Das Nägelehaus für die Jugendkunstschule
 
Auch wenn man nicht mehr Jugendlicher ist, darf man in Biberach auf der Bühne stehen. Ob mit oder ohne JUKS.  

Neue Heimat für die Jugendkunstschule
(SZ-Artikel vom 19. November 2002)

BIBERACH - Die Jugendkunstschule soll bis Mitte 2004 im Nägele-Haus in der Hindenburgstraße eine neue Heimat bekommen. Auch die vhs wird dieses Haus mitnutzen.

Von unserer Redakteurin Gabi Ruf-Sprenger

Schon lange war die Jugendkunstschule auf der Suche nach geeigneten Räumen. Die Verwaltung ist in der Wielandstraße untergebracht, die Kurse finden derzeit an über 20 verschiedenen Orten statt. Bei der Suche nach einem Domizil wurde zunächst an die Stadtbierhalle auf dem Gigelberg gedacht. Doch als die Kostenschätzung für die not-wendigen Investitionen in Höhe von damals noch rund 2,6 Mark (Muss wohl Millionen Mark heißen - d. Redaktion) auf dem Tisch der Verwaltung und des Gemeinderates lagen, war schnell klar: Das wird zu teuer! Selbst für eine eingeschränkte Sanierung hätte die Sadt rund 1,5 Millionen Mark in die Hand nehmen müssen. Und der Bauausschuss erkannte, dass eine eingeschränkte Sanierung eben auch eine eingeschränkte Nutzung bedeutet hätte. Denn ohne eine gute Isolierung und eine entsprechende Heizung hätte die Halle vor allem im Winter nicht den Bedürfnissen der Jugendkunstschule entsprochen.

Der Gemeinderat entschied, der Stadtbierhalle nur eine kleine "Pinselsanierung" zukommen zu lassen. Allerdings waren sich Verwaltung und Gemeinderat darüber einig, dass der Jugendkunstschule - die ein überaus positives Image über die Stadtgrenze hinaus hat - bei der Suche nach geeigneten Räumen geholfen werden soll. Es wurde dabei neben anderen Gebäuden auch an den Roten Bau (das ehemalige Bürgerheim) in der Waldseer Straße gedacht. Allerdings, so erklärte Baubürger-meister Julius Ogertschnig, versuche die Stadt für den derzeit zurückgehenden Handel in der Innenstadt auf andere Art Lebendigkeit in die Stadt zu bringen. Der Blick fiel deshalb auf das leerstehende Nägele-Haus an der Hindenburgstraße, das so ungenutzt, wie es derzeit da steht, auf die von Süden her kommenden Besucher der Stadt nicht unbedingt einladend wirkt.

Die vorhandenen Räumlichkeiten im Nägele-Haus über vier Ebenen könnten den Bedarf der Jugendkunstschule voll abdecken, so der Gedanke der Verwaltung. Darüber hinaus wäre dort auch noch Platz für eine Nutzung durch die vhs. Die Verwaltung schlug diese Idee dem Gemeinderat vor, der darüber zunächst noch recht kontrovers diskutierte. Dabei ging es vor allem um die geringe Anzahl der Parkplätze rund um das Nägele-Haus. Letztlich überzeugte jedoch das Argument, die Eltern, die ihre Kinder in die Jugendkunstschule bringen, könnten in geringer Entfernung eine Stunde kostenfrei in der Viehmarkt-Tiefgarage parken - und vielleicht würden ja doch einige, während ihre Kinder die Kurse besuchen, nicht nach Hause fahren, sondern statt dessen in der Stadt Einkäufe erledigen oder zum Kaffeetrinken gehen. Der Gemeinderat stimmte schließlich dem von der Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule und der vhs erstellten Nutzungskonzept zu. Das Haus wurde zu einem "Erwerbspreis weit unter dem Schätzpreis" von der Firma Nägele gekauft, wie Baubürgermeister Ogertschnig sagt (über die Summe schweigt er sich aus, da Grundstücks- und Gebäudepreise stets nichtöffentlich sind).

Im Oktober wurde der Verkauf des Nägele-Hauses an die Stadt Biberach notariell beurkundet. Die Sanierungs- und Umbaukosten (neue Fenster, Heizung und Feuerschutz-maßnahmen) werden sich auf schätzungsweise 800 000 Euro belaufen, so Ogertschnig. Ein weiterer Vorteil dieses Gebäudes sei, dass es im "letzten Zipfel des Sanierungsbietes Ost" liege und damit der Grunderwerb zu 100 Prozent und die Sanierungskosten zu 50 Prozent förderfähig sind, da es sich um eine "Gemeindebedarfseinrichtung" handelt. Das heißt: Die Stadt muss somit voraussichtlich nur rund 560 000 Euro der Kosten tragen.

Damit die Jugendkunstschule schon möglichst bald ihr neues Domizil beziehen kann und auch die vhs wieder "etwas Luft" bekommt, werden zu Beginn des kommenden Jahres die Planung und die Umbauarbeiten vom Gemeinderat vergeben.

 

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