Marianne Sikora-Schoeck
Über Marianne Sikora-Schoeck schrieb die Schwäbische im Mai 2001 unter der Überschrift "Ikebana als Jungbrunnen" Folgendes: Marianne Sikora-Schoeck feierte am Wochenende ihren 70.Geburtstag. Dass der mit einer eindrucksvollen Ikebanaschau und viel internationalem Publikum begangen wurde, erstaunt nicht. "Ich fühle mich dermaßen verjüngt!" freut sich die immer noch schaffige - man mag das Wort Rentnerin hier kaum verwenden - Grand Old Dame des Biberacher Kultur- und Partnerschaftslebens. Am 19. Mai beging sie ihren 70. Geburtstag und am Tag danach konnte sie endlich einmal die Früchte der Arbeit anderer genießen: Im sonnendurchfluteten Hausgarten am Weingartenberg hatten ihr Mitgliederinnen des Ikebana International e.V Biberach, 16 ganz unterschiedliche Arrangements mit Blumen, Ästen, Holzfpfählen, bewickelten Metallstühlen, Rostblechen, Büschen, Drähten und Seilen in den Garten gleichsam zu einem Ikebana-Lehrpfad zusammengestellt. Hildegard Haas beschrieb anlässlich des Jubiläums die Arrangements im einzelnen und endet mit den Worten: "Aber das Ereignis lässt sich aufzählend nicht mitteilen, vielleicht die schöpferische Vielfalt und das Gefühl, das sich beim Betrachter einstellt: man ist überzeugt, wirklicher Kunst gegenüberzustehen, und ist umso beeindruckter, als man es nicht erwartete und berührt, weil man sich - voller Hochachtung den Handelnden gegenüber - die vergangenen Tage vor Augen führt, die wohl das ausmachten, was Ikebana für den Menschen sein kann: Hingabe an ein beglückendes Tun." Schlange standen die Gäste unter einem Sonnenzelt, als jeder das neue Buch erhielt, das zum Motto "70 Jahre Leben - 40 Jahre Leben mit Ikebana" hat und in vielen Bildern die Kust darstellt, die für Marianne Sikora-Schoeck traditionell und gleichzeitig hochmodern ist: Mit zufällig vorgefundenen Materialien zu gestalten und zu einem schönen und sinnhaften Ganzen arrangieren zu können, lag für sie immer schon näher an den Erfordernissen modernen und flexiblen Managements als beim netten Blümchenstecken, für das Uneingeweihte Ikebana gerne halten. Neben vielen Biberachern kam Besuch aus der Schweiz, aus Graz und aus Hongkong kam die Ikebana-Lehrerin des Geburtstagskindes: Lucille Evans. Die größte Überraschung aber war für Marianne Sikora-Schoeck das Kommen von Margaret Rose aus Jersey, die ihre Kinderjahre im Lager Lindele verbracht hatte und deren Vater hier während der Gefangenschaft freiwillig im Garten gearbeitet hatte. Und noch eine besonderer Freude gab es für die Jubilarin: Geschenke hatte sie sich verbeten und statt dessen um Spenden gefragt. Die Bitte wurde erhört: Erstaunliche 2500 Mark landeten in dem Kässchen, aus dem jetzt zu fast gleichen Teilen die Kinderhaustätigkeit von Schwester Manfreda im Problemgebiet "Rote Pumpe" von Hoyerswerda und das Kinderhäusle in dem Mehrgenerationen-Wohnprojekt im Biberacher Stadtteil "Fünf Linden" bedacht werden können. "Friendship Through Flowers" ist das Motto der inetrnationalen Ikebana-Bewegung. Festtag hin, Festtag her: Marianne Sikora-Schoeck ließ es sich nicht nehmen, selbst Führungen durch die Ikebana-Arrangements zu leiten, die auch ihre Lebensstationen wiederspiegelten: die Kindheit in Ägypten, die Jahren in Hongkong und London, das rege politische und klulturelle Leben der VHS-Jahre, und auch die Jahre der Kindererziehung, der Krise und der Scheidung. Auf Englisch führte sie die Hauchler-Studenten aus Ägypten, Indien, Kenia und Indonesien, deren Anwesenheit das symbolisierte, was der ehemaligen VHS- und Kulturamtsleiterin schon immer wichtig war: Freundschaft und Völkerverständigung. Die Druckereischüler waren von ihr zu Beginn ihres Lernaufenthaltes an drei Tagen durch die Stadt gelotst und in das Biberacher Leben eingeführt worden. "Freuen wir uns alle und sind wir dankbar für einen Menschen, der mit beiden Händen verschenkt, was ihm gegeben wurde", schreibt Alt-OB Claus-Wilhelm Hoffmann im Vorwort zu dem Bändchen mit dem Titel "Inszenierung des Zufalls - Ikebana sogetsu". Und die Hauchler-Studenten ergänzten: "Wenn wir schon erschöpft waren, konnte sie immer noch kräftig laufen. Sie ist wie Mahatma Gandhi." |