Rucksack Reloaded

oder: Staatsstreich in Abdera?

 

Eine Geschichte, die sich so oder ähnlich möglicherweise nie zugetragen haben könnte.

Mit vielen Bildern von Schütza 2004

©
Weberberg.de 2004
(Die Story handelt von Verhältnissen in Abdera. Die Bilder sind aus Biberach vom Schützenfest 2004. Sie haben keinerlei inhaltliche Verbindung zu der Geschichte. Alle Namen sind erdacht und haben mit real existierenden Personen sowas von nichts zu tun, Sie glauben es nicht.)

     
     


In der Kantine des Polizeiquartiers von Abdera herrschte Hochstimmung. Endlich war die Kuh vom Eis. Man hatte ein neues Konzept für eine neue Stadt, für eine sicherere, für eine überwachte Stadt Abdera und man hatte eine Strategie dafür, wie man dieses Konzept durchsetzen konnte. Kein Wunder, dass die fröhlichen Gesänge nicht aufhörten.

Am beliebtesten - wen wundert's? - dieses Lied:

„Mit der Cam immer dabei, das ist pri-hi-ma.
Viva die Sony, ja!
Wir zoomen und wir speichern,
grad wie es uns gefällt.
Und wenn wir Mitschau sagen,
dann glaubt’s die ganze Welt!“

Noch wenige Stunden vorher sah die Diskussionslage ganz anders aus. Kritisch. Sehr kritisch. Fast hoffnungslos.

 


„Das kriegen wir nie durch. Das merkt doch jeder. Eine andere Stadt! Und das hier in diesem traditionell weltoffenen Abdera. Da verbrennen wir uns die Finger. Jetzt plötzlich alles nach Belieben zu überwachen, das ist doch so etwas wie ein ...Staatsstreich,“ argumentierte ein Mittlerer Dienstgrad und erhielt einen strengen Blick seines Chefs, der ihn beschied: „In der Tat ist das politisch und PR-logistisch nicht ganz einfach. Deswegen setzen wir es auch nicht irgendwann um, sondern zu einem Zeitpunkt, an dem die Bevölkerung eh trunken vor Glück ist. Dann sagen wir, dass wir sie in ihrem Glück schützen wollen, damit machen wir uns garantiert nur Freunde und alles geht glatt durch, egal, ob es legal ist oder nicht.“

Manchen klappte da die Kinnlade herunter. Ausgerechnet das Heiligste von Abdera wollte man instrumentalisieren, das Schutzfest.


Und sich am Heiligsten der Nation vergehen, dem Recht.

Der Polizeichef spürte, dass er noch nicht alle Köpfe gewonnen hatte und rief seinen Adjutanten: "Schulz, bringen Sie den Beamer!“ Ein Stimme rief „Au, ja! Wieder Kino Hubbi!“. Leider konnte der Chef nicht ganz ausmachen, welche Stimme es war, sonst das hätte für ihren Besitzer wohl Folgen gehabt.


Bald war der Beamer gebracht, der Laptop angeschlossen und die PowerPoint-Show konnte beginnen. „An diesen Argumenten wird doch keiner vorbeikommen,“ sagte der Polizeichef und präsentierte die erste Folie. Von oben links schwebten zwei Wörter ein...

Steigende Gewaltbereitschaft
Sexuelle Übergriffe
Mysteriöse Zeichen
(möglicherweise Verschwörung)
Missachtung des Flaschenpfandes
Widerwärtigster Müll im öffentlichen Raum
Exhibitionismus
Subversive Demonstration von Ungehorsam
Unangemeldete Schönheitstänze ohne Zahlung der Vergnügungssteuer
Krasses Fehlverhalten bei der Wahl des Schutzfestschatzes
Sitzblockaden
Inoffizielle Ruhestörung
Gefährdung der weiblichen Bevölkerung durch zwielichtige Gestalten
Unglaublich überzogene Geltungssucht einzelner Mitbürger zum Schaden der Sicherheit der Bevölkerung
Verdächtig gute Laune trotz WC-Mangels
Anonyme Grinsepics
Öffentliche Laszivitäten
     
"Ich halt das nicht mehr aus!" stöhnte da einer der Beamten aus den unteren Diensträngen. In scharfem Ton fragte der Polizeichef: "Wie meinen Sie das?" "Ich, äh, ach, ich bin nur entsetzt von so viel, äh, also, wenn diese Aktionen gesetzwidrig, also, ich weiß nicht, äh, wie soll man das denn alles in den Griff bekommen?" entgegnete der Angesprochene mit puterrotem Gesicht.

"Ja, das ist schon starker Tobak," fuhr der Polizeichef beruhigt fort. "Wir machen wohl am besten mal eine Verschnaufpause."

Aber schon bald ging es weiter...

Der Polizeichef lächelte. "Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen gerne noch weitere Gründe für die Videoüberwachung nennen, aber ich glaube, das genügt vorerst. Hier nun unser Konzept." Er betätigte die Fernsteuerung.

Wieder drehten sich zwei Wörter, bevor sie auf der Mitte der Leinwand zur Ruhe kamen.

 

 

Das
Maximalkonzept

 

Der Anwärter Müller hob die Hand. "Das bekommen wir in Abdera nicht durch. Gegen eine solche Totalüberwachung werden sich die Leute sicher wehren. Und falls das nicht so ganz legal sein sollte, werden die Medien sicher..."

Der Polizeichef unterbrach ihn: "Wieso soll das nicht legal sein? Wir werden das prüfen. Sehr sorgfältig, falls Sie wissen, was ich meine. Und was die Medien angeht, da bin ich sicher, dass die mitziehen. Eigentlich wäre das ein Forumsthema für unsere lokale Tageszeitung. Derlei Diskussionen mit den BürgerInnen waren ja angekündigt worden, nachdem man den vorherigen Chef geschasst hatte. Geworden ist daraus natürlich nichts. Und solch eine wichtige Sache ist bei der Zeitung natürlich Chefsache.

Glücklicherweise haben wir bei der Zeitung hier einen Chef, der so gut wie nie etwas schreibt.Schon gar keine kritischen Kommentare. Also Entwarnung. Und die anderen Blätter werden schon von alleine auf Linie gehen.

Als Bonbonle verpacken wir das Ganze in ein schönes "Sicherheitskonzept" zusammen mit Buslinien und Glaspfandgebühren sowie als Ablenkung eine Sperrzeitverlängerung, da geht das Thema schon von alleine unter. Und wer will schon öffentlich gegen Sicherheit beim Schutzfest polemisieren? Da hängt sich niemand gerne aus dem Fenster." Ein breites Grinsen stand ihm im Gesicht.

"Außerdem, meine Damen und Herren, haben wir für die Umsetzung eine perfekte Taktik gewählt." Er blendete die nächste Folie ein.

 


Warnung:
Diese Fotostory enthält satirische Elemente.
Satire kann bei ungeübten LeserInnen zu Bluthochdruck und erhöhter Herzfrequenz führen.

 

Verblüffung zeichnete sich auf den Gesichtern seiner ZuhörerInnen ab.

"Lassen Sie mich erklären," fuhr der Polizeichef fort. "Wir sagen zunächst einmal unseren Partnern bei der Festsicherheit, dass wir zwei Kameras einsetzen und das an maximal zwei Tagen zu begrenzten Uhrzeiten. Vielleicht noch mit der Option auf einen kleine Ergänzung. Dafür lassen wir uns von den zuständigen Gremien die Genehmigung geben. Sobald das alles durch ist, legen wir, mal öffentlich, mal weniger öffentlich nach. Aus zwei Kameras werden drei, aus einigen Stunden werden 24 Stunden am Tag und irgendwann schmuggeln wir mal die grundsätzliche Überwachung an allen Tagen ein. Das läuft dann unter "Je nach Bedarf oder Andrang'." Stolz blickte er in die Runde.

"Aber..." erhob sich eine Hand.

"Ja, Fräulein Schröder? Was gibt's denn?"

 

"Bedeutet das denn nicht, dass wir die Gremien belügen?"

Der Polizeichef lächelte jovial. "Belügen - kein schönes Wort. Sagen wir lieber, wir werden sparsam mit der Wahrheit umgehen. Und wenn niemand genau nachfragt..."

"Aber gibt es da nicht irgendwelche Datenschutz..."

"Das habe ich doch schon erklärt, Frl. Schröder. Wir prüfen, ob das rechtlich OK ist. Und wir haben bereits geprüft. Es ist OK! Und falls wir doch eine Rüge bekommen, dann lassen wir die Aktion im nächsten Jahr eben sein." Der Polizeichef schien leicht genervt. "In dem Festtrubel wird sich eh niemand mehr den Kopf darüber zerbrechen. Schauen Sie einmal selbst, wie die Leute hier zur Festzeit drauf sind." Wieder trat der Beamer in Aktion.

 

Zur gleichen Zeit...
Während der Polizeichef noch sprach, war man, keine zwei Kilometer entfernt, in der Redaktion einer lokalen Online-Zeitung, wieder einmal skrupellos dabei, das übliche Zerr- und Negativbild des Schutzfestes vorzubereiten, mit der man alljährlich die Bürgerschaft gegen sich aufzubringen pflegte.

Der Polizeichef fuhr fort: "Die Menschen werden einfach - wie Sie sehen - zu gut drauf sein, um sich Gedanken über Videoüberwachung zu machen. Blasmusik lenkt eh ab. Dann sprechen wir noch mit der Abderitischen Zeitung ab, dass im Lokalteil die Polizeimeldungen in der besagten Zeit prominent platziert werden und schon haben wir den PR-Krieg gewonnen. Dass die Straftaten gar nicht im überwachten Bereich vorgefallen sind, wird doch überlesen...

Außerdem haben wir die Fußball-EM als weiteren Ablenkfaktor. Ideal! Und wenn wir in diesem Jahr drei Kameras durchkriegen, dann können wir im nächsten Jahr mit sieben kommen.

"Mir wird schlecht," meinte da Kommissarin Melitta Grün-Weiß, die in der Gewerkschaft war. Der Polizeichef giftete: "Wollen Sie unser Konzept untergraben, oder wie darf ich das verstehen?"

"Oh, da haben Sie mich falsch verstanden. Ich musste nur gerade noch einmal an die Menschen denken, die aus unglaublich überzogener Geltungssucht und nur wegen ihres persönlichen Persönlichkeitsrechtes die Sicherheit aller BürgerInnen aufs Spiel setzen."

"Das ist in der Tat widerwärtig," beruhigte sich der Chef wieder, als die Kommissarin kurz den Saal verließ.

"Darüber hinaus gibt es hier Leute, die man auch außerhalb des Schutzfestes im Auge haben sollte, falls Sie wissen, was ich meine." Viele Köpfe nickten zustimmend. "Und eine Fußstreife kann vom Festplatz aus gar nicht erkennen, was sich auf dem Jugendhügel tut. Mit der Kamera haben wir das im Blick. Und zwar en detail!"

 

Der Chef hob leicht die Stimme: "Denken Sie nur an Minderjährige, die trichtern. Bis da der Streifenbeamte oben auf dem Hügel ist, ist es schon zu spät. Das geht einfach zu schnell. Mit der Kamera ist alles gespeichert und wir können schön langsam an die Ermittlungen gehen." Er lachte kurz und schaute befriedigt in die Runde. "Das sagen wir natürlich in der Öffentlichkeit erst einmal nicht. Das würde nur denen nützen, die unnötige Stimmungsmache betreiben wollen. Unser Argument ist die Sicherheit!"

"Können Sie das mit der Salamitaktik noch einmal genauer erklären?" fragte Jungpolizist Dirk.

"Aber sehr, sehr gerne," grinste sein Chef, "Das ist nämlich das Kabinettstückchen an unserem kleinen Coup."

"Schauen Sie, wenn unser erstes Sicherheitskonzept durch ist, also quasi als Türöffner, wird es möglicherweise Kritik geben. Unsere Kooperationspartner werden uns natürlich zur Seite stehen. Hoffentlich gibt es dann noch mehr Kritik. Sie wissen ja, dass der eine oder andere unserer Partner keinen großen Unterschied sieht zwischen einer unguten Glaspfandregelung und einer Verletzung der Grundrechte." Er stockte kurz. "Also, so habe ich das jetzt nicht gemeint. Wir haben die Sache ja rechtlich geprüft, aber die Nörgler werden diesen Jargon sicher benutzen, darauf muss man gefasst sein.

Das läuft dann ein paar Wochen und irgendwann haben alle so heftig und so oft das Konzept verteidigt, dass sie gar nicht mehr zurück können. Und kurz vor Beginn des Schutzfestes sich von der Polizei zu distanzieren, etwa weil irgendjemand unsere Pläne durchschauen sollte, das wird nicht laufen. Wir sind doch alle ein eingespieltes Team. Da hackt keine Krähe der anderen ein Auge aus. Und wenn im Gemeinderat jemand Bedenken hat - was soll's? Tun wird niemand etwas. Allerdings gibt es ein Risiko...".

30 Augenpaare richteten sich gespannt auf ihn.

Versehentlich betätigte der Polizeichef hier den Beamerknopf und löste damit eine kurze Bildserie vom Festtreiben in Abdera aus.

Nachdem die Projektion wieder angehalten war, sagte er: "Entschuldigung. Das gehörte jetzt nicht hierher. Aber Sie sehen, wie gerne sich Menschen digital erfassen lassen, die nichts zu verbergen haben. Was ich sagen wollte, war, dass..." In diesem Moment öffnete sich die Tür und einer seiner Untergebenen trat mit einem Schreiben in der Hand an ihn heran, übergab es ihm und murmelte etwas. Der Polizeichef überlas das Schreiben, wurde abwechselnd bleich und rot, fasste sich aber schnell wieder und lächelte in die Runde. "Das Risiko ist da, meine Damen und Herren, aber ich glaube, wir brauchen diesen schlechten Scherz nicht allzu ernst zu nehmen.

 

Diejenigen von Ihnen, die neu in Abdera sind, sollten Folgendes wissen." Er machte eine kurze Pause. Gespannte Stille herrschte im Saal...
„Sehen Sie, es gibt da eine seltsame Figur in Abdera, einen gewissen Herrn Weber-Zwerch. Der ist Lehrer, hat also morgens Recht und nachmittags frei. Der betreibt eine Website, die sich als alternatives „Medium“ geriert. Dummerweise hat er, woher auch immer, einen Presseausweis, weshalb man ihn leider nicht einfach ignorieren kann.

Schon bei der ersten Pressekonferenz, auf der wir unser Sicherheitskonzept vorstellten, machte er mit

 

allerlei überflüssigen Fragen auf sich aufmerksam und bezweifelte mit obskuren Argumentationen, ob das alles rechtmäßig sei, was wir vorhätten.

Jetzt, nachdem der Datenschutzbeauftragte uns seine Anregungen zugeschickt hat, die natürlich sämtliche Sicherheitsanforderungen ignorieren, meint er, im Recht zu sein, verlangt, dass wir ihm schriftlich geben, dass wir die Aktion abblasen und behält sich rechtliche Schritte vor. Das ist natürlich ein Bluff und eine Standardformel, die jeder Handwerker aus Anschreiben von Lehrern kennt. Und wir verstehen unser Handwerk!“ Bei diesem sehr gelungenen

 

und geistreichen Wortspiel machte sich Heiterkeit im Saale breit. „Wir können dieses Schreiben also getrost ignorieren. Wir legen einfach argumentativ noch etwas nach und da wird der Hüter der Daten in der Hauptstadt schon beisteuern und schließlich – das Innenministerium hat seine Polizei in solchen Fällen noch nie im Regen stehen lassen. Ich denke, wir können zum Schluss kommen. Oder haben Sie noch Fragen?“

Zustimmendes Klopfen signalisierte dem Chef, dass man allseits froh war, jetzt zum gemütlichen Teil übergehen zu können.

 

Die AbderitInnen ahnten von all dem nichts. Sie freuten sich einfach auf die bevorstehenden Festtage. Und so manche/r dachte sich "Kameras? Mir egal. Hab' ja nix zu verbergen. Wenn's das Fest sicherer macht, isch des scho OK. No Prob." Andere waren dafür, vor allem auch solche, die zu Zeiten des Festes nächtens nie in der Gasse der Consulenten zu sehen waren. Aber es gab auch einige, denen war mulmig bei der Sache. aber sie behielten ihre Bedenken für sich. Denn mit den mächtigen Herren des Festes mochte sich niemand anlegen. Die Stadt Abdera war klein und großen Unmut mochte da kaum jemand auf sich laden. Schon gar nicht öffentlich. Egal. Für viele war die Freude auf das Fest und die damit verbundenen lustigen Fotos sowieso wichtiger.

Zurück zur Polizei. An einem der Tische, an dem inzwischen gefeiert wurde, setzte sich ein Mann zum Polizeichef, dessen Aufgabe es war, die Öffentlichkeit mit Informationen über die Arbeit der Sicherheitskräfte und über das Fehlverhalten von BürgerInnen in und um Abdera zu versorgen. „Chef, ich sehe da ein Problem.“ Der Polizeichef fuhr herum und runzelte fragend die Stirn. „Videoüberwachung ist doch irgendwie ein Reizwort, da, wie man so sagt, geilen sich viele dran auf. Das wäre dann gar nicht so gut für unser Image.“ – „Ach, das ist das geringste Problem,“ sagte dr Angesprochene, „ich habe da mal einen Film gesehen, da wurde den Leuten sogar Krieg als Frieden und Sklaverei als Freiheit verkauft. Das ist alles nur eine Frage der Begriffe. Aber ich verstehe Ihre Bedenken schon. Machen wir einfach mal ein kleines Brainstorming.“ Er zückte einen Kuli, griff nach der noch unbenutzten Papierserviette neben seinem Leberkäswecken und tickte ein paar Mal auf den Tisch. Nach wenigen Minuten hatte man eine nette kleine Sammlung von Wörtern zusammen, die sich, wie der Chef sagte, „doch gleich schon viel besser“ anhörten: Bildübertragung, Videomitschau, Übersichtsaufnahmemodus und Übersichtscharakter standen jetzt untereinander auf der Serviette. „Ja, so gesehen. Das könnte hinhauen“ sagte der Mann für die Öffentlichkeit, schob das Papier ein und holte sich eine zweite Apfelschorle. (Später sollte der Hüter der Daten in der Hauptstadt formulieren, dass diese Begriffe den wahren Sachverhalt verschleiern. Aber diese Information erreichte nur sehr wenige Abderiten.)
Und für viele, vor allem für die Besten der Nation, war die zur Überwachung vorgesehene Gasse der Consulenten ohnehin nicht der Ort, an dem sie sich während der Feierlichkeiten bevorzugt aufhielten.)
"Und eines noch," sagte der Polizeichef, als sein Medienmann wieder zurück an den Tisch kam, "Es geht um Sicherheit, Sicherheit und nichts als Sicherheit, das ist unser Haupt-selling point. Und vor allem geht es um die Verhinderung der negativen Folgen einer jeden Moment zu erwartenden
Massenpanik!"

ANZEIGE

Der Weberberg.de Massenservice informiert:

Nützliche Tipps: Verhalten bei Massenpanik

Da hatte er natürlich eine Sorge, die viele AbderitInnen überhaupt nicht teilten, die nämlich hatten ganz andere Themen im Kopf, denn...
...wenn die Festlaune erst einmal um sich greift, haben nur wenige noch Lust, Licht in die Pläne der Mächte der Finsternis zu bringen (s. Bild links). Man freut sich vielmehr aneinander und der Verbundenheit in Freundschaft. Quer über Herkunft, Nationalität und Geschlechtergrenzen hinweg.

Der Rest der Geschichte ist rasch erzählt. Der Polizeichef erwies sich als vorausschauender und kluger Taktiker, denn keiner seiner Mitstreiter für das Sicherheitskonzept 2004 wagte es, ihm bei dem geplanten Staatsstreich in die Arme zu fallen, auch nicht, nachdem der Hüter der Daten ihm bescheinigt hatte, dass das Vorhaben der Polizei gänzlich illegal waren und der Polizei eine kräftige Rüge ins Haus stünde. Diese Information aber behielt er vorerst schön für sich, denn er wollte seine Bündnispartner nicht irritieren, weil das gefährlich gewesen wäre, hatten doch viele von ihnen einst einen Eid geschworen, das RECHT von Abdera zu verteidigen, das jetzt so gröblich


geschändet werden sollte.

Bald aber stellte er verärgert fest, dass die bereits genannte Website von Herrn Weber-Zwerch umgehend das vernichtende Fazit des Datenhüters veröffentlichte und die Eidesbrecher anprangerte. Diese aber saßen nun erst recht in der Falle, nachdem sie monatelang die Position des Polizeichefs öffentlich gestützt hatten. Wäre ein Mutiger unter ihnen aufgestanden und hätte „Rechtsbruch!“ gerufen, wäre dieser vielleicht vereitelt worden. Aber Mut war in Abdera mitunter dünn gesät. Und Mut gegenüber den Ordnungskräften erst recht.

So schlief also der Polizeichef tief und gut in den letzten Nächten vor dem Fest. Man konnte den Staatsstreich durchziehen. Zumindest einmal testweise. Das gäbe zwar mit Sicherheit eine Rüge, aber die wäre rechtlich folgenlos geblieben. Nur hätte es im nächsten Jahr keine Wiederholung geben dürfen, zumal die Hauptstadtmedien bereits auf die Vorgänge in Abdera aufmerksam geworden waren.
Aber eines hatte der Polizeichef nicht bedacht. Herr Weber-Zwerch rief nämlich tatsächlich ein Gericht an. Ein Anwalt hatte sich offenbar dafür hergegeben, eine Klageschrift zu verfassen und mit dieser die Richter so beeindruckt, das alle drei Richter Herrn Weber-Zwerch nicht nur Recht gaben, sondern ihm auch noch gute Wünsche für eine etwaige weitere Runde im Kampf um seine Rechte mit auf den Weg gaben.
So erfreut war der Anwalt von Weber-Zwerch gewesen, dass er das 14seitige Urteil als PDF-Datei auf seiner Website veröffentlichte.

Wer nun meint, dass die Abderiten über den vereitelten Staatsstreich jubelten, den Polizeichef etwa mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt hätten, von der Schutzfestdirektion oder dem Oberbürgermeister ein klärendes Wort oder gar eine Entschuldigung zu hören gewesen wäre, täuscht sich. Zwar wurden die Kameras verhängt, aber der Polizeichef konnte sich dennoch mit unverhängtem Gesicht in der Stadt sehen lassen.

Er hatte den BürgerInnen nicht nur Sicherheit schenken wollen, sondern wohl auch ein seltenes

Fernsehvergnügen. Denn auf dem Turm, der die Sendeausrüstung für die Videoüberwachung trug, war auf einem Zettel gut lesbar die Frequenz angegeben, auf der man zu senden beabsichtigte. So hätten alle Biberacher, die sich um die Sicherheit ihrer Kinder Sorgen machten, mit ein wenig Technikverständnis wohl am heimischen Bildschirm verfolgen können, ob die lieben Kleinen in Gefahr waren, dem Dämon Alkohol zu verfallen, sich an Scherben zu verletzen und sie hätten vielleicht mit verfolgen könne, welchen Tabak der böse Kiffer neben ihren Jüngsten für sein illegales Rauchzeug verwendete.

Es gab allerdings, und das sei lobend erwähnt, viele Abderiten, die zeigten, dass ihnen das Recht in ihrem Lande am Herzen lag.

Der Polizeichef, die Schutzfestdirektion und der Oberbürgermeister aber blieben ungeschoren. Es war vielmehr so, dass die Mehrheit der Medien Abderas nach Leibeskräften auf den Mann eindroschen, der ihre Rechte vom Gericht hatte schützen lassen. Sie diffamierten ihn und behaupteten, was er täte, nämlich zur Freude und Gaudi der Abderiten ihnen ihr Alltagsleben in Wort und beliebten Bildern zu spiegeln, sei wesentlich verwerflicher als eine Schändung des RECHTS.
Auf Abderas Straßen kam es zu einzelnen, glücklicherweise nur verbalen, Attacken gegen


den Mann, der die Frechheit besessen hatte, sein Recht vor willkürlicher Verletzung und verschleiertem Tun der Ordnungskräfte schützen zu lassen. Die Abderiten feierten ihr Fest dennoch. Und der Mann, der ihnen die Kameras genommen und ihre Persönlichkeit geschützt hatte, auch.
Und wenn es auch regnete, so war doch die Festfreude weitgehend ungetrübt. Man feierte unbeschwert und unüberwacht ausgiebig. Die Zahl der Straftaten ging zurück. Und das war auch gut so...

Nachwort: Ein schönes Ende also? Na, fast. Kommissarin Melitta Grün-Weiß war immer noch speiübel wegen der Geltungssucht einiger Mitbürger. Aber eine nette Geste wird sicherlich bald für Versöhnung sorgen....

So, das war's. Weitere Pics von Schütza 04 immer mal wieder in unserer Werbung.
Was heißt hier anonym? Ich bin der Marcel!