Interview mit Bata Illic


Foto oben: Andreas Reiner (Copyright Andreas Reiner 2007). Mehr über den Fotografen hier.

BIBERACH 18. März 2007 Gala mit Überraschungen Nein, fotografieren dürfe man nicht. Und : Nein, die Tourneeleitung sei nicht zu erreichen. Und: Nein, Interviews seien nur mit ganz wichtigen Medien möglich. Seltsam, diese Auskünfte des Veranstalters einige Tage vor dem Event. Denn vor Ort war alles ganz anders. Bata Illic war sofort für ein Interview bereit und er hatte auch nichts dagegen, dass während der Vorstellung fotografiert würde.Die Saaldame beschied unseren Mann auf den vorderen Plätzen, man dürfe durchaus fotografieren, allerdings nur ohne Blitz. Dem Weberberg,de-Chef aber verweigerte man die Pressekarten, die bereits reserviert waren. Je nun. Veranstalter sind das eine, das Leben und die Künstler etwas anderes.


Bata Illic erwies sich als offener, humorvoller und freundlicher Gesprächspartner. Er lud uns in den kleinen Aufenthaltsraum hinter der Bühne ein, in dem „Die Hegl“ Karten spielten, ein Reisgericht gekocht wurde und Frank Raimond am Tisch gegenüber saß, an dem Illic im Gästebuch der Stadthalle blätterte. „Bata Illic (* 30. September 1939 in Belgrad) ist ein serbischer Schlagersänger.“ So steht es in der Wikipedia. Illic spricht mit Akzent aber fließend. Der 67jährige tritt sieben bis acht Mal im Monat auf. („Pass auf, was du sagst,“ flachst Frank Raimond, „das Finanzamt liest mit.“) Meist am Wochenende. Und seine Sängerkarriere ist noch nicht zu Ende. „Herzgeschichten“ heißt seine neue CD und die nächste wird schon produziert. Drei bis vier eigene Titel sind jeweils auf den Scheiben, auch eine Schnulze sei darunter (Raimond: „Wenn dir Schnulzen gefallen, wirst du alt.“) Wie die Schnulze denn heiße? Illic grübelt und Raimond macht eine Bemerkung zu Alzheimer.

Klischees hat man gerne, wenn es um volkstümliche Schlager geht. Und wenn man dann mit der Realität konfrontiert ist, staunt man. So wie der Journalist , der kürzlich neben Illic in der „Salomé“ von Strauß saß und nicht glauben konnte, dass der Sänger von Schlagern wie „Michaela“ sich an Opern erfreuen könnte. Demnächst wird es ein Interview geben. Klassik hört Illic am liebsten. Zuletzt waren es im Konzert Mahlers 7. und 6. Symphonie. Und die Liebe zur klassischen Musik brachte ihn auch in Kontakt mit der großen Musikprominenz. In den 70er Jahren lernte er bei den Salzburger Festspielen einen Herrn Busch von der Deutschen Grammophon kennen und über ihn gab es dann Einladungen zu vielen Veranstaltungen, auf denen er dann hinter den Kulissen persönlich Bekanntschaft machte mit Herbert von Karajan, Placido Domingo und allen großen Menschen der Zeit.

Aber er liebt natürlich auch seine eigenen Lieder. Das liebste ist ihm „Dich erkenn ich mit verbundenen Augen“. Das war sein erster Erfolg. "Michaela", „Ich hab noch Sand in den Schuhen aus Hawaii“ oder „Ich möcht der Knopf an deiner Bluse sein“. Er singt diese Evergreens immer wieder: „Das Publikum erwartet das.“ Seine spannendste Tournee? Das war sweine erste Deutschlandtournee, die mit Heintje („Raimond: „Oh, der war toll!“). Illic trat im Vorprogramm auf und spielte hinter der Bühne Fußball mit dem „Mama“-Sänger. Auch die unangenehmste Tourneeerfahrung liegt schon lange zurück. Ein voller Saal in den 70er Jahren. Und plötzlich ist der Veranstalter mit den Einnahmen weg und es gibt keine Gage.

67 Jahr alt ist Illic. Wie lange will er noch weitermachen? „Bis zum Ende“. (Raimond: „Das machen Sie richtig, Herr Heesters!“) Solange die Stimme hält und er gesund ist, will er singen, „noch lange, lange wünsche ich mir.“ Und Raimond ergänzt: „Das entscheidet die Zeit. Solange man ankommt beim Publikum, macht man weiter.“

Die Veranstaltungsankündigung bezeichnet Frank Raimond als „Deutschlands Show-Entertainer Nr. 1!“. Und er reichert das Interview immer wieder mit netten Einwürfen an. Später bringt er den Saal zum Lachen mit Witzen wie: „Ich habe immer Pech in der Ehe gehabt. Die erste Frau ist mir weggelaufen, die zweite nicht.“ Und er erzählt von dem Freund, der auswandern wolle, weil Homosexualität vor 30 Jahren verboten und jetzt erlaubt sei. Der gehe, bevor es Pflicht werde. Der Saal dankt es ihm und beklatscht ebenso begeistert seine Heino und Roberto Blanco Parodien.

Bereitwillig und gänzlich uneitel lässt sich Illic im Gespräch fotografieren. Auch Raimond ziert sich nicht. Und der Panflötist Edward Simoni, den Illic über den grünen Klee lobt, greift zur geige und ist ebenfalls für ein Scherzfoto in der Bühnendekoration bereit.

Wir kamen nicht mit leeren Händen zu dem Interview. „Herzenspoesie“ heißt die CD von Eichborn LIDO, die wir Bata Illic zum Dank überreichen. Liebes- und erotische Lyrik von Goethe, Rilke, Brecht, Gernhardt und anderen. Illic ist überrascht, bedankt sich und freut sich: „Die kann ich im Auto hören.“

Illics Auftritt haben wir also nicht erleben können. Nur beim Finale eine halbe Stunde vor Mitternacht sehen wir ihn kurz mit allen anderen auf der Bühne. Und wir freuen uns, dass wir ihn, den Menschen Bata Illic, haben kennenlernen dürfen. Es war eine überraschend angenehme Begegnung.

Aus der BC Illu  (Das Interview führte Dierk Andresen)            Bata Illic bei Radio Bremen        Bata Illic im "Dschungelcamp"

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