Klaus Leupolz

Klaus Leupolz starb nach schwerer Krankheit im 72. Lebensjahr. Er gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten des Biberacher Stadt- und Kulturlebens, gerade weil er sich nie vom offiziellen Betrieb vereinnahmen ließ, nicht zu den "Etablierten" gehörte. Ein Charaktermensch; ein schwieriger für manchen, der nicht zu seinen Vertrauten zählte. Sein Urteil über bestimmte Vorgänge, Zustände, Menschen konnte, nicht zuletzt in Kunstangelegenheiten, schroff, manchmal nicht immer gerecht sein. "Kunstschwätzer" und Mitläufer, wo auch immer, waren ihm nicht genehm; gelegentlich machte er seinem Unmut über Abderitisches und Ignoranz in satirischen Schriften und Leserbriefen Luft, nicht ungern mit einem Ton gewürzt, der sich dem Rezipienten leicht ätzend auf die Gehirnwindungen legte. Er sagte, was er dachte. Dabei - wenn man genau hinsah, merkte man"s - konnte er, aus eingesessener Biberacher Familie stammend, dieser Stadt etwas abgewinnen.

Stets kam er, in den Sechziger- und Siebzigerjahren, von manchmal mehrjährigen Globetrotterreisen in andere Hemisphären, bevorzugt in den pazifischen Raum mit Australien, Neuseeland, Malaysia, Thailand (fast ein Jahr lang lebte er dort als buddhistischer Mönch), zurück ins "Städtchen". Nur das auch für Biberach prägnante Jahr 1968 "versäumte" er; dafür war ein anderes Mitglied der Familie, neben anderen, zuständig ... In ironischer Haltung, die zum Sarkasmus neigte, kommentierte er die Biberacher Ereignisse, wenn sie ihm gar zu verstockt-verhockt erschienen. Dann unternahm er etwas, das als "typisch Leupolz" bezeichnet wurde: zog, bunt gekleidet, mit seinem mannshohen fahrbaren und gelenkigen Biber durch die Stadt, stellte ihn am Ort eines fragwürdigen Geschehens auf, mit krummer Kralle zeigte der Biber darauf; oder war engagiert bei politischen und kulturellen Initiativen dabei; ein erbitterter Wutausbruch, alttestamentarisch heftig, konnte da schon vorkommen. Denn: Er war einer, der verändern wollte, aufmerksam machen wollte. Ein - durchaus heiterer - Provokateur (im positiven Sinn). 1971 war er maßgeblich an der alternativen "Aktion Fortschritt" im Vorfeld der Gemeinderatswahl beteiligt; er hätte einen Sitz im Rathaus bekommen können, wenn er es gewollt hätte. Er zog es vor, sich nicht vereinnahmen zu lassen, unabhängig zu bleiben. Aus Prinzip.

Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Partei der Grünen in Biberach, zu den Demonstranten gegen den Flugplatzausbau Anfang der Achtzigerjahre, zeichnete in den ersten Jahren der Kutter'schen Filmfestspiele die Plakate, war Mitherausgeber der von der Stadt Biberach finanzierten Sonderbeilage der Schwäbischen Zeitung zu den Baden-Württembergischen Literaturtagen im Jahr 1992. Gelernter Zimmermann, machte er seinen Bauingenieur in Stuttgart; auch besuchte er die legendäre Hochschule für Gestaltung in Ulm. Eine Zeitlang übte er den Ingenieursberuf aus. Nach der Ankunft von einer seiner Reisen in Biberach 1969 begann er, als Autodidakt, zu malen; farbenintensive Ölbilder, deren witzig-ironisch-skurril-verspielte Sujets vor allem die Biberacher Stadtlandschaft zum Inhalt haben, in denen die "Gollywobbles" (bezeichnet z. B. als "Tränenklau") ihr schelmisch-unheimliches Wesen treiben. In seiner "Galerie Kuckuck" in der Engelgasse stellte er in den Siebzigerjahren nicht nur seine, sondern auch Bilder von anderen aus. Klaus Leupolz war damals an der Jahresschau der Biberacher Künstler im Museum beteiligt, zeigte 1979 seine "Frottagen" vom "Biberacher Bilderbaum", der Buche auf der Schillerhöhe, in der Galerie in der Unteren Schranne. Er lebte materiell bescheiden.

Nach einer ersten, schwierigen Operation reiste er noch einmal, allein, doch mit Rucksack, für zweieinhalb Monate durch Australien und Asien, auf alten Pfaden wandelnd. Philosophisch gebildet, ertrug er dann sein jahrelanges Leiden stoisch. Biberach ist um einen kantigen Menschen ärmer.

28. November 2001.

Nachwort zum 1. Todestag.

(Bild: Manfred Schmidt / Text: K-D. Diedrich.   Weberberg.de dankt!)