| Fairoz
ist, wie eine große Zahl der Flüchtlinge im Heim
in der Bleicherstraße, Afghane. Seine Muttersprache
ist Dari.. Vor zwei Jahren verließ er seine Heimat,
die staubige Bauernstadt Barla. Er hatte für eine große
Bank gearbeitet, war zuständig für den Transfer
großer Summen an die ISAF, die International Security
Assistance Force, eine Sicherheits- und Aufbaumission unter
NATO-Führung im Rahmen des Krieg in Afghanistan.

Bei der Taliban machte er sich mit diesen Geldtransfers
für die Feinde unbeliebt. Sie wollten Geld für
sich haben. Fairoz weigerte sich. Die Taliban ermordeten
seinen Vater. Es fällt ihm schwer, darüber zu
sprechen. Sein eigenes Leben war jetzt bedroht und er zog
die Flucht in den Westen vor.
Bis zur Türkei, die er mit dem Flugzeug erreichte,
langte sein Visum. Danach begann jener gefährliche
und zermürbenden Zug durch europäische Länder,
der so typisch ist für viele Flüchtlinge. Mit
16 Menschen ging es im Boot nach Griechenland. Der Aufenthalt
begann mit drei Monaten im Lager von Mitilini. (Die Zustände
dort zeigt das Video unten.) Dann begann auf dem Festland
der Fußmarsch. Über 1000 Kilometer durch Makedonien
und Serbien (noch einmal Gefängnis, sieben Tage lang)
nach Budapest. Dann die Zugfahrt nach Wien.
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Fast
ein halbes Jahr lang lebte er in einem österreichischen
Asylheim, fast wäre er zurück nach Griechenland
geschickt worden, aber er schaffte die Zugfahrt nach Linz
und weiter nach München. Danach kam Karlsruhe und schließlich
die Zuweisung nach Biberach, wo er seit sieben Monaten ist.
Gut
geht es ihm nicht hier. Eine Zeitlang hatte er einen Ein-Euro.Job,
mit dem er 30 Euro im Monat zusätzlich verdiente: Putzdienst
in der Bleicherstraße 47.
Zwei Monate lang konnte er einen Deutschkurs besuchen. Jetzt
ist erst einmal wieder Pause. Er will die Sprache lernen,
denn er braucht sie, weil er bleiben will. Aber die Situation,
zu der auch die Ungewissheit über das Schicksal seiner
Familie, seiner Mutter und seiner zwei jüngeren Brüder
gehört, macht das Lernen schwierig.
In die Stadt zu gehen fällt ihm schwer. Er fühlt
sich nicht wohl in seiner billigen Kleidung und schämt
sich damit. In Afghanistan lebte er deutlich besser. Und
was er jetzt in der Woche an Taschengeld bekommt, reicht
dort um sein Auto für einen Tag zu betanken
Dass
ihm mit 25 Jahren die Haaare rapide ausfallen, führt
er auf den psychischen Stress zurück. Im Heim bleibt
allenfalls Fernsehen als Unterhaltung. Ansonsten nichts
als quälende Langeweile: "Schlafen, essen, schlafen,
essen, Kopf kaputt. Denken, denken, denken - mein Leben
ist weg."
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