BIBERACH
18. März 2007 Gala mit Überraschungen Nein, fotografieren
dürfe man nicht. Und : Nein, die Tourneeleitung sei nicht zu erreichen.
Und: Nein, Interviews seien nur mit ganz wichtigen Medien möglich.
Seltsam, diese Auskünfte des Veranstalters einige Tage vor dem Event.
Denn vor Ort war alles ganz anders. Bata Illic war sofort für ein
Interview bereit und er hatte auch nichts dagegen, dass während der
Vorstellung fotografiert würde.Die Saaldame beschied unseren Mann
auf den vorderen Plätzen, man dürfe durchaus fotografieren,
allerdings nur ohne Blitz. Dem Weberberg,de-Chef aber verweigerte man
die Pressekarten, die bereits reserviert waren. Je nun. Veranstalter sind
das eine, das Leben und die Künstler etwas anderes.

Bata Illic erwies sich als offener, humorvoller und freundlicher Gesprächspartner.
Er lud uns in den kleinen Aufenthaltsraum hinter der Bühne ein, in
dem „Die Hegl“ Karten spielten, ein Reisgericht gekocht wurde
und Frank Raimond am Tisch gegenüber saß, an dem Illic im Gästebuch
der Stadthalle blätterte. „Bata Illic (* 30. September 1939
in Belgrad) ist ein serbischer Schlagersänger.“ So steht es
in der Wikipedia. Illic spricht mit Akzent aber fließend. Der
67jährige tritt sieben bis acht Mal im Monat auf. („Pass auf,
was du sagst,“ flachst Frank Raimond, „das Finanzamt liest
mit.“) Meist am Wochenende. Und seine Sängerkarriere ist noch
nicht zu Ende. „Herzgeschichten“ heißt seine neue CD
und die nächste wird schon produziert. Drei bis vier eigene Titel
sind jeweils auf den Scheiben, auch eine Schnulze sei darunter (Raimond:
„Wenn dir Schnulzen gefallen, wirst du alt.“) Wie die Schnulze
denn heiße? Illic grübelt und Raimond macht eine Bemerkung
zu Alzheimer.
Klischees hat man gerne, wenn es um volkstümliche Schlager geht.
Und wenn man dann mit der Realität konfrontiert ist, staunt man.
So wie der Journalist , der kürzlich neben Illic in der „Salomé“
von Strauß saß und nicht glauben konnte, dass der Sänger
von Schlagern wie „Michaela“ sich an Opern erfreuen könnte.
Demnächst wird es ein Interview geben. Klassik hört Illic am
liebsten. Zuletzt waren es im Konzert Mahlers 7. und 6. Symphonie. Und
die Liebe zur klassischen Musik brachte ihn auch in Kontakt mit der großen
Musikprominenz. In den 70er Jahren lernte
er bei den Salzburger Festspielen einen Herrn Busch von der Deutschen
Grammophon kennen und über ihn gab es dann Einladungen zu vielen
Veranstaltungen, auf denen er dann hinter den Kulissen persönlich
Bekanntschaft machte mit Herbert von Karajan, Placido Domingo und allen
großen Menschen der Zeit.
Aber er liebt natürlich auch seine
eigenen Lieder. Das liebste ist ihm „Dich erkenn ich mit verbundenen
Augen“. Das war sein erster Erfolg. "Michaela", „Ich
hab noch Sand in den Schuhen aus Hawaii“ oder „Ich möcht
der Knopf an deiner Bluse sein“. Er singt diese Evergreens immer
wieder: „Das Publikum erwartet das.“ Seine spannendste Tournee?
Das war sweine erste Deutschlandtournee, die mit Heintje („Raimond:
„Oh, der war toll!“). Illic trat im Vorprogramm auf und spielte
hinter der Bühne Fußball mit dem „Mama“-Sänger.
Auch die unangenehmste Tourneeerfahrung liegt schon lange zurück.
Ein voller Saal in den 70er Jahren. Und plötzlich ist der Veranstalter
mit den Einnahmen weg und es gibt keine Gage.
67
Jahr alt ist Illic. Wie lange will er noch weitermachen? „Bis zum
Ende“. (Raimond: „Das machen Sie richtig, Herr Heesters!“)
Solange die Stimme hält und er gesund ist, will er singen, „noch
lange, lange wünsche ich mir.“ Und Raimond ergänzt: „Das
entscheidet die Zeit. Solange man ankommt beim Publikum, macht man weiter.“
Die Veranstaltungsankündigung
bezeichnet Frank Raimond als „Deutschlands Show-Entertainer Nr.
1!“. Und
er reichert das Interview immer wieder mit netten Einwürfen an. Später
bringt er den Saal zum Lachen mit Witzen wie: „Ich habe immer Pech
in der Ehe gehabt. Die erste Frau ist mir weggelaufen, die zweite nicht.“
Und er erzählt von dem Freund, der auswandern wolle, weil Homosexualität
vor 30 Jahren verboten und jetzt erlaubt sei. Der gehe, bevor es Pflicht
werde. Der Saal dankt es ihm und beklatscht ebenso begeistert seine Heino
und Roberto Blanco Parodien.
Bereitwillig und gänzlich uneitel
lässt sich Illic im Gespräch fotografieren. Auch Raimond ziert
sich nicht. Und der Panflötist Edward Simoni, den Illic über
den grünen Klee lobt, greift zur geige und ist ebenfalls für
ein Scherzfoto in der Bühnendekoration bereit.
Wir kamen nicht mit leeren Händen
zu dem Interview. „Herzenspoesie“
heißt die CD von Eichborn LIDO, die wir Bata Illic zum Dank überreichen.
Liebes- und erotische Lyrik von Goethe, Rilke, Brecht, Gernhardt und anderen.
Illic ist überrascht, bedankt sich und freut sich: „Die kann
ich im Auto hören.“
Illics Auftritt haben wir also nicht
erleben können. Nur beim Finale eine halbe Stunde vor Mitternacht
sehen wir ihn kurz mit allen anderen auf der Bühne. Und wir freuen
uns, dass wir ihn, den Menschen Bata Illic, haben kennenlernen dürfen.
Es war eine überraschend angenehme Begegnung.
Aus
der BC Illu (Das Interview führte Dierk Andresen)
Bata
Illic bei Radio Bremen Bata
Illic im "Dschungelcamp" |