Café Weichhardt

Für seltsame Tapeten hat man hier augenscheinlich Geld und diese Tapeten noch mit Bildern seltsam geschminkter Afrikaner zu behängen offensichtlich Zeit. (Inzwischen hatte man auch Geld, die Tapete wieder rot zu überstreichen. Die Erstversion des Weichardt stammt übrigens von dem Biberacher Künstler Georg Winter.) Mittagstisch mit zwei Gerichten. Gute Zeitungsauswahl mit tageszeitung, FAZ, Süddeutsche, Schwäbische, Abendzeitung und ZEIT. Wäre natürlich absolut die Marktlücke, wenn sich das Weichhardt zum einzigen Café mit Sonntagszeitungen mausern könnte. Ärgernis Nr 1 für Newsfreaks: Den SPIEGEL gibt es zwar zu lesen, aber nie schon am Montag. (Muss man halt ins Casa Nuova oder so ausweichen.) Trostlektüre dann Max, stern, Brigitte, art, Geo und anderes. Schokoladenstückchen von Alprose werden zum Kaffee serviert, falls sie nicht mal wieder ausgegangen sind. Mehr zum Thema unter "Cafés", unter "Ossi" und natürlich auf der Website des Hauses.

Seltsamstes immer mal wieder festzustellendes Phänomen des Cafés: das Schwarze Loch. In dieses fallen mitunter auch die versierteren Servicekräfte. Dann sitzt man 20 oder 30 Minuten ohne dass man nach seinem Getränkewunsch gefragt wird. Besonders im Nebenraum fühlt man sich dann sehr allein gelassen. Grund dafür ist mitunter die Plauderszene, die sich vorne an der Theke entwickelt. Gäste wählen dann eine der folgenden drei Lösungen: Gehen, vorgehen oder per Handy an der Theke bestellen.

Gut auch, dass hier die Programme der Dietmannser Kabarettkneipe Adler und des Weingartener Kinos Linse ausliegen. Eine Reise nach Weingarten lohnt sich übrigens, da man dort Edelstreifen auf einer großen Leinwand anschauen kann und nicht nur im Kleinformat wie im Biberacher Gilde-Kino Sternchen.

Wer sich Sorgen macht, ob er bei einem Besuch im Weichhardt nicht die nächste Globalkatastrophe verpasst, kann relaxen: Da steht auch ein TV, das bei Bedarf (wie etwa am 11. September oder bei wichtigen Spielen deutscher Fußballmannschaften) angeworfen wird.

Chefin des Ladens ist Sigi Weichhardt. Ihr Bruder Eugen hilft auch mit. Letzterer wird übrigens bestens imitiert von Claudius Hoffmann.

Es bedienen hier Susu, Yvonne, Jennifer, Chantal, Nico, Sigi, Siena, Sascha ("Örtsch"), Marie-Claire, Ines, Kathrin (2x), Anja und andere.

Achtung! Die Preise auf der Weichhardt-Website sind noch in DM angegeben. Also keine Panik.

Der Aufenthalt im Weichhardt könnte ohne große Mühe angenehmer gestaltet sein. Erstens müsste man dem Thekendienst klar machen, dass es nicht angeht, zu ruhigen Wochenendzeiten (oder auch bei ohnehin schon lärmend-voller Kneipenbesetzung) die Räume noch so mit Diskomusik zu beschallen, dass die Bässe die Stühle wackeln lassen. Zweitens könnte die Besitzerin sich vor Augen führen, dass - gerade auch am späteren Nachmittag - der eine oder andere gerne in den reichlich vorhandenen Zeitungen liest. Da aber das Licht ("Es wird dunkel, dreh mal das Licht runter.") allzu früh abgeschaltet wird, gerät das Lesen zur Qual. Dem jungen, lesefeindlichen Menschen mag das egal sein. Der Klientel des Weichhardt aber tut man damit nichts Gutes.

Im Weichhardt gibt es auch Latte Macchiato. (Auf der Karte für €2 als Latte Macciato zu finden.) Was das genau ist, ist nicht ganz klar:

What's Macchiato ? Espresso Macchiato . [mock-e-AH-toe] Some say this is espresso with about a half inch of milk foam (no steamed milk). But some strongly disagree. One enthusiast writes of the above definition: "Surely not. Macchiato (lit. "marked") is a dash of milk or cream in espresso." Another writes "the chap who serves me espresso, and who has been roasting coffee and selling and leasing machines for several years ....tells me that Macchiato is made with half-and-half."

From Australia: " 'Macchiato' has two variations here - long and short. 'Short' is an espresso (in the mandatory micro cup) with just a dash of milk. This is the default at most trad. Italian mum & dad restaurants. 'Long' is a glass with two shots of espresso, and small amount of milk. The peak of macchiato making is to pour the milk in so slowly that it never makes it to the bottom of the glass. The resulting layered drink has been known to inspire fear in the novice drinker. This the default at coffee houses. Both of these seemed to have started out in small glasses (about 175ml) but the fashionable have demanded ever larger glasses - of about 375ml.

Starbucks defines Espresso Macchiato as "1 shot of espresso in a demitasse [topped with] a small dollop of foamed milk. Finally, this somewhat similar variation: "The coffeehouse I work at serves as Macchiato, a layered cappuccino. 1/3 steamed milk, 1/3 espresso sitting on that (not mixed), and finally 1/3 milk foam. When served in glass, it is quite elegant, and when drunk, the foam insulates the coffee for temperature's sake, the espresso hits the palate first, and finally, the slightly sweet steamed milk washes the palate. Afine beverage, though perhaps not the standard."

Übrigens: Macchiato means “stained” so latte macchiato literally means “stained milk” — milk stained with a little bit of espresso. (macchia = Fleck, Latte Macchiato also befleckte Milch?)

17. Mai 2002

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