Es ischt ein Brauch von
alders her,
zom Abschied g’hert a Gedichtle her.
So will frisch auf ich nun beginnen,
wenn auch manches, vom Metrum her gesehen, nicht ganz tut stimmen.
Bald stehst du unter deines
Daches Rinnen
und schaust wohl mit gemischten Sinnen
auf soundsoviel Dienstjahr rück.
Die waren ja wohl nicht
grad wenisch.
Von Sueskind bis zu BILDes Boenisch,
die Sprache hattest du im Blick.
"Wer jetzt ein Haus
hat, der braucht keines mehr."
So (oder ähnlich) schrieb es Rilke her.
Dort ist nun Zeit, den wohlen Klängen
des süffgen Saxophons zu lauschen,
an Feuilletones Bocksgesängen
sich zeitlich weidlich zu berauschen.
"A l’ecole!" ist
nicht mehr. Zum Glücke?
Ein klares "Non!" schafft metrisch Brücke.
Es war ja nicht nur Broterwerb.
War auch die Arbeit manchmal herb,
so war Moment doch auch die Freude,
trotz träger SchülerInnenmeute.
Was bringt die Zukunft? Nicht
ganz klar.
Auf jeden Fall mehr Großmama.
Das Großkind, steter Quell der Freude,
von der Geburt ab noch bis heute,
bis es dann dereinst pubertiert
und dann zum Alien mutiert,
wie Eltern es ja oft erleben
trotz pädagogischem Bestreben.
Und dann? Statt Leipzigstraße
Jeu de Paume?
Statt Noten jetzt mehr Nooteboom?
Nie mehr sind Wörter laut zu zählen!
Ein End: mit schiefen Bildern sich rumquälen,
so schief, dass selbst der Turm erblasst,
der nun als Studie uns verpasst,
die Watschen, die wir nicht verdient.
Genug! Das G’lände ist vermint.
Und jetzt? Die Zukunft ist
nie klar.
Wie sagt der Franzmann? "On verra!"
Gestatte, dass ich mir erlaube
zu spekulier’n. Mit lila Haube
wirst du noch manches concert zier’n.
Geniessen, was geboten ist,
vom Bass- oder Percussionist.
Nach Ulm, nach Zürich, gleich wie ferne,
Konzertterminen folgst du gerne.
Im Ruhestand nun wirst du
immer bleiben,
wirst Kindeskinder wachen, lange E-Mails schreiben,
vielleicht am Schlehnhang hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Wirst nicht mehr deines Amtes walten,
genial-abscheuliche Gestalten
facettenreicher Perfidie
dem unentdeckten Schreibgenie
nahezubringen, das sans parfum da sitzt,
im Grundkurs, von Schütza leicht verschwitzt.
Wirst nicht mehr fehlende
Akzente setzen,
brauchst nimmer Schüler einzuschätzen,
die stets als Mensch du sahst,
und nicht als Leistungsträger,
ob Überflieger oder Punktejäger.
Nimm in den Abgang jenes
mit,
was Schüler schrieben: im Kopf top fit,
menschlich absolut OK,
ob Döblin, Iphigenie,
oder der König Ödipus,
die Farbe Lila war ein Muss.
Die Keksversorgung kam gut an,
auch "Jazz & Lyrik" dann und wann.
Kein böses Wort in jenen dicken
Elaboraten, die die Kinder stricken,
wenn sie, oft mit Bravour,
die Abizeitung liefern – voll matur.
Das Ende naht. Als Essensgast
und ganz persönlich:
Ich schätze dich, du kochst erstöhnlich
gut. Ich frage daher höflich dich ins Ohr:
Will you still feed me, when Im sixty-four?
Zieh fort! Lass uns hier
nur im Stich!
Die Träne quillt! (Ich meins so nich'!)
Wir danken Dir aus dieser Runde
für jede (auch Vertretungs-) Stunde,
die du bei uns warst. Und ich ziere
den Schluss mit Klassik, indem ich gleich zitiere,
was Schiller so passend auf dich schrieb
- ein Schwob, drum haben wir ihn lieb.
Streit und Konflikt in der
Menschen Kreis
sind dir ein Gräuel - mit Ä, wie man weiß.
Die letzten Schiller-Zeilen also dann,
ich schließ - mit Herz - mich ihnen an;
ich hab nicht zum letzten Mal
etwas aus Liebe getan:
Aber mit sanft überredender
Bitte
Führen die Frauen das Zepter der Sitte,
Löschen die Zwietracht, die tobend erglüht,
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
Und vereinen, was ewig sich (wie du uns jetzt) flieht.
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