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Stefan ist 26 Jahre alt, lebt
in Michelwinnaden bei Bad Waldsee, ist Forstwirt und schwul.
Am "Christopher Street Day", dem internationalen Feiertag
der Schwulen im Juni, fährt er in Ravensburg einen Truck.
An den Wochenenden begibt er sich öfters nach München
oder Stuttgart in die schwule Szene - seine Mutter, bei der
er noch lebt, hat nichts dagegen. Unter den Arbeitskollegen
ist er inzwischen als schwul bekannt; manchmal fallen noch
dämliche Sprüche. Er kontert schlagfertig und berichtet
im Film, der von Jochen Hick im Videoformat gedreht wurde,
frank und frei, wie es so ist als Schwuler "auf dem Land".
Auch der Südschwarzwälder
Uwe, der 78-jährige Richard in Stuttgart, der 57-jährige
Albstädter Hartmut und die Mutter von zwei schwulen Söhnen,
die sich in christlichen Kreisen und überhaupt für
die Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft engagiert,
äußern sich ohne falsche Scheu zu ihrem Leben,
das sich, sieht man von Stuttgart ab, im Alltag entfernt von
den Großstädten zuträgt und dem der in den
Metropolen oftmals hilfreiche Rückhalt durch die schwule
"Community" fehlt.
Freilich reist Uwe gern mal
nach Berlin, kleidet
sich im Military Store mit Bundeswehrklamotten ein und geht
in die hauptstädtische Szene, der HIV-positive Hartmut
hat in Thailand seine Jungs um sich, und der sehr soigniert
auftretende Richard fährt mit seinem Freund Eduard nach
Zürich und schwelgt in den Erinnerungen an frühere
Jahrzehnte, als sie dort bei den Frühjahrs- und Herbstfesten
des berühmten schweizer Homosexuellenvereins "Der Kreis"
tanzten.
Hick, aufgewachsen in Stuttgart,
machte in Deutschland und Kalifornien Filme (z.B. "No one
sleeps" ) und untersucht in seinem jüngsten Werk vor
allem auch den Blick der "Normalen", der "Heteros", auf ihre
homosexuellen Mitbürger. "Ich kenn keinen" - keinen Schwulen;
das sagen sie im Film immer wieder: biedere Bürger, Geistliche,
ein Arzt. Eigentlich möchte man "damit" nicht in Berührung
gekommen sein. Das Zögern in der Rede ist zu sehen, wenn
sie gefragt werden, was sie von Schwulen halten.
Hicks Film, der sich im Unterschied
zu anderen dieser Thematik der Schwulen in der großstadtfernen
Provinz annimmt, ist ein nach wie vor notwendiger, denn gerade
in ländlicheren Gegenden ist es oft mit Toleranz gegenüber
Schwulen immer noch nicht weit her. Nebenbei kann er auch
der urbanen Szene etwas von den Bedingungen, die außerhalb
ihrer eingespielten Rituale herrschen, vermitteln. Freilich
kennt man sie dort gut genug, flüchteten doch viele Schwule
- und Lesben - eines Tages aus dieser Situation. Auch die
etwa für 15 Jahre in Biberach aktive Schwulengruppe HELB
existiert ja nicht mehr.
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Adrian Kutter und die Biberacher
Filmfestspiele waren dem Regisseur ein Begriff; so ist anzunehmen,
dass sein Film in Biberach zu sehen sein wird.
"Es dauerte etwas, bis
wir die richtigen Leute hatten", sagt Jochen Hick im
Gespräch im Grandhotel "Hyatt" am Potsdamer
Platz, "manchmal standen wir nach einem ersten Gespräch
wieder vor verschlossenen Türen." Auch deshalb die
relativ lange Drehzeit von zwei Jahren. Er habe Leute gesucht,
"die auf ihre Weise etwas ganz Positives leben"
und die keine von der Schwulenbewegung vorgegebenen Parolen
von sich gaben. Warum der Blick speziell auch auf die Sichtweise
der "Heteros"? "Ohne auf die Heteros zu sehen
ist das, was anders ist, ja gar nicht zu definieren",
so Hick. "Und für meine Protagonisten ist es etwas
ganz Normales, sich unter Normalen zu bewegen. Das sind Leute,
die es in größere Städte nicht geschafft haben
oder gar nicht von ihrem Ort weg wollten. Einer wie Hartmut
zum Beispiel, der nach seinem Coming out noch immer am Stammtisch
sitzt und Verständnis für seine Krankheit findet.
Dennoch ist es häufig so, dass die Heteros ihre Unbeholfenheit
zeigen, wenn es um dieses Thema geht; sie ertappen sich dann
dabei, wenn sie etwas Falsches sagen."
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