Schwäbisch

Schwäbisch ist mehr als nur eine Sprache. Hier aber mal (links) eine Kostprobe aus der Feder des schwäbischen Shakespeares - August Lämmle, rechts ein Usenet-Text von Michael Mehldorn aus Schwäbisch Hall:

Guck nuff de Berg, guck naus ens Land,
was mir e schöne Hoamet hant!
Da leit für sich e kleine Welt...
drom rom send Berg ond Hügel gstellt,
ond drüber ist dr Hemmel deckt,
ond dronter ist dei´Welt versteckt!
Ond Wiese hats ond Wälder
ond Wengert viel ond Felde
r ond Bächle hell mit Brücke...
mr ka´s schier net vergucke...
s isch überal ebbes, was oan freut:
als hättet Kender Bloame gstreut,
leit da e Dörfle, dort e Haus,
ond drüber guckt dr Kirchturm naus.
E stiller Friede isch drom her,
wie wenn´s da äll Tag Sonntag wär!
So lieb isch älles ond vertraut,
als häb´s dr Hergott zeme baut.
Die Höf ond Weiler henterem Wald,
so o´schei´bar se send ond alt,
send wie e übrig bliebes Glück...
so ruhig isch da ond hoamelig.
E alter Nußbom huetet´s Haus
ond dronter stoht en alter Bank...
dr Bronne geit jahrei jahraus
sei´silbrigs Wasser ohne Dank.
Dr Bronne ghaört zom Baurehaus,
sei Wasser trenkt, wear trenke will...
Ond stoht emol dr Bronne still,
na isch au´mit em Baure aus.
Ond muaß mr aus dr Hoamet furt,
ond onter fremde Mensche nei´,
na bleibt e Stück vom Herze dort -
i schätz, es wurd wohl s Herzstück sei´,
Ond ob mr wacht, ond ob mr schlaft,
am Pflueg, am Werkbank, en dr Rueh,
em Sorgestuehl, em Kirchestuehl,
denkts hehlenge dr Homat zue.
Es isch e Kirch em Herze dren,
E Muetter guckt zom Feaster rei´.
Mr haört e halbvergesses Lied.
Mr sieht von da en Hemmel nei´.
Mr spürts em Loid als heimlichs Glück.
Mr spürts em Glück als heimlichs Loid -
o huets, es geit deim Leabe Halt,
huet Glück ond Loid, du brauchst ällboid

Hallo Äffla, Hallo Pfärdla,

i will eich nur amol kurz Berichta, wies in Biberach war. Also, i bin so kurz vor halb Zehne losgfahra und hann mr no denkt: "Manne, wenn s Wettr nur a weng bessr wärda dät." Von dr Fahrt gibts nix bsondrs z Berichta. Nach zwei Schtund ware no in Biberach und hann au des Parkhaus von dr Schtadthalle glei gfunda. Abr do war alles voll.

S nägschte, am Viehmarkt, war au voll. No hanne doch no a Parkhaus mit freie Plätz gfunda. Schnurstracks binne no Richtung Kirchturm dappt, weil do dr Markt mit dem Seitagäßle mit därre Beiz wo mr uns treffa wollta isch. Dr Jürgen hat au a Schild drausa noghengt. Oimol nach dr Äfflesgrupp gfrogt, no binne wiedr nausgschickt worda. Net fort, sondrn in d Biergarta.

Dr Jürgen mit seiner Chrischtiane und dr Marco sinn scho doghockt. Tja, gwartet henn mr scho, dr Marco hat dbei a Seele mit Schinka und Käs gässa, abr komma isch nur no dr Räga. No henn mr halt so um Ois rum unsrn Krempl packt und sinn auf d Markt ganga. Die andra henn eikauft und i hann mr des halt alles oguckt. Do hanne no au zum erschta mol in meim Läba an lilane (I moin die Farb wie d Milkakuh) Blumakohl gsäha. Do schnallsch ab!

D Chrischtiane isch no mim Marco zur Dollinger-Residenz glaufa und i mitm Jürgen zu meim Auto. Und noi, mir waret net faul, i hann mei Auto zum Jürgen umparkt, weil mr net gwisst henn wie lang des Parkhaus offa hat. In dr Residenz okomma hat Chrischtiane an ganz leckra Kaffe gmacht, abr dr Marco trinkt des net und dr Jürgen hat in dr Küch gschafft. Hat mr halt nur zwei Tassa eigsaut. Dr Marco und i henn no au a weng mitgholfa. Dr Marco hat Zwiebla für d Kartofflsalad gschählt. Des hätt beschtimmt für an ganza Zentnr glangt. Wenn dr Jürgen net eigriffa hät, dät dr Marco immr no Zwiebla schähla ;-)

Zum Ässa hats no Maultaschasupp gäbba mit sälbr gmachte Maultscha. Die warat fei gut, mit Lauch und Schpeck in dr Fülle. Des hanne au no net kennt, abr i wärd mr des märka. No wara au scho ball die Dennet fertig. Die wara mit so am schweizer Kräutrkäs und Zwieblgrün. Ha, des war eiwandfrei, abr leidr hanne net soviel ässa könna wie i gwellt hann. Mir ischs a weng im Ranza rumganga, abr des isch von d Zwiebla in d letschte paar Dag komma. S isch abr au wiedr ganga.

Apropoh ganga, weil mr nachm Ässa ja Tausnd Schritt dua soll, sinn mir no alle ins Schtädtle ganga. Am Ratzagraba sinn mir langgloffa und a Gartahäusle henn mr oguckt. Des war jetzt abr net oifach nur a Gartahäusle, noi, do hat dr Christian Wieland drinn dichtet. Der hat au a paar Sacha vom Schäkspier übrsetzt, was no schpätr au uffgführt worda isch. Des Schtück müßtr mol beim Jürgen nochfroga, i hann des scho wieder vrgässa.

No wollt mr um Fünfe in a Museum, abr des hat Oi Minut vorhär zugmacht ghett. Dodfür sinn mir no in a Kirch ganga. Des war die erschte wo von beide Konfessiona gnützt worda isch und wohl au no wird. Die Fußbänkla fürd Katholika konnt mr hochklappa, das d Proteschtanta meh Platz für ihr Haxe henn. Praktisch. A weng mulmig isch mrs gworda wo i no a Bild gmacht hann. I hann blitzt und uff oimol fängt des mit knarza, schleifa und kracha oh. Do hätte fascht wieder ofanga an Gott z glauba. Abr des wara wohl nur Fenschtr wo automatisch uff und zu ganga sinn.

No wars au scho wiedr Zeit dass mr langsam zrück läuft. Anr Brauerei sinn mr no vorbei komma. Nur vorbei, mir warat net drin. No henn dr Jürgen und Chrischtiane mi a Trepp nuffgjagt, i hann denkt jetzt bleibt mr ball s Herz steha. Zum Glück hanne scho jahrelang uff meim Kneipahoimwäg au so an schteila Wäg ghett, no wars doch net ganz so schlimm ;-) Oba wollt mr auf d Turm von dr Schtadtmauer, abr dr Turmherr hat uns im Räga schteha lassa. Wenn i oimol nach Biberach komm, no lässt där mi drausa...

No hat uns dr Jürgn no von net ganz so weit oba zeigt wo mir übrall gwäsa wara. Oschliessnd gings a weng d Berg nuntr und mir warat scho wiedr in dr Dollinger-Residenz. Dr Jürgen hat no an Äfflesvideo in d Rekordr und a paar Maultascha in d Pfann gschmissa. Braucht hett i eigntlich nix meh zum Ässa, abr wenns halt schmeckt. Dr Marco hat uff s Ässa vrzichtet, no henn halt mir andre a weng meh ghett.

Zum Abschluß hat dr Jürgen no ausm Großmuttrbuch (Buch zur TeVau-Sendung) gläsa. Ja was solle jetzt no schreiba, so um halb Achte rum sinn mr no ganga. I hann d Marco bei seim Auto, wenn mr des no als Auto bezeichna ko, abgsetzt und bin halt amol losgfahra. Uff dr Schnellschtroß hat mi dr Marco no übrholt und i bin no bis kurz vor Ulm hintrm her gfahra. Dr Rescht isch schnell vrzehlt. Ellwanga von dr Siebanr runtr, quer nübr nach Hall, Auto um dreiviertl Zehne parkt, was trunka und jetzt isch dr Bericht fertig. Bilder stelle no Morga ins Netz, jetzt hann i koi Luscht meh. A guts Nächtle wünscht eich dr...

  Stuttgarter Zeitung, 13.01.2005, S. 20

Vom armen Hirtenknaben zum malenden Millionär

Seine Leut send bettelarm gwä, aber kenderreich, der Taglöhner Anton Braith (1799 bis 1881) ond sei Weib Maria Anna, geborene Härle (1805 bis 1880), ond dui hat am 2. September 1836 en Biberach den kleine Anton uff d'Welt bracht. Ond der ¸¸entfaltete sein Zeichentalent schon als Kind beim Viehhüten''. Ond er fällt dem Genremaler Johann Baptist Pflug (1785 bis 1866) uff, ond der fördert des jonge Talent ond schickt ihn scho mit fuffzehn uff dui Kunstakademie en Stuegert zu dem Professer Heinrich Franz Gaudenz von Rustige (1810 bis 1900). Ond vor lauter Honger bricht'r ame scheene Tag vorem Marstall zamme, ond no hat ihm dui Keenigin Olga aus Mitleid a Bild teuer abkauft, ond er hat für a Weile ausgsorgt ghet.

Ond mit fenfazwanzich Johr goht'r uff dui Münchner Akademie zu dem seinerzeit ganz berühmte Professer Karl Theodor von Piloty (1826 bis 1886) ond malt Seite an Seite mit dem seine andre Lehrleng: Franz von Defregger (1835 bis 1921), Franz von Lenbach (1836 bis 1904), Hans Makart (1840 bis 1884). Ond er spezialisiert sich uff dui Tiermalerei, malt hauptsächlich Schäfle ond Küeh ond schiebt für seine Bilder uff dene Internationale Kunst- ond Weltausstellunge oi Goldmedallje om de ander ei ond hat damit so en Erfolg, dass'r sich anno 1870 zamme mit seim (¸¸von einer schwäbischen Mutter in Holland geborenen'') Freund Christian Mali (1832 bis 1906) en dr Nähe von dr Theresiewies en dr Landwehrstraß 46 a groß Wohn- ond Atelierhaus baue ka, dui ¸¸Schwabenburg''.

Dui hoißt so, weil dort viele Landsleut onterkomme send ond omesonst hend wohne ond male därfe, ond au Vatter ond Muetter hat der guete ond seiner Lebtag lang bescheidene ond freundliche Kerle jetz aus Biberach nach München gholt, dass se's wenigstens uff ihre alte Täg no schee ghet hend. Ond seine Bilder hend se en Hamburg en dr Kunsthalle grad so uffghängt wie en München en dr Neue Pinakothek oder en Stuegert en dr Staatsgalerie, ond heut hanget se bis na nach Sydney ond Melbourne.

Ond er hat den Friedrichsorde kriegt vom Keenich Karl ond den Michaelsorde vom Prinzregente Luitpold, ond der bayrische Landesvater hat sogar emmer wieder amol a Bsüechle gmacht en dere ¸¸Schwabenburg'' ond a Vesper mitbracht, denn a Küche hend die zwoi ¸¸eingefleischten Junggesellen'' Braith ond Mali koine eibaut ghet, die hend ihre Lense ond Spätzle ond ihr Ripple mit Sauerkraut emmer en dr Wirtschaft gesse. Der Wittelsbacher Prinzregent hat den charmante Schwabe ond witzige Wirteberger hoch gschätzt. Von seim Selbstporträt en dr Stuegerter Staatsgalerie hat dr Anton Braith gmoint: ¸¸Wenn i a Rendviech wär, hätt i's besser nabrocht.''

Ond oft ond gern isch'r ja au verreist ond ebbes en dr Welt romkomme, London, Paris, Rom, Sizilie, Schweiz, ond am liebste nach Südtirol. Ond em Alter hat'r a Leberleide kriegt, ond da dra isch'r au gstorbe, am 3. Januar 1905 ¸¸heimgekehrt als Millionär in seine Vaterstadt Biberach, der er seinen gesamten künstlerischen Nachlaß vermachte''. Ond oi Jahr ond zehn Monat druff stirbt au sein Freund Christian Mali, ond se lieget nebrenander uff dem Biberacher Kirchhof. Ond dui dankbare ond kunstsinnige Stadt hat ihne des wunderscheene Braith-Mali-Museum eigrichtet. Ond der Weg aus Stuegert ens Oberland rentiert sich.

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13. Januar 2005

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