Ratzengraben

Beton statt Buntspecht ist die Biberacher Definition von Renaturierung. Dass alte Birken und Pappeln samt 12 Singvogelarten weichen mussten, um wieder mehr Natur in die Innenstadt (hinterm Kutter-Kino) zu bringen, ist eines jener Dinge, die nur ein Dialektiker versteht.

Der Ratzengraben wurde einst denaturiert, damit das Wieland-Gymnasium gebaut werden konnte. Was später geschah, lesen Sie weiter unten.

Immerhin: Mit dem richtigen Bildausschnitt wirkt der Ratzengraben recht idyllisch für mitten in der Stadt.

 

In den Jahren 2000 bis 2002 wurde der Ratzengraben renaturiert, bzw. "vitalisiert", wie die Alianz Umweltstiftung schreibt, die sich an dem Projekt mit mehreren Millionen beteiligte. Rechts lesen wir, was mit dem geld getan wurde. Der Text stammt von der Website der Allianz Umweltstiftung.

"Im flachen Tal der Riß liegt die oberschwäbische Kreisstadt Biberach, deren mittelalterliches Stadtbild mit seinen schmucken Fachwerkhäusern von einer handwerklichen Blütezeit erzählt. Im 15. Jahrhundert gingen von hier aus Leinen- und Hanfprodukte über Venedig und Genua in alle Welt."

"In dieser Zeit entstanden Mühl- und Bewässerungs-, Gewerbe- und Entsorgungskanäle. Zum Ableiten des Hochwassers und als Wallgraben zur Verteidigung der Stadt legten die Biberacher bereits 1363 den Ratzengraben an, den sie auch bei der Flachsverarbeitung nutzten. Im 19. Jahrhundert wurden aus hygienischen Gründen zahlreiche innerstädtische Fließgewässer überbaut und Mitte des 20. Jahrhunderts die verbliebenen einbetoniert. Dieses Schicksal blieb auch dem Ratzengraben nicht erspart. Mithilfe der Allianz Umweltstiftung haben die Biberacher dem „Ratze“ in den Jahren 2000 bis 2002 jedoch neues Leben eingehaucht. Damit er als erlebbares Fließgewässer wieder stadtökologische Aufgaben erfüllen kann, wurden nach dem Konzept der Gewässerexperten Verbauungen entfernt und sogar ein vollständig verrohrter Abschnitt wieder geöffnet. Aufweitungen und natürliche Uferformen sorgen nun entlang des Bachbetts für Artenvielfalt. Der Gehölzbestand wurde ausgelichtet oder mit standortgerechten Bäumen ergänzt und wo ein Abflachen der Böschungen nicht möglich war, erleichtern Treppen den Zugang zum Wasser. Projektpartner: Stadt Biberach (Bauherr); Büro Bolender, Isny, Büro Muffler, Tuttlingen und Büro Wasser-Müller, Biberach (Planung) Ort: Ratzengraben zwischen Tiefgarage Kolpingstraße und Danzigbrücke."

 

Ein Hochwasser und seine Folgen

Die Freiwillige Feuerwehr Biberach berichtet: "Am Sonntag, den 11.08.2002 war die Biberacher Feuerwehr den ganzen Tag im Einsatz, um überflutete Keller auszupumpen und vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser zu treffen. Entlang der Kreissparkasse war der Wasserstand des Ratzengrabens am Sonntagvormittag bereits auf bedrohliche Höhe gestiegen und nur wenige Zentimeter mehr hätte das Wasser in die Hauptstelle der Kreissparkasse eindringen lassen. Die Feuerwehr errichtete eine Sandsackbarriere, um dies zu verhindern. Hierbei leisteten örtliche Firmen und das städtische Baubetriebsamt wirksame Hilfe."

"Aus dem Ratzengraben entfernten städtische Mitarbeiter die als Kunstwerke aufgestellten Stühle, da sie eine Gefahr für den Wasserabfluß darstellten. Die benachbarten Feuerwehren erhielten aus Biberach Sandsäcke, um in ihren Gemeinden gefährdete Objekte zu schützen. Erst am Sonntagabend zeichnete sich eine gewisse Entspannung ab, die jedoch durch erneute Starkregenwarnungen in Frage gestellt war."

Im Frühjahr 2003 folgte dann wieder ein Kahlschlag am Ratzengraben. Begründung: Man wolle gegen kommende Hochwasser vorsorgen. Da war dann erst einmal Schluss mit der grünen Pracht, dafür lagern die Euros in der KSK dauerhaft trocken. Renaturierung in Biberach - Irrsinn, den Sie spüren.

2. September 2003


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