Wieland, Christoph Martin

Er ist in Biberach und darüber hinaus sehr bekannt. Gelesen hat ihn aber kaum jemand. Daher, statt weiterer Ausführungen zur Person, hier eine unserer Lieblingspassagen, der Beginn von "Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva".

In einem alten baufälligen Schloß der spanischen Provinz Valencia lebte vor einigen Jahren ein Frauenzimmer von Stande, die zu derjenigen Zeit, da sie in der folgenden Geschichte ihre Rolle spielte, bereits sechzig Jahre unter dem Namen Donna Mencia von Rosalva sehr wenig Aufsehens in der Welt gemacht hatte.

Diese Dame hatte die Hofnung, sich durch ihre persönliche Annehmlichkeiten zu unterscheiden, schon seit dem Succeßions-Krieg aufgegeben, in dessen Zeiten sie zwar jung und nicht ungeneigt gewesen war, einen würdigen Liebhaber glücklich zu machen, aber immer so empfindliche Kränkungen von der Kaltsinnigkeit der Mannspersonen erfahren hatte, daß sie mehr als einmal in Versuchung gerathen war, in der Abgeschiedenheit einer Kloster-Celle ein Herz, dessen die Welt sich so unwürdig bezeugte, dem Himmel aufzuopfern. Allein, ihre Klugheit ließ sie jedesmal bemerken, daß dieses Mittel, wie alle diejenigen, so der Unmuth einzugeben pflegt, ihre Absicht nur sehr unvollkommen erreichen, und in der That die Undankbarkeit der Welt nur an ihr selbst bestrafen würde.

Hoffentlich macht Ihnen das Lust auf mehr!    

Ausführlicheres über die Biberacher Wielandmuseen beim Klick auf diesen Link.

Der Wieland-Übersetzerpreis des "Freundeskreis zur internationalen Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V".wurde am Donnerstag, 27. September in Biberach an Frank Günther (Rot an der Rot) verliehen. Wir gratulieren. Ein Deutschlandfunk-Interview mit dem Preisträger finden Sie hier. Was bei früherer Gelegenheit gesprochen wurde, listet die Preisträgerin Christa Schuenke auf.

Die letzte Großtat der Wieland-Verehrung war eine, die wir hier üppig illustriert haben.

Ein abderitisches Großprojekt war am 21. und 22. Juli 2000 im Museumshof zu genießen: "Die Frösche der Latona". 25 Spieler (zum Teil gestandene Altkicker) bringen gleich neben dem bösen, bösen Brunnen unter der Regie von Peter Schmid und der musikalischen Leitung von Hans-Jürgen Schäfer ("HJ Schäfer" nennt ihn das Veranstaltungsplakat irritierenderweise - ? -) ein Stück vors Volk, das neben viel "Quak! Quak! und "Klipp klapp!" auch aktuelle Biberacher Bezüge enthielt.

Wie es ausging, lesen Sie hier:

"Eine Mordsgaudi für Akteure und Publikum war die Aufführung von "Die Frösche der Latona", einer sehr freien Adaption des Wielandstückes, die im Rahmen des Literaturwochenendes im Museumshof aufgeführt wurde - nachts um 23 Uhr am Samstag und dann noch einmal nachmittags und abends am Sonntag. "Die Premiere war eigentlich die Generalprobe," sagt Korax-Darsteller Mike Joest und erklärt damit die Hauptpanne des Freitagabends. Der Priester Strobilus, der in die Politik wechselte, war nämlich irgendwann stecken geblieben und wollte - zum Gaudi des Publikums - schier nicht mehr den Faden finden. Mehrfach beugte er sich zu Regisseur und Souffleur Peter Schmid vor, versuchte den neuen Einsatz zu bekommen - vergebens. "Vor der Bühne gab es kein Licht," so Mike Joest, "der Souffleur konnte also nicht helfen. Und die anderen Mitspieler warteten vergebens auf ihre Stichworte." Strobilus-Darsteller Lothar Schiro versuchte unterdes das Beste aus der Situation zu machen. "Zerstört war ich wegen der Panne nicht. Aber das lag auch an der Solidarität des Publikums." Das bog sich bei den Pannen vor Lachen. Mal hielten die auf Stelzen auftretenden Störche ihr Gleichgewicht nicht, mal fragte jemand beim Abgang von der Bühne "Soll'n wir nochmal singe'?" Lothar Schiro war einer der Neuen in der Besetzung, die das Stück bereits vor vier Jahren schon aufgeführt hatte. "Ich war ja ein Neuling. Meine Theatererfahrung beschränkt sich auf eine einzige Zeile im Schützentheater. Damals war ich zehn. Den Text hatte ich aber gelernt wie ein Depp. Meine Kollegen haben mich auf Zugfahrten nach Karlsruhe abgehört." Zur Hauptprobe hat es dann aber terminlich nicht gereicht. So sah sich die Gesamtbesetzung bei der Premiere zum ersten Mal komplett. Und darunter waren einige Theaterneulinge. Theresa Hauel-Bügler ("An der Schule habe ich mich vor Theater erfolgreich gedrückt.") trat in einer "tragenden" Rolle auf. Im blauen Plastikkleid (von H&M für 69,90 DM) gab sie das Nummerngirl, kündigte den Szenenwechel mit riesigen Schildern an, auf denen immer mal wieder auch zum Applaus aufgefordert wurde. Ebenfalls ein Neuling war Karl Steinhauser, der über seinen Ex-Kollegen aus der Kämmerei, Max Schneiderhan und dessen Tochter Martina (Tempeltänzerin und Senatsdame) angeheuert worden war. "Eine schöne Aufgabe für einen Senioren," meinte der Ex-Schützennachtwächter, der seine langjährige Funktion beim gestrigen Gemeinderatsfest im Freibad wieder wahrnehmen durfte. Als Priester Demokrit trat er - auch singend - auf und man wartete förmlich darauf, dass er seinen Text zur Nachtwächtermelodie vortragen würde - vergebens. Bühne des Froschstücks war übrigens der umstrittene Brunnen im Museumshof. Sehr volle Bänke bei der kostenlosen Samstagsaufführung, halbvolle bei stechender Sonne am kostenpflichtigen Sonntag und dann wieder volle am gleichen Abend - die Akteure konnten mit der Resonanz zufrieden sein. Das Publikum der Sonntagsvorstellungen musste auf die erheiternden Pannen allerdings verzichten. Bürgerheimleiter Wolfram Uhl (Tempelwärter) war auf die rettende Idee verfallen, dem Wahlkampfredner Strobilus ein Stehpult aus dem Heim zu besorgen. Ergebnis: Eine souveräne Rede ohne Aussetzer. Auch die Störche, denen am Freitag noch die Gummistopfen der Stelzen durchgebrochen waren, hielten sich stabil. Überhaupt stand der Sonntag unter einem guten Stern und das trotz teilweise durchzechter Nacht - gut, dass man sich da an seinem Text festhalten konnte. Ein sprudelnder Brunnen hätte wahrscheinlich zu dem Froschstück bestens gepasst. Aber, so Storch und Bürger Martin Reif: ""Wir haben das getestet. Es war einfach zu laut." Der Brunnen blieb also abgestellt. Eine Rathausangestellte meinte: "Die Kulisse könnte man eigentlich auch stehen lassen." Die Freunde des Brunnens, die um seine Bedeutung für den Fremdenverkehr wissen, würden diese Biberacher Froschperspektive sicher so nicht gelten lassen. Bürgerin Doris Hermann wiederum fand das Stück "klasse, geistreich, interessant und hervorragend umgesetzt". Ein Schelm, wer denkt, dass sie dies nur sagte, weil ein befreundeter Storch ganz in ihrer Nähe saß."

25. November 2002

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