Stellungnahme "In eigener Sache" von Joachim Umbach, Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung, Leutkirch vom 22. März 2002, erschienen in der Lokalausgabe Biberach der Schwäbischen Zeitung

Unter der Überschrift "Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen!" nimmt Joachim Umbach zu drei Punkten Stellung, die in einem Flugblatt, das zur Demonstration aufrief, aufgeführt waren:

1. Der Landrat Peter Schneider wird mit der Äußerung zitiert, telefonisch Einfluss zu nehmen auf die Chefredaktion der "Schwäbischen Zeitung", wenn "der Informationsfluss nicht gewährleistet" sei.

Die Chefredaktion der SZ nimmt Telefonanrufe von Politikern aller Parteien entgegen. Sie hält es sogar für ihre Pflicht, Kontakt zu Landräten, Oberbürgermeistern und Politikern aller Parteien zu halten. Daraus zu schließen, dass man dann die Politiker-Vorstellungen auch willfährig umsetzt, ist absurd. Dies entspricht in keiner Weise dem journalistischen Selbstverständnis der SZ-Chefredaktion.

2. Im Flugblatt wird die Begründung der beabsichtigten Trennung von Gunther Dahinten der Chefredaktion ("nicht mehr ausräumbare Meinungsverschiedenheiten") bezweifelt. Offensichtlich sei ihm die Loyalität gegenüber den Mitarbeitern zum Verhängnis geworden, heißt es.

Gunther Dahinten hat sich gegenüber der Chefredaktion in mit keinem Wort zur Trennung von Roland Reck geäußert. Insofern konnte er auch keine Loyalität äußern. Und um es eindeutig klar zu stellen: Die Chefredaktion äußert auch keine Kritik an der journalistischen Arbeit von Herrn Dahinten. Seine Verdienste in Biberach und Umgebung will niemand schmälern. Die Meinungsverschiedenheiten bestehen darin, das Gunther Dahinten seine Ausgabe als Leiter der Regional- und Lokalredaktion Biberach nicht erfüllt hat, unter anderem indem er die Verletzung von journalistischen Grundregeln durch andere, ihm unterstellte Mitarbeiter nicht unterbunden hat. Der "Schwäbische Verlag" hat ihn deshalb von der Leitung der Regional- und Lokalredaktion Biberach entbunden. Wir sind nach wie vor daran interessiert, mit Herrn Dahinten eine einvernehmliche Lösung zu finden. Ihm wurde auch ein Angebot unterbreitet, dass er auch in Zukunft der "Schwäbischen Zeitung" weiter als Autor zur Verfügung steht. Entsprechende Gespräche laufen.

Der dritte Punkt, zu dem sich Umbach äußert, ist dieser:

Die "betrieblichen Gründe" für die Kündigung von Roland Reck werden bezweifelt, da weiterhin alle Stellen in Biberach besetzt seien.

Umbach: Diese Behauptung ist falsch. Die Regional- und Lokalredaktion ist um eine Stelle reduziert. Die Produktion der Kreisseite wurde neu organisiert. Sie wird zur Zeit von Redakteuren aus anderen Redaktionen des Kreisgebiets (zum Beispiel Riedlingen) übernommen. Die Fakten will man offensichtlich nicht hören. Das zeigt sich an dem Beispiel, dass das Angebot des Chefredakteurs der "Schwäbischen Zeitung", an der letzten Ver.di-Veranstaltung am vergangenen Mittwoch in Ravensburg teilzunehmen, nicht angenommen wurde. Wir stellen uns dem Dialog, tun Sie es auch.

Leserbriefe

Die ganz überwiegende Zahl der Leserbriefe, die am 23. März 2002 in der SZ veröffentlich wurden, gehen mit der Zeitung kritisch ins Gericht. Das zeigt sich schon an Überschriften wie "Es geht um ein Grundrecht", "Eingriff in die Pressefreiheit", "Erklärung ist eine Farce" oder "So geht man nicht mit Lesern um!". Zwei Schreiber aber begrüßen die Leutkircher Entscheidung. Wir zitieren:

W. Dullenkopf, Biberach: Ich finde es gut, dass die "Schwäbische Zeitung" wieder versucht, die Berichterstattung in den Vordergrund zu stellen und die Stimmungsmache durch Journalisten eingrenzen will. Die war wohl mit H. Dr. Reck nicht zu machen. Es war für mich unverständlich, wie eine Redaktion es zulassen konnte, dass ein "Redakteur" seine Zeitung als seine persönliche "Spielwiese" für seine privaten Meinungen missbrauchen darf. Für H. Dahinten werden Sie sicher eine andere angemessene Tätigkeit finden; er hat sich in den vielen Jahren um guten Journalismus und angemessene Berichterstattung bemüht.

Frank C. Damson: (...) möchte ich mich bei der SZ bedanken. Als jahrelanger Kulturschaffender freuen sich viele Mitwirkende in Biberach, dass ein hochmütiger und mit Arroganz schaffender Chefredakteur seinen Sessel räumen musste. Die SZ ist endlich auf dem richtigen Weg.

 

 

23. März 2002

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