BIBERACH
22. Januar 2010 Die Kandidatenvorstellung Die
Veranstaltung begann recht pünktlich. Es gab Hinweise zum Ablauf
und zum Wahlrecht: (über 50% der Stimmen sind nötig, die
Briefwahl kann man auch noch bis Freitag, 5. Februar, 18 Uhr , beantragen).
BM Roland Wersch trug das vor über 400 Bürgerinnen und
Bürgern vor, einem kleinen Teil der etwa 24.000 Wahlberechtigten.
OB Thomas Fettback machte den Auftakt. Er sprach gegen die Uhr,
denn in Stafflangen hatte er für seine Ausführungen 90
Minuten gebraucht. Jetzt hatte er 20 Minuten. Zum Glück, denn
sonst hätte er sein Publikum auch an diesem Abend mit weiteren
Formulierungen wie „Sport als gewachsenes Stadtmarketing“
bedient oder der vom „Mehr an interkommunaler Zusammenarbeit
auf Augenhöhe“. Er sah sich selbst als „Denker
und Lenker“ und unterschritt seine Redezeit um vier Minuten.
Es war eine Kurzfassung seines etwa zwanzigseitigen Papiers, das
sich auch auf seiner Website findet und als Rückblick auf 16
Amtsjahre Kompetenz vermittelt. Man muss befürchten, dass Fettback
das Papier gerne in Gänze vorgetragen hätte. (Hier
Fettbacks Rede.)
Die Fragen
aus dem Publikum konnte oder wollte Fettback nur zum Teil beantworten.
Die erste galt dem Landschaftsverbrauch, später kam eine zum
Straßenbau. Fettback verwies auf die „hochwertige Gestaltung
des Ummendorfer Rieds“ und die tollen Arbeitsplätze,
die es in Biberach gebe. Den Vorwurf, dass die Stadt ihre Sicherheit
in die Hände von 1-Euro-Jobbern lege, ließ er nicht gelten.
Warum das recht wohlhabende Biberach fremdsprachige Stadtführer
ohne Sozialversicherung schaffen ließe, konnte er mangels
Kenntnis des Sachverhalts nicht beantworten.
Bei der Frage,
warum er als Jurist damals die Videoüberwachung des Schützenfestes
für rechtens gefunden habe, patzt er, weicht aus und redet
wieder von Sicherheit
und Gefahrenschwerpunkten. (Darauf zielte die Frage nicht, sondern
darauf: Hat er damals die Datenschutzgesetze selbst falsch interpretiert?
Hat er der Polizei blind geglaubt? Hat er sich auf eine inkompetente
Analyse einer Biberacher Kanzlei verlassen? Hat er gemeint, der
Zweck heilige die Mittel?) Genervt hören etliche ZuschauerInnen
die Frage. Einen OB nach 16 Jahren Amtszeit noch einmal auf eine
seiner größten Fehlleistungen anzusprechen, das darf
wohl nicht sein. Nachfrage: Sind für einen Juristen das Landesdatenschutzgesetz
und das Bundesdatenschutzgesetz so schwierig zu verstehen? Fettback:
„Wenn selbst der Landesdatenschutzbeauftragte juristische
Fehler macht, dann ja.“ Welchen Fehler der Landesdatenschutzbeauftragte
gemacht haben soll, lässt Fettback offen. Ein „Wir haben
die Rechtslage damals falsch eingeschätzt, aber die Videoüberwachung
will jetzt eh niemand mehr“ kommt ihm nicht über die
Lippen. Das zweite Beispiel von déformation professionelle
an diesem Abend.
Stöckle,
ohne Krawatte, aber in schwarzem Jackett und frisch frisiert, dankt
zu Beginn seiner Rede Figaro Claus für seinen neuen Look (und
wird, wie er später im Café sagt, den kurzen Haarschnitt
wohl beibehalten). Der Medienmacher spricht die Pressevertreter,
die vorne rechts sitzen, direkt an. Erst macht er sich über
Biber Bertram lustig, der ihm ein "Kinderspiel" angedichtet
hatte, .dann wendet er sich an die Troika von der SchwäZ und
hält ihr vor, dass seine Kandidatur keine "Spaßkandidatur",
wie Redakteur Mäule geschrieben hatte, sei.
Er begründet
seine Kandidatur damit, dass eine Wahl ohne Gegenkandidaten keine
Wahl sei und zeigt sich erstaunt, dass niemand motiviert gewesen
sei, in dieser Vorzeigeregion, in der ein OB noch Gestaltungsmöglichkeiten
habe, gegen de Amtsinhaber antrete. Stöckle macht kurze Angaben
zu seiner Biographie und ist froh, dass seine Hauptkunden außerhalb
Biberachs liegen. Offenbar fürchtet er, dass das „falsche“
politische Engagement negative geschäftliche Folgen an der
Riß haben kann.
Stöckle
spricht frei und lässt sich auch nicht aus dem Konzept bringen,
als sein Handy klingelt. Transparenz ist sein Hauptthema. Er möchte,
dass die Stadt die Bürger besser informiert, auch per Amtsblatt.
Er wundert sich, dass BürgerInnen zu ihm kamen, statt sich
die Ansprechpartner im Rathaus zu suchen. Da möchte er offenbar
niedrigere Hemmschwellen.
Er sieht bei
den zahlreichen Nebenämtern des OB Interessenkonflikte und
wünscht sich mehr Transparenz bei der Schützendirektion
und der Versteuerung der Einnahmen des Schützenfestes.
Als er sich
gegen immer neue bunte Leitbilder in Firmen oder im Rathaus ausspricht,
klingt Gelächter auf bei der SchwäZ-Troika, bestehend
aus dem Mitarbeiter Tobias Kestin, der sich gelegentlich für
seinen Freund René Marienfeld ausgibt, Chefredakteur Gerd
Mägerle und Franziska Rötzsch. Offenbar sieht man sich
an den Zickzackkurs des Schwäbischen Verlages erinnert, der
immer mal wieder Dinge groß ankündigt und dann sang-
und klanglos in der Versenkung verschwinden lässt.
Nur zwei Fragen
stellt man ihm. Bei einer geht es um Sicherheit. Stöckle dankt
Alt-OB Hoffmann für die Erfahrungen, die er als Jugendlicher
in Biberach in dessen Amtsperiode machen durfte. „Jugendliche
müssen Grenzerfahrungen machen.“ sagt er und fordert
ein Jugendhaus, aber nicht unter städtischer Betreuung. Und
er sagt: „Nur Jugendliche, die integriert sind, sind Jugendliche,
die Leute nicht zusammenprügeln.“
Er wünsche
sich, dass die Stadt wirklich traditionell weltoffen werde. Was
er in den letzten zwei Wochen an Bemerkungen zu seiner Kandidatur
erlebt habe, sei alles andere als weltoffen. Er wünsche sich
zudem mehr Kultur von außen, nicht nur Dram und Schützenfest.
Stöckle
erhält Beifall, als er geht. Keinen stürmischen, aber
einen, der doch deutlich Respekt vor seiner Kandidatur zeigt, die
er glaubwürdig begründet hat. Für einen Spaßkandidaten
hält ihn wohl niemand mehr. (Hier
Stöckles Rede.)
Dann der
jüngste Kandidat, Benjamin Giesel. Er entschuldigt sich. Er
habe in letzter Zeit wenig Schlaf gehabt vor Aufregung und würde
seine Rede daher ablesen. Aufgeregt ist er immer noch. Mehrfach
greift er zum Wasserglas. Das wundert nicht. Öffentlich reden
zu müssen, ist für viele Menschen überaus angstbesetzt
und Giesel redet in großem Saal vor hunderten von Leuten.
Was folgt, ist aber eine Rede, die erstaunlich gut vorgetragen ist
und besser verständlich als die Fettbacks. Es ist eine Rede,
von der Wolfgang Gröner, aka Biber Bertram, sicher schreiben
wird, jemand anderes habe sie für Giesel geschrieben. Manches
passt halt nicht ins Weltbild eines Anzeigenblattredakteurs: (Hier
Giesels Rede.)
Auch er, der
waschechte Biberacher macht Angaben zu seiner Biographie. Wie er
die Schule abgebrochen habe, als er noch jung und dumm war. Er
fordert altersgemäß mehr für die Jugend: mehr Freizeitmöglichkeiten,
mehr Mitspracherechte im Gemeinderat, mehr jedenfalls als das JuPa
sie hat.
Er sagt,
dass das Geld für die geplante Rathausverglasung besser in
der Jugendarbeit eingesetzt wäre. Es käme immer auf die
Prioritätensetzung an. Dafür erhält er spontanen
Beifall.
Noch einmal,
wie bereits online geschehen, äußert er sich zu seiner
Motivation, für die OB-Stelle zu kandidieren. Es gäbe
durchaus Jugendliche und junge Erwachsene, die sich einmischen wollten,
wenn man sie nur ließe.
Auch er beklagt,
mit welchen negativen Reaktionen er fertig werden musste, nur dafür,
dass er sein demokratisches Recht wahrgenommen habe. Jetzt kommt
viel Beifall Über seine Chancen macht er sich keine Illusionen.
Er hofft auf ein Prozent der Stimmen.
Eine Stimme
für ihn sei keine verlorene Stimme, sondern „ein klares
Signal, dass Ihnen die junge Generation wichtig ist und diese Stadt
mehr für de Jugend tun muss.“ Dann zitiert er Gotthold
Ephraim Lessing: „Der größte Fehler den man bei
der Erziehung zu begehen pflegt, ist dieser, dass man die Jugend
nicht zum eigenen Nachdenken gewöhnt.“ .
Überzeugend
ist Giesel auch in der Fragerunde. Was er tun würde, wenn er
nicht gewählt würde, wird er gefragt. Er wolle sich weiter
für seine politischen Ziele, für mehr Mitsprache der Jugend
einsetzen. Und ob er noch einmal kandidieren würde? Ja, sicher.
* Und dann punktet er noch einmal. Auf die Frage, was er gegen Hartz
IV und die Arbeitslosigkeit tun würde, sagt er entwaffnend:
„Ich hab damit gerechnet, dass eine solche Frage kommt, aber
ich.hab noch keine Ahnung. Falls ich OB werden sollte, muss ich
viel nachholen und lernen.“
Viel
Beifall begleitet ihn von der Bühne. Mit einer so überzeugenden
Vorstellung hatte kaum jemand, wohl auch seine Unterstützer
nicht, gerechnet. Und etliche von denen, die befürchtet hatten,
einen peinlichen und albernen Auftritt über sich ergehen lassen
zu müssen, sahen
sich angenehm enttäuscht und mancher Erwachsene versprach Giesel
die Stimme.
Insgesamt
also ein überraschend erfreulicher Abend und ein Lehrstück
in Lokalpolitik. Am Mittwoch findet eine Podiumsdiskussion im Abdera
statt. Moderiert wird die von – Franziska Rötzsch und
Gerd Mägerle.
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EBM Roland Wersch

OB Thomas Fettback

Uli Stöckle

Benjamin Giesel

Blick in den Saal
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Lebhaft diskutiert wurde die
Kandidatenvorstellung auch in unserem Gästebuch. Hier einige
der lesenswerteren Einträge:
Name: Zwar Eintrag
am 22.01.2010 um 13:17 Uhr
war Benjamin Giesel durchaus nervös, aber inhaltlich waren
klare Punkte und Vorstellungen, vorhanden. Also eine inhaltlich
souveräne Vorstellung, wenn auch nervös vorgetragen.
Übrigens genau wie beim OB Fettback. Inhaltlich informativ,
sehr souverän mit den bisherigen Leistungen, aber ebenfalls
recht nervös mit vielen "verhasplern", wobei er eigentlich
gar keinen Grund hatte nervös zu sein.
Und bei Uli Stöckle ebenfalls mit klaren Inhalten, auch mit
guten Ansätzen, aber leider etwas unstrukturiert vorgetragen.
Dehalb wäre da unterm Strich zumindest etwas ablesen besser
gewesen.
Aber generell gilt immer, im nachhinein ist man klüger und
aus der Zuschauerperspektive ist es immer leicht was zu beurteilen.
Und zum ablesen noch ein paar Anmerkungen. Bürgermeisterwahl
Laupheim. Die Amstinhaberin hat abgelesen, der Herausforderer und
neue BM auch. Zur Bürgermeisterwahl in Bad Schussenried. Der
Amstinhaber hat abgelesen, und die beiden Herausforderer auch. Grund?
Wer die Vorstellung verhaut, hat auch als Profi ein richtiges Problem
danach.
Und das Schulterklopfen von Stadträten ist natürlich mit
Vorsicht zu genießen. Stichwort Kandidaten für die nächste
Wahl. Deshalb immer auf die "Normalbürger" die anwesend
sind hören, denn das was dort gesprochen wird ist in der Regel
ehrlicher.
Name: in der
Eintrag am 22.01.2010 um 12:30 Uhr
Tat etwas sprunghaft. Manchmal. Der Uli. Aber interessante Punkte
angesprochen. Ich freue mich schon auf die Podiumsdiskusion.
Das Benjamin souverän war, das kann
man nicht behaupten, wie im v. g. post zu lesen. Aber das muss er
mit 25 Jahren auch nicht. Und dann, meine Freunde, sind wir doch
mal ehrlich: Warum gab es danach so viele Schulterklopfer? Glaubt
ihr etwa, das ist ehrlich gemeint? Diese Widerlinge und Schmierfinken.
Nee, nee da hör ich die Nachtigall schon singen.
Shakespeare
Name: Zur Versachlichung
Eintrag am 22.01.2010 um 10:27 Uhr
muss man hier schon mal ein paar Punkte zu gestern Abend anführen.
Denn wenn man hier das ein oder andere liest, muss man sich schon
fragen ob jeder der was vorträgt auch tatsächlich da war.
OB Fettback war inhaltlich mit seiner Vorstellung sicherlich gut.
Allerdings für das, dass er relativ sicher wieder gewählt
werden dürfte unnötig nervös, weshalb er sich dauernd
verhaspelte.
Der Kandidat Uli Stöckle hatte inhaltlich auch sehr gute Ideen.
Zum Beispiel Unterstützung sozial schwacher durch die Biberkarte.
Seine Vorstellung war aber, durch den total freien Vortrag, doch
etwas unstrukturiert.
Die meisten Sympathien hatte eindeutig Benjamin Giesel, da er auch
eine inhaltlich souveräne Rede vortrug, mit klaren Zielen und
Vorstellungen, sowie strukturiert. Und nach der offiziellen Vorstellung
hat der halbe Saal und praktisch jeder Biberacher mit Rang und Namen
(einschlielich der Alt-OB) ihm zu seiner Leistung gratuliert.
Übrigens wer meint er könne diese Leistung abqualifizieren
mit Kommentaren wie, dass man mit 25 ja ablesen könne, dem
sei gesagt, dass auch der OB abgelesen hat. Und Uli Stöckle
hätte besser abgelesen. Außerdem erst mal selber besser
machen, bevor man andere kritisiert.
Alles in allem hat sich der Abend für jeden gelohnt der gekommen
ist und dem tatsächlich was an Politik liegt.
Name: Sie waren besser
Eintrag am 22.01.2010 um 07:54 Uhr
als der Herr Fettback, aber wählen werde ich Sie trotzdem nicht.,da
ich mir unter dem OB einer großen Kreisstadt schon was anderes
vorstelle, wird sich die ältere Fettbackanhängerin denken.Und
das ist auch gut so.Giesel probiere es in ein paar Jahren wieder.Und
du Stöckle, genieße weiter dein Freizeit in einer der
Lokalitäten,die für A. und Gefolgschaft zu den In-Kneipen
dieser Stadt gehören. A., alter Mann kein anderes Thema wie
die Videoüberwachung? Bist langsam wie eine alte Schallplatte
mit Rillenschaden, penetrant immer wieder die gleiche Leier.Du nervst
ganz einfach, und merkst in deiner Wohlgefälligkeit nicht,
dass du uns allen nur noch auf die Nerven gehst und dich zunehmend
lächerlich machst.Gib einfach endlich Ruhe
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