Es
ist schon ein seltsamer Reflex: Da berichtet Weberberg.de über
Flüchtlinge, die auf ihrem Weg in den Westen in Biberach gelandet
sind. Flüchtlinge aus Gambia, Algerien oder Afghanistan. Dass
in Afghanistan Krieg herrscht, hat sich herumgesprochen. Aber warum
Flüchtlinge aus Gambia? Man könnte natürlich per Mail
oder im Gästebuch nachfragen, wie die Situation in Gambia ist.
Wie es dort etwa mit den Menschenrechten steht. Aber nein, jemand
postet eine Liste mit den "miesen
Tricks der Asylabzocker" aus der BILD.
Befremdlich im weltoffenen Biberach. Immerhin erfreulich, dass man in
der Bleicherstraße Humor hat und über derlei Beiträge
auch lachen kann.
Rechts: Im Gemeinschaftszimmer des Heimes wird Tischfußball
gespielt.
Zu den früheren
Berichten der Serie gelangen Sie hier.
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| Aus
unserem Gästebuch: "Solcherlei Berichterstattung
sieht für mich immer nur wie Stimmungsmache in eine Richtung
aus. Wie wärs mal mit einem Interview mit einem zufriedenen
Asylbewerber, der vielleicht auch einfach mal nur "Danke"
sagen möchte, ich bin sicher auch solche gibt es...oder
passt das nicht in euer Konzept? Ich kann mir nicht vorstellen,
dass wir bei uns in BC (wie von euch dargestellt) nur und auschließlich
Asylbewerber haben, denen eigentlich gar nichts passt." |
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Mit der Dankbarkeit ist es so eine Sache. Der vom TV interviewte
Hartz IV-Empfänger wird auch nicht im ersten Satz ein Loblied auf
den deutschen Sozialstaat singen. Das erblindete Opfer eines
betrunkenen Autofahrers wird im Krankenhaus nicht vor allem das
deutsche Gesundheitswesen loben. Darf man da verlangen, dass die
Flüchtlinge - vor allem anderen - Dankbarkeit auszudrücken haben?
Natürlich hadern sie, wie andere auch, zunächst einmal mit ihrem
Schicksal. "God, why have you shown me this life?" fragt der
aus begütertem Hause stammende Afghane, der sich jetzt in
einem Dreierzimmer unterhalb des Hartz IV-Niveaus
wiederfindet.
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"Dann soll
er halt zurück gehen!" ist der Stammtischreflex, der nicht bedenkt,
dass es wohl Gründe geben muss, ein gutes, behütetes Leben
aufzugeben, sich in die Hände von kriminellen Menschenschmugglern zu
begeben, das Leben auf Landrouten oder auf der See zu riskieren,
nur, um es zu retten. Und wie soll es jemand verstehen, der eine
traumatische und gefährliche Flucht nach Europa bewältigt hat, dass
er zwar vorerst in Deutschland bleiben, seinen in Schweden lebenden
Bruder aber nicht besuchen darf, der ihm sicher psychischen und
finanziellen Beistand geben dürfte? Die Einzelschicksale sind immer
komplexer, als es das Vorurteil wissen möchte oder die
"Abzocker"-Liste ausdrücken will. |
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Asylbewerber sind nicht anders als andere Leute. Sie haben unterschiedliche
Vorstellungen vom Leben. Während ein Algerier im Heim gerne
Bälle zur Verfügung hätte, damit er mit den Kindern
spielen kann, fürchtet sich der Gambier Dudu vor eingeschossenen
Fensterscheiben und hätte lieber einen Fitnessraum, um sich
fit und arbeitsfähig zu halten und bei der Langeweile im Heim
nicht immer an das denken zu müssen, was ihn zur Flucht bewogen
hat.
Dieser Tage
konnte Dudu (22), der seit Dezember 2008 in der Bleicherstraße
wohnt, immerhin endlich einen Rechner in Empfang nehmen. Veit
Oschmann vom BC-PC Service übergab ihm eines von drei funktionsfähigen
Geräten in der Bleicherstraße. Jetzt haben die Asylbewerber
bessere Möglichkeiten sich zu beschäftigen und natürlich
auch mit CD und DVD Deutsch zu lernen. Und da die Rechner auch den
Zugang ins Internet ermöglichen, können die Heimbewohner zumindest
zu einem kleinen Teil auch an den Diskussionen im Gästebuch von
Weberberg.de teilnehmen.
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"Thanks
a thousand times!" sagt der Nigerianer Rex Osa, der sich
als inzwischen anerkannter Asylant um die Menschen in der Bleicherstraße
kümmert. Im Laufe der letzten vier Wochen haben Weberberg.de-Leser
viel geholfen. Mit Computern, Materialien zum Deutschlernen,
Spielzeug für die Kinder und
anderem. |
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| Willy
Fritz spendete Papier, Buntstifte und Malkreiden aus seinem
Laden "Meister Fritz" und als er im O2-Laden in der
Hindenburgstraße einige Lederbälle herumliegen sah,
fragte er gleich nach, ob die übrig seien. Ladenbesitzer
Roland Vuc stimmte zu, gab sie ihm und Willy Fritz übergab
sie wenig später an die Weberberg.de-Redaktion. Noch am
gleichen Tag gingen die Bälle, zusammen mit etwas Spielzeug,
in die Bleicherstraße. Ein afghanischer Asylbewerber pumpte
sie für seine MitbewohnerInnen auf. Über den großen
Biber freut sich das Kurdenmädchen besonders. Wir geben
diesen Dank gerne an unsere LeserInnen weiter. |
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Die Familie Kareem-Shareef kommt aus dem kurdischen Arbil
im Nordirak. Mit seinen fünf Kindern, zwei davon behindert, teilt
sich das Ehepaar zwei Zimmer in der Bleicherstraße. Nur zu gerne
würde die Familie in eine Wohnung umziehen.
Einen Computer hatte Herr Kareem bereits, aber der war lahmgelegt,
denn das Verbindungskabel zwischen Monitor und Zentralrechner war
defekt. Bei 40 Euro Taschengeld im Monat, kann ein solches defektes
Kabel ein arges Hindernis sein. Auch hier konnte Veit Oschmann helfen. |
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