Das ganze Leben Biberachs

Biberach: Leute & Themen
Im November 2003 - Folge 1: Markus Rühl und mehr

   
BIBERACH - 5. November Nett aber schwierig sind offenbar Wandergesellen Nach einer Runde Bier im Alten Haus ließen sie sich gestern zwar fotografieren, aber ihre Namen wollten sie nicht sagen und nähere Informationen waren ihnen auch nicht zu entlocken. Grund: Schlechte Erfahrungen mit Journalisten, die Unfug über sie berichteten oder ihnen das Wort im Munde herumdrehten. Schade. Schon morgen werden sie weiterziehen. Wohin? Nach München oder Stuttgart oder Ravensburg oder Freiburg...
BIBERACH - 4. November Nachlese: Verkaufsoffener Sonntag Auch an diesem Tag gab es wohl Rekordbesuch und zwar ausgabefreudigen. Frieder Kolesch wird in der SchwäZ so zitiert: "Wenn man Biberach mit Städten ähnlicher Größe und ähnlichem Einzugsgebiet vergleicht, dann ist unser Handelsbesatz hier sowohl was die Qualität als auch die Quantität anbelangt, absolut überdurchschnittlich. Am Sonntag wurde deutlich, dass - wie erwartet, an einem solchen Tag - viele Leute unterwegs waren, die sehr stark auf das Verhältnis von Preis und Leistung achten. Deshalb lockten viele Geschäfte mit besonderen Angeboten. Von den Kunden wurden diese Angebote gut angenommen. Dieses

Käuferverhalten ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass Biberach im Vergleich mit anderen Städten sehr gut mithalten kann und widerlegt ganz klar das frühere Vorurteil, dass man in Großstädten preiswerter kaufen kann. Was den Preis und die Leistung betrifft, können wir in Biberach sehr gut mithalten und in der Beratungsqualität sind wir sogar weitaus besser. Das spricht für den Standort Biberach." Der Marktplatz war in der Tat rappelvoll. Zu den mit recht lauter Musik auftretenden Indianern welcher Herkunft auch immer, hielten die Besucher aber vorsichtige Distanz. Man wusste ja nicht, ob es sich bei den Streifen um Kriegsbemalung handelte.

 

BIBERACH - 3. November Die "Russen" Wer sich seine Vorurteile über Aussiedler nicht nehmen lassen will, sollte sich in den nächsten Wochen vom Rathaus fern halten. Dort ist nämlich eine überaus informative Ausstellung über das Schicksal der Deutschen in Russland und über Aussiedler zu sehen.

Vorurteile wie die, dass die Aussiedler bei ihrer Ankunft gleich eine Wohnung und einen Mercedes auf Staatskosten geschenkt bekämen und ansonsten ehr nur Stress machen, sind zwar Unfug, aber dennoch immer mal wieder zu hören. Mit etwas Glück kann man dagegen blitzgescheite und hoch motivierte Jugendliche nachts auf dem Gigelberg treffen. Dass alle Aussiedler so sind, wäre natürlich ebenso ein Vorurteil.

BIBERACH - 3. November Die Nacht der Nächte ist vorbei. Gestern Abend fand die Filmfestgala des Filmfests Biberach 2003 statt. Die Ex-Biberacherin Inge Posmyk (Bild) führte - statt des bisherigen Moderators Jojo Riedel - durchs Programm bis endlich die PreisträgerInnen feststanden - und das dauerte. Den Avid-Nachwuchs-Förderpreis gewann der Kurzfilm "Vida! - Bruchstücke einer Erinnerung" von Winfried Oelsner ud teilt ihn sich mit "Platzangst" von Heike Schober. Den Publikumspreis erhielt überraschend "Eierdiebe" von Robert Schwentke. Frieder Kolesch konte den Preis aber nur ersatzweise an Adrian Kutter übergeben, da der Regisseur nicht mehr anwesend war und Schauspieler Alexander Beyer sich auch schon auf dem Weg nach Berlin befand. Den Preis der Jury erhielt "Luther". Und ebenfalls von der Jury lobend erwähnt: "Hierankel" von Hans Steinbichler. Irgendwie schade, denn "Hierankel" dürfte sich in den Kinos schwerer tun als der mainstreamige Luther und hätte die 5000 Euro nötiger gebraucht.

Weitere Bilder von der Filmfestgala hier.

BIBERACH - 2. November Interview mit einem Champion Er ist 31 Jahre alt und wiegt 148 Kilogramm. Was er mit denen anstellt, begeisterte heute zeitgleich mit dem Filmfest Hunderte von überwiegend - aber beileibe nicht ausschließlich - männlichen Zuschauern, die pfiffen, applaudierten und ihre Fotohandys zückten. In den gut zehn Jahren (unterbrochen von zwei Jahren beim Bund), in denen er trainiert, hat er viele Titel gewonnen, den ersten nach vier Jahren.

Wir reden von Markus Rühl, auch bekannt als "The German Beast", der am Sonntag im SPORTS Sport- und Fitnesszentrum im Steigerlager zur Eröffnung auftrat. 2002 wurde er Sieger bei der Night of Champions, 2000 in Toronto Sieger bei den Pro Classics und 1997 Deutscher Meister. Jetzt trainiert er auf den nächsten Titel, den er sich im nächsten Jahr bei den Arnold Classics in Columbus (Ohio) holen will. 2002 machte der dort den 3. Platz. Was bekam der Sieger? Dies: A check for $100,000, a trophy, a 2003 Hummer and a $20,000 gold Rolex were presented to Jay Cutler by Arnold Schwarzenegger. So eine Vorbereitung heißt zweimal täglich, sieben mal die Woche trainieren. Das ist hart und vielleicht mehr, als sich die Jungs denken, die nach der Posing Show zum Handy griffen und den Kumpel anriefen: "Der hat mehr Muskeln als ich und du und der Menze zusammen. Das ist abnormal." Oder "Ich brauche jetzt einen Trainingsplan." Und: "Ich habe schon aufgehört zu rauchen."

Die Muskelmassen sind für den Betrachter ebenso faszinierend wie irritierend und sicher für manche auch abstoßend. "Fühlen Sie sich wohl in dem Körper?" fragen wir Markus. "Meistens schon, aber es gibt

 

natürlich Probleme. Manchmal gehe ich durch die Innenstadt, sehe Klamotten, die mir gefallen und denke dann: Scheiße! In die passt du wieder nicht rein. In die größten Größen nicht mal mit einem Arm. Auch beim Autofahren und beim Treppensteigen hat man Probleme." Kein Wunder bei 148 Kilo. Kleidung bekommt er dann auch eher von seinem Sponsor, Anzüge lässt er sich maßschneidern und ansonsten gibt's Passendes nur in den USA.

Zehn Minuten dauert so ein heftig umjubeltes Posing vor der Menge. Lockere Sache oder Kraftakt? Vergleichbar mit was? "Mit einem 1500-Meter-Lauf. Du musst jedes Gramm mit Sauerstoff versorgen, die richtige Pose hinbringen, den Bauch reinziehen und dann auch noch lachen, obwohl dir nicht zum Lachen zumute ist. Und die Hitze von den Scheinwerfern kommt dann noch dazu."

Wie kam er zum Bodybuilding? Da war der Fußball, dann eine Verletzung, das Training im Kraftraum und da blieb der Darmstädter dann hängen.

Will er wie Arnold Schwarzenegger auch einmal in die Politik? "Nee, das ist nicht mein Milieu. Aber Fernseh- und Filmrollen wäre schon OK." Auftritte bei diversen Sendern hat er schon hinter sich - kein Wunder bei den vielen Titeln. Es war ein nettes Interview mit einem sehr zugänglichen und freundlichen Gesprächspartner. Danke für den Chat, Autogramm und dann hieß es für Markus "Meet the fans" im Foyer des Fitnesszentrums... Mehr über Markus Rühl

BIBERACH - 2. November Empfang mit Brunch und Podium Für geladene Gäste gab OB Thomas Fettback im Rathaus einen Brunch, dem sich ein Podiumsgespräch als erste Bilanz des Filmfests 2003 anschloss. Der 1. Vorsitzende des Trägervereins, Dieter-Michael Last, OB Thomas Fettback und Regisseur Ottokar Runze sprachen miteinander und reichten die guten Vibrations, des Festivals herum. In Kurzform Runze:Atmosphäre wie im irischen Cork, in dem die ganze Stadt das Jahr über Geld sammele, um die Filmemacher bestens zu bewirten; im Biberacher Kapuzinerhof sei bis 6 Uhr morgens gefeiert worden - ein gutes Zeichen. Kutter zum angesprochenen Umbau: "Ich weiß nicht, ob ich das finanziell noch schaffe." (Hier ist wohl seine Hausbank gefordert, die einen Kredit gewähren müsste. Hoffentlich klappt's doch noch.) Fettback: Die Stadt habe mehrfach Anfragen von Kinoketten gehabt, aber man setze weiterhin auf Adrian Kutter und würde eine Erweiterung des Kinos wo möglich unterstützen Last (und alle anderen): Kommerzialisierung ja, aber ohne Aufgabe der Kontrolle und des Festivalkonzepes. Man wolle kein Festival der Akkreditierten. Man stelle sich ein Sternchen vor, in

dem bei jeder Vorstellung bereits 30 Plätze mit Journalisten besetzt seien. Das wolle man nicht und das mache auch den Unterschied zu Berlin oder Hof aus. Das Medienecho sei wieder gering gewesen, wenn auch die Stuttgarter Zeitung und die Augsburger Allgemeine berichtet hätten und Euro 3 als Fernsehsender zumindest am Anfang des Festivals da war. Stadtmarketingfrau Inge Voss am Rande der Veranstaltung: "Da ist es gut, dass wir Weberberg.de haben, da kann man weltweit kucken." Stellvertretend für die anwesenden Jungfilmer saß Florian Fickel (im Bild oben 2. v. r., neben Musiker Putte rechts. Mit Bart: "Besser als Schule"-Regisseur Simon X. Rost) Regisseur des Films "Liebe" mit auf dem Podium. Und der schwärmte vom Biberacher Festival. Er berichtete, wie er sich auf der Berlinale als verlorenes Entlein vorgekommen und wie frustriert er in Hof gewesen sei, als man nach seinem Film ohne Diskussion auseinanderging und er keine Ahnung hatte, ob der Film angekommen sei. Und: "Hier in Biberach treffe ich Leute, die ich in Hof nicht treffe."
Kritik und Selbstkritik gab es bei dieser Veranstaltung noch nicht, das wird wohl einer späteren Pressekonferenz vorbehalten sein.

 

BIBERACH - 1. November Location Tour - Premiere beim Filmfest Eine von mehreren Premieren beim Filmfest Biberach war eine Location Tour. Braith-Mali-Museum mit anliegenden Kirchen, Weißgerberwalk, Katholischer Friedhof, das Haus Zeughausgasse 4, die Biber Brauerei, die FH, "Roter Bau", Bürgerpark und der Weiße Turm wurden als mögliche Drehorte gesichtet. Zwischendurch ging man zur Stärkung

 

in den "Stecken", in dem sich am Freitag schon Uwe Ochsenknecht ins Gästebuch eingetragen hatte. Wir befragten den Biberacher Filmemacher Uli Stöckle zu seinen Eindrücken von Biberach als Drehort. "Grundsätzlich sehr gut, dass Biberach den Wirtschaftsfaktor Film erkennt, weil da Budgets zur Verfügung stehen, die ganz schnell alleine für Locations 200 000 Euro betragen, die vor Ort ausgegeben werden. Zweitens: Schade, dass auf die Bedürfnisse der Filmemacher (aber es war ja auch das erste Mal) natürlich noch nicht so eingegangen werden konnte, wie es vielleicht hätte sein können. Zum Beispiel: Einfacher Zugang der Location (keine Treppen!), keine Raumhöhen unter 2,60 Meter, Stromversorgung (Absicherung mit mindestens 32 Ampere mit 220 Volt oder äquivalent bis zu einer Lichtstärke von mindetens 10 000 Watt, usw.), leerstehende oder besondere Locations ohne direkten Zeit- und Ortsbezug (Beispiel KOMM, Beispiel Kaufhaus X, Beispiel Tierkörperbeseitigungsanlage) weil niemand nach Biberach kommen wird, um einen historischen Alststadtfilm zu drehen." Die Führerin Tamara Prinz zeigte auf, dass es in Biberach kein Problem sei, Drehgenehmigungen zu bekommen.. Wichtig sei zwar, in Biberach einen "Türöffner" zu haben, aber das "oberschwäbische Netzwerk" (irgendjemand kennt immer jemanden, der weiterhelfen kann) und das lokale Stadtmarketing kennen viele und können helfen. Inzwischen, so berichtet Inge Voss, gebe es die erste Anfrage: ein Tübinger Regisseur hat Interesse an dem Thema "Baltriger Haufen". Und da gibt es ja eine passende Truppe im Historischen Festzug des Schützenfestes...
Weberberg.de-Sonderseite zum Filmfest

BIBERACH - 1. November Warum 60 Biberacher sich gefreut haben, dass ein Schloss bei Heilbronn insolvent ist... Nicht nur Kino am Wochenende in Biberach, sondern auch Jazz. Jazz vom Feinsten mit einem Local Hero, mit Matthias Daneck. Kurzfristig ist dieses Konzert des Jazzclubs zustande gekommen: Ein Auftritt in Heilbronn war geplatzt, weil die Veranstaltungslocation pleite ist. So konnte das Trio Böhm/Huber/Daneck featuring Ingrid Jensen nach Biberach kommen: "Sonst könnten wir uns eine Ingrid Jensen gar nicht leisten", hieß es hinter dem Tresen aus Veranstalterkreisen. 60 Begeisterte Jazzfans waren von den drei groovenden Herren und ihrer Trompetenlady, die in dieser Formation nur fünf Konzerte geben, in den Bann gezogen und beobachteten den Wirbelwind am Schlagzeug nur zu genau. Erfreute Gesichter hinterher - Tenor: Gut gespielt, tolle Musiker und ein lohnender Abend!

 

BIBERACH - 1. November Halloween wurde gestern mit etlichen Parties in BC und im Kreis begangen. In der Innenstadt war es pratzelvoll im Woodpecker. Und da trafen sich oben im Woody und unten im Club Absolut und in Joe's Bar ganz unterschiedliche Szenen. Das ging meist ganz friedlich ab. Aber im Laufe der Nacht wurde das häufig anzutreffende Schwarz auch durch Grün-Weiß angereichert. Biberach kann also vieles unter seinem Dach vereinen: Filmemacher, die im Zelt über den aus den USA eingeschleppten Halloween-Brauch ablästern und Halloween-Fans, denen das Filmfest ziemlich am Arsch vorbei geht. (Für Dragan - rechts - gilt das nicht. Der war bei der Eröffnung da.) Das Glasklar konnte nicht nur mit dem saisontypische Kürbis aufwarten, sondern - dank Vermittlung von Weberberg.de - auch mit einem echten Sarg, beschriftet mit "Happy Halloween". Wie sich an diesem Wochenende die Lafayette Lounge bewährte, ist schlecht zu sagen. Unser Partyreporter war am früheren Abend da. Da war die Lounge brauchbar gut besucht, aber lange nicht so pratzelvoll wie am ersten Abend. Im Abdera spielten u.a. die Blue Monx in gewohnt professionell fetziger Manier auf. Aber wahrscheinlich geht am Montag wieder das Gejammere los, dass in Biberach nichts los sei.

 

 

Biberach: Leute & Themen
Im Oktober 2003 (Zur Folge 5)