Asylbewerber in Biberach  . Folge 7: Vermischtes aus der Bleicherstraße
Es ist schon ein seltsamer Reflex: Da berichtet Weberberg.de über Flüchtlinge, die auf ihrem Weg in den Westen in Biberach gelandet sind. Flüchtlinge aus Gambia, Algerien oder Afghanistan. Dass in Afghanistan Krieg herrscht, hat sich herumgesprochen. Aber warum Flüchtlinge aus Gambia? Man könnte natürlich per Mail oder im Gästebuch nachfragen, wie die Situation in Gambia ist. Wie es dort etwa mit den Menschenrechten steht. Aber nein, jemand postet eine Liste mit den "miesen Tricks der Asylabzocker" aus der BILD.

Befremdlich im weltoffenen Biberach. Immerhin erfreulich, dass man in der Bleicherstraße Humor hat und über derlei Beiträge auch lachen kann.

Rechts: Im Gemeinschaftszimmer des Heimes wird Tischfußball gespielt.

Zu den früheren Berichten der Serie gelangen Sie hier.

Aus unserem Gästebuch: "Solcherlei Berichterstattung sieht für mich immer nur wie Stimmungsmache in eine Richtung aus. Wie wärs mal mit einem Interview mit einem zufriedenen Asylbewerber, der vielleicht auch einfach mal nur "Danke" sagen möchte, ich bin sicher auch solche gibt es...oder passt das nicht in euer Konzept? Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir bei uns in BC (wie von euch dargestellt) nur und auschließlich Asylbewerber haben, denen eigentlich gar nichts passt."
KOMMENTAR
Mit der Dankbarkeit ist es so eine Sache. Der vom TV interviewte Hartz IV-Empfänger wird auch nicht im ersten Satz ein Loblied auf den deutschen Sozialstaat singen. Das erblindete Opfer eines betrunkenen Autofahrers wird im Krankenhaus nicht vor allem das deutsche Gesundheitswesen loben. Darf man da verlangen, dass die Flüchtlinge - vor allem anderen - Dankbarkeit auszudrücken haben? Natürlich hadern sie, wie andere auch, zunächst einmal mit ihrem Schicksal. "God, why have you shown me this life?" fragt der aus begütertem Hause stammende Afghane, der sich jetzt in einem Dreierzimmer unterhalb des Hartz IV-Niveaus wiederfindet.
"Dann soll er halt zurück gehen!" ist der Stammtischreflex, der nicht bedenkt, dass es wohl Gründe geben muss, ein gutes, behütetes Leben aufzugeben, sich in die Hände von kriminellen Menschenschmugglern zu begeben, das Leben auf Landrouten oder auf der See zu riskieren, nur, um es zu retten. Und wie soll es jemand verstehen, der eine traumatische und gefährliche Flucht nach Europa bewältigt hat, dass er zwar vorerst in Deutschland bleiben, seinen in Schweden lebenden Bruder aber nicht besuchen darf, der ihm sicher psychischen und finanziellen Beistand geben dürfte? Die Einzelschicksale sind immer komplexer, als es das Vorurteil wissen möchte oder die "Abzocker"-Liste ausdrücken will.
 


Asylbewerber sind nicht anders als andere Leute. Sie haben unterschiedliche Vorstellungen vom Leben. Während ein Algerier im Heim gerne Bälle zur Verfügung hätte, damit er mit den Kindern spielen kann, fürchtet sich der Gambier Dudu vor eingeschossenen Fensterscheiben und hätte lieber einen Fitnessraum, um sich fit und arbeitsfähig zu halten und bei der Langeweile im Heim nicht immer an das denken zu müssen, was ihn zur Flucht bewogen hat.

Dieser Tage konnte Dudu (22), der seit Dezember 2008 in der Bleicherstraße wohnt,  immerhin endlich einen Rechner in Empfang nehmen. Veit Oschmann vom BC-PC Service übergab ihm eines von drei funktionsfähigen Geräten in der Bleicherstraße. Jetzt haben die Asylbewerber bessere Möglichkeiten sich zu beschäftigen und natürlich auch mit CD und DVD Deutsch zu lernen. Und da die Rechner auch den Zugang ins Internet ermöglichen, können die Heimbewohner zumindest zu einem kleinen Teil auch an den Diskussionen im Gästebuch von Weberberg.de teilnehmen.


"Thanks a thousand times!"
sagt der Nigerianer Rex Osa, der sich als inzwischen anerkannter Asylant um die Menschen in der Bleicherstraße kümmert. Im Laufe der letzten vier Wochen haben Weberberg.de-Leser viel geholfen. Mit Computern, Materialien zum Deutschlernen, Spielzeug für die Kinder  und anderem.
 
Willy Fritz spendete Papier, Buntstifte und Malkreiden aus seinem Laden "Meister Fritz" und als er im O2-Laden in der Hindenburgstraße einige Lederbälle herumliegen sah, fragte er gleich nach, ob die übrig seien. Ladenbesitzer Roland Vuc stimmte zu, gab sie ihm und Willy Fritz übergab sie wenig später an die Weberberg.de-Redaktion. Noch am gleichen Tag gingen die Bälle, zusammen mit etwas Spielzeug, in die Bleicherstraße. Ein afghanischer Asylbewerber pumpte sie für seine MitbewohnerInnen auf. Über den großen Biber freut sich das Kurdenmädchen besonders. Wir geben diesen Dank gerne an unsere LeserInnen weiter.

Die Familie Kareem-Shareef kommt aus dem kurdischen Arbil im Nordirak. Mit seinen fünf Kindern, zwei davon behindert, teilt sich das Ehepaar zwei Zimmer in der Bleicherstraße. Nur zu gerne würde die Familie in eine Wohnung umziehen.
Einen Computer hatte Herr Kareem bereits, aber der war lahmgelegt, denn das Verbindungskabel zwischen Monitor und Zentralrechner war defekt. Bei 40 Euro Taschengeld im Monat, kann ein solches defektes Kabel ein arges Hindernis sein.  Auch hier konnte Veit Oschmann helfen.