Das Wieland Gymnasium

Lückenfüller:

Das Wieland Gymnasium ist eine Schule mit langer Tradition. Einer wie langen, das erfuhren wir einst auf der Website der Schule. Hier ein Screenshot vom 31. Januar 2003:

 

Mittlerweile ist auf der - neu gestalteten - Schulwebsite dies zu lesen: "1937 - Umbenennung in Horst-Wessel-Oberschule für Jungen nach dem Bielefelder SA-Sturmführer Horst Wessel, der 1930 an einer von einem „Kommunisten“ zugefügten Verletzung erlag und darauf von der nationalsozialistischen Bewegung „zum Märtyrer“ stilisiert wurde."

Die Phase, in der die Schule (seit 1937) als "Horst-Wessel*-Oberschule für Jungen" firmierte, fehlte in der Schulchronik in auffälliger Weise, obwohl manche Bücher in der Lehrerbücherei noch den entsprechenden Stempel tragen sollen. (Seit Ende Februar findet sich der Hinweis auf das Datum aber auch in der Chronik. Ob die Änderung was mit unserem obigen Text zu tunb hat - wer weiß?) Solche Lücken sind typisch Biberach, also eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Jetzt also ist die Lehranstalt nach Biberachs Stardichter benannt, setzt inzwischen auf Koedukation und wird von Schützadirektionsmitglied Dr. Hanno Wulz geleitet. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule offenbar autonom von Schülern verwaltet, denn Schulleiter sind für diese Zeit nicht gelistet. Am Wieland Gymnasium entstehen auch die Schülerzeitung Die Funzel und die preisgekrönte SchülerInnenwebsite Funzel.de. Die Funzel gibt es seit 1952!

Einen Blick auf die Rückseite des gymnasialen Schulareals in Biberachs Zentrum vermitteln wir Ihnen hier. Der Eingang sieht so aus:

Beim Stichwort Wieland Gymnasium sollte man natürlich auch an das "Biberacher Modell" denken und ferner an die Schülerzeitung Funzel und die Website Funzel.de.

Anmerkungen: .

* Der geborene Bielefelder Horst Wessel hat nicht lange gelebt. Er starb als Student im Alter von 22 Jahren in Berlin (1907-1930). Im Jahre 1929 wude er SA-Sturmführer in Berlin. Zu Tode kam er als ihn ein Kommunist verletzte - aus politischen und privaten Gründen. Kein Wunder, dass die NSDAP ihn als Märtyrer feierte. Von ihm stammt das "Horst Wessel Lied", das mit den Worten "Die Fahne hoch..." beginnt. Von 1933-45, war dieses Lied, mit der Melodie eines Liedes, das bei der Armee bereits im Ersten Weltkrieg beliebt war, quasi die zweite deutsche Nationalhymne.

**Dr. Karl Freudenmann war Leiter der Schule von 1935 bis 1945. Anlässlich seines Todes hieß es über ihn im Nachruf der Schwäbischen Zeitung am 16. April 1965: "Während der Zeit des zweiten Weltkrieges hatte er schwierige Verhältnisse zu meistern, nachdem von 1943 bis Kriegsende auch das Pestalozzi-Progymnasium für Mädchen seiner Gesamtleitung unterstellt wurde. Nach dem Umsturz 1945 wurde er von 1949 an in Laupheim und Ehingen verwendet und kam 1950 wieder an das Pestalozzi-Progymnasium für Mädchen in Biberach, um von 1953 bis 1954 noch am Wieland-Gymnasium Dienst zu tun, wo er dann in den Ruhestand getreten ist."

Biberach 5. Mai 2003

Anmerkung der Redaktion: Wir haben das satirisch gemeinte und natürlich gefälschte Titelbild einer Funzel-Ausgabe von Schütza 1933 wieder von dieser Seite entfernt und damit einem Wunsch der Mehrheit der Funzel-Redaktion entsprochen. Wer es dennoch sehen will, klicke hier, aber auf eigene Gefahr und ohne Billigung der Funzel-Redaktion. .

 

Das "Biberacher Tagblatt" vom 3. und 4. September 1935 meldete:

Wie es nach den Ferien üblich ist, versammelten sich am Montag früh ( 2. September 1935) die Lehrer und Schüler des Realgymnasiums und der Oberrealschule Biberach im Schulhof, um mit der feierlichen Flaggenhissung die Schule wieder zu beginnen. Dieser Akt hatte diesmal eine besondere Bedeutung, da mit ihm die Amtsübernahme des neuen Vorstands, Studiendirektors Dr. Freudenmann**, verbunden war. . . . Studiendirektor Dr. Freudenmann . . . führte aus, daß er vom Führer und Reichskanzler mit seinem neuen Amte beauftragt sei und daß er es im Sinne des Führers und im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung zum Wohle des Volkes und Vaterlandes führen werde. . . . Die Schüler ermahnte er, sich der nationalsozialistischen Weltanschauung für würdig zu erweisen, indem sie jederzeit Ordnung und Disziplin halten und der Schule Ehre machen. Weiterhin forderte er sie auf, durch Fleiß und Arbeit am Wiederaufstieg des deutschen Vaterlandes mitzuarbeiten. Mit der Hissung der Flaggen und dem Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes fand die würdige Feier ihren Abschluß.

Zur Vita des Schulleiters lassen wir ihn am besten selbst zu Wort kommen:

"Im Bezirk Riedlingen leitete ich beinahe 10 Jahre lang den VDA ( Volksbund für das Deutschtum im Ausland). Oktober 1930 trat ich in die NSDAP ein und wurde nach der Machtübernahme mit der Kreisschulung betraut. Ohne mein Zutun wurde ich von meiner vorgesetzten Dienstbehörde dem Führer und Reichskanzler für die hiesige Vorstandstelle (Realgymnasium und Oberrealschule) zum Vorschlag gebracht. Die Ernennungsurkunde wurde am 23. Juli 1935 in Berchtesgaden von Adolf Hitler unterzeichnet. . . . Besonders großen Wert lege ich auf ersprießliche Zusammenarbeit der Schule mit der Elternschaft, Hitlerjugend und Presse. Der ganzen Bevölkerung unserer Stadt entbiete ich meinen Gruß. Als Nationalsozialist möchte ich bitten, daß es mir erlaubt sein möge, von den früher üblichen offiziellen Besuchen abzusehen."

Und im "Biberacher Tagblatt" vom Donnerstag, dem 9. September 1937 lesen wir:

Anläßlich des Wiederbeginns der Schularbeit nach den Sommerferien werden im nationalsozialistischen Deutschland an sämtlichen Schulen bei der Flaggenparade schlichte Schulfeiern abgehalten. Daß diese nicht nur Formsache sind, sondern richtungsweisende, sinnvolle Gedenkstunden des Rückblicks und Ausblicks sein können, das zeigte Studiendirektor Dr. Freudenmann durch die Art, wie er am Dienstag früh, 7. September 1937, die Schularbeit eröffnete.

Er ermahnte die Schüler zu freudiger Pflichterfüllung für Führer und Volk, deren sich gerade die höhere Schule nach den Wochen der kraftspendenden Ausspannung besonders bewußt sein müsse, und teilte mit, daß seitens der Schulleitung bei der Schulbehörde für das bisherige Realgymnasium mit Oberrealschule (neben der schon bestehenden Hans-Schemm- und Herbert-Norkus-Schule) der neue Name "Horst-Wessel-Oberschule" vorgeschlagen worden sei, und erzählte von persönlichen Eindrücken am einfachen Grab dieses heldischen Studenten.

Vor der Lehrerschaft entwarf er klare Richtlinien für die neue Arbeit und gab die Parole für die nächste Zeit: Die ganze Weltlage ist so, daß unsere Jugend auf eine Kraftprobe gefaßt sein muß. Zäher Wille und wehrhafte Gesinnung sind daher zu pflegen.

Vor Abirrungen in pazifistische, überstaatliche Bestrebungen - gerade auch von kirchlicher Seite - muß energisch gewarnt werden. Gleichzeitig soll im Mittelpunkt des Schullebens die Mitarbeit am Vierjahresplan, der volksdeutsche Gedanke (18. 9. Tag des deutschen Volkstums) und auch der Natur- und Tierschutzgedanke stehen."

 

Heftig ist die Konkurrenz zwischen Pestalozzi Gymnasium und Wieland Gymnasium alljährlich nach dem schriftlichen Abitur: Welche Schule bringt den fetteren Abigag?

Oben ein Foto vom WG-Gag 2003 mit dem Motto "Grease". Kurze Zeit nachdem dieses Foto entstand, fing es leider an zu regnen.

Ehrung eines Vorkämpfers der Bewegung - Horst-Wessel-Feier der Horst-Wessel-Oberschule für Jungen in Biberach

So überschreibt das "Biberacher Tagblatt" am Dienstag, dem 18. Januar 1938, seinen Bericht, aus dem einige Passagen zitiert seien:

Am 14. Januar waren es 8 Jahre, daß Horst Wessel unter der Kugel des Mörders zusammenbrach. Diesen Tag nahm die Horst-Wessel-Oberschule zum Anlaß, um in würdiger Weise des toten Helden zu gedenken, dessen Namen sie seit dem 14. Oktober 1937 amtlich trägt.

Vormittags 10 Uhr versammelte der Leiter der Schule, Studiendirektor Dr. Freudenmann, Lehrerschaft und Schüler zur Flaggenhissung auf dem Schulhof . Mit kurzen Worten wies er auf die Bedeutung des Tages hin. Nachdem die letzte Strophe des Horst-Wessel-Liedes verklungen war, wurde die Tafel enthüllt, welche künftig an der Außenseite des Gebäudes den Namen der Schule tragen wird. Anschließend fand die Hauptfeier im großen Saal der "Laute" statt. Hier hatten sich auch Angehörige und Freunde eingefunden.

Der Schulleiter begrüßte die Anwesenden; er wies auf die heilige Verpflichtung hin, welche jeder Schüler und Lehrer dem Namenspatron der Schule gegenüber trage; als Symbol und leuchtendes Vorbild stehe Horst Wessel vor uns. Nach diesen einleitenden Worten sang Klasse 1 - 3 das Lied "Ein junges Volk steht auf" unter der Leitung von Musikdirektor Schad. Nun ergriff der Redner des Tages, Studienrat Bäurle, welchem zugleich die Leitung der Feier übertragen war, das Wort über "Leben und Bedeutung Horst Wessels". . . . "Horst Wessels Leben und Sterben rechtfertigt die hohe Verehrung, die ihm überall entgegengebracht wurde; es wäre unnatürlich, wenn dieser junge Held mit seinem glühenden Herzen nicht zum leuchtenden Vorbild würde und wenn die Heldensage sich nicht seiner bemächtigte und ihn über die Bezirke des alltäglichen Lebens hinausheben würde ins Ueberlebensgroße. . . . Er, der Korpsstudent, hat die innerliche Größe erlangt, über das reaktionäre Bürgertum zu spotten. In Adolf Hitler findet er den großen Revolutionär, der ein Ziel gibt. . . . Der Name dieses feurigsten unter den nationalsozialistischen Blutzeugen ist eine Parole und eine hohe Verpflichtung für Schüler und Lehrer. . . ."

Dem Redner dankte herzlicher Beifall für seinen schönen, von Wärme durchglühten Vortrag. Mit dem dreifachen "Sieg Heil" auf den Führer und dem Deutschlandlied schloß die würdige Feier.

(SA-Mann Philipp Schad, Nachfolger von Ferdinand Buttschardt, war von 1931 bis 1938 evangelischer Musikdirektor und auch Musikpädagoge an Biberacher Schulen. Parteigenosse Wilhelm Bäurle begeisterte als Sturmführer im NSFK, dem nationalsozialistischen Fliegerkorps, Biberacher Jugendliche für Hitlers Luftwaffe.In der "Kurzbiographie" der Schule ist er als - kommissarischer - Schulleiter geführt.)