Stefan und die Sikhs

 


12. Kapitel: Fragen über Fragen und eine E-Mail

Morgen war also der große Tag, an dem Stefan seine GFS-Bögen Mischter Weaver vorlegen müsste. Ein Blatt war komplett ausgefüllt. Das Blatt mit dem key vocabulary war mehr als halbvoll. Auf dem Fragenblatt standen zwei Fragen und bei den research activities stand nichts. Stefan überlegte: jetzt hatte er schon so viele Seiten gesehen, da müsste er doch noch mehr Fragen beantworten können. Zu den 5Ks etwa. Oder warum die Sikhs Turban trügen. Er dachte nach. Dass sie Turban trugen wusste er, aber warum, das wusste er nicht. Und die 5 Ks konnte er auch nicht benennen. Dass es das Heiligtum in Amritsar, den Golden Temple, gab, war ihm auch bekannt, aber was da so abging, davon hatte er keinen Plan. irgendwie fühlte er sich frustriert. Wieso hatte die ganze Zeit, die er bisher in das Projekt investiert hatte, so wenige Informationen abgeworfen? OK, die beiden Blätter auf denen viel stand, gaben sicher Punkte. Aber wenn Mischter Weaver fragen würde, was er denn schon wisse, käme er sicher ins Stottern. Das Blatt mit den Fragen kam ihm plötzlich überaus nervig vor. Wie sollte man Fragen beantworten, wen man erst am Anfang war? Das, was man nicht wusste, war doch viel mehr! Und dann kam Stefan eine Idee! Wenn er für sich auflistete, was er noch nicht wusste, würde er sich dadurch klar machen, was er lernen müsste. Es ging gar nicht um Antworten. Es ging um Fragen!

Er sah sich Weavers Fragenblatt noch einmal an. Und dann wusste er, was zu tun war. Er gestaltete in Word ein Dokument, das ganz ähnlich aussah wie Weavers Vorlage. Die Überschrift war Project Topic. Dort trug er jetzt Discrimination Against Sikhs in Britain ein. Und dann ersetzte er die zweite Überschrift, nämlich das I can now answer the following questions durch ein I must find the answers to the following questions. Und plötzlich sprudelte es in ihm vor Ideen!
Why do Sikhs wear turbans?
Is there a difference between a turban and a dastaar?
Why don't they cut their hair?
What happens in the Golden Temple?
Is there a lot of discrimination against Sikhs in Britain?
How are they discriminated?
How many Sikh policemen are there in Britain?
Where do Sikhs live in the United Kingdom?
When did they come to Britain?
How many Sikhs live in Britain?
Are they poor or wealthy?
How does a Sikh teenager live?
What is Mustar week?

Die Liste wurde immer länger. "Warum hat der Weaver nicht eigentlich selber so ein Blatt entworfen?" fragte sich Stefan und war einigermaßen stolz auf seine Idee.

Erstaunt blickte er auf sein neues Blatt. 13 Fragen hatte er in kurzer Zeit aufgeschrieben. Die Fragen musste er noch beantworten, allerdings nicht bis morgen. Den neuen Fragenzettel würde er auf jeden Fall Weaver vorlegen. Offenbar lag bei dem ein Denkfehler vor. Es war doch klar, dass man am Anfang eines Projektes fast nichts wusste. Und das, was man dann las und im Web sah, war ja nicht systematisch geordnet. Das konnte man gar nicht strukturieren. Aber wenn man sich die wirklichen Fragen ansah, konnte man gezielt nach den fehlenden Informationen suchen.

Stefans Handy klingelte. Es war Tobias, der wissen wollte, ob heute wieder happy hour war und anfing, zu erzählen, dass er zu seinem Projekt keine Infos im Web fände. Stefan: "Tcha, Pech. Aber keine Panik. Es muss dazu was geben. Komm doch nachher mal rüber. So in einer Stunde etwa. Ich weiß jetzt, wie das geht." sagte Stefan. "OK, Mr Oberschlau. Bis gleich. CU." sagte Tobias und legte auf. In der Tat war Stefan ja bisher meist überraschend leicht fündig geworden. Dastaar. Er stutzte. Wie war er noch auf das Wort Dastaar gekommen? Ach, ja. Das war ja auf dem Poster aufgetaucht. War das nicht von einer privaten Website? Könnte er dem Mann - er nahm einfach an, dass es ein Mann war - nicht eine E-Mail schicken und fragen, was das mit Dastaar und Gurmat Week zu bedeuten hatte? Das könnte schneller gehen, als die Informationen selber zu suchen. Aber durfte man einen Wildfremden anmailen? Versuchen konnte man es ja. Vielleicht bekam er keine Antwort. Pech! Aber wenn doch, dann hatte er vielleicht einen richtigen Experten an der Hand, den er fragen konnte. Das lohnte das Risiko, sich zu blamieren oder jemandem auf den Zeiger zu gehen, auf jeden Fall.

In seinen Lesezeichen suchte er noch einmal die Seite mit den Postern. Irgendwo gab es vielleicht eine E-Mail Anschrift. Aber da war keine. Was jetzt? Er klickte und scrollte ein wenig herum. Da entdeckte er, dass am unteren Ende des Blogs ein Feld für Einträge von Gästen war. Wow! Das war's. Er trug seinen Namen und seine E-Mail Adresse ein und schrieb dann: Excuse me...German pupil...presentation...topics...Sikhs in Britain...don't understand...dastaar....Gurmat week...What is Sikhi?...could you please help me...would be very kind...yours sincerely und klickte auf den Go! Knopf. Und dann nahm er einen Stift und trug in der ersten Zeile jenes Blattes, auf dem research activities stand, ein: Sent a message to blog www.londonsingh.blogspot.com

Nächste Folge: Wenn ein Kumpel an seine Grenzen stößt. Hier geht's weiter.

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