Der Weber Hans Missel - Von Reinhold Adler

Hans Missel aus Langenschemmern ist wohl der berühmteste Weber aus unserer Gegend geworden. Zumindest ist er der einzige, dessen Bild uns überliefert wurde. Es zeigt ihn nämlich genau in dem Augenblick, in dem er den Kopf verliert - hingerichtet auf der Warthauser Richtstätte als Anhänger der "mährischen Brüder", einer Wiedertäufersekte, im Jahre 1571.

So ist sein Schicksal bezeichnend für das Leben der Weber in und um Biberach überhaupt. Es verläuft im Namenlosen bis zu dem Zeitpunkt, wo die Bürde des täglichen Lebens den Weber in Gegensatz zu den Gepflogenheiten der Gesellschaft seiner Zeit bringt - kurz, wo er angeklagt, verurteilt und bestraft wird.

Auch in Biberach sollen um 1534 manche den Traum vom Gemeineigentum geträumt haben, so berichtet uns der Chronist Heinrich von Pflummern. Doch auch er verschweigt uns absichtlich die Namen jener Anhänger der Wiedertäufer, wohl weil sie von dieser "Ketzerei" schnell abließen, als sich in Münster and anderswo die Zeiten änderten.

Was wir von den Webern in Biberach und Umgebung wirklich wissen, beschränkt sich auf einige nüchterne, pauschale Hinweise auf ihre Armut. So verteilte einmal der Spital Korn an 188 arme Haushaltungen in Biberach, die folgenden Zünften angehörten:


43 Weber
38 Schmiede
30 Schneider
24 Schuhmacher
14 Metzger
11 Bäcker

Da vermittelt ein Eintrag in den Ratsprotokollen von 1591 schon ein lebendigeres Bild. Hans der Weber war vom Rat ins Gefängnis gelegt worden. Als Ortsarmer hatte er aus dem Spital das einfache Essen und von der Kaplanei das Almosen bezogen. Aber man fand heraus, dass er das verordnete Zeichen oder den Armenschild nicht getragen hatte. Damit verlor er nach der Stadt Brauch diese Unterstützungen.

Armsein war an Bedingungen gebunden. Wie viele "verschämte" Arme es wohl unter den Webern gab? Nur ein winziger Bruchteil des Lebens dieser Weberbevölkerung ist uns durch solche Protokolle überliefert. Sie vermitteln einen bescheidenen Eindruck von den Problemen der einzelnen Menschen, von den Schwierigkeiten des Webers, seiner Frau, seinen Kindern und den Bediensteten, die zum Hausstand gehörten.

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So beginnt Reinhold Adlers Buch "Aus dem Leben der Biberacher Weber", aus dem Sie bei Weberberg.de auch noch mehrlesen können. Das Buch gibt es nur in einer Schreibmaschinenfassung. Vielleicht findet sich ein Biberacher Sponsor, der dieses verständliche, faktenreiche und gut zu lesende Werk vor dem Vergessen bewahrt und eine Druckfassung ermöglicht. Denn wo sonst können BiberacherInnen lesen, wie das Leben einer Weberfamilie aussah? In unserer Abteilung "Der Weberberg - einst und heute" finden sie ein längeres Kapitel zum Alltag einer Weberfamilie. Weberberg.de dankt Reinhold Adler herzlich für die Erlaubnis, die Auszüge hier zu veröffentlichen. Die Links auf dieser Seite sind Vorschläge zur vertieften Beschäftigung mit dem Thema. Sie sind nicht leichtfertig ausgewählt. Die Bewertung ihrer Tauglichkeit müssen wir aber den NutzerInnen überlassen.