Das Weberberg.de-Interview zum OB Wahlkampf: Oberbürgermeister Thomas Fettback

Es ist noch eine ganze Weile hin bis zum OB-Wahlkampf. Weberberg.de wollte aber bereits jetzt wissen, wie der erneut kandidierende Oberbürgermeister Thomas Fettback Biberach, sich selbst, sein Amt und die Zukunft sieht.

Weberberg.de:  Herr Fettback, Sie treten am 3. Februar 2002 erneut zur Wahl an. Macht das Amt des Oberbürgermeisters von Biberach so viel Spaß?

OB Thomas Fettback:  Manche mögen Biberach für liebenswert halten, für mich ist es vor allem lebenswert. Aber man muss die Strukturen, die es in Biberach gibt, erst erlernen, um sie bewerten zu können. Wenn das geglückt ist, kann man die Vorzüge dieser Stadt erst richtig erkennen und schätzen lernen.

Weberberg.de:  Bei den politisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern herrscht der Eindruck vor, dass Sie ein sehr schwieriges Anfangsjahr, vielleicht sogar zwei hatten, sich aber jetzt mit dem Gemeinderat zusammengerauft haben. Stimmt der Eindruck?

OB Thomas Fettback:  Ja. Es waren sogar eher mehrere Jahre. Was mir den Anfang schwierig gemacht hat, war auch meine Ungeduld mit mir selbst und meiner Umgebung und der Versuch, ohne die Strukturen zu kennen, Ideen zu schnell umsetzen zu wollen. Das hat dann zu sehr ineffektiven Konfrontationen geführt. Wenn ich diese Schwierigkeiten, die ich hatte, erwähne, dann schließe ich da meine Familie mit ein. Die Kehrtwende kam dann vor drei oder vier Jahren, als ich daheim mit meiner Frau auf der Terrasse an der Riß saß und sie sagte, sie könne sich nicht mehr vorstellen, hier wegzugehen. (Redaktioneller Hinweis: Hier das Wahlergebnis der letzten GR-Wahl)

Weberberg.de:  Was hat denn den Anfang so schwierig gemacht?

OB Thomas Fettback:  Wie gesagt, die Strukturen, die ich nicht kannte. Man läßt sich hier halt nicht gerne von jemandem, der von außen kommt, etwas sagen. Das ist ein Fakt, keine Kritik. Man hat mir mitunter wohl auch bewußt Steine in den Weg gelegt. Aber ich habe dazu gelernt und lerne immer noch. Wenn ich behaupten würde, nach sieben Jahren die Stadt wirklich genau zu kennen, würde ich lügen.

Weberberg.de:  Ein Beispiel für eine solche Lernphase?

OB Thomas Fettback:  Den Dramatischen Verein habe ich anfangs für undefinierbar und elitär gehalten. Das Urteil habe ich absolut revidieren müssen. Was dort produziert wird, ist qualitativ wirklich gut. Und ich habe gelernt, dass es nicht Aufgabe des OB ist, zu sagen, dies ist gut und jenes schlecht.

Weberberg.de:  Sie sind kein begnadeter Redner. Das meint ihre Partei, das sprechen Sie auch gelegentlich selbstkritisch oder ironisch an. War es schwierig, in die Fußstapfen der Silberzunge C.-W. Hoffmann zu treten?

OB Thomas Fettback:  Ich denke nicht. Es stimmt, dass ich nicht das große Redetalent bin. Aber es ist wichtiger, was man sagt. Claus-Wilhelm Hoffmann und ich haben andere Themen und sind vom Wesen her unterschiedlich. In den ersten Jahren musste ich oft zu Themen und bei Anlässen reden, die mir fremd waren. Dabei fühle ich mich nie wohl. Und anfangs hatte ich wenige beratende Helfer. Beispiel die Rede zur Heimatstunde: Damals wusste ich nur "Das ist ein wichtiger Anlass und du musst die Amtskette tragen". An Schützen 2001 habe ich mich in dieser Rolle sehr Zuhause gefühlt und ich denke, meine Rede ist auch gut angekommen.

Weberberg.de:  Nach gewonnenen Wahlen sagen Ministerpräsidenten und Oberbürgermeister immer, dass sie für alle BürgerInnen da seien, nicht nur für die Anhänger ihrer eigenen Partei. Hätten Sie aber nicht mit einer rot-grünen Mehrheit im Gemeinderat mehr von dem bewegen können, das Ihnen wichtig ist?

OB Thomas Fettback:  Nein, denn Gott sei Dank sind alle wirklich wichtigen Entscheidungen im Gemeinderat mit großer Mehrheit gefallen. Denken Sie an das Industriegebiet Aspach. Natürlich gab es den Kladderadatsch mit der Marktplatzgestaltung. Und manchmal, etwa in Umweltfragen, war es schmerzhaft, mit dem eigenen Lager unterzugehen. Ein Oberbürgermeister sollte sich parteineutral verhalten und ich tue dies auch. In den Fragen Flugplatzerweiterung und Verlängerung der Königsberger Allee, die ich beide für wichtig halte, vertrete ich eine andere Position als die SPD und die Grünen.

Weberberg.de: Ganz so einmütig läuft aber doch nicht alles. Sie haben dem laufenden Haushaltsplan nicht zugestimmt.

Thomas Fettback:  Richtig. Die dort vorgesehenen Streichungen halte ich für negativ. Die Personalkosten zu deckeln, wo es uns doch nicht schlecht geht, ist das absolut falsche Zeichen, wenn man die Stadt als Dienstleistungsunternehmen sieht. Das demotiviert die städtischen Angestellten. Den pädagogischen Mitarbeiter der VHS, Hermann Schnirring, jemand, der wirklich viel im Bereich Kunst aufgebaut hat, nicht einzustellen, war ebenso falsch, wie die Nichteinrichtung einer halben Stelle für Museumspädagogik oder die Aufstockung der Behindertenarbeit der Jugendmusikschule. Unter dem Sparaspekt besonders unsinnig war es auch, die Realisierung eines "Bürgeramtes" zu verweigern. Dafür waren Konzept und Kostenrechnung bereits fertig, die Vorarbeiten finanziert. Die Bürger hätten damit, wie in immer mehr Städten erfolgreich umgesetzt, eine Stelle, an der sie alles erledigen könnten, was ihren Kontakt mit städtischen Ämtern betrifft. Sie bräuchten dann nicht mehr von Amt zu Amt zu laufen. Das hierfür kein Geld vorhanden sein soll bei Gewerbesteuereinnahmen von 45 Millionen plus X in diesem Jahr leuchtet mir nicht ein.

Weberberg.de:  Die anderen Parteien haben noch keine Kandidaten nominiert. Rechnen Sie noch mit einer Gegenkandidatur?

OB Thomas Fettback:  Von der CDU sicher. Bei der FDP halte ich die Frage für offen.

Weberberg.de:  Sie erwähnten kürzlich in einem Gespräch, und ein Bericht in der Schwäbischen hatte denselben Tenor, dass Ihre Vorstellungen und die der Wirtschftsjunioren sehr nahe beieinander liegen. Wo gibt es denn da die großen Gemeinsamkeiten?

OB Thomas Fettback:  In der Einschätzung der Zukunftsfragen. Wir hatten im Jahre 2000 mit etwa 3,4% eine sehr niedrige Arbeitslosenquote im Kreis. Das Problem für Firmen ist, Mitarbeiter zu finden. Und da werden die "weichen Standortfaktoren" immer wichtiger, also die Versorgung mit sozialen und kulturellen Einrichtungen. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pflegeversicherung muss auch für die Städte Konsequenzen haben: Wir brauchen mehr Ganztagsschulen, Kindergartenplätze für Kinder unter drei Jahren und wir müssen es Frauen leichter machen, in ihren Beruf zurückzukehren. Die Wirtschaftsjunioren sind erfreulich aktiv. Als ich einen Runden Tisch zu Umweltfragen initiierte, war Herr Merk sofort dabei. Auch meine Vorstellungen davon, die Städtepartnerschaften um eine weitere Ebene zu ergänzen, etwa durch Kontakte zwischen den örtlichen Wirtschaftsorganisationen, stößt hier auf offene Ohren. In Valence leider noch nicht so.

Weberberg.de:  Soweit die Wirtschaftsjunioren. Was ist mit den Wirtschaftssenioren?

OB Thomas Fettback:  Ich bin sehr froh, dass wir in Biberach Unternehmer im wahrsten Sinne des Wortes haben. Und dass sie bei aller Härte in Verhandlungen mit der Stadt ihre Verbundenheit mit Stadt und Region nie vergessen. Und in diesem Zusammenhang kann ich mir wohl auf meine Fahnen schreiben, dass die Stadt seit Oktober 2000 eine Stelle zur Wirtschaftsförderung hat.

Weberberg.de:  Die Folgen der deutschen Einigung waren und sind mehr und mehr gerade von den Kommunen zu tragen. Hat Biberach das verkraftet?

OB Thomas Fettback:  Ja, weil es uns finanziell gut geht. Wir haben 1995-1999 165 Millionen DM investiert und bei 16 Millionen Mark Neuverschuldung 15 Millionen getilgt. Das ist gigantisch gut. Im Regierungsbezirk Tübingen sind wir die Stadt mit den besten Eckdaten. Bei den Personalkosten liegen wir zwar im oberen Drittel, aber die von mir zur Überprüfung ins Haus geholte Gemeindeprüfungsanstalt hat uns bescheinigt, dass wir eine Infrastruktur für 45 000 Einwohner bereithalten, wenn man das Angebot unter anderem im Bereich Schulen, Kultur und Sport betrachtet. Das sind teils Pflichtleistungen aber auch freiwillige. Und wenn man das berücksichtigt, liegen wir bei den Personalkosten im guten Mittelfeld. 12 Prozent Personal haben wir abgebaut ohne jemanden zu kündigen. Den Löwenanteil davon durch die Zusammenlegung von Bauhof und Garten- und Friedhofsamt, die jetzt als Baubetriebsamt effektiver arbeiten.

Weberberg.de:  Fettback, Loth, Biege, Ogertschnig - nicht gerade ein Team, das mit Begeisterung zusammen in den Urlaub fahren würde, oder?

OB Thomas Fettback: (Lacht.)  Wir haben so viel um die Ohren, dass für gemeinsamen Urlaub keine Zeit bleibt.

Weberberg.de: Was muss den in den nächsten Jahren - wie man so sagt - an Wichtigem noch geschultert werden?

OB Thomas Fettback:  Vielleicht die drei dicksten Brocken: Einmal der Bereich Bildung, obwohl Kommunen dort nur begrenzt wirken können. Wir brauchen mehr Betreuungsangebote im Bereich Kindergärten und -horte und mehr Unterstützung der Schulen durch Sozialarbeit. Wenn ich von örtlichen Fachleuten höre, dass immer mehr Schüler motorische Schwierigkeiten haben, dass sie (eigentlich eine einfache Übung) nicht mehr rückwärts laufen können und leicht stürzen, dann sagt mir das, dass wir mehr tun müssen im Bereich Sozial- und Freizeitangebote. Dies zumal in einer Zeit, in der Kinder in ihrer Familie keine Spielgefährten mehr finden.

Andere Schwerpunkte wären es, die Mittelzentrumsfunktion zu stärken - auch durch Einrichtungen mit überregionaler Bedeutung. Ein Fachmarktzentrum zu erhalten oder ein ausgebautes Jordanbad wären hier ebenso wichtig wie Unterhaltungsangebote für Jugendliche. Sollen die wirklich immer am Wochenende nach Ulm oder Stuttgart fahren? Ich denke, wir müssen und können das ändern. Warum kann man nicht eine große Turnhalle mit einer Diskothek unterkellern? Natürlich nicht von der Stadt betrieben.

Weberberg.de:  Etwas, das man immer wieder über sie hört, ist, dass Sie leicht ansprechbar sind, sich nicht hinter ihrem Status verschanzen. Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt mit den BürgerInnen?

OB Thomas Fettback:  Dieser Kontakt macht mir wirklich am meisten Spaß und ich lerne viel daraus. Egal ob es sich um einen Seniorennachmittag handelt oder um Schulklassen, die mein Angebot wahrnehmen, zur Diskussion ins Rathaus zu kommen. Immer wieder erfahre ich dabei von Projekten, die gar nicht bekannt sind.

Weberberg.de: Sie führen ein erstes frühes Wahlkampfinterview mit einem Online-Medium. Im September wird es eine städtisch unterstützte Aktion geben, in der Biberacher Seniorinnen und Senioren mit dem Internet vertraut gemacht werden sollen. Für wie wichtig halten sie die neuen Medien - auch auf lokaler Ebene?

OB Thomas Fettback: Allgemein glaube ich, dass wir uns in einer ähnlichen Umbruchsphase befinden, wie am Anfang des 20. Jahrhundert. Die sogenannten "Neuen Medien" werden unseren Alltag bestimmen. Es wird beispielsweise künftig eben so wichtig sein, an einer "Datenautobahn" angeschlossen zu sein, wie heute an einer wirklichen Autobahn. Für die lokale Ebene bedeuten die neuen Medien also das, was wir unter Infrastruktur verstehen - mal unabhängig davon, dass dieser Bereich Arbeitsplätze schafft und in das Bildungsangebot gehört.

Weberberg.de:  Zum Schluss möchten wir Ihnen noch ein paar Stichworte aus der politischen Diskussion und auch zu Biberacher Themen nennen. Es wäre nett, wenn Sie sehr kurz dazu ihre Assoziationen und Gedanken nennen würden.

Stichwort Fernstraßenbau.

OB Thomas Fettback:  Unglaublich wichtig. Wer meint, durch Nichtbau von Straßen Verkehr verhindern zu können, täuscht sich gewaltig.

Stichwort Städtepartnerschaft

OB Thomas Fettback:  Weit mehr als nur oberflächliches Feiern.

Stichwort Esel

OB Thomas Fettback:  Den finde ich nach wie vor toll und er sollte bleiben.

Stichwort Oberschwaben

OB Thomas Fettback:  Gibt's das typische Oberschwaben? Dass das Leben hier so angenehm ist, liegt auch an sehr engagierten Leuten. Und das sind sehr oft auch Zugereiste.

Stichwort Gentechnik

OB Thomas Fettback:  Richtig angewandt, die einzige Chance, die Probleme unserer Erde zu lösen.

Stichwort Homo-Ehe

OB Thomas Fettback:  Gehört zu einem toleranten Staat.

Stichwort OB-Gehalt.

OB Thomas Fettback:  Ist mir nicht so wichtig.

Stichwort PDS

OB Thomas Fettback:  Eine Bereicherung für die politische Auseinandersetzung im geeinten Deutschland.

Stichwort Schützenfest

OB Thomas Fettback:  Ich sag's immer wieder: Es müsste erfunden werden, wenn es es nicht gäbe. Es hat seine Probleme, aber per Saldo ist es ein riesig tolles Fest, das keinen ausschließt. Und es tut sich was: Dass der Schützendirektor sich jetzt Wahlen stellt, halte ich für bemerkenswert.

Stichwort gemischtnationale Ehe

OB Thomas Fettback:  Anstrengend und unglaublich toll. Ich erlebe es in den Auseinandersetzungen mit meiner Frau immer wieder: Der zurückhaltende Norddeutsche konfrontiert mit der lebhaften Gestik einer Spanierin. Körpersprache kann da leicht zu Missverständnissen führen. Da die sich aber immer klären lassen, finde ich das liebenswert und äußerst spannend.

Weberberg.de:  Herr Fettback, Weberberg.de dankt für dieses wohl erste Online-Interview eines Biberacher OBs.

Die Fragen stellte Weberberg.de-Mitarbeiter D. Andresen

Im NeubürgerInnen-ABC: Der OB-Wahlkampf

Der Thomas-Fettback-Suchroboter - Ein Weberberg.de-Service

Der Biberacher RathausHelfer - Ein Weberberg.de-Service

Die offizielle Website von OB Thomas Fettback