Bertold Dag


Die Nacht kann viel erzählen.
Sprichwort

 

Dark Days - Teil 2

Eine erotische Erzählung aus der Schwarzen Szene.

 

Der Schriftsteller Bertold Dag beschließt, seine Erfahrungen mit der Schwarzen Szene einer südwestdeutschen Kleinstadt in einer Erzählung zu verarbeiten. Dabei stößt er auf ungeahnte Schwierigkeiten und sieht sich, nach heftigen Angriffen, genötigt, Teile seiner Erzählung umzuschreiben, obwohl diese fast ausschließlich fiktive Elemente enthält und mit Fotos von Menschen illustriert ist, die mit der Geschichte absolut nichts zu tun haben.

 

   
   

 

hold me in your arms again
let me be forever yours
I will give my life to you
I follow you in to the night
take me to your fairyland
show me the place where I can hide
protect me from this misery
don't let reality kill me

Seelenschmerz, Fairyland

 

Siehst Du die Tränen,
Schwarz wie die Nacht?
Hörst Du die Stimme,
Hörst Du, wie sie lacht?

Blutengel, Der Spiegel

 

 

9. Kapitelz

 

 

Dag schaute befriedigt auf die Bilderkollektion. Ihre Sprache war um so vieles eindeutiger als es Wörter sein konnten und er war sicher, dass er mit einer solchen, gelegentlich eingestreuten, Bildsequenz die Leserinnen und Leser gewinnen und jegliches Missverständnis würde vermeiden können. Denn was sich vielleicht als Fehlinterpretation von Wörternund Namen bei den Rezeptoren der Geschichte eingeschlichen haben mochte, wurde durch die Fotos augenfällig widerlegt und sanft aber eindeutig korrigiert.

Und war es nicht Herzenssache jeden Schriftstellers, eine eindeutige Botschaft zu vermitteln? Zumal dann, wenn es sich um eine so wichtige und eindeutige handelte wie sie Dags Erzählung hatte. Eine Botschaft, die sich in einem Wort zusammenfassen ließ: Friede zwischen den Tag- und Nachtwelten!

Aber allein von Bildern konnte seine Geschichte nicht leben. Das wäre ein zu revolutionäres Unterfangen gewesen. Und so ging er daran, das nächste Kapitel zu formulieren. Es war klar, dass dies dort weitergehen musste, wo das vorige aufgehört hatte - mit einer Badewannenszene.

 

 

How is one to live a moral and compassionate existence when one is fully aware of the blood, the horror inherent in life, when one finds darkness not only in one's culture but within oneself?

If there is a stage at which an individual life becomes truly adult, it must be when one grasps the irony in its unfolding and accepts responsibility for a life lived in the midst of such paradox. One must live in the middle of contradiction, because if all contradiction were eliminated at once life would collapse.
Barry Lopez

10. Kapitel

Am nächsten Wochenende dann war Heather bei Sylvy zum Baden zu Besuch und wieder schmiedeten sie gemeinsame Reisepläne. Heather wollte unbedingt nach Schottland, das sie nicht nur wegen seiner langen, hellen Sommertage liebte, an denen der Himmel bis zu 18 Stunden Licht spendete, sondern auch wegen seiner Modernität. Immerhin gab es mehr Telecottages und Telecenters dort als in Deutschland.

Eine Tante von ihr arbeitete für eine IT-Firma auf Benbecula und sie erinnerte sich immer gerne an die Geschichten von Geistern, die ihre Tante ihr vor dem Schlafengehen erzählt hatte, als sie sie, noch als Kind, besuchte, Die Tante buk ihr immer Petites Madeleines, die für Heather das Köstlichste auf der Welt waren. Die Tante gab ihr dann immer zu verstehen, dass sie diese nach dem Originalrezept von Proust gebacken habe, das sie einst im Keller einer Freundin in Combray in einem alten, schimmligen Reisekoffer gefunden habe, das aber leider im Laufe mehrerer Umzüge verloren gegangen sei, was umso bedauerlicher sei, als es heute sicher einige Millionen wert wäre. Heather hatte diese Geschichte immer wieder fasziniert angehört, obwohl sie ihre Bedeutung erst viel später erfahren sollte.

Sylvy aber, die sich für Stadtplanung interessierte, schlug dagegen in einem ihrer langen Badewannengespräche vor, dass sie sich im Reisebüro nach Urlaubsmöglichkeiten in Tirana erkundigten. Der dortige Bürgermeister, der Kunstmaler Edi Rama, hatte mit einem kühnen, wenn auch autoritär durchgesetzten, Projekt der Stadt ein völlig neues Gesicht gegeben. Über Nacht beinahe war Tirana zu einer farbigen und höchst ansprechenden Stadt geworden, die sich wohltuend vom öden Grau der übrigen Balkan-Metropolen unterschied, so dass man sich jetzt in Europas ärmster Hauptstadt "plötzlich wie in einem Café am Montmartre" fühlen konnte, wie die Neue Zürcher Zeitung in einem halbseitigen Artikel am Donnerstag, dem 16. Oktober 2003 auf Seite 11 geschrieben hatte.

Nach langer Diskussion und vielen Tränen aber fand sich doch noch ein Kompromiss, eine Stadt, die vom Feeling her gleichsam in der Mitte zwischen der albanischen und der schottischen Hauptstadt zu liegen schien: Remscheid!

Remscheid schien letztlich ideal und sie freuten sich schon darauf, seine Sehenswürdigkeiten ausführlich besichtigen zu können. Den Turm des Rathauses etwa mit seinen 222 Stufen, der einen atemberaubenden Aussicht über das Bergische Land bot. Und in dem Turmzimmer, oberhalb der Uhr, konnte man sich auch trauen lassen - auf 424 Metern über NN. Das hätte was! Natürlich gab es auch noch das Tuchmuseum Lennep, das Deutsche Röntgenmuseum und und und... Und natürlich den Rötgenlauf, den sie sich auf keinen Fall entgehen lassen wollten. Außerdem würden sie sonntags von 20 bis 1 Uhr zum Dark Awakening ins Deja Wü gehen können. Das Ambiente in dem kleinen Hexenhäuschen sollte ganz nett sein.

Die Badewannengespräche der beiden hatten Tradition. Das Fenster des Badezimmers verdunkelten sie dazu, umstellten die Wanne mit Kerzen, nahmen die schwarz gesprühte Badeente, der Sylvy blutrote Vampirzähne auflackiert hatte, mit ins Wasser, legten ihre neuesten CDs in den Player und verbrachten so mindestens zwei Stunden in wohliger Gemeinsamkeit. Als Heathers Mutter zum ersten Mal davon erfuhr, stellte sie die beiden zur Rede und fragte besorgt: "Seid ihr ...lesbisch?", was bei den beiden einen langen Lachanfall ausgelöst hatte und Heather bewog, das Lespress-Heft, das noch neben dem Stövchen mit der Teekanne lag, rasch und unauffällig unter dem Tisch verschwinden zu lassen.

Das alles schoss Heather durch den Kopf, als sie das Wort "Schottland" hörte, geäußert von Olaf, während er vor dem Club Absolut sich mit seiner ringgeschmückten rechten Hand durch das lange Haar fuhr. Wen flirtet er jetzt an, dachte sie, die sich mit Körpersprache gut auskannte. Aber sie hatte Wichtigeres vor als das zu ergründen.

Florian stand etwas abseits, ungefähr zehn Meter vom Eingang des Club Absolut entfernt und Heathers Herz schlug schneller.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Remscheid

 

 

 

Dag lehnte sich zurück und starrte entsetzt auf das, was er da soeben geschrieben hatte. Remscheid? Remscheid?? Wie war dieser Inbegriff der Langeweile in die Geschichte gelangt? Seine Erzählung spielte im Südwesten und nicht im schönen Bergischen Land, in dem es zwischen Lennep und Hückeswagen so herrliche Rad- und Wanderwege gab!

Seine widerwärtige Nachbarin hatte offenbar wieder einmal die Microwelle angeworfen, um eines ihrer ungesunden und dick machenden Fertiggerichte zuzubereiten. Die Wellen hatten schon öfter seine Gedankengänge gestört und dies schien die einzige Erklärung zu sein.

Wie er diese Frau hasste, die jede Gelegenheit nutzte, sich beim Vermieter zu beschweren über schlecht gekehrte Treppen, über von ihr imaginierten "noise" oder über (durchaus reale) Geräusche, die einiges von den ihm eigenen, ganz besonderen, nächtlichen Vergnügen verrieten.

Schon öfter hatte er überlegt, die Schildkröte der Nachbarin, eine Chrysemis picta picta, also eine Augenfleckzierschildkröte, zu vergiften. Aus purer Rache gegen die Niederträchtigkeit der Frau. Aber die Ehrdurcht vor der Kreatur war immer wieder stärker gewesen.

Hastig strich er die Remscheidpassage aus dem Skript.

Nach langer Diskussion und vielen Tränen aber fand sich doch noch ein Kompromiss, eine Stadt, die vom Feeling her gleichsam in der Mitte zwischen der albanischen und der schottischen Hauptstadt zu liegen schien: Remscheid!

Remscheid schien letztlich ideal und sie freuten sich schon darauf, seine Sehenswürdigkeiten ausführlich besichtigen zu können. Den Turm des Rathauses etwa mit seinen 222 Stufen, der einen atemberaubenden Aussicht über das Bergische Land bot. Und in dem Turmzimmer, oberhalb der Uhr, konnte man sich auch trauen lassen - auf 424 Metern über NN. Das hätte was! Natürlich gab es auch noch das Tuchmuseum Lennep, das Deutsche Röntgenmuseum und und und... Und natürlich den Rötgenlauf, den sie sich auf keinen Fall entgehen lassen wollten. Außerdem würden sie sonntags von 20 bis 1 Uhr zum Dark Awakening ins Deja Wü gehen können. Das Ambiente in dem kleinen Hexenhäuschen sollte ganz nett sein.

Er las das so gekürzte Kapitel noch einmal durch. Es hatte durch die Kürzung deutlich gewonnen und die Geschichte schien nun in raschem Tempo auf einen neuen Höhepunkt zuzusteuern.

 

 

You're hiding from feelings, searching for more
Sharing and hoping, untouched for so long
Our lives still change from the way that we were
And now I'll tell you something I think you should know You just can't believe me
When I show you what you mean to me.
New Order, Confusion

i can't seem to go the easy way when i can feel pain
Daywalker, Pain

 

 

11. Kapitel

Heather zögerte einen Moment. Sollte sie Florian ihre Gefühle offenbaren? Würde er verstehen, was er für sie bedeutete? Seit dem Moment bedeutete, als sie sein Gedicht für sie gelesen hatte? Sie ging auf ihn zu.

 

 

 

 

 

Dag seufzte und lehnte sich erschöpft zurück. Schreiben war ein sehr anstrengendes Handwerk. Er stand von seinem Sessel auf, ging hinüber zum Sofa, zappte sich durch die Kabelkanäle seines Fernsehers und blieb schließlich bei einem ziemlich blutrünstigen Streifen hängen. Ein amerikanischer Polizist namens Abraham Whistler jagte darin einen Vampir, der alle Menschen zu Vampiren machen wollte. Anfangs noch recht spanend, driftete der Film zunehmend in eine eher langatmige Blutorgie ab und Dag ärgerte sich zusehends über die schlecht durchdachte Story. Wen oder was zum Teufel sollten die Vampire essen,nachdem alle Meschen zu Vampiren geworden waren? Idiotisch!

Er schaltete das Gerät ab, goss den letzten Schluck blutroten Bordeauxs hinunter, prüfte noch einmal, ob die Spülmaschine ausgeräumt war und ging schlafen.

Vom Bett aus betrachtete er das Bild von Philonides, dem Hemerodromus Alexanders des Großen, das seinem Bett gegenüber die Wand schmückte. Ach, wäre er nur selbst ein solcher Hemerodromus, ein Tagläufer, und könnte einen Weg von über 340 km in neun Stunden zurückgelegen. Er schlief ein.....

 

 

She grabbed the Ouija and a glass
And passed around a little grass.
She was too high to find it crass
When Lancelot stared at her ass
And told her she was hot.
The party guests, they gathered round;
At first nobody made a sound.
The poor knight's heart began to pound:
Would his plan be shot?

"Let's call Satan!" Kay chirped brightly
As the glass moved ever slightly
At first leftly, and then rightly.
Lancelot felt very knightly;
Man was her ass hot!
Very soon the glass was flying
'Cross the board with Kaylee trying
To control its crazy scrying.
The Ouija of Shalott

The Ouija of Shalott

 

 

12. Kapitel

Heather zögerte noch einen weiteren Moment. Sollte sie wirklich? Sie machte einen Schritt in Richtung Florian.

Noch einen Schritt vorwärts und dann durchfuhr ein stechender Schmerz ihr rechtes Bein. ("Das gute Bein!" wie sie immer sagte, das mit den auf dem Oberschenkel eintätowierten Runen , die vertikal absteigend den Namen Heather bildeten, die mehr als einen ihrer Geliebten aber zu der Frage "HMFbMR?? Was heißt das?" bewogen hatte.)

Es war der gleiche Schmerz, den sie am Morgen gespürt hatte, als sie aus der Dusche stieg und den Fuß auf die Badematte setzte, die in kunstvoller Häkelarbeit ein Ouija-Board darstellte und die anzufertigen sie ihre Mutter genötigt hatte, die mit mit dem widerwillig begonnenen, weil das Schlimmste befürchten lassende, Werk gerade einen Tag vor ihrem frühzeitigem Tod fertig geworden war. (Das mütterliche Zögern war nur allzu verständlich gewesen. Immerhin hatte man Heathers Schwester Eliza eines Morgens besinnungslos in ihrem Zimmer aufgefunden, mit schlohweißem Haar und um Jahre gealtert. Der letzte zusammenhängende Satz, den ihre Freunde aus der schwarzen Szene von der allseits wegen ihres langen, ebenholzschwarzen Haares bewunderten Eliza gehört hatten, war, nachdem sie ihr viertes Glas Korea, das auf die Bestellung "Noch ein Huntington, bitte!" ihr einzuschenken sie den Barkeeper trainiert hatte, hinuntergestürzt hatte, ein überfröhliches "I gang jetzt hoim ond probier des Wiedschabort aus," gewesen.

Ein halbes Jahr später war Eliza gänzlich dem Wahnsinn verfallen. Heather hatte aber gerade deswegen auf der ominösen Badematte bestanden.)

Es war ein seltsamer, ihr gänzlich unbekannter Schmerz gewesen, der ihren Fuß durchzogen hatte und als sie hinabblickte, wurde sie einer Schlange gewahr, die an ihrem Bein empor und in sie hineinglitt, gleichmäßig sich bewegend, sich an sie anschmiegend, sich aber auch immer wieder aufbäumend und mit ihren Schuppen sie dort massierend, wo sie es besonders gern hatte.

"Izetbegovic?" fragte Florian, der plötzlich neben ihr stand? "No, that's not Begovic. That's Horst...Horst!" stöhnte voller Lust Heather, die auf ihre Englischkenntnisse ebenso stolz war wie auf ihre Fähigkeit, allem Belebten oder Unbelebtem, das ihr begegnete, spontan einen Namen zu geben. Enttäuscht wandte sich Florian ab, nicht ohne vorher einen auffällig gründlich prüfenden Blick auf das zu werfen, was sich ihm da so erregt und zum Greifen nahe anbot.

Heather und die Schlange waren dem Höhepunkt nahe gewesen, aber auf den Namen Horst hin war die Schlange rasch völlig in sie eingedrungen, stieß aus Heathers Mund wieder hervor, wand sich um ihren Hals, den sie sanft würgend umschlang, so wie es Heather in anderem Zusammenhang überaus schätzte, und fixierte sie dann aus einer Entfernung, die Heather dazu zwang, zu schielen, um das Gesicht des Reptils sehen zu können.

Dieses öffnete in dem Moment seinen Mund, entblößte seine beiden Fangzähne und spie Heather eine so kräftige Fontäne aus Blut ins Gesicht, dass diese fast erstickte. Wenig später hatte sich die Schlange wieder zurückgezogen und setzte ihre Erkundung der Körperöffnungen Heathers fort.

Heather griff nach dem zweilagigen Toilettenpapier der Marke Sandra, das sie im Achterpack mit je 200 Blatt pro Rolle für 3,19 Euro im City Supermarkt der Edeka erworben hatte, um sich das Blut vom Gesicht zu wischen. Aber das lustvolle Geschäft der Schlange machte sie schwanken, machte sie kraft- und willenlos, so dass ihr - mehr tonlos gekeuchtes als gesprochenes - "Also gut, nicht Horst, sondern Teague", das die Liebe ihres Unterbewusstseins zu keltischen Namen offenbarte, kaum noch zu hören war.

Bei dem Namen Teague aber hob sich die Badematte vom Fliesenboden und drückte die immer noch daruaf stehende (oder besser sich im Rhythmus der schlängelnden Liebkosungen wiegende) Heather gegen den dunklen Sternenhimmel, mit dem sie ihr Badezimmer verziert hatte. Immer stärker presste das Geflecht sie gegen die Decke, so dass Heather, die immer noch von den in sie hinein und aus ihr hinausgleitenden Bewegungen der Schlange mehr als abgelenkt war, sich nicht dagegen stemmen konnte, ihre Knochen erst knacken und dann splittern fühlte und nach einem lauten Schrei dann als zerquetsche Masse am Badezimmerhimmel klebte während ihr Blut wie aus einer Sprinkleranlage durch die Badematte auf die Fliesen regnete.

In diesem Moment klingelte das Sinus 62-S Telefon, das sie vor zwei Jahren im T-Punkt gekauft hatte, das aber bereits ein Austauschmodell war, weil das erste nach wenigen Monaten seinen Geist aufgegeben hatte. Nicht vollständig allerdings. Nur das Display funktionierte nicht mehr.

Neben der lästigen Umtauschaktion hatte Heather vor allem genervt, dass die mit einem Mausgesicht ausgestattete T-Punkt-Dame das Wort Display immer auf der falschen, der ersten, Silbe betonte. Auf Heathers Aufforderung "Bitte sprechen Sie mir nach: DisPLAY!" hatte die mausgesichtige und leicht überfordert wirkende Servicekraft (sofern man in diesem Laden von Service überhaupt reden konnte) nicht reagiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertold Dag schreckte auf als das Telefon ihn aus dem Schlaf riss und war im nächsten Moment dankbar, ja erleichtert und glücklich. Das letzte Kapitel hatte er nur geträumt. Blut aus Sprinkleranlagen!? Eine Schlange, die Horst hieß!? Den T-Punkt "Service"!? Einen solchen Schwachsinn konnte er seinen LeserInnen nicht zumuten. Am Apparat war Borac, ein - nur noch entfernter - Bekannter von ihm, der ihn immer nur anrief, wenn er mal wieder in einer Krise steckt. Borac war einst ein Klassenkamerad von ihm gewesen, war dann aber nach Remscheid gezogen, als sein Vater, ein Bundewehroffizier, dorthin versetzt worden war. In Remscheid hatte er das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium erfolglos besucht, hatte diesen und jenen Job ausprobiert und war dann irgendwann arbeitslos geworden. Was hatte Borac nur jetzt für ein Problem?

Die Sache stellte sich als ziemlich bizarr raus. Borac hatte im Internet in irgendeinem Forum, das Dag nicht bekannt war, begonnen, eine Fortsetzungsgeschichte zu schreiben, dessen erstes, wohl gut gelungenes, Kapitel bei den Forumsmitgliedern auf gute Resonanz gestoßen war, was Borac ermutigt hatte, mit der Geschichte fortzufahren. In unregelmäßiger Folge hatte er die mittlerweile fünf Kapitel veröffentlicht, nciht ohne bewusst den einen oder anderen den LeserInnen verhassten Namen einfließen zu lassen, was natürlich für Erheiterung sorgte.

Nun aber wusste er nicht weiter. Die Geschichte, die ohne Ziel und Ende geplant war, ging nicht voran, er hatte sich in zusammenhanglose Episoden geflüchtet und sich quasi in eine Ecke geschrieben, aus der er nun nicht mehr herausfand.

"Hast du nicht mal eine Meditationsmethode gehabt, die dir in Schwierigkeiten.." fragte Dag, als Borac ihn unterbrach. "Die Foetusposition? Ja, natürlich. Aber die hilft mir nicht. Jeden Tag meditiere ich so, nackt auf meinem Bett sitzend, eine oder zwei Stunden, aber die Erleuchtung bleibt aus."

"Dann knipps mal das Licht an!" versuchte Dag mit einem Scherz die Sache aufzulockern, worauf Borac auflegte und danach, als Dag ihn mehrfach versuchte anzurufen, nicht wieder abnahm.

Dag schüttelte den Kopf. Zum einen über Boracs unsinniges Projekt, zum anderen, um den Gedanken an das - glücklicherweise nur geträumte - 12. Kapitel loszuwerden. Er war froh, den Faden der Geschichte wieder bei Tagbewusstsein würde aufnehmen zu können.

 

 

Remember the life you're living is created in your soul
and what is real should never feel alien to the world

Crüxshadows, Dream Yourself Awake

Ich erinnere an noch den Geschmack Ihrer Risse. Ihre Stimme widerhallend, mögen Sie einfach das Klingeln in meinen Ohren. meine Lieblingsträume von Ihnen waschen noch an Land. Verschrottung durch meinen Kopf , bis ich nicht mehr schlafen möchte. Sie lassen dieses alles weggehen. Sie lassen dieses alles weggehen. ich bin unten zu gerade einer Sache. und ich beginne scare. Sie lassen dieses alles weggehen. Sie lassen dieses alles weggehen.

Neun Zollnägel. Etwas, das ich nie haben kann. (Google-Übersetzung)

Mein Leben will ich, leben in Dir,
doch nur träumen läßt mich das Träumen vom Wir.

Dornenreich, Nächtlich Liebend

Mesopotamia. Babylon. The Tigris and Euphrates. How many children, in how many classrooms, over how many centuries, have hang-glided through the past, transported on the wings of these words? And now the bombs are falling, incinerating and humiliating that ancient civilisation

Arundhati Roy

12. Kapitel

Sie stand jetzt ganz nahe bei ihm. Florian war damit beschäftigt, eine SMS zu senden. (Dies Abkürzung, dachte Heather, hat ein S zuviel!) Florian spürte ihre Nähe, hatte ihren Duft eingesogen und wand sich ihr zu. Heather nahm seine Hand zog sie an sich und flüsterte: "ich brauche dich!" Florian öffnete den Mund aber bevor er etwas sagen konnte, flüsterte Heather ein energisches "Jetzt!" und zog ihn mit sich. Zog ihn in Richtung des Weißen Turms.

Es ging alles schnell. An der Straße aber mussten sie halten, denn ein Ford Focus Ghia Exclusiv in Panther-Schwarz-Metallic mit Klimaanlage mit automatischer Temperaturkontrolle, mehreren Space-Paketen, dem Mobiltelefon-Vorbereitungspaket "Nokia", Park-Pilot-System und Bi-Xenon-Scheinwerfern mit Scheinwerfer-Reinigungsanlage und automatischer Leuchtweitenregulierung sowie 6 Jx15 Leichtmetallrädern im 8x2-Speichen-Design raste mit den 127kW/173 PS seines 1,0 l Duratec-ST Motors an ihnen vorbei und hätte sie um ein Haar erfasst.

"Komm!" sagte Heather und zog Florian weiter. Auf der anderen Seite der Straße lag der kleine Stadtpark mit seiner Wiese. Florian schien dieser Platz mit seiner kreisrunden Gestaltung wie magisch. Hatten sich hier einst keltische Druiden zu mysteriösen Zeremonien versammelt? Wie gerne wäre er einmal dabei gewesen. Auf einer Bank am Rande des Parks saß ein andrer Goth in angespannter aber gleichzeitig abwesender Pose. Er schien sie nicht zu beachten, sei es aus Melancholie, sei es aus Gründen, die ein Gerichtsmediziner hätte herausbekommen können.

Heather ließ sich in der Mitte des Rondells nieder und zog Florian zu sich hinab. Der von der Tagessonne aufgewärmte Rasen schmiegte sich heiß an ihre Körper.

"Dein Gedicht für mich," sagte Heather, "es ist so schön!" während ihre Lippen sich auf die seinen zu bewegten und ihre Hand unter seinen Lackrock glitt. Ihre Finger begannen, seine Erregung zu fördern, aber Florian, der das Angenehme der Situation genoss, durchfuhr, als er ihre Hand spürte, wieder einer von jenen Gedankenstürmen, die ihn in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geplagt hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertold Dag stöhnte laut, wie immer, wenn es mit dem Schreiben gut voran ging. Das letzte Kapitel hatte endlich Tempo, steuerte auf einen dramatischen Höhepunkt zu und bald würde den LeserInnen verraten können, welcher tückische Wahn den Geist Florians beherrschte. Und natürlich auch, was für eine Bedeutung Jesus in Heathers Leben spielte.Endlich würden die Verbindungen geschaffen, die zum Verständnis der Geschichte notwendig waren, würden sich wie ein fürsorglicher Arm um die Schultern der vielleicht irritierten LeserInnen legen.

Dennoch machte Dag vorerst eine Pause. Der Faden würde sich leicht wieder aufnehmen lassen, jetzt aber brauchte er Entspannung. Entspannung, die er am ehesten in langen Telefonaten fand. Manchmal stundenlangen.

Er hatte Glück. Die Wunschgesprächspartner waren erreichbar und als er schließlich den Hörer endgültig in die Docking Station zurückstellte, dämmerte es bereits.

Dag setzte sich wieder an den Schreibtisch, fuhr mit der linken Hand kurz über den Schädel, der den Tisch schmückte, ohne genau zu wissen, ob ihm der Schädel Talisman oder Inspiration war.

 

 

Spiel mit mir ein geiles Spiel, mein Schatz
Spiel mit mir ein geiles Spiel, heut nacht
Lass dich doch überraschen,
was man noch machen kann
Wenn man verlor die Beine -
und seinen rechten Arm...

Eisregen, Zeit zu spielen

 

These are not dark days:
these are great days -
the greatest days our country has ever lived.

Sir Winston Churchill

I shove myself gently into her,
gasping she smiles and cries
Her blood streams from the vagina,
she used to be a virgin whore
(Fucking her, this is my Fantasy!)
Father knew better than to take that away
His dick only went in her mouth and her ass
I am the one whom she'll remember always
As he who made her tremble with first orgasm

Vehemence Lyrics, Christ I Fucking hate you

 

 

13. Kapitel

Einen Moment lang hatte Florian gehofft, den Orkan an Bildern und Wörtern, vor allem an Wörtern, unerträglichen Massen widerwärtiger Wörter, die durch sein Hirn stömten, bändigen zu können, aber er vermochte es nicht. Er stieß Heather von sich. "Du nicht! Nicht jetzt! Ein andermal! Es ist zu früh..! Verzeih mir!" brachte er schluckend mit Tränen in den Augen hervor und ehe Heather etwas sagen konnte, war er verschwunden.

Auch Heather schossen die Tränen in die Augen, flossen an ihrem Gesicht herab und sie spürte den salzigen Geschmack auf ihren Lippen. Sie legte sich zurück. Tröstend nahm sie der warme Boden auf. Heather schloss die Augen. "Jesus!" flüsterte sie, "Jesus!"

Lange hatte sie das nicht getan, dieses 'Jesusflüstern', wie sie es nannte. Es war ein Relikt aus ihrer Kindheit, das sie zu einer Art Meditation verfeinert hatte. Auch damals als Kind hatte sie so starr auf dem Rücken gelegen, mit Tränen in den Augen und "Jesus!" geflüstert. Immer nur dann, aber wie oft!, als ihr Vater nicht nach Hause gekommen war. "Ich habe einen Beruf, ich tue es doch für dich, mein Täubchen" hatte er sie immer wieder am Telefon zu trösten versucht, aber es hatte nur für Minuten geholfen, die Einsamkeit, das Gefühl absoluter Verlassenheit zu ertragen.

Als sie zwölf war, bekam sie von einer Tante das Buch "Die Kinder von Bogotá" geschenkt, das sie verschlungen hatte. Und das Schicksal der Straßenkinder und vor allem der Hauptfigur Jesús Chico Grande hatte sie tief beeindruckt. Immer wieder rief sie sich sein Elend ins Bewusstsein, wenn sie zu sehr litt und tröstete sich damit, dass es anderen Menschen auf der Welt noch schlimmer ging als ihr. "Jesus!" flüsterte sie noch einmal un dann erschein es wieder vor ihrem Auge, das Bild jenes Kindes mit dem unendlich traurigen und sehnsuchtsvollen Blick.

Heathers Tränen flossen jetzt stärker, aber es waren keine Tränen des Selbstmitleids mehr, sie galten nicht ihr, sie galten Jesus...

Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"To every thing there is a season, and a time to every purpose under the heaven: a time to be born, and a time to die; a time to plant, and a time to pluck up that which is planted; a time to kill, and a time to heal; a time to break down, and a time to build up; a time to weep, and a time to laugh; a time to mourn, and a time to dance; a time to cast away stones, and a time to gather stones together; a time to embrace, and a time to refrain from embracing; a time to get, and a time to lose; a time to keep, and a time to cast away; a time to rend, and a time to sew; a time to keep silence, and a time to speak; a time to love, and a time to hate; a time of war, and a time of peace."

From "Ecclesiastes (or the preacher)"

Chapter 3:1-8 King James Version traditionally attributed to King Solomon

 

 

Befriedigt las Dag das letzte Kapitel noch einmal durch. Bald würde er fertig sein, bald. Nur eines war noch zu tun: Das Rätsel um Florian zu lösen und Florian zu erlösen. Vor dem Kraftakt allerdings scheute er zurück, obwohl die Notizen dazu in seinem Zettelkasten schon einen beachtlichen Umfang angenommen hatten.

Er schaute auf die Uhr. Fast ein Uhr nachts, Zeit, ins Bett zu gehen. Da klingelte es. Einmal, zweimal, dreimal. So energisch klingelte nur ein Mensch in seinem Leben: Mari. Wohl seine beste Verbindung zur Szene und ein Mensch, dessen Urteil er absolut vertraute obwohl er es nicht immer teilte.

Es begann das übliche Ritual: Den Tisch frei räumen, die Flasche Rotwein entkorken, die Kerzen anzünden und dann sagte einer von beiden: "Du zuerst."

Und dann begann einer von den beiden zu erzählen, was in den letzten Wochen oder Monaten, je nachdem wie lange sie sich nicht gesehen hatten, in ihrem Leben vorgefallen war. Diesmal hatte Dag begonnen und es war nicht verwunderlich, dass er von Dark Days zu erzählen begann. "Lass mal sehen,"sagte Mari schließlich. Dag übergab das Manuskript und ging, eine weitere Flasche Wein zu holen.

Als Mari das dreizehnte Kapitel gelesen hatte, füllte eine geraume Zeit lang Schweigen das Zimmer.

"Und das willst du veröffentlichen?"

"Ich weiß nicht. Es ist mehr eine Schreibübung," sagte Dag und erschrak etwas über Maris folgende Bemerkung:

"Und zwar eine sehr destruktive."

"Destruktiv? Wie meinst du das?"

"Im doppelten Sinne. Die Geschichte zerstört sich permanent selbst mit ihren Details über den Ford Focus und so, das gehört da nicht rein."

"Doch,es gehört sehr wohl da rein" beharrte Dag.

"Aber doch nicht in eine Geschichte aus der Schwarzen Szene. Das ist doch der pure Trash, den du da schreibst."

"Eben," sagte Dag, "merkt doch jeder, dass das Trash ist. Hast du die Story etwa einen Moment lang Ernst genommen?"

"Nein, natürlich nicht," sagte Mari, "oder doch. Ach, ich weiß nicht. Das Problem ist einfach, dass du so einen Text nicht im luftleeren Raum schreibst, dass deine LeserInnen, falls du es mal veröffentlichst, Bezüge sehen. Bezüge, die du durch deine Bekanntheit in der Szene nicht einfach leugnen kannst. Nach allem, was war."

"Nach all meinen Erfahrungen mit Humorlosigkeit in Teilen der Szene?" fragte Dag spitz.

"Werde nicht sarkastisch," entgegnete Mari und grinste. "Willst du das wirklich veröffentlichen?"

"Quatsch," entgegnete Dag, "wer druckt denn so einen Schrott? Es ist eine Schreibübung. Mehr nicht. Vielleicht veröffentliche ich das Ganze mal online. In Fortsetzungen. Ich bin sicher, das findet reichlich LeserInnen"

"SeherInnen," lächelte Mari.

"SeherInnen?" fragte Dag.

"Ja, Leute, die sich den Schrott kurz anschauen und nach spätestens drei Minuten wieder wegklicken. Wenn du wirklich eine Story für LeserInnen aus der schwarzen Szene..."

"Aber den Anspruch habe ich doch nicht!" unterbrach ihn Dag etwas laut. "Die Story hätte auch in jeder anderen Szene spielen können."

"Ja, warum dann..." schüttelte Mari den Kopf.

"Simpel," sagte Dag. "Irgendeine Szene brauchte ich ja als Hintergrund und diese interessiert mich, weil es mittlerweile auch eine von meinen Szenen geworden ist und außerdem hatte ich ein paar mich inspirierende Fotos. Bei den Recherchen habe ich wieder viel gelernt. Von daher hat sich's schon gelohnt. Aber es ging mir nie um eine realistische Schilderung der Schwarzen Szene. Keinen Moment lang."

"Sondern?" fragte Mari irritiert.

"Es ging es mir darum, zu testen, wie man aus einer Idee durch Seitenwege, Einblendungen, Rückfahrten und was weiß ich, eine Geschichte machen kann, zeigen, wie der Alltag in eine Szene einbricht. Ein Goth, der in einer Dark Night auf Toilette geht, registriert auch, ob er da Recyclingklopapier vorfindet. Nur sind das Sekunden und er vergisst es sofort. Hier sind halt Sachen gedehnt, wie das mit dem Ford. Klar ist das zerstörerisch. Aber das Leben ist so. Eine Kleinigkeit kann dich aus dem Gleis werfen und dir die ganze Stimmung zerstören. Egal. Das Wichtige an der Geschichte sind ja letztlich nur das, was in Florians Kopf vorgeht die Erklärung, wie es zu diesem perversen Wahn gekommen ist und die Auflösung durch Heathers sanfte Fürsorge. Der Rest ist..." Dag machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Tu mir einen Gefallen," sagte Mari nach einer längeren Pause, "veröffentliche das nie online!"

"Und warum sollte ich das nicht tun?" fragte Dag.

"Destruktiv Teil 2, mein Lieber." sagte Mari. "Deine Bildseiten aus der Szene sind halbwegs beliebt. Zumindest bei einem Teil der Leute. Bau das aus, aber unterlasse alles, bei dem sich jemand provoziert fühlen könnte. Dann machst du den Rest von Wohlwollen, den du in Teilen der Szene hast, auch kaputt. Wozu?"

Dag zögerte eine Weile mit der Antwort. "Vielleicht regt die Story ja jemanden an, eine eigene Geschichte zu verfassen. Dann hätte die ganze Szene was davon."

"Pessimismus ist nicht gerade deine Schwäche," sagte Mari.

Dag zuckte mit den Achseln. " OK, wahrscheinlich nicht, aber ich kann machen, was ich will. Irgendjemand bekommt immer etwas in den falschen Hals. Und wenn ich das veröffentlichte, würde ich davon ausgehen, dass die Leute blicken, dass das eine Trashstory ist. Und wer's nicht blickt,..." Dag drückte seine Zigarette aus, "Ach, vergiss es! Etwas kalt, findest du nicht?"

"Eigentlich nicht," sagte Mari.

"Doch, es ist zu kalt,"sagte Dag. "Immerhin schon November. Ich komme gleich wieder."

Mari goß sich Wein nach und schaute Dag hinterher, der in den anderen Teil seiner Wohnung ging. Es quietschte und raschelte und dann hörte er das typische Schnippen des Zippo Feuerzeug.

Mari nahm einen Schluck Wein, erhob sich und ging Dag nach. Der stand vor dem geöffneten Kachelofen und fütterte ihn mit Papier. Die Flammen schlugen aus der geöffneten Ofenklappe.

"Ein Blättchen für die Humorlosen. Ein Blättchen für die Bornierten. Ein Blättchen für die Übersensiblen. Ein Blättchen für die Unliterarischen. Ein Blättchen..."

"Was tust du?" fragte Mari entsetzt.

"Ist doch egal," sagte Dag. "Ist doch alles so egal." Und dann drehte er sich um, lächelte Mari kurz an, der in die Flammen starrte und ging wieder zurück ins Wohnzimmer bevor Mari die Tränen sehen konnte, die ihm in die Augen schossen....

.

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.

 

oder doch noch nicht...?

 

 

EPILOG

Wenig später gingen Florian und Heather Hand in Hand auf den Vollmond zu. "Das war knapp!" seufzte Florian erleichtert."Wer weiß, was für Perversionen sich der für mich noch ausgedacht hätte." Und Heather entgegenete: "Ich bin auch schon in besseren Büchern aufgetreten. Dieser Dag, dieser miese, aufgeblasene Schreiberling mit seinen Pseudoszenekenntnissen. Das war wohl die beschissenste Figur, die ich je habe spielen müssen."

Florian schlug vor: "Wir müssen uns einen neuen Autor suchen, einen, der uns versteht, der sich wirklich in der Schwarzen Szene auskennt. Nicht so einen Stümper." Heather grübelte. "Mir fällt keiner ein. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, wenn wir mal eine kleine Pause haben und nicht schon wieder irgendwo mitspielen müssen. Aber weißt du denn jemanden?"

Florian überlegte. "Nein, eigentlich nicht. Aber, warte mal. Ich hab da eine Idee."

Und dann holte er sein Handy aus der Rocktasche, klickte sich rasch zu der gewünschten Nummer und Heather lauschte mit zunehmender Faszination und Freude dem Telefonat, das dann folgte.

Alles würde wieder gut werden. Alles! Nur: Nie wieder wollten sie sich in die Hände eines Menschen begeben, der sie als Figuren seiner Erzählung so missbrauchte, ihnen so viel unnötiges Leid und so viele Peinlichkeiten antat. Nie wieder!

 


Jetzt aber wirklich.