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Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freunde Biberachs, Weihnachten, das Fest der Liebe und Freude, steht vor der Tür. Ein Fest, das vor allem Kinderaugen strahlen lässt. Leider herrscht aber nicht überall auf der Welt Frieden. Viele Kinderaugen sprechen von Kummer, Schmerz und Leid, von der Angst vor Terror und Gewalt und ihren Folgen, die für viele zum Alltag gehören. Im Frühjahr wurde die Welt durch den Irak-Krieg mit diesem Leid besonders konfrontiert. Viele Menschen setzten sich für eine friedliche Lösung ein und warnten vor einem Krieg. Auch in Biberach fanden wie auf der ganzen Welt mehrere Mahnwachen und eine Friedensdemonstration statt. Leider konnten sie alle den Bombenhagel nicht verhindern. Doch Gewalt erzeugt oftmals noch mehr Gewalt, wie die Entwicklung zeigte und die Opfer eines Krieges sind auch hier oftmals unschuldige und wehrlose Kinder. Kinder, denen eigentlich die Zukunft gehören sollte. Um wenigstens ein wenig Leid zu lindern, entschloss sich der Biberacher Gemeinderat zu einer großzügigen Spende, verbunden mit einer Spendenaktion. Wir stellten 40.000 € zur Verfügung, mit denen drei konkrete Projekte unterstützt werden: drei Kindergärten in Basra/Irak, eine Mutter-Kind-Station in Mossul/Irak und eine Mutter-Kind-Klinik in Zerqa/Jordanien. Unser Partner ist die Hilfsorganisation MISEREOR, die sicherstellt, dass das Geld auch entsprechend verwendet wird. Parallel wurde eine auf ein Jahr angelegte Spendenaktion für diese Projekte ins Leben gerufen, und die Stadt Ulm schloss sich auf meine Initiative der Spendenaktion an. In Biberach kamen bisher rund 7.500 € zusammen. Wenn auch Sie spenden möchten, können Sie das über unsere Website www.biberach-riss.de oder nutzen Sie den Überweisungsträger, den wir allen Adressaten außerhalb Biberachs mit dem Weihnachtsbrief zur Verfügung stellen. In den Kommunen steht in der Vorweihnachtszeit traditionell die Beratung des Haushaltsplans an, eine Aufgabe, die zunehmend schwieriger wird. Dies nicht nur, weil allgemein die Finanzen knapper werden, sondern vor allem aufgrund vieler Unsicherheiten, die von Dritten auf uns wirken. Als Beispiele seien an dieser Stelle nur die Reform der Gewerbesteuer, die Einführung des 8-jährigen Gymnasiums oder die vom Land Baden-Württemberg bereits beschlossene Verwaltungsreform genannt. Dies macht die ohnehin schwierige Aufgabe der Haushaltsplanaufstellung nicht leichter. Schon letztes Jahr zeigte ich Ihnen auf, dass wir immer höhere Umlagen bezahlen müssen, was wir nicht durch entsprechend höhere Einnahmen kompensieren können. Wollen wir daher nicht, wie viele andere Kommunen schon heute, eines Tages mit dem Rücken zur Wand stehen, müssen wir frühzeitig reagieren. Dieser Prozess wurde bereits in den letzten Jahren eingeleitet und dieses Jahr verstärkt. Im Rahmen der Vorbereitung des Haushaltsplans wurden sämtliche Aufgaben der Verwaltung daraufhin durchleuchtet, ob sie erbracht werden müssen und wenn ja, ob nicht der Standard reduziert werden kann. Ergebnis sind unter anderem die langfristige Einsparung von 15 Stellen und die Reduzierung des Zuschussbedarfs der VHS um 10 %. Dies bedeutet natürlich gewisse Einschnitte, aber auch wir in Biberach können uns in der heutigen Zeit eben nicht mehr alles leisten, was wünschenswert wäre. Vielmehr müssen wir uns auf die Kernaufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge besinnen und gemeinsam definieren, was dies konkret für Biberach bedeutet. Dabei gilt es aber auch, mögliche Synergien noch mehr zu nutzen und beispielsweise verstärkt mit Vereinen und Verbänden zu kooperieren. Und ich bin überzeugt, dass die städtischen Mitarbeiter und unsere Bürger bereit sind, Reformen mitzutragen. Die Zeichen der Zeit wurden erkannt. Wir müssen die Betroffenen allerdings in den Reformprozess einbinden und diesen als gemeinsame Chance zum Fortschritt erkennen. Dann bedeuten Reformen nicht die oftmals mit ihnen in Verbindung gebrachten Kürzungen, Einschnitte und Verzicht. Vielmehr bieten sie dann die Möglichkeit, Antworten auf die vor uns liegenden Herausforderungen der Zukunft in einer sich verändernden Gesellschaft zu finden und gemeinsam eine menschliche Modernisierung anzugehen. Werfen Sie nun mit mir einen Blick auf einige Ereignisse des vergangenen Biberacher Jahres. |
Der
Weihnachtsrundbrief 2003 von OB Thomas Fettback Die Kommentare in der rechten Spalte stammen von Weberberg.de |
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Biberacher Kinderaugen |
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Die Aktion "Strippen für den Frieden" erwähnt der OB nicht. |
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![]() Haushaltsdebatte: Nicht nur Gemeinderätin Bausch wird sich gefragt haben, ob das Glas noch halb voll oder schon halb leer ist. |
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Schaffa, schaffa Häusle baua Nun ja, es sind nicht gerade die typischen Einfamilienhäuser, auf die ich eingehen möchte und die mit diesem Synonym für schwäbische Betriebsamkeit in Verbindung gebracht werden. Aber es wurde wieder vieles saniert, gebaut und neu eröffnet. Die Schulsanierungen wurden fortgesetzt, mit der Sanierung der Gigelberg-Turnhalle begonnen. Regenüberlaufbecken wurden gebaut, Kanäle saniert, Brücken erneuert, zwei neue Kreisel errichtet und Straßen bekamen neue Beläge. Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Dahinter stecken große Summen Geldes. Beispielsweise wurden allein beim Tiefbauamt in diesem Jahr Maßnahmen mit einem Bauvolumen von rund 7,5 Mio. € abgeschlossen. Wichtig sind aber auch planerische Grundlagen, um zu wissen, wie sich der Bedarf an Bauflächen entwickelt, welcher Bedarf besteht und wo entsprechende Flächen ausgewiesen werden können. Eine kontinuierliche Beobachtung der baulichen Entwicklung, der Bevölkerungsentwicklung und Prognosen für die Zukunft hieraus erfolgten im Rahmen des Wohnbaulandberichts, den das Stadtplanungsamt alle zwei Jahre fortschreibt und der eine zielgerichtetere Entwicklung ermöglicht. Eine kleine Besonderheit für Städte unserer Größenordnung. Ein weiteres, allerdings gesetzlich vorgeschriebenes Instrument, ist der Flächennutzungsplan, dessen Fortschreibungsvorentwurf bis zum Jahr 2020 diesen Sommer fertiggestellt wurde. Er umfasst das Gebiet des gesamten Verwaltungsraums (300 km² und ist damit der drittgrößte in Baden-Württemberg) und enthält unter anderem auch Standorte für Windkraftanlagen und bedeutende Verkehrstrassen wie die Nordwestumfahrung mit dem Aufstieg nach Mettenberg. Dieser beschäftigte uns sehr. Denn leider wurde zwar die Nordumfahrung Warthausens in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen, nicht jedoch deren Weiterführung mit dem Aufstieg bei Mettenberg und dem Anschluss an die B 30, der jedoch zwingend erforderlich ist. Wir setzten uns daher vehement dafür ein, dass wenigstens ein Planvermerk angebracht wurde, der es uns erlaubt, in diese Richtung die Planungen fortzusetzen. Wie notwendig die Maßnahme ist belegt auch die Auswertung der Ergebnisse der Verkehrszählung vom Herbst vergangenen Jahres. Gebaut hat natürlich nicht nur die Stadt. Großes tat und tut sich am Zeppelinring: Für das neue Dienstleistungszentrum mit Parkhaus Ost rückte zunächst die Abbruchbirne an, was nach getaner Arbeit ganz neue Einblicke bot. Ende April wurde der erste Spatenstich getan, und mittlerweile ist der erste Bauabschnitt nahezu fertig. Markante Veränderungen im städtischen Erscheinungsbild gab es auch gegenüber dieser Baumaßnahme durch das neue Dienstleistungszentrum am Ulmer Tor, das bei einem Tag der offenen Tür am 26. Juli erkundet werden konnte. Damit konnte endlich die kriegsbedingte Lücke zwischen Ulmer Tor und Stadtmauer durch ein neues Ensemble, bestehend aus einem Langhaus und drei Punkthäusern, geschlossen und ein neues Entree in die Altstadt geschaffen werden. Ein Gewinn für die gesamte Stadt. Bauherr war die Sparkasse Immobilien BC GmbH und untergebracht wurden verschiedene Dienstleistungsunternehmen. Auf die Bauinvestitionen der Firma Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG gehe ich später näher ein. Beim Thema Bauen darf natürlich auch die Fachhochschule Biberach nicht unerwähnt bleiben, die immer wieder positiv von sich reden macht. In diesem Jahr richtete sie eine Anlaufstelle für forschungsrelevante Themen ein, mit der alle Forschungsaktivitäten an der FH gebündelt werden sollen. Sie ist aber auch Ansprechpartner für die Region, die ihre Kompetenzen nutzen soll. Im Sommer wurden die Weichen für weitreichende Veränderungen in der FH durch den Beschluss der Landesregierung eingeleitet, sie um den Studiengang „Pharmazeutische Biotechnologie“ zu erweitern. Der erforderliche Neubau wird im Gewerbegebiet Aspach-Süd in unmittelbarer Nähe zur Firma Boehringer sein. Zunächst sollen 70 Studienplätze entstehen. Dieser neue Studiengang ist erforderlich, um den Bedarf an qualifiziertem Personal von Biotechnologie-Firmen wie Boehringer und Dr. Rentschler, Laupheim, befriedigen zu können. Die Finanzierung stellt bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 20,75 Mio. € einen enormen Kraftakt dar, werden doch die beteiligten Firmen, der Landkreis, die Kreissparkasse und die Stadt Biberach davon 11 Mio. € schultern müssen. Schöne Perspektiven für den neuen Rektor der FH, Prof. Dr. Thomas Vogel, der bei einem Festakt in der Stadthalle am 19. November in seinem Amt begrüßt wurde. Der Kreis ist seit 30. August um eine Attraktion reicher: Der Gesundheitspark Jordanbad öffnete seine Pforten. Ein Paradies für Erholungssuchende. Baden und Schwitzen in einer Wasserwelt mit über 9.000 m². Gaumenfreuden im Parkhotel und das alles mit Empfehlung von Pfarrer Kneipp, getragen von der St. Elisabeth-Stiftung, einer Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen. Ich würde sagen: Da muss man hin und sich selbst ein Bild machen vom umfassenden Angebot! |
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Wirtschaftsstandort Biberach War die Stimmung beim IHK-Neujahrsempfang noch recht düster, macht sich nach der aktuellen Herbst-Konjunktur-Umfrage der IHK Ulm für das Jahr 2004 in der regionalen Wirtschaft Optimismus breit. Zwar gab und gibt es auch in Biberach die eine oder andere negative Meldung aus Wirtschaft und Einzelhandel, dennoch waren 2003 überwiegend positive Nachrichten zu vernehmen, was sich nicht zuletzt in der nach wie vor besten Arbeitslosenquote des Arbeitsamtsbezirks Ravensburg (zu dem Biberach zählt) in Baden-Württemberg zeigt. Dies ist auch das Verdienst Biberacher Firmen, die in diesem Jahr wieder viele Arbeitsplätze schafften. Und wenn ein Firmeninhaber die überregionale Bedeutung des Wirtschaftsraums Biberach lobt, so geschehen von Hans Mitreuter anlässlich der Einweihung des neuen Biber-Centers, stimmt dies überaus freudig. Die große Bedeutung der Wirtschaft für unser Gemeinwesen haben wir längst erkannt, wollen nun aber noch intensiver in die Wirtschaftsförderung einsteigen. Wir schufen daher eine neue Stabstelle, in persona Gerhard Strecker, der sich um die Biberacher Betriebe kümmert und deren Ansprechpartner ist. Sicherheitsstufe Eins herrschte bei der Einweihung des Neubaus der biopharmazeutischen Wirkstoffherstellung bei Boehringer, die im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Erwin Teufel am 17. September erfolgte. Für Boehringer war dies ein Meilenstein in der Firmengeschichte, da damit die größte biopharmazeutische Produktionsanlage Europas in Betrieb ging. Damit stärkte Boehringer nicht nur seine Spitzenstellung in dieser Branche, sondern auch den Standort Biberach, den Teufel als „High-Tech-Standort“ bezeichnete, der das Prädikat Weltklasse verdiene, aber auch die Biotechnologie in Deutschland. Über 400 neue Arbeitsplätze wurden und werden geschaffen. Beeindruckend auch die kurze Zeit, in der dieses anspruchsvolle Großprojekt realisiert wurde: Nur knapp 36 Monate vergingen vom ersten Spatenstich bis zur Inbetriebnahme. Mehr als 200 Unternehmen wurden beschäftigt, um die 11.000 m² Nutzfläche zu erstellen und 255 Mio. € investiert. Drangvolle Enge herrschte denn auch beim Tag der offenen Tür am 20. September, als über 17.000 Menschen die Gelegenheit nutzten, hinter die sonst geschlossenen Werktore zu blicken und sich die tollen Neuerungen anzusehen, von denen sie zuvor über die Presse hörten. Dabei konnte man auch das auffallende Gebäude der Pharmakologischen Forschung und Entwicklung bewundern, das mit dem Architekturpreis des Royal Institute of British Architects ausgezeichnet worden war. Allein die Fassade – der mikroskopisch vergrößerten Kristallstruktur einer Boehringer Ingelheim - Substanz nachempfunden - ist bemerkenswert und setzt einen farbenreichen Kontrapunkt zu den umliegenden Gebäuden. Dieser Neubau war bereits im April eingeweiht worden. Und dass im nächsten Jahr wieder eine Einweihung stattfinden kann, dafür wurde im Mai der Grundstein gelegt. Gebaut wird ein neues Humanpharmakologisches Zentrum mit einer Investitionssumme von rund 10 Mio. €, an dem klinische Studien an gesunden Probanden durchgeführt werden sollen. Und Boehringer investiert nicht nur in den Standort Deutschland, sondern auch in den USA, wo die Kapazitäten der chemischen Produktion erweitert werden sollen. Auch die Liebherr-Gruppe blickt optimistisch in die Zukunft und sprach im Sommer im Rahmen des Geschäftsberichts von einer stabilen Beschäftigungslage. Allerdings ging in Biberach die Zahl der Beschäftigten aufgrund der geringen Nachfrage nach Turmdrehkranen zurück, dennoch blieb Liebherr zumindest im Kreis der größte Arbeitgeber. Die Firma Kaltenbach & Voigt (KaVo) mit Stammsitz in Biberach ist einer der weltweit führenden Hersteller von dentalmedizinischen Instrumenten und Einrichtungen und zeigt sich mit seiner weltweiten Entwicklung sehr zufrieden. Denn KaVo ist in über 20 Ländern mit eigenen Tochtergesellschaften und Repräsentanzen vertreten, unter anderem auch mit 2 Repräsentanzen in China. Eine in der Hauptstadt Peking und eine in der Wirtschaftsmetropole Shanghai. Dass sich KaVo auch noch ganz anders in Biberach engagiert, erfahren Sie später. Beweis dafür, dass noch etwas geht in Deutschland, ist auch das neue Biber-Center im Gewerbegebiet Aspach-Süd, mit dem ein neuer Kundenmagnet für Biberach und Umgebung geschaffen wurde und mit der Kaufkraft an Biberach gebunden werden kann, ohne dass die Innenstadt dadurch Nachteile erleidet. Vielmehr wird unsere Mittelzentrumsfunktion gestärkt. Überdies wurden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen. Lange hatten wir uns um ein derartiges Fachmarktzentrum bemüht und nach Standorten und Investoren gesucht, da verschiedene Gutachten festgestellt hatten, dass Bedarf in diesen Produktlinien besteht. Mit dem Biber-Center wurde ein optimales Ergebnis erreicht. Dies ist nicht zuletzt dem Mut der Investoren zu verdanken, die 20 Mio. € in die Hand nahmen, um dieses Projekt zu verwirklichen. Nach nur sieben Monaten Bauzeit fand am 14. November die feierliche Einweihung statt. Auf über 40.000 m² Gesamtfläche, davon 12.000 m² Verkaufsfläche, präsentieren sich mit einem Bau- und Gartenmarkt der Branchenführer OBI, Mega-Company, der größte Elektrofachmarkt Oberschwabens, der Lebensmittelmarkt Lidl und der Getränkemarkt Fristo. Abgerundet wird das Angebot durch das Café-Bistro der Bäckerei Keim & Brecht. |
Bei Boehringer-Ingelheim am Tag der Offenen Tür
Nicht immer leicht ist es, vom Obi-Parkplatz wieder nach Hause zu kommen. Da staut es sich gerne.
Beweis dafür, dass noch etwas geht in Biberach, ist auch die neue "Lafayette Lounge", die der OB nicht erwähnt, weil sie (wenige Meter vom Biber Center entfernt) in Warthausen liegt. Der elegante Club entwickelte sich rasch zum Wochenendrenner für Biberachs Partyfans. |
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Kultur in Biberach „Kultur ist nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig“, erklärte Bundespräsident Johannes Rau vor kurzem in seinem Grußwort zur Eröffnung des Kongresses der Kulturstiftung der Länder "Bündnis für Theater". Dies haben wir in Biberach schon lange erkannt und handeln entsprechend. Kultur wird in Biberach nicht als Luxus angesehen, sondern in gewissem Maß als Pflichtaufgabe, nicht zuletzt, da wir unser kulturelles Angebot auch als weichen Standortfaktor begreifen. Ganz in diesem Sinne sind auch die eingangs erwähnten Bemühungen zu verstehen, den Haushalt zu konsolidieren, damit wir auch weiterhin ein ausgewogenes, vielseitiges kulturelles Angebot gemeinsam mit vielen ehrenamtlich Tätigen gewährleisten können. Aufgrund der Vielfalt des Angebots können hier nur einige wenige Bereiche stellvertretend für viele andere stehen. Mit einem Vierteljahrhundert cineastischer Sternstunden warb das Plakat der 25. Biberacher Filmfestspiele. Und es wurden wahrhaft glanzvolle Jubiläumsfilmfestpiele. 8.100 Cineasten waren in vier Tagen in die Filmtheaterbetriebe Kutter geströmt und nutzten die Gelegenheit, neue deutsche Filme zu sehen und mit den über 100 angereisten Filmschaffenden zu diskutieren. Zum Auftakt war auch Staatssekretärin Ute Vogt als Vertreterin der Bundesregierung anwesend. Zum Jubiläum gab es einige Besonderheiten und Neuerungen: Die Stadt Biberach rollte am verkaufsoffenen Festivalsonntag den „Blauen Teppich“ für die Filmschaffenden aus, der sie zum Empfang ins Rathaus geleitete, nachdem sie in Oldtimern auf dem Marktplatz vorgefahren waren. Im Rahmen des Empfangs fand ein erstes Resümee zu den 25. Filmfestspielen statt, bei dem Regisseur Ottokar Runze, der vor 25 Jahren die Biberacher Filmfestspiele eröffnet hatte, die Biberacher und ihre Liebe zum Film lobte. Um den zum Festival angereisten Filmschaffenden, aber auch anderen zu zeigen, welche Möglichkeiten in Biberach für einen „Dreh“ bestehen, fand bereits am Samstag zusammen mit der Medien- und Filmfördergesellschaft eine Location-Tour statt, die auf gute Resonanz stieß. Diese Motivsuche rund um Biberach soll daher zu einem festen Bestandteil des Festivalprogramms werden. Den Festival-Abschluss bildete die große Gala in der Stadthalle mit Show und Tanz als Rahmen der Filmpreisverleihung sowie ausgezeichneter Bewirtung. Ausgerichtet wurde diese Veranstaltung wieder großzügig von der Firma KaVo Dental GmbH Co. KG, die den Filmfestspielen seit Jahren verbunden ist, dabei aber sehr im Stillen agiert, „ein leiser Filmfest-Motor“, wie die Schwäbische Zeitung zurecht titulierte. Denn KaVo richtet nicht nur die Gala aus, sondern organisiert parallel zu den Filmfestspielen eine Firmenveranstaltung, zu der in diesem Jahr rund 1.000 geladene Gäste zu zwei Sondervorstellungen kamen. Neu bei der Gala war die Verleihung des mit 5.000 € dotierten Filmpreises der Stadt Biberach, der „Goldene Biber“, der nun jährlich gestiftet wird und unsere Verbundenheit zum Festival dokumentiert. Neu war auch die Unterstützung der Organisation durch den Trägerverein Filmfestspiele e.V., der sich auf Anregung der Stadt aus Institutionen und Personen gründete, die bereits in der Vergangenheit das Festival unterstützten. Um das Festival, das reinstes Stadtmarketing und ein Markenzeichen Biberachs ist, zukunftssicher zu machen, wird sich der Trägerverein um die Organisation des Festivals, dessen Vorbereitung und überregionale Vermarktung, kümmern, damit Adrian Kutter sich auf die Funktion des „künstlerischen Leiters“ konzentrieren kann. Die Filmfestspiele sind ein typisches Beispiel, wie durch Privatinitiative gekoppelt mit Firmensponsoring, ehrenamtlichem Engagement und städtischer Unterstützung auch weiterhin Großes geleistet werden kann. Ein weiteres Beispiel, was viele einzelne Menschen gemeinsam bewirken können, sind unsere Städtepartnerschaften. Mit ihren Veranstaltungen wurden sie vielfach zu Fixpunkten im Biberacher Leben. Am 22. Januar würdigten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Jacques Chirac während der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages dessen historische Bedeutung. Auch unsere Verbindungen zu Valence entwickelten sich in den 36 Jahren unserer freundschaftlichen Beziehungen im Geiste dieses Vertrags. Heute gehören unsere Begegnungen im Rahmen aller Städtepartnerschaften schon fast zum Alltag, sind familiär, sehr lebendig und bilden eine gute Basis für ein vereintes Europa. Über 100 Veranstaltungen und Aktivitäten waren 2003 zu verzeichnen. Dies ist vor allem der großen Initiative des Partnerschaftsvereins zu verdanken. Dessen Aktivität wurde durch die Ernennung von Dr. Wolfgang Grimm und Hildegard Groner zu Ehrenbürgern der Stadt Telawi besonders gewürdigt. Auch Alt-OB Claus-Wilhelm Hoffmann wurde für seine Verdienste um die Partnerschaften geehrt und zum ersten Ehrenbürger der Stadt Schweidnitz ernannt. Sorge bereitete uns nach den jüngsten Ereignissen in Georgien, wie sich die unsichere politische Lage auf unsere Freunde in Telawi auswirkt. Rainer Weller machte sich kundig und erfuhr von unterschiedlichen Reaktionen: Es gibt Zustimmung zum Rücktritt Schewardnadses aber wohl auch massive Ängste und alle sind überzeugt, dass sich der Machtwechsel auf allen Ebenen auswirken wird. Hoffen wir, dass ein Neuanfang zum Wohle der Menschen gelingt. Ein Höhepunkt des diesjährigen Partnerschaftsjahres war die 3. Polnische Woche, bei der ein hochwertiges, vielseitiges Programm aus Musik, Kunst, Literatur, Film und Sport bis zu kulinarischen Spezialitäten geboten wurde. In diesem Zeitraum, vom 10. bis 12. Oktober, fand auch die erste Partnerschaftsolympiade statt. Über 200 Sportler aus den Biberacher Partnerstädten Valence, Asti, Tendring-District, Schweidnitz und Telawi reisten zur sportlichen Begegnung nach Biberach. Die Idee eines Sport-Meetings im Rahmen eines Städtewettkampfes entstand im Vorstand der Turngemeinde, um weitere Personenkreise und junge Leute für den Gedanken der Partnerschaft zu gewinnen. Begeistert wurde zwei Tage lang getanzt, gefeiert, und es fanden sportliche Wettkämpfe um den Pokal des Oberbürgermeisters statt. Als siegreiche Mannschaft ging das Biberacher Team hervor. Besonders erfreulich ist, dass es ernsthafte Überlegungen der Partnerstädte gibt, den Gedanken des „grenzenlosen Sports“ in zwei Jahren mit einer weiteren Partnerschaftsolympiade weiterzuführen. Auch wenn formal keine Partnerschaft besteht, verbinden uns doch tiefe freundschaftliche Bande zur Kanalinsel Guernsey. Seit rund sechs Jahren besteht ein Freundeskreis und dieses Jahr gab es für uns eine historische Begegnung: Die erste offizielle Biberacher Delegation wurde Anfang Mai nach Guernsey eingeladen und durfte am 9. Mai an den Feierlichkeiten zum Befreiungstag teilnehmen. Das Unrecht, das Guernsey während des 2. Weltkrieges angetan wurde und für das wir Deutschen alle verantwortlich sind, stand lange zwischen uns. Daher freuten wir uns außerordentlich über die Einladung als ein offenes und ehrliches Zeichen zur Versöhnung. Fast 40 Jahre nach den ersten Aussöhnungsversuchen mit Frankreich konnte nun auch der Versöhnungsprozess mit den Kanalinseln durch diese ein-drucksvolle Feierlichkeit offiziell besiegelt werden. Da wir hoffen, die Beziehungen in den kommenden Jahren weiter ausbauen zu können, wird Guernsey in den Tendring-Ausschuss des Partnerschaftsvereins integriert und gleich behandelt wie unsere Partnerstädte.(Weberberg.de präsentiert den Bericht von Kulturdezernent Dr. Hans-Peter Biege) 2003 war das erste „Normaljahr“ des Braith-Mali-Museums, da erstmals seit der baulichen Sanierung keine Neueröffnung einer Abteilung mehr anstand. Folgerichtig hatte das Museumsteam den Rücken frei, um besonders aufwändige und attraktive Sonderausstellungen zu organisieren. So zeigte das Haus von Juni bis September in der ersten Ernst Ludwig Kirchner-Sonderausstellung in Biberach „Ernst Ludwig Kirchner und der Tanz“ über 70 Bildwerke des bedeutenden Expressionisten: Gemälde, Lithografien, Holzdrucke, Radierungen, Aquarelle, Zeichnungen, Fotografien und gewebte Teppiche kamen von zum Teil internationalen Leihgebern nach Biberach, in der Hauptsache aus dem Kirchner Museum in Davos, aber u. a. auch aus Stuttgart, Bern, Zürich und Karlsruhe. Mehr als 5.000 Besucher sahen die wunderschöne und motivisch abgerundete Ausstellung. Davon nahmen mehr als 2.000 Besucher (40 %) an Führungen oder Vorträgen zum Thema teil, ein beeindruckender Beleg für die Publikumsnähe unseres Museums. Ein weiterer Beleg für die Qualität der Biberacher Museumsarbeit war die Nominierung des Braith-Mali-Museums für die Verleihung des Europäischen Museumspreises in Kopenhagen. Unter der Schirmherrschaft des Europarates verleiht das Europäische Museumsforum diesen Preis alljährlich an neu eröffnete Museen. Die Jury hatte zwischen 51 Kandidaten aus 21 Ländern zu wählen. Freilich konnte das Biberacher Museum den Preis nicht gewinnen. Der ging an eine Berühmtheit in der Museumsszene: das Victoria and Albert Museum in London. Für das Braith-Mali-Museum war aber bereits die Nominierung und Aufnahme in den erlauchten Kreis der europaweit innovativen und beispielhaften Museen des Jahres 2003 ein großartiger Erfolg. Seit Oktober zeigt unser Mehrspartenmuseum eine archäologische Sonderausstellung: „Rulaman der Steinzeitheld“. Der in Württemberg berühmte Jugendroman „Rulaman“ von David Friedrich Weinland wurde 125 Jahre alt. Die Ausstellung vergleicht noch bis zum 22. Februar die poetischen Vorstellungen des Autors des 19. Jahrhunderts mit dem heutigen archäologischen Forschungsstand und zeichnet mit spektakulären Funden wie z.B. dem „Löwenmenschen“ sowie mit Filmen und lebensechten Figurinen ein überraschend wirklichkeitsnahes Bild der Steinzeit. Die Ausstellung eignet sich hervorragend für einen Besuch mit der ganzen Familie. Und all das kann man auch noch länger ansehen, denn schon Mitte März wurden die Öffnungszeiten um wöchentlich fünf Stunden erweitert. Treff- und Anziehungspunkt der Kultur- und Literaturszene war Biberach einmal mehr beim Literatursommer vom 18. bis 20. Juli. Er hat sich bereits gut etabliert und seinen festen Platz im städtischen Kulturprogramm. Anlass war der 25. Geburtstag des Literaturarchivs Oberschwabens und eingeladen hatten das Literarische Forum Oberschwaben, der Südwestrundfunk und das Kulturamt. 18 Autorinnen und Autoren stellten ihre Texte vor, über die anschließend mit dem zahlreich erschienenen, interessierten Publikum diskutiert wurde. Zwischen zwei Veranstaltungen konnte man dank der lauen Sommernacht im Museumshof der Musik lauschen oder am Büchertisch das Gehörte erwerben und vielleicht sogar vom Autor signieren lassen. Wie ich finde, eine angenehme Art, sich Literatur zu nähern |
Eines von Tausenden Gesprächen beim Filmfest. Links Floriane Kutter, in der Mitte Ottokar Runze.
Ganz so üppig (5000 Euro für "Luther") wie beim großen Filmfest wird der Hauptpreis beim geplanten Biberach Independent Film Festival 2004 nicht ausfallen. Aber Schnittsoftware für 400 Euro sind für einen Jungfilmer ja auch schon was und sind letztlich mehr als 5000 Euro im Etat einer Großproduktion.
Ausstellung polnischer Plakatkunst im Rathaus. Im Bild: Joanna Laufersweiler
Wahrhaft einzigartig: Die Braith-Mali-Ateliers
Rulaman der Steinzeitheld |
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Barrierefreies Biberach In diesem Jahr möchte ich stellvertretend über ein Projekt der Arbeitsgruppe Soziales im Prozess von Biberach 21 (Lokale Agenda 21) berichten: „Barrierefreie Stadt Biberach“. Auch dieses Projekt wird von ehrenamtlichem Engagement getragen. Durch Umsetzung eines Bausteinkonzeptes soll das Leben für Menschen mit Behinderung in Biberach nachhaltig verbessert und die Öffentlichkeit für deren Be-lange sensibilisiert werden. Ich freue mich, dass es gelang, viele Organisationen für dieses Thema zu gewinnen und das Projekt vielfältig zu verankern. Neben der Arbeitsgruppe Soziales haben sich die Caritas, die Diakonie, der Integrationsfachdienst, die Lebenshilfe e. V., die St. Elisabeth Stiftung/Heggbacher Einrichtung, der Sozialverband VdK, Ortsverband Biberach und die Stadt Biberach zusammengefunden. Begonnen wurde das Projekt im Frühjahr mit einer Fotoausstellung mit Bildern von Uli Stöckle vom Agenturhaus Biberach, bei der sowohl Positiv- als auch Negativbeispiele aus Biberach gezeigt wurden. Neben anderen öffentlichkeits-wirksamen Maßnahmen ist auch ein Wettbewerb Einzelhandel zur barrierefreien Gestaltung der Einkaufsmöglichkeiten in Vorbereitung. Eine Bürger- und Betroffenenbefragung, die von der Caritas durchgeführt wurde, hat konkrete Wünsche genannt, wie die Schaffung von mehr Behinderten-Parkplätzen oder ein Mehr an Toiletten und Wickelmöglichkeiten auch für diesen Personenkreis. Über das Projekt hinaus wird der vor kurzem gegründete Beirat für Barrierefreiheit und Teilhabe, in dem Vertreter aller Menschen mit Behinderung sitzen, deren Interessen weiter vertreten. Er versteht sich u. a. als Beratungsorgan bei städtischen Planungen, um frühzeitig die Belange und Erfordernisse zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung einzufordern. Leider nutzt der betroffene Personenkreis bislang öffentliche Verkehrsmittel nur sehr gering, obwohl alle im Stadtlinienverkehr fahrenden Busse als Niederflurbusse mit mechanischer Rampe behindertengerecht ausgerüstet sind. Ein Angebot der Stadtwerke, deren Nutzbarkeit zu testen, fand erfreuliche Resonanz. Dem Biberacher Bahnhof wird dagegen in keinerlei Hinsicht Barrierefreiheit bescheinigt. Die Zustände am Bahnhof sind untragbar, was die Verantwortlichen der Bahn nicht besonders zu stören scheint. Der Gemeinderat gab im Herbst, trotz angespannter Finanzlage, grünes Licht für die von Biberach schon lange gegenüber der Bahn geforderte Sanierung des Bahnhofs. Auch wenn nur das Nötigste gemacht würde (Erhöhung der Bahnsteige, behindertengerechte Unterführung zur Freiburger Straße), fielen Gesamtkosten von rund 4,4 Mio. € an, wovon die Stadt Biberach ca. 1,4 Mio. tragen müsste. Voraussetzung dieser Rechnung ist eine Bezuschussung der Maßnahme zu 85 % aus GVFG-Mitteln. Es zeichnet sich jedoch leider ab, dass der Zuschuss auf 75 % reduziert wird. Überdies verlangt die Bahn AG nun auch noch, die Stadt müsse die Verkehrssicherungspflicht für einen Teil der Bahnsteige übernehmen. Man stelle sich vor, wir investieren eine Millionensumme in Grundstücke der Bahn und zum Dank sollen wir dann auch noch den Räum- und Streudienst übernehmen! Dies werden wir auf keinen Fall hinnehmen, was ich auch in einem Schreiben an Herrn Mehdorn zum Ausdruck bringen werde. |
Für Menschen, die nicht uneingeschränkt mobil sind, ist das Internet eine wichtige Informationsquelle. Der virtuelle Stadtrundgang von Weberberg.de ist daher besonders für sie interessant. Mittlerweile hat auch die Stadt Biberach ihn verlinkt. Bis es so weit war, hat Weberberg.de sich einigermaßen aufwändig dafür verkämpfen müssen. Im obigen Foto von Uli Stöckle: der Biberacher Bahnhof. Eine äußerst ansprechende Fotoausstellung (Fotograf ebenfalls Uli Stöckle) darüber, wie die Realität für Rollstuhlfahrer in Biberach aussieht, war im Rathaus zu sehen.
Biberachs Bahnhof |