs nach Großbritannien. Etwas ausführlicher
als die, die er bereits gefunden hatte. "Our
Untold Stories" nannte sich die Artikelserie, in der Einwanderer
ihr Schicksal schilderten. Manches betraf offenbar die Region um Gloucestershire,
aber es waren auch allgemeine Aussagen über die britischen Sikhs
dabei. Erstaunt las er den Satz some have added their name to the
list of richest people in the United Kingdom. Also handelte es sich
bei Sikhs offenbar nicht um ausschließlich schlecht bezahlte ArbeiterInnen.
(Später staunte Stefan noch mehr. Offenbar gab es nirgends so viele
Eigenheimbesitzer wie unter den Sikhs!) Kein Wunder, denn es wurden Berufe
wie lawyers, scientists, doctors, engineers und accountants
genannt. Der Text enthielt weitere keywords und key phrases,
die er in seine Liste eintrug. Da waren zunächst einmal die
Ortsnamen Birmingham, Coventry, Walsall, Southall, Wolverhampton,
Slough und Gravesend. Dann Begriffe wie bus driver oder
manual labourer oder auch Sikh presence. Und schließlich
- Banghra. Er las in der Wikipedia
nach, was es mit dieser Musikrichtung auf sich hatte und stellte erstaunt
fest, dass er bereits einen Banghratitel kannte: "Mundian To Bach
Ke" , der eine Zeit lang immer wieder in den Discos und Cafés
zu hören gewesen war.
„Stefan? Kannst du mir mal helfen?“ fragte eine weibliche
Stimme hinter ihm. Es war Claudia. „Ich finde nichts und ich muss
doch nächste Woche abgeben.“ Stefan stand auf und ging zum
Arbeitsplatz hinter ihr. Claudia, die etwas über die Geschichte des
Empires schreiben sollte, hattE die Wörter history British Empire
eingegeben und starrte auf eine Liste
von über 13 Millionen Treffern.
„Wieso findest du nichts? Da steht’s doch!“ sagte Stefan
irritiert.
„Wo? Ich seh da nichts. Ich brauche doch das 20. Jahrhundert.“
„Stefan zeigte auf einen der Treffer. Er trug die Überschrift
The History of the British Empire. “Hast du da mal draufgeklickt?”
“Nö. Muss ich das?”
“Wenn du wissen willst, was auf der Seite draufsteht, schon.”
sagte Stefan und versuchte, nicht zu lachen.
Claudia klickte auf den Treffer und bedankte sich wenig später bei
Stefan. „Das ist ja super! Aber warum steht das nicht vorne dran,
dass das die Seite ist, die ich brauche?“
Stefan hatte keine Lust, ihr das zu erklären. „Du musst halt
immer ein wenig rumprobieren und dir die Seiten anschauen, dann findest
du schon was,“ sagte er und ging wieder zu seinem Platz.
Den ersten Text
der BBC brauchte er eigentlich nur zu kopieren, dann hätte er
sein Handout. Er rief die Seite noch einmal auf, kopierte den Text und
fügte ihn in ein leeres Word Dokument ein. Fast perfekt, nur etwas
zu lang. Er schaute sich den Text diesmal etwas genauer an. Gab es vielleicht
eine Passage, die er problemlos fortlassen könnte?
„Oops!“ sagte er, „Das habe ich ganz übersehen.“
Der Text war aus dem Jahre 1999 und bezog sich auch auf die Feierlichkeiten
zum 300. Jahrestag des Sikhismus. „Das muss natürlich raus.
Und das auch.“ Er löschte zwei Abschnitte. Jetzt war unter
dem Text noch genügend Platz, um ein paar Websites zu beschreiben.
Ideal. Aber durfte er den kopierten Text so einfach übernehmen?
Am nächsten Tag schilderte er Herrn Weber sein Problem und legte
ihm einen Ausdruck des Blattes vor: „Das ist eine wirklich gute
Zusammenfassung, die die wichtigen Hintergrundinfos liefert. Kann ich
das nehmen, auch wenn ich es nicht selbst geschrieben habe?“
Und Mischter Weaver hatte ihn beruhigt: „Natürlich. Und wenn
du noch weitere nützliche Websites benennst, ist das ideal. Ihr müsst
ja zwangsläufig mit Texten aus dem Web arbeiten. Hauptsache, ihr
habt euch selbständig mit dem Thema auseinandergesetzt. Und du hast
dir hier offenbar etwas überlegt und nicht einfach blind kopiert.
Also kannst du dieses Blatt ruhig nehmen. Es sei denn, dir fällt
noch etwas besseres ein.“.
Etwas besseres? War das nicht schon längst gut genug? dachte Stefan
leicht zerknirscht. Manchmal schien es ihm, als ob Mischter Weaver die
Messlatte für eine gute Präsentation ständig höher
hängte.
Demnächst:
Hoffen auf das Stufenfest. Und: Spreckel legt nach. Fortsetzung
hier.
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