Weihnachtsrundbrief 2002 Biberach
Traurige Weihnacht

Der offizielle Text des Weihnachtsrundbriefes
Illustrationen und Kommentare von Weberberg.de

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Freunde Biberachs,

liegt Biberach auf einem anderen Stern? Das wurde ich im
Rahmen der Vorbereitung des Haushaltsplans 2003 von
einem Journalisten gefragt. So abwegig diese Frage auf den
ersten Blick klingen mag, bei näherer Betrachtung ist sie gar
nicht so absurd. Die Frage bezog sich auf die finanzielle
Ausstattung Biberachs, vor allem auf die Höhe der Gewerbesteuereinnahmen.
Manche Städte und Gemeinden sind nicht mehr in der Lage,
einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen und müssen
sich von freiwilligen Leistungen trennen. Es häufen sich die
Schlagzeilen, in denen von einer finanziellen Talfahrt die
Rede ist, deren Ende nicht absehbar sei und dass man sich
an Einschnitte zu gewöhnen habe. Biberach ist momentan
noch auf einem anderen Stern, um bei diesem Bild zu bleiben,
weil wir bislang von großen Einnahmeeinbrüchen verschont
blieben bzw. diese kompensieren konnten. Im Vergleich
zu vielen anderen Gemeinden haben wir auch eine
sehr geringe Pro-Kopf-Verschuldung, sowohl bundes- als
auch landesweit, wobei gleichzeitig unsere Rücklagen die
Schulden übersteigen. Biberach ist also kerngesund. Sorge
bereitet uns jedoch die Tatsache, dass nur 2 % unserer Gewerbesteuer zahlenden Betriebe 89 % der Gewerbesteuer
erbringen, wir also zunehmend von der Entwicklung einiger
weniger Betriebe abhängen. Zudem wirken sich die Milliardenlöcher
im Bundes-, Landes- und Kreishaushalt und die
Folgen der Steuerreform auch auf die Kommunalfinanzen
aus. Wir müssen im kommenden Jahr beispielsweise rund
8,6 Mio. € mehr Umlagen bezahlen als noch 2002. Vor diesen
Entwicklungen dürfen wir nicht die Augen verschließen
und müssen rechtzeitig Vorsorge treffen.

 

Dies habe ich bereits zu Beginn meines Amtsantritts verdeutlicht
und diese Einschätzung gilt auch für meine zweite
Amtsperiode, für die ich durch die Biberacher Bevölkerung
am 3. Februar erneut gewählt wurde. Wir brauchen eine
Trendwende, dürfen also nicht immer neue Aufgaben übernehmen
und müssen entscheiden, ob alle wünschenswerten
Maßnahmen auch realisiert werden sollen. Klare Prioritäten
müssen gesetzt und Ziele definiert werden, denn
Pauschalkürzungen sind wenig hilfreich und meist nicht
sachgerecht. Wichtig sind meines Erachtens dabei die Bereiche
Erziehung und Bildung sowie der Erhalt der Mittelzentrumsfunktion
Biberachs.

(rechts: der unterlegene Kandidat Alexander Baumann (CDU) aus Ehingen.

   



In diesem Sinne war auch mein Vorschlag zu verstehen,
nach dem Ausscheiden von EBM Loth die Stelle des Finanzdezernenten
nicht wieder zu besetzen und die Verwaltungsspitze
von vier auf drei Dezernate zu reduzieren. Damit
hätten wir eine schlankere, effektivere und damit bürgernähere
und moderne Verwaltung erreicht. Leider folgte
die Mehrheit des Gemeinderats diesem Vorschlag nicht,
was aus Sicht der Verwaltung sehr bedauerlich ist, aber
akzeptiert werden muss.
   
Wir werden daher auch die nächsten
acht Jahre einen Finanz- und Wirtschaftsdezernenten
haben. Die Wahl wurde im Oktober entschieden und Roland
Wersch, bislang Bürgermeister der Gemeinde Hagnau am
Bodensee, vom Gemeinderat gewählt. Er wird am 1. Februar
sein neues Amt antreten.
Erlauben Sie mir an dieser Stelle noch ein Wort zur Situation
in Deutschland allgemein und in Biberach im besonderen:
Es besteht in verschiedener Hinsicht Handlungsbedarf,
allerdings dürfen wir nicht in Schwarzmalerei verfallen und
dadurch Krisen verschärfen oder erst herbeireden, wie dies
teilweise in der öffentlichen Diskussion und den Medien
geschieht. Die kolportierte Meinung, alles werde schlechter,
stimmt nicht mit der Realität überein und ist für die künftige
Entwicklung schädlich, da sie neue Initiativen im Keim
erstickt. Wir müssen konstruktiv zusammenarbeiten und
die sich stellenden Probleme angehen.
   

Machen Sie sich von der Situation Biberachs selbst ein Bild
im Zusammenhang mit dem nun folgenden, bereits gewohnten Jahresrückblick:


Ehre dem Ehrenamt
Auch wenn ich es schon öfters ausführte, man kann es nicht oft genug erwähnen: Wir können uns glücklich schätzen, so viele Bürgerinnen und Bürger zu haben, die sich in den verschiedensten Bereichen ehrenamtlich einbringen. Dies ist keineswegs selbstverständlich und auch insofern leben wir in Biberach auf einem anderen Stern.
   
Einige von ihnen wurden
auch dieses Jahr für ihr Engagement geehrt.
Die höchste Auszeichnung, welche die Stadt zu vergeben
hat, das Ehrenbürgerrecht, wurde am 12. April Fritz Kolesch (im Bild rechts) zuteil. Er war die Leitfigur des Schützenfestes des 20. Jahrhunderts.
Er hat sich damit, aber auch mit seinem darüber
hinaus gehenden ehrenamtlichen Engagement, das für ein
Gemeinwesen unerlässlich ist, um seine Heimatstadt verdient
gemacht. Mit dieser Ehrung wollte der Gemeinderat
auch deutlich machen, dass diese wirklich außergewöhnliche
ehrenamtliche Tätigkeit nur leistbar war und ist, wenn
sich auch das Umfeld mit diesen Aufgaben voll identifiziert.
Diese Ehrung stellt daher ebenfalls eine Auszeichnung an
die Schützendirektion als Ganzes und an die Menschen dar,
die sich ehrenamtlich einbringen.
Wie sehr das Schützenfest Biberach und seine Bürger prägt
und umgekehrt, wurde auch bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande an Christa Graupner am 16. Januar im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart
deutlich. Seit ihrer Kindheit war sie mit dem Schützentheater eng verbunden, als Akteurin, Regisseurin und seit 1980 als Theaterleiterin. Insgesamt wirkte sie dabei in rund 1.500 Veranstaltungen mit.
Eine weitere Ehrung im Zusammenhang mit dem Schützenfest
gab es am Schützendienstag: Siegfried Hauchler, Ehrenmitglied
der Schützendirektion, wurde für seine Verdienste
vor allem um die Präsentation dieses Festes mit der
Landesehrennadel ausgezeichnet.

Bereits im März hatte Jos. Kloeters anlässlich des 20-
jährigen Bestehens der Artothek für sein außerordentliches
ehrenamtliches Engagement als Betreuer der Kunstausleihe
die Bürgerurkunde erhalten. (Rechts Teile einer Ausstellung in der Stadtbücherei.)

Insgesamt 27 Jahre war Günter Vogel im Vorstand des
Dramatischen Vereins. Von 1975 bis 1987 als Vorsitzender
und anschließend bis 2002 als Spielleiter. Dabei betreute er
42 Inszenierungen, 13 davon als Regisseur und spielte in
vielen Stücken selbst mit. Für dieses Engagement wurde
ihm am 7. Juni im Rahmen der Hauptversammlung die Bürgerurkunde
verliehen.

Als Musikdirektor hatte er sich in 27 Jahren einen Namen
gemacht. Die Rede ist von Peter Marx, der musikalischen
Drehscheibe Biberachs, der die musikalischen Kräfte bündelte,
neue entfachte und wegen seiner fachlichen, intellektuellen
und humorvollen Kompetenz von allen hoch anerkannt
war. Für seine Verdienste wurde er im Rahmen seiner
feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand am 11. September
in der Stadthalle mit der Bürgerurkunde geehrt.

Seit 22. Oktober 1989 gehörte Horst Gutermann dem Gemeinderat
an und war seit 1999 auch Erster ehrenamtlicher
Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Alles hat seine Zeit.
Horst Gutermann erklärte seine Zeit als Gemeinderat für
beendet und schied am 22. Oktober aus diesem Amt aus.
Seine Verdienste um die Stadt Biberach im Ehrenamt und
als Kaufmann wurden mit der Bürgerurkunde gewürdigt.

Lebendige Partnerschaften
Unsere Städtepartnerschaften prägten das Jahr 2002 ganz
besonders. Kein Wunder, konnte doch der Partnerschaftsverein,
der unsere Partnerschaften mit Leben erfüllt und
weiterentwickelt, auf 25 Jahre zurückblicken. Aus diesem
Anlass gab es denn auch im Mai ein großes Jubiläumsprogramm,
zu dem viele Gäste aus unseren Partnerstädten
angereist waren. 25.000 Begegnungen hat es seit 1977
gegeben. Dabei waren rund 50 Vereine und Organisationen
beteiligt. Es entstanden viele Freundschaften, sogar Ehen
wurden geschlossen. Der Partnerschaftsverein vermittelt
Weltoffenheit, was auch unser Ansehen im Ausland hebt.
Durch die Organisation von Bürgerreisen und humanitäre
Hilfsaktionen werden breite Bevölkerungsschichten angesprochen.
Rechtzeitig zum Festwochenende, quasi als Geburtstagsgeschenk,
wurde die Partnerschaftsstele fertig und vor der
Stadthalle aufgestellt. Sie besteht aus fünf zueinander
gruppierten Edelstahlplatten, die mit Namenstafeln unserer
Partnerstädte versehen sind und in die Himmelsrichtungen
der Partnerstädte weisen. Ein derartiges Symbol war ein
lang gehegter Wunsch des Partnerschaftsvereins.

Ein weiteres Highlight war die Georgische Woche mit 42
Gästen aus Telawi, darunter Bürgermeister Vasili Dawitaschwili,
der bei der Begrüßung derartige Beziehungen als
Garant für weltweite Freundschaft und Frieden bezeichnete.
In Ergänzung der Partnerschaftsurkunden unterzeichne-
ten Biberach und Telawi eine Vereinbarung, in der sich beide
Städte bereit erklären, an einem Projekt des deutschen
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung mitzuwirken. In einer ersten Stufe sollen
Beratungsprojekte, zum Beispiel zur kommunalen Selbstverwaltung
in Telawi, und ein Konzept zur Jugendhilfe ausgearbeitet
werden.

Auch außerhalb der Partnerschaftswochen fanden wieder
kulturelle Begegnungen statt, so die Aktion "Gesicht zeigen":
Informationsstände, ein Aktionsprogramm für Kinder,
beste internationale Verpflegung, vor allem aber intensive
Gespräche, zum Beispiel zwischen Christen und Muslimen,
eine begleitende Ausstellung in der Stadtbücherei, eine
Diskussionsrunde mit politischen Vertretern, kurzum: ein
gelungenes Konzept, das auf eine Idee des Partnerschaftsvereins
und der Wirtschaftsjunioren zurückging, auf großes
Interesse der Bevölkerung stieß und sicher über den Tag
hinaus positiv für das Zusammenleben von Deutschen und
Ausländern wirkt.
Begegnungen zwischen den Kulturen sind der zentrale Pfeiler
der Städtepartnerschaften und finden in vielfältigster
Weise statt. Hierzu gehört auch der Deutsch-Intensiv-Kurs,
der junge Leute nach Biberach bringt, wo sie in Gastfamilien
unsere Lebensweise näher kennen lernen und parallel
anhand europäischer Themen in der vhs Deutschunterricht
erhalten. Zwischen vielen Vereinen und Organisationen
werden seit langen Jahren Kontakte gepflegt und sind viele
Freundschaften entstanden.
Mit der Kanalinsel Guernsey besteht zwar keine Partnerschaft
im engeren Sinn, dennoch entsprechen diese Begegnungen
dem ursprünglichen Gedanken von Städtepartnerschaften:
Kontakte auf kultureller, sportlicher und sozialer
Ebene, insbesondere zwischen der Jugend herzustellen, um
den Geist der Versöhnung mit Leben zu füllen und Freundschaft
wachsen zu lassen. Ganz in diesem Sinne stand der
einwöchige Besuch einer Delegation von ehemaligen Deportierten
mit ihren Angehörigen, an ihrer Spitze der höchste
politische Repräsentant, Bailliff Sir de Vic Carey mit seiner
Frau. Der Sonntag war mit ökumenischem Gottesdienst
und einem Besuch des Stadtfriedhofs, auf dem eine Gedenktafel
an die Deportierten erinnert, dem Erinnern gewidmet.
Gerade vor dem Hintergrund der Flugblattaktion
von Herrn Möllemann im Zuge des Bundestagswahlkampfs
war mir bei meiner Gedenkrede wichtig, auf die besondere
deutsche Verantwortung hinzuweisen, die unabhängig von
der Schuld- und Altersfrage besteht. Ein Besuch auf dem
heutigen Gelände der Bereitschaftspolizei, dem früheren
Lager, gehörte ebenso zum weiteren Programm wie die
Präsentation des Buches von Reinhold Adler " Das war nicht
nur Karneval im August", das als Band 6 der Biberacher
Studien erschien und die Ereignisse um das Internierungslager
in Biberach zwischen 1942 bis 1945 aufarbeitet.


Wirtschaftsstandort Biberach
Biberach liegt mit der Region Ulm, zu der auch der Alb-
Donau-Kreis und die Stadt Ulm zählen, im Wettbewerb der
Standorte auf Rang 17 von 69 Regionen, wie eine Unternehmensumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bei mehr als 20.000 Unternehmen ergab. Um
diesen guten Platz halten, wenn möglich sogar verbessern
zu können, müssen wir versuchen, Mängel, die von den
Unternehmen aufgezeigt wurden, zu beheben. Als Kommune
haben wir auf vieles nur bedingt Einfluss, beispielsweise
die dringend erforderliche Elektrifizierung der Südbahn
und die bessere Anbindung an die ICE-Strecke. Handeln
können wir durch vertretbare Steuerhebesätze (Der
Gewerbesteuerhebesatz beträgt in Biberach seit 1995 unverändert
340%-Punkte, im Landesdurchschnitt derzeit
dagegen 350%-Punkte.), indem wir im Rahmen des Möglichen
auf Veränderungswünsche der Firmen schnell reagieren
und ausreichend Gewerbeflächen zur Verfügung stellen,
die Neuansiedlungen ebenso ermöglichen wie die Expansion
vorhandener Betriebe. Insgesamt bemühen wir
uns, ein Klima zu schaffen, das für Investitionen förderlich
ist. Ein Vergleich der Nachrichten über Biberacher Firmen
mit den Wirtschaftsnachrichten generell bestätigt uns in
unserem Handeln, denn in Biberach dominierten die positiven
Wirtschaftsmeldungen und wir sind froh, Firmen vor
Ort zu haben, die sich klar zum Standort Deutschland bekennen.
Mit dem Neubau "Chemische Forschung", dem größten
Einzelprojekt einer Reihe von Maßnahmen, baute Boehringer
Ingelheim den Standort Biberach zum bedeutendsten
Forschungszentrum des Unternehmensverbands aus. Mit
einer Nutzfläche von rund 9.000 m² handelt es sich um das
größte Forschungsgebäude der Firma in Deutschland. 260
Mitarbeiter sind in dem Gebäude untergebracht, das rund
27,5 Mio. € kostete. Der Ausbau im Bereich Entwicklung
und Herstellung zog weitere Investitionen nach sich. Boehringer
musste seine Energiezentrum für rund 16 Mio. €
erweitern. Die Stadt Biberach leistete in enger Kooperation
mit dem Regierungspräsidium mit dem Bebauungsplan
"Aspach Süd" und einer geringfügigen Verschiebung des
von der Raumordnung geforderten Trenngrüns nach Norden
ihren Beitrag, der die weitere Expansion der Firma
Boehringer ermöglicht.

 

 
Auch die Firma Handtmann, unter anderem Weltmarktführer
bei Fleischereimaschinen, kann Unternehmenserfolge
verzeichnen und wurde mit verschiedenen, in der Branche
bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Höchste Präzision
zeichnet die Wurstmaschinen von Handtmann aus; das
kann in der Branche kein anderer so gut. Auf der ganzen
Welt ist Handtmann aber auch mit Brauereirohren aus der
Armaturenfabrik vertreten. Den größten Anteil am Umsatz
nimmt mit 60 % der Metallguss ein, wobei ganze Systeme,
zum Beispiel komplett mit Elektromotoren, angeboten werden.
Hier stehen die Zeichen auf Wachstum. Mittelfristig
sind weitere Expansionen geplant, für die der Gemeinderat
im November die rechtlichen Voraussetzungen schaffte.

Bild zu einem erfreulichen, völkerverbindenden Beitrag von Weberberg.de

Liebe Handtmann MitarbeiterInnen

Wir wenden uns heute an Sie, stellvertretend für alle Biberacher Werktätigen und Angestellten. Nehmen wir mal an, Sie hießen Schröder. Würden Sie dann gerne mit dem Namen Schrüter angesprochen werden? Oder Sie hießen Brock. Legten Sie dann Wert darauf, nicht mit Brotschk angesprochen zu werden? Und sind Sie sicher, dass Sie ihren türkischen KollegInnen und MitarbeiterInnen nicht täglich genau das antun? Nämlich ihre Namen zu verhunzen? Wir hoffen, Sie haben da ein gutes Gewissen und es ist Ihnen nichts Neues, dass das Öz in Öztürk sich anders ausspricht als das Ötz in Ötzi. Zur Sicherheit hier ein paar Tipps zur Aussprache. Sie stammen aus dem Türkischkurs von Weberberg.de. Und keine Panik: Es ist nicht schwierig, den türkischen KollegInnen den richtigen Namen zu geben: Dies sollten Sie wissen.


Einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Region, die Liebherr
Werke, kann sich nach Einschätzungen im Sommer den
Unbilden der Weltkonjunktur und den Auswirkungen stagnierender
Bauaktivitäten in vielen Ländern nicht ganz entziehen.
Zum Glück ist aber von keiner Krise beim Liebherr-
Werk Biberach und damit für die etwa 1.800 beschäftigten
Mitarbeiter die Rede. Vielmehr hofft der Liebherr-Konzern
mit seiner neuen Firmenstruktur, die sich an den verschiedenen
Sparten orientiert, den zunehmenden Herausforderungen
der Globalisierung gewachsen zu sein.
Wichtig sind aber nicht nur unsere großen Betriebe vor Ort,
sondern ebenso ein gesunder Mittelstand und unsere Einzelhändler,
die mit ihren Angeboten zu einer attraktiven
Innenstadt beitragen.

Nach wie vor ein Problem: Leerstände in der Innenstadt.

Kulturstadt Biberach
Dass ein attraktives Kulturangebot mit zu den weichen
Standortfaktoren zählt, ist längst kein Geheimnis mehr.
Biberach hat auch in dieser Hinsicht viel zu bieten, denn
Kultur genießt in Biberach einen hohen Stellenwert und ist
ein Markenzeichen unserer Stadt. Dies wurde einmal mehr
im Rahmen der Diskussion der Kulturleitlinien 2002 betont.
Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden müssen wir
wie gesagt noch nicht darüber diskutieren, welche Einrichtungen
geschlossen werden müssen. Damit wir erst gar
nicht in diese Lage kommen, falls sich die Finanzsituation
verschlechtert, ist es wichtig, dass wir uns auf das Vorhandene
konzentrieren, unsere Stärken ausbauen und den
Standard halten. Wir sollten daher nicht nach immer neuen
Events suchen oder beklagen, was wir nicht haben, sondern
unser sehr gutes Kulturangebot pflegen und im Rahmen
der finanziellen Möglichkeiten weiterentwickeln.
 
Die Konzentration auf das Vorhandene bedeutet bei weitem
keinen Stillstand. Dies beweist zum Beispiel der Erwerb
des ehemaligen Nägele-Hauses durch die Stadt, in dem
künftig die Jugendkunstschule (Juks) gemeinsam mit der vhs
eine Heimat bekommt. Ihre Raumnot verdeutlichte die Juks,
die in diesem Jahr auf 10 Jahre Bestehen zurückblicken
konnte, mit 22 künstlerisch gestalteten Stuhlriesen, die in
der Innenstadt einige Wochen neue Hingucker boten und
das vielfältige Angebot dieser Einrichtung, die nicht mehr
wegzudenken ist, dokumentierten. Auch sonst stellte die
Juks im Jubeljahr wieder einiges auf die Beine. Erstmals
wurden mehrere Kurse in einer Produktion vereinigt und
stellten mit dem Rockmusical "Oliver" ihr großes Können
unter Beweis. Die Studiobühne der Juks präsentierte inszeniert
von Josef Charvat mit "Aus dem Leben der Insekten"
im Juni ein Lehrstück über Liebe, Reichtum und Macht. Ein
gelungenes Großprojekt war schließlich das Musical "Fame",
das die Juks gemeinsam mit der TG Biberach auf die
Beine stellte.

Weit über Biberach hinaus bekannt ist das Braith-Mali-
Museum. Dieses Jahr folgte ein weiterer, allerletzter Eröffnungsschritt
mit der Eröffnung der Abteilung "Kunst im 20.
Jahrhundert"
, der noch mit der Gesamtsanierung seit 1991
im Zusammenhang stand. Damit wurde die Biberacher
Kunstgeschichte bis in das jüngst vergangene Jahrhundert
fortgeschrieben. Bislang unbekannte oder zumindest selten
gesehene Gemälde und Plastiken markieren den Umkreis
dieses zerrissenen 20. Jahrhunderts, die Kriegszeit ebenso
wie die Nachkriegs-"Revolutionen" der Biberacher Kunst bis
in die nahe zurückliegenden Jahre. Daneben sind zwei
Schwerpunkte gelungen:
Zum einen wird der wichtigste deutsche Expressionist Ernst
Ludwig Kirchner (1880-1938) auf verdoppelter Ausstellungsfläche
präsentiert! Das Braith-Mali-Museum zeigt 26
hochrangige Kunstwerke von Kirchner: 13 Gemälde, 12
Grafiken und 1 Plastik, eine Kollektion, die selbst einer
Großstadt zur Ehre gereichen würde.
Zum anderen wurde das original erhaltene Atelier des Biberacher
Malers Jakob Bräckle (1897-1987) eins zu eins in die
Ausstellung eingebaut. Dabei ist der Vergleich dieses nüchternen
Arbeitsraumes des 20. Jahrhunderts mit den theaterhaft
ausstaffierten Salons von Anton Braith und Christian
Mali, die sich seit über 90 Jahren im Biberacher Museum
befinden, gewollt. Künstlerateliers entwickeln sich zu einer
Biberacher Spezialität. Es sei hier angemerkt, dass das
Bräckle-Atelier nur infolge eines doppelten bürgerschaftlichen
Engagements möglich war: Das (auch materiell) kostbare
Inventar ist ein Geschenk der Familie Bräckle. Der Einbau
wurde durch die finanzielle Unterstützung mit 10.000 €
des Förderkreises Biberacher Museum e.V. für die Stadt
leichter finanzierbar. Das Thema Bräckle wurde im Laufe
des Jahres durch die Sonderausstellung "Jakob Bräckle und
Zeitgenossen - die 1930-er Jahre" warm gehalten. Sie stellte
Jakob Bräckle als einflussreichen oberschwäbischen Maler
des 20. Jahrhunderts in Beziehung zu den Weggefährten
zwischen Stuttgart und Bodensee, in einer Zeit zwischen
Modernität und Vereinnahmung. Dabei kooperierte das
Braith-Mali-Museum mit der Nachbargemeinde Ochsenhausen,
in deren Fruchtkasten im Sommer ebenfalls eine
Bräckle-Ausstellung mit organisatorischer Unterstützung
unseres Museums stattfand.
Der Herbst des Jahres war dem Jubiläum unseres Museums
gewidmet. Die Städtischen Sammlungen blicken nun auf
ein ganzes Jahrhundert zurück. Die aufwändig inszenierte
Ausstellung "Zwischen Ur-Elefant und Zulukönig - 100
Jahre Biberacher Museum" bietet Einblicke in die Anfangsgründe
eines bedeutenden Museums.
Infolge so attraktiver Ausstellungen und Veranstaltungen
lagen die Jahresbesucherzahlen wieder deutlich über
30.000. Das ist auch ein Verdienst der neu formierten Museumspädagogik,
die durch die neu geschaffene halbe Stelle
ein monatlich regelmäßiges Aktionsprogramm, das
Sommerferienprogramm, Schulführungen und Kindergeburtstage
organisiert hat.

Das Walser-Literatur-Archiv wurde in diesem Jahr 25 Jahre
alt und der bekannte Autor Martin Walser feierte im Frühjahr
seinen 75.Geburtstag. Dies war Anlass, um im Rahmen
des Landes-Literatur-Sommers zum 50. Geburtstag des
Landes Baden-Württemberg die auch vom Arbeitskreis Kultur
(Stadtmarketing) initiierten " Biberacher Literaturgespräche"
abzuhalten. Auch wenn Walser wegen der Turbulenzen
um seinen Roman "Tod eines Kritikers" zu diesem
Ereignis nicht erschien, gab es doch ein vielfältiges und
bedeutendes Angebot an Vorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen, einem Tag der offenen Tür im Walser Archiv,
einer Schreibwerkstatt für Jugendliche und Informationen
rund um das Thema Literatur und Literaturschaffende, das
vom Publikum sehr gut angenommen wurde.
Momentan ist die Zukunft des Walser-Archivs ungewiss,
auch deshalb, weil wenig Aussicht darauf besteht, seine
Originalmanuskripte, Tagebücher und den sonstigen
Schriftverkehr nach Biberach zu bekommen. Zudem würde
eine aktive Betreuung des Archivs mehr Personal erfordern,
was auf absehbare Zeit nicht finanzierbar ist. Daher tendieren
Verwaltung und Gemeinderat dazu, die vorhandenen
Kräfte zu bündeln und das Walser-Literatur-Archiv aufzugeben.

Neuzugang im Kirchner-Kabinett: Ein Skispringer
Im Bräckle-Atelier (Teilansicht)
 

Das Umweltschutz-Förderprogramm - eine Erfolgsstory
Aus dem Bereich des Umweltschutzes möchte ich in diesem
Jahr unser sehr erfolgreiches Förderprogramm Umweltschutz
vorstellen. Dieses hat sich in den letzten zehn Jahren
kontinuierlich entwickelt. Neben dem Bau von Photovoltaik-
Anlagen (Förderung seit dem Jahr 2001) war in den
letzten Jahren vor allem die Förderung von Wärmedämmmaßnahmen im Altbau ein Schwerpunkt der Förderung.
Bekanntlich lassen sich hier die größten Energieeinsparungen
und damit CO2-Reduktionen erzielen. Vor allem Förderungen,
die der Einsparung von Energie und dem weiteren
Ausbau erneuerbarer Energien dienen, sind besonders
wichtig. Auch wenn sich diese Maßnahmen aus heutiger
Sicht wirtschaftlich nicht rechnen, sind sie für eine nachhaltige
Entwicklung der Stadt im Sinne der Lokalen Agenda 21
unverzichtbar. Förderprogramme sind dann erfolgreich,
wenn sie sich durch Kontinuität und durch Fördersätze, die
Anreize für Investitionen schaffen, auszeichnen. Beides ist
beim städtischen Förderprogramm der Fall, weshalb die
Mittel letztlich nicht nur der Umwelt, sondern auch den
örtlichen Handwerksbetrieben zu Gute kommen. Die Mittel
wurden in den letzten Jahren vom Gemeinderat kontinuierlich
dem Bedarf angepasst und liegen derzeit bei 150.000 €.
Für die kommenden Jahre zeichnet sich aus finanziellen
Gründen und der damit verbundenen, bereits erwähnten
Trendwende eine etwas geringere Finanzausstattung des
Förderprogramms ab. Dafür wird sich die Stadt aber im
nächsten Jahr an der Einrichtung einer Energieagentur mit
über 17.000 € beteiligen.
Die Stadtverwaltung bemüht sich selbst auch in vielfältiger
Weise um umweltfreundliches Agieren. Als ein Beispiel sei
das im Frühjahr beschaffte Spezialfahrzeug zur umweltfreundlichen
Kanalreinigung genannt. Das Schmutzwasser
wird angesaugt und innerhalb weniger Minuten so aufbereitet,
dass es sofort wieder zur Spülung der Kanäle ver-
wendet werden kann und spart somit Frischwasser.
Im Rahmen von Biberach 21 konnten wir zusammen mit
den vier Arbeitsgruppen weitere Projekte voranbringen.
Herausstreichen möchte ich dabei "Ökoprofit", an dem sich
derzeit 11 Betriebe beteiligen. Ziel ist es dabei, Unternehmen
für den Umweltschutz und den nachhaltigen Umgang
mit Ressourcen zu sensibilisieren, wodurch Betriebe dann
auch (Betriebs-)Kosten sparen können.

 

Und ewig nagt der Baggerzahn...
Immer wird in Biberach gebaut, saniert, renoviert, werden
Baulücken durch neue, attraktive Projekte geschlossen und
wenn man sich allein die Projekte im städtischen Haushalt
und der mittelfristigen Finanzplanung ansieht, wird das
auch so weitergehen und hoffentlich auch für Privatinvestitionen
zutreffen. Ein großer Anteil unserer Investitionen
entfiel auch 2002 auf die Sanierung und Renovierung unserer
Schulen, beispielsweise mit der Erweiterung der Grundschule
Rißegg, die dank des Neubaus, dessen Fertigstellung
am 21. September mit einem großen Schulfest gefeiert
wurde, genügend Platz auch für einen Computerraum und
das Angebot "Verlässliche Grundschule" hat.


Die Eigenständigkeit unserer Teilorte ist wichtig. Damit die
Verwaltung vor Ort für die Bürger da sein kann, bedarf es
auch zeitgemäßer Rathäuser. Genau 100 Jahre nach dem
Bau des Ringschnaiter Rathauses wurde am 10. November
die vollendete Generalsanierung mit der Bevölkerung gefeiert.
Geschaffen wurde quasi ein Bürgerhaus, denn das Rathaus
beherbergt nicht nur Räume für die Ortsverwaltung
und den Sitzungssaal, sondern auch einen Probenraum für
den Musikverein. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben,
dass uns auch für die Zentralverwaltung eine Verbesserung
zum Nutzen der Bürger durch die Schaffung
eines Bürgeramts im Rathaus gelingt.

 

Eine perfekte Lösung wurde mit dem Neubau der Notariate
am Zeppelinring erreicht. Der Standort ist ideal und stärkt
den Einzelhandel, denn durch dieses Dienstleistungszentrum
wird die Innenstadt stärker frequentiert und Kaufkraft
des Umlandes an die Biberacher Innenstadt gebunden.
Hausherr ist der Hospital, der die Räume an die Stadt vermietet
und so gesicherte Einnahmen hat. Die Kosten für
den Neubau beliefen sich auf rund 2,6 Mio. €.

 
Nach grundlegender Renovierung konnten im April das
Restaurant in der Stadthalle unter dem neuen Namen
"Weisser Turm" sowie im Juni die Theaterkneipe "Applaus"
eröffnet werden und wir fanden mit Dieter Stoll einen international
erfahrenen Pächter. Die Kosten für den Umbau
und die Neugestaltung der Gastronomie und der Kegelbahnen
beliefen sich auf rund 3,8 Mio. € und wenn man das
Ergebnis sieht, kann man mehr als zufrieden sein. Seit November
steht auch der Hans-Liebherr-Saal nach umfassender
Renovierung wieder zur Verfügung, wirkt nun viel
freundlicher und ist mit neuester Medientechnik ausgestattet.
Nun muss es sich nur wieder herumsprechen, dass die
Stadthalle wieder eine attraktive Adresse für Bälle und Feierlichkeiten,
Tagungen und Seminare oder ein gepflegtes
Essen ist und man sich im "Applaus" nicht nur nach einem
Theaterbesuch in gemütlicher Atmosphäre treffen kann.

Was alles im Tiefbau "vergraben" wird, bekommt man
meist kaum zu Gesicht und nur durch unangenehme Umleitungen
zu spüren. Anders bei der Kanalsanierung in der
Waaghausstrasse: Gigantische Rohre auf vier Meter hohen
Stelzen zogen sich von der Waaghausstrasse zum Marktplatz.
In ihnen wurde während der Kanalsanierung, die im
so genannten Inlinerverfahren erfolgte, das Abwasser geführt.
Die Installation war so spektakulär, dass teilweise
sogar von der "Biberacher documenta" die Rede war. Diese
Art der Sanierung bot nicht nur etwas für das Auge, sondern
sie war gegenüber einer herkömmlichen Sanierung
auch günstiger (300.000 € statt 1 Mio. €). Weniger spektakulär
aber ebenso wichtig war der Anschluss von Eichen /
Eggelsbach/Mosmühle auf Gemarkung Stafflangen an die
Abwasserbeseitigung für rund 1 Mio. €. Ein Gewinn für das
Stadtbild wurde mit der Renaturierung des Ratzengrabens
erreicht, die dieses Jahr abgeschlossen wurde, was von
Stadt und Allianz Umweltstiftung mit einem großen Fest
zusammen mit den Anliegern und der gesamten Bevölkerung
gefeiert wurde. Entstanden ist eine attraktive Naherholungszone,
die das Stadtbild verschönert und ein besseres
Wohnumfeld schafft. Dass dies gelang, wurde bereits
vielfach von Anwohnern und Passanten bestätigt. Die Baumaßnahme
wurde vom Land mit ca. 900.000 € und der
Allianz-Umweltstiftung mit etwa 600.000 € unterstützt.

 

 

Reif für die Documenta: Die Installation zur Kanalsanierung. (Fotos: Erich Baumgärtner)

Abenteuerspielplatz Ratzengraben

Wir arbeiten noch an einer Ergänzung dieser Seite. Die Jahreschronik können wir Ihnen erst in provisorischer Form anbieten. Auf www.biberach-riss.de finden sie den kompletten Text des Breifes und der Chronik als PDF-Datei, leider ohne jegliche Illustrationen. Leute ohne Acrobat Reader haben immerhin auf unserer Seite Gelegenheit, den (bereits illustrierten) Text zu lesen. Dass wir Ihnen den Weihnachtsbrief nicht in noch schönerer Form und viel reicher illustriert präsentieren können, hat einen traurigen Grund. Wir wünschen Ihnen dennoch ein Frohes Fest!