Schwule

Christian MaliBiberach leistete sich in den 90er Jahren nicht nur zwei einwöchige und städtisch geförderte Schwul-Lesbische Kulturtage mit einem beträchtlichen Veranstaltungsprogramm, sie hat auch ein Museum nach dem Männerpaar Braith-Mali benannt und hat obendrein die Braith Grundschule und die Mali Hauptschule aufzuweisen. Außerdem gab es die Schwulengruppe HELB. das nichts ist! Einen Link zur Szene: hier!  Ein nettes Bild von Schwulenliebling Keanu Reeves gibt's auf unserer Nacktbaden-Seite.

Mittlerweile gibt es auch eine schwule Jugendgruppe (SchwuB) mit einer eigenen Website und der Radfahrhalle als offiziellem Nahrungslieferanten.

 

18. Januar 2004




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Schwul in Oberschwaben

"Ich kenn keinen - allein unter Heteros"

Von Klaus-Dieter Diedrich

BERLIN/BIBERACH - "Towards Tolerance", frei übersetzt "Zur Toleranz kommen", lautet das Motto der diesjährigen 53. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Jochen Hicks Dokumentarfilm "Ich kenn keinen - Allein unter Heteros" über Schwule in Oberschwaben, auf der Alb, im Schwarzwald und in Stuttgart passt deshalb perfekt in die Berlinale.

 

Foto: 2.v.links: Jochen Hick 4.v.links. Richard, einer der Protagonisten, 5. v. l.

Verleihinformationen zum Film

Interview mit Jochen Hick

 

Stefan ist 26 Jahre alt, lebt in Michelwinnaden bei Bad Waldsee, ist Forstwirt und schwul. Am "Christopher Street Day", dem internationalen Feiertag der Schwulen im Juni, fährt er in Ravensburg einen Truck. An den Wochenenden begibt er sich öfters nach München oder Stuttgart in die schwule Szene - seine Mutter, bei der er noch lebt, hat nichts dagegen. Unter den Arbeitskollegen ist er inzwischen als schwul bekannt; manchmal fallen noch dämliche Sprüche. Er kontert schlagfertig und berichtet im Film, der von Jochen Hick im Videoformat gedreht wurde, frank und frei, wie es so ist als Schwuler "auf dem Land".

Auch der Südschwarzwälder Uwe, der 78-jährige Richard in Stuttgart, der 57-jährige Albstädter Hartmut und die Mutter von zwei schwulen Söhnen, die sich in christlichen Kreisen und überhaupt für die Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft engagiert, äußern sich ohne falsche Scheu zu ihrem Leben, das sich, sieht man von Stuttgart ab, im Alltag entfernt von den Großstädten zuträgt und dem der in den Metropolen oftmals hilfreiche Rückhalt durch die schwule "Community" fehlt.

Freilich reist Uwe gern mal nach Berlin, kleidet sich im Military Store mit Bundeswehrklamotten ein und geht in die hauptstädtische Szene, der HIV-positive Hartmut hat in Thailand seine Jungs um sich, und der sehr soigniert auftretende Richard fährt mit seinem Freund Eduard nach Zürich und schwelgt in den Erinnerungen an frühere Jahrzehnte, als sie dort bei den Frühjahrs- und Herbstfesten des berühmten schweizer Homosexuellenvereins "Der Kreis" tanzten.

Hick, aufgewachsen in Stuttgart, machte in Deutschland und Kalifornien Filme (z.B. "No one sleeps" ) und untersucht in seinem jüngsten Werk vor allem auch den Blick der "Normalen", der "Heteros", auf ihre homosexuellen Mitbürger. "Ich kenn keinen" - keinen Schwulen; das sagen sie im Film immer wieder: biedere Bürger, Geistliche, ein Arzt. Eigentlich möchte man "damit" nicht in Berührung gekommen sein. Das Zögern in der Rede ist zu sehen, wenn sie gefragt werden, was sie von Schwulen halten.

Hicks Film, der sich im Unterschied zu anderen dieser Thematik der Schwulen in der großstadtfernen Provinz annimmt, ist ein nach wie vor notwendiger, denn gerade in ländlicheren Gegenden ist es oft mit Toleranz gegenüber Schwulen immer noch nicht weit her. Nebenbei kann er auch der urbanen Szene etwas von den Bedingungen, die außerhalb ihrer eingespielten Rituale herrschen, vermitteln. Freilich kennt man sie dort gut genug, flüchteten doch viele Schwule - und Lesben - eines Tages aus dieser Situation. Auch die etwa für 15 Jahre in Biberach aktive Schwulengruppe HELB existiert ja nicht mehr.


Adrian Kutter und die Biberacher Filmfestspiele waren dem Regisseur ein Begriff; so ist anzunehmen, dass sein Film in Biberach zu sehen sein wird.

"Es dauerte etwas, bis wir die richtigen Leute hatten", sagt Jochen Hick im Gespräch im Grandhotel "Hyatt" am Potsdamer Platz, "manchmal standen wir nach einem ersten Gespräch wieder vor verschlossenen Türen." Auch deshalb die relativ lange Drehzeit von zwei Jahren. Er habe Leute gesucht, "die auf ihre Weise etwas ganz Positives leben" und die keine von der Schwulenbewegung vorgegebenen Parolen von sich gaben. Warum der Blick speziell auch auf die Sichtweise der "Heteros"? "Ohne auf die Heteros zu sehen ist das, was anders ist, ja gar nicht zu definieren", so Hick. "Und für meine Protagonisten ist es etwas ganz Normales, sich unter Normalen zu bewegen. Das sind Leute, die es in größere Städte nicht geschafft haben oder gar nicht von ihrem Ort weg wollten. Einer wie Hartmut zum Beispiel, der nach seinem Coming out noch immer am Stammtisch sitzt und Verständnis für seine Krankheit findet. Dennoch ist es häufig so, dass die Heteros ihre Unbeholfenheit zeigen, wenn es um dieses Thema geht; sie ertappen sich dann dabei, wenn sie etwas Falsches sagen."