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Simultaneum
Die ehemalige Reichsstadt Biberach feierte 1998 das 450jährige Simultaneum der Stadtpfarrkirche St. Martin und die Etablierung der gleichberechtigten Besetzung der städtischen Ratsstellen und Ämter mit Angehörigen beider Konfessionen (Parität) vor 350 Jahren. Die gemeinsame Nutzung der Stadtpfarrkirche durch evangelische und katholische Christen besteht nach wie vor. Die im Westfälischen Frieden (1648) vereinbarte Parität hatte dagegen lediglich bis zum Ende des Alten Reiches zu Beginn des 19. Jahrhunderts Bestand. Die Prinzipien des Simultaneums und der Parität wurden in die Praxis des Biberacher Alltagslebens integriert. Ergebnis: ständige Reibungen und Eifersüchteleien. Dennoch: Irgendwie klappt das trotz nach Konfession getrennter Stromzähler in der Kirche. Und Biberachs Kreisarchivdirektor Dr. Kurt Diemer meint sogar, diese Prinzipien stellten Beispiele für eine gewisse Lebensklugheit der Stadtbewohner dar, durch die der permanente Konfliktstoff zwischen den Konfessionen und den sie tragenden sozialen Gruppierungen entschärft werden konnte. In der Mentalität der Einwohner von Biberach, bei der Besetzung der Ämter, bei Eheschließungen, Festen und Feiern, im Vereins- und Parteienwesen sowie im Alltagsleben wirke die Bikonfessionalität noch heute fort. (Schöne Sätze, die wir - leicht geändert - den Mainzer Bistumsnachrichten entnehmen.) ABC-Home |