Wir
in Biberach (2)
Die
Drei von der Stadthalle
Es ist
eine sehr Biberacher Geschichte, die es zu erzählen gilt. Nicht
nur, weil das Schützenfest darin vorkommt, sondern auch, weil sie
zeigt, wieviel Kompetenz an der Riß (oft unbemerkt) daheim ist.
Und spannend ist sie auch, denn natürlich ist es ein Wagnis, was
die Drei im Bild rechts vorhaben: den "Weißen Turm",
das Restaurant in der Stadthalle, zu einem gut laufenden und angesehen
gastronomischen Betrieb zu machen. Eine Kamikazeaktion?
Die Frage
scheint die Drei nicht zu irritieren. Als Biberacher kennen sie das
Vorurteil, mit dem die Gastronomie in der Stadthalle behaftet ist: "Das
hat doch noch nie geklappt da." Marc Mainka, rechts im Bild, widerspricht:
"Immerhin hat einer der Betreiber, Bergdolt, den Betrieb 15 Jahre
lang geführt, schwarze Zahlen dabei geschrieben und zwar mit einem
äußerst ansehnlichen Nettoumsatz." Aber in den letzten
Jahren? Was da vielleicht schief gelaufen ist, darüber wollen sich
die Drei nicht äußern. Lieber blickt man nach vorne. Und
da sieht man die Vision eines Restaurants, das den anspruchsvollen Geschäftskunden
ebenso zufrieden stellen wird wie den, der zu einem akzeptablen Preis/Leistungs-Verhältnis
gut essen möchte. Know-how und Erfahrung für die Arbeit bringen
die Drei reichlich mit Und damit sind wir bei den Personen.
Da ist
Frank Engel (32), der ehemalige Küchenchef des Park Hotels "Adler"
in Hinterzarten, der auch in Brenners Park Hotel in Baden-Baden gearbeitet
hat. Beides feine Adressen. Dann die ehemalige Abiturientin der Gebhard-Müller-Schule,
Angelika Holderried (24), die an der Berufsakademie Hotel- und Gastronomiemanagement
studiert hat. Allerdings führte der Weg von der Schule nicht direkt
dorthin. Auf dem Weg lag eine einjährige Schreinerlehre, nach wie
vor ein ungewöhnlicher Beruf für eine Frau und eine Ausbildung,
in der man im Kreise der männlichen Kollegen nur bestehen kann,
wenn man gute Leistung bringt. Aber anzupacken hat sie von der Kindheit
an gelernt, zusammen mit ihren beiden Schwestern im elterlichen landwirtschaftlichen
Betrieb.
Marc Mainka
(34) ist wohl in Biberach das bekannteste Gesicht der Drei - trotz längerer
Abwesenheit nach Schule und Ausbildung. Immerhin hat er in Biberach
reichlich gekellnert: im Noodles, im Casa Nuova, im Woody und zuletzt
im Lava Café. Als schnell, kompetent und freundlich erlebte man
ihn dort mit einem guten Draht zu den Gästen. Auch sein erdegang
war nicht stromlinienförmig. Dem Schulabschluss folgte die Ausbildung
zum Hotelfachmann. dann machte er die Fachhochschulreife nach. Sein
beruf führte ihn ins Ausland Auf Luxiuslinern hat er ebenso gearbeitet
wie auf den Bahamas oder in England, wurde dann in Heidelberg staatlich
geprüfter Hotelfachwirt und spezialisierte sich aufs Controlling.
In diesem Bereich war er zuletzt als F&B Controller im Grand Hotel
Esplanade in Berlin tätig. Wer hätte das gedacht von dem Mann,
der einem im Lava Café einen Café Latte serviert? Ein
Absturz aus der Hauptstadt in die Provinz? "Das waren familiäre
Gründe, die mich nach Biberach zurückholten," sagt Marc
Mainka und bestimmt die Koordinaten: Krankheit und Beziehung. Glaubhafte
Gründe also.
Die Drei
sind unterschiedlich verbunden Angelika Holderried und Frank Engel lernten
sich vor kanpp fünf Jahren an Schützen kennen - übers
essen. Frank Engel hatte nämlich etwas, das Angelika nachts suchte:
etwas zu beissen und die Frage nach dem "Wo gibt’s das jetzt noch?"
war der erste Kontakt. Mit Marc Mainka ist Frank Engel schon länger
verbunden. Gemeinsamer Schulbesuch bis zur siebten Klasse. Und dann
der Kochberuf. Für Marc Mainka und Frank Engel lag das Kochen schon
immer etwas näher. Auf der Realschule teilte sich das Fach Hauswirtschaft
nämlich in Kochen einerseits und Nähen und Häkeln andererseits.
Und mit dem Kochlöffel umzugehen war für die Jungen einfacher
als mit Häkel- oder Stricknadeln zu hantieren. Für Marc Mainka
kam nach zwei Jahren in der Küche wegen einer Allergie das Aus.
Aber Frank Engel machte weiter und jetzt hat sie das gemeinsame Projekt
wieder zusammengeführt.