Biberach
Eigentlich ein nettes Städtchen irgendwo im Südwesten.
Hübsch rausgeputzt mit blumengeschmückten
Fachwerkhäusern, festfreudig, lebenswert und kinderlieb.
Auf den ersten Blick zumindest.
Aber wer genauer hinsieht...


Stadt ohne Zukunft?
Die erschütternde Fotodokumentation von Weberberg.de!

 

Nehmen wir mal die schwäbische liberalitas.
Das unbeschwerte Kinderspiel wird auf einem
Fest im Juli alljährlich beschworen.
Doch was ist Realität an der Riss?

Für die Kleinsten sieht es finster aus.

Es fehlen Montessori-Kindergärten und so sind
dies fast die einzigen Spielmöglichkeiten
für Biberachs Kinder: Kratzen im Dreck...

..."Blumenpflücken" auf dem Gigelberg...

 

... und "Schatzsuche" auf der Straße.

Kein Wunder, denn Biberach hat mangels brauchbarer Infrastruktur
so gut wie keine Steuereinnahmen und dadurch auch keine
nennenswerte Infrastruktur. Ein Teufelskreis !
Blühende Industriegebiete? Schön wär's!
Vernünftige Verkehrsanbindungen wie oben etwa?
Totale Fehlanzeige!

 

Wir gestatten uns hier eine pädagogisch wertvolle Einblendung.

Die Redaktion

 

Infrastruktur:
Der für das Bestehen einer entwickelten Volkswirtschaft, ihrer Sektoren und Regionen erforderliche "Unterbau" materieller, meist öffentlicher und standortgebundener Art (Energieversorgung, Verkehrseinrichtungen, öffentliche Gebäude und Anlagen), institutioneller Art (rechtliche, politische und soziale Rahmenbedingungen des Handelns der Wirtschaftssubjekte) wie personeller Art (quantitative und qualitative Struktur der Arbeitskräfte).
(Quelle: Wissen.de)

 

Erfeulicherweise werden die BürgerInnen der Stadt
oft selbst aktiv, versuchen, in Eigeninitiative fehlende Infrastruktur aufzubauen. Allerdings nicht immer mit Erfolg, wie diese wohl gut gemeinte "Bestuhlung"
des Ratzengrabens belegt.
Die etwas älteren Kinder haben zum Glück provisorische Spielplätze,
wie hier das Tweety. Aber was dort so vor sich geht,
wissen Eltern kaum, denn sie trauen sich in das Areal meist nicht rein.

Da ist es gut, dass Weberberg.de mit einigen Fotos Aufklärung schafft.
Selbst dort macht sich die Jugend noch auf den ausschweifendsten Parties Sorgen um den Zustand der Stadt.


Natürlich schläft die Stadtverwaltung nicht.
Aber die Dinge brauchen Zeit.
Zeit, die diese Stadt nicht hat.
Baubürgermeister Julius Ogertschnig bemüht sich
redlich, die Dinge auf den Weg zu bringen -
und findet auch fraktionsübergreifend Unterstützung...

 

SPD-Fraktionschef Werner Krug, der große Visionär des städtischen Gremiums, ist begeistert.

Auch die CDU findet die Konzepte der Verwaltungsspitze top,
aber schlägt - wie so oft - mal wieder über die Stränge:
"Pass auf, Ogi! Das neue Dings da von Warthausen nach Mettenberg,
das könnte man doch Kolesch-Viadukt nennen.
Du weißt ja, was mein Papa so alles für diese Stadt..." -
"Zu spät, Frieder, wir haben schon einen Namen:
Walter-Falk-Brückele! Hihi!"

 

Das ist jetzt natürlich ein Riesenpech für Frieder Kolesch! Der Name Kolesch war einst ein Synonym für gediegene Eleganz in der Region (oben ein Bild aus besseren Tagen). Nun hat er aber deutlich an Glanz verloren.
Etwas Promotion hätte dem Laden daher nur gut tun können.

 

Die BürgerInnen der Riß-Stadt bevorzugen leider nach wie vor
solide Qualität und halten nichts von modischen
Veränderungen im Staccato-Tempo.
Selbst die kaufkräftige Biberacher Jugend fällt
als Kundschaft aus.

 

 

Erstaunlich: Auch die Grünen sind von Ogis
Verkehrsprojekten fasziniert.
Gemeinderat Späh schreibt voll Überschwang
einen Brief an die Schwäbische. Aufhänger ist ein Leserbrief des Pressesprechers der Grünen. Der lautete:
Schwäbische Zeitung lesen macht Spaß - Herzlichen Glückwunsch zu Ihren Neuerungen. Die Schwäbische hat deutlich hinzu gewonnen.
Es macht einfach Spaß, morgens den Lokalteil mit einem
Griff hervorzuholen. Und man wird dazu mit einem
bunten Bild belohnt. Der Rückstand zu den anderen Lokalzeitungen wurde aufgeholt. Danke, dass Sie
die Wünsche der Leserschaft beherzigt haben
.

Späh schreibt dazu: "Zu dem Leserbrief unseres Pressesprechers möchte ich ergänzen: Nicht nur die Lokalzeitung wird immer
besser, jetzt kommen auch endlich die überfälligen Autobahnanbindungen. So kommt unser Joschka noch schneller zum Aschermitwoch.
Hut ab vor dieser Stadt! (Ein Bild habe ich beigefügt.)
Danke, SchwäZ! Danke, Biberach!

gez. J. Späh

P.S: Bitte berichten Sie sehr ausführlich über unsere Wahlveranstaltungen.
P.P.S: Wenn Joschka Fischer in Biberach wohne dät,
würde er sicher auch sehr gerne die Schwäbische lesen!"



Inzwischen müht man sich auf dem Rathaus weiter:
Nicht nur an neue Straßen denkt man dort...

(Die Gemeinschaft rumstehender Großteile (GrG) legt Wert auf die
Feststellung, dass bei der Eröffnung dieses Mitgliedes
vor der Stadthalle von Biberach an der Riß
von Rost noch keine Rede sein konnte.)

 

OB Fettback ist nicht untätig.
Er spricht mit engagierten Bürgern.
Ex-OB Claus-Wilhelm Hoffmann, eigentlich im Ruhestand,
ist die Infrastruktur offenbar Herzenssache
und FV Biberach Vorstandsmitglied Adrian Kutter,
nebenbei auch noch Filmfestspielmacher, denkt mit.

Das Gespräch lohnt sich. Thomas Fettback spürt,
dass man die Dinge auch aus einem ganz anderen Blickwinkel
sehen kann.
Noch lange spricht man an diesem Abend,
aber endlich scheint eine gute Lösung gefunden...

 

So ist das in Biberach: Der offene und unvoreingenommene
Dialog bringt Klärung.
Aber Geld ist natürlich keines da,
um die Sache professionell umzusetzen.

 

Also ist bürgerschaftliches Engagement gefordert.
Ein stadtbekannter Getränkehändler...

...muss da schon mal als Dirigent einspringen.
Der Erfolg bleibt aus.

 

Nicht alle Gemeinderäte scheinen sich des
Ernstes der Lage bewusst zu sein.
GR Edmund Wiest jedenfalls ist das Lächeln
noch nicht vergangen.

Gemeinderat Christoph Funk bemüht sich vorbildlich,
sucht Rat bei dem einzigen Menschen,
der seine Aussagen immer zu verstehen glaubt: bei sich selbst.
"Wie können wir das Problem lösen? Eine neue Infrastruktursteuer
kommt nicht in Frage." -
"Es sei denn, wir setzen sie auf 18 Prozent. 18 Prozent
kommen immer gut an und sind realistisch." -
"Bingo! 18 Prozent! Das ist es!"

 

Sich mit Biberacher Blau-Gelb anbiedernde Gaukler versuchen,
mit Straßentheater die Bevölkerung für das
Funksche "Projekt 18" zu gewinnen.
Doch im Gemeinderat kann sich Funk nicht durchsetzen.

 

Einige Verwaltungsmitarbeiter versuchen
mit Bußübungen, sicherheitshalber mal
etwaige Schuld abzutragen.

 

Inzwischen verfällt die Stadt immer mehr.
Ein Blick auf ein typisches Haus in der Innenstadt
belegt das ganze Grauen.


In der Oststadt tauchen die ersten
radikalen Wandschmierereien auf.

 

Ein unerträglicher Verwesungsgeruch liegt über der Stadt.
Viele Biber haben sich daran gewöhnt.

 

Auswärtigen Besuchern fällt dies schwer.

Selbst die Materie scheint zu rebellieren.
Häuser entzünden sich auf mysteriöse Weise
von ganz, ganz alleine.

 

Besorgt beobachten engagierte Bürgerinnen und Bürger den wirtschaftlichen und kulturellen Verfall ihrer Stadt.

 

Und der nimmt zu: Selbst in den "besseren"
Gegenden der Stadt: Kein Straßenbelag mehr.

Hausdächer unterhalb des Weingartenbergs sind mittlerweile
von dem ekligen "Elendsschwamm" überzogen.

Manche BürgerInnen dort trauen sich kaum noch
aus dem Haus. Über Periskop verfolgen sie aus dem sicheren Keller, ob sich mittlerweile etwas an der schrecklichen
Situation der Stadt geändert hat. Sie werden enttäuscht.

Als weitere Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen
und Steuern erhöht werden müssen,
verschlechtert sich die Ernährungssituation
für die Bevölkerung drastisch.

Vitaminreiche Kost ist für die meisten Biberacher
nur noch Erinnerung. Heimische Künstler prangern
diese desolate Situation auf ihre Art an.



 

In einem Leser-Forum der Schwäbischen werden
Menschen angeprangert, die jetzt Lebensmittel horten.

 

Die Verwahrlosung nimmt erschreckend zu.
Die Medien werden auf Biberachs Straßenkinder aufmerksam.

 

Kein Wunder, denn eine bildgeile Sensationsjournaille
findet in Biberach Motive zuhauf.

 

Der illegale Handel mit Alkohol blüht und
die Krisengewinnler lachen sich ins Fäustchen.

Auswärtige Experten, für teures Geld in die Stadt geholt,
wissen ebenfalls keinen Rat.

 

Aber es gibt natürlich auch Menschen, denen die
desolate Situation zupass kommt. In Mettenberg
trifft man sie an jeder Straßenecke. Erschütternd!

 

Das Elend wird immer schlimmer.
Sogar Beamte verlieren jegliche Selbstbeherrschung.

Nicht einmal mehr für gescheite
Kunst im öffentlichen Raum ist Geld da.

 

Überhaupt verliert das kulturelle Leben
quasi minütlich drastisch an Niveau.

 

Selbst ernannte Unglückspropheten ziehen nachts
durch die Straßen. Niemand hört sie,
denn kaum jemand traut sich noch aus
dem Haus.

 

Für das Promifoto-Kompetenzteam von
Weberberg.de wird dadurch die Situation
sehr schwierig. Bei Hausbesuchen hört es
iImmer öfter: "Mit Biberach will ich nicht mehr in
Verbindung gebracht werden. Foto? Nur, wenn man
mich nicht erkennt!"

 

Entsetzt muss man mit ansehen, wie
Christian Mali offenbar große Übelkeit
überkommt. Wundergläubige geraten bei
diesem Zeichen in Panik.

christian-mali.html

 

   
In der Innenstadt überzieht jede Nacht von Neuem ein
staubiger Schimmelpilz die Wohnungen. Der hoffnungslose
Kampf gegen die "Biberkrätze" wird zur nervtötenden allmorgendlichen Pflichtübung.

 

Ein weiteres bedrohliches Zeichen??
Nun beginnen selbst Buchstaben, sich vom Namen
"Biberach" zu distanzieren, so wie dieses "s" hier.
buergermedaille.html

Schließlich gerät auch noch der bedeutendste Verein der Stadt, der FV Biberach, ins Trudeln. Finanzchef Loebel muss betteln gehen.

 



 

 

 

Kann denn nichts mehr helfen?
Doch! Weibliche Intuition!

 

 

Elendstourismus!

Die städtische Tourismusfachfrau Eva Werner,
inspiriert von einer blonden Muse,
hat eine blendende Idee:

 

Gerade im Zeitalter der Globalisierung, ein Konzept,
das sich bewährt hat.

Ochsenhausen - Himmelreich des Barock

Und Biberach hätte gerade hier viel zu bieten.
Die koreanische Touristin ( rechts) jedenfalls ist
fasziniert von Biberachs rasch inthronisiertem "Elendskönig".

Natürlich braucht es einen zündenden Slogan.
So etwas Altbackenes, wie das, was man in einer
blühenden Nachbargemeinde verwendet,
taugt für die Biberacher Situation nicht.

 

Man wendet sich an das Stadtmarketing-Kompetenzteam der Redaktion von Weberberg.de.
Das liefert nicht nur einen Superslogan ("Biberach, das ist die Hölle!"),
sondern auch noch eine neue Hymne, die bei den ersten Testläufen bestens ankommt.

 

Selbst im wichtigen Segment des Rucksacktourismus stößt das neue Konzept auf Interesse.

Das neue "A Weekend in Hell special" Ticket findet
reißenden Absatz.

 

Und alle sind glücklich. Vor allem auch die Getränkehändler.

OB Thomas Fettback muss mit einspringen,
um die Touristenströme zu bewältigen...

 

...und kann schon bald, dank eines großzügigen Sponsors, der von seinem verfallenden Aktienkurs ablenken möchte,
den Rundgang "Hell 4 Kids" eröffnen, der
mit seinem lustigen Logo bei den Kleinen
auch gut ankommt.

Der "Trip To Hell", eine Auto-Ralley, lockt Hunderte von Menschen
quer durch Raum und Zeit nach Biberach. Das Medienecho ist gewaltig.

Due Boemi
Selbst aus Böhmen reisen Menschen zu diesem
Großereignis an die Riss.

Und es geht weiter aufwärts: Deutschlands Radfahrerelite
taucht jetzt an der Riß auf.

 

Aber natürlich hat alles auch seine Schattenseiten.
Das tückische "Pink Ears Syndrome", ein typisches Elendsmerkmal,
an dem mehr und mehr Biberacher leiden, wird in den lokalen Medien gerne verschwiegen.
Selbst auf Pressekonferenzen, so man dort denn erscheint, verschließen die lokalen Medienvertreter die Augen vor den
Problemen dieser Stadt.

 

 

So erfahren lokale Hörer- und LeserInnen auch nichts von der gefährlichen und leicht übertragbaren "Nackenkralle",
die häufig Menschen in Gebieten ohne Infrastruktur, so wie Biberach, befällt.


Manche Biberacher haben natürlich ganz andere Probleme...
Egal. Jetzt macht auch die heimische Edel-Gastronomie mit.
Das Höllen-Konzept ist einfach überzegeund!

Lokale Eventagenturen engagieren sich ehrenamtlich,
verteilen Sticker.
(Hier irgend ein Strahlemann von Allegro Events.)

 

Ex-OB Hoffmann diskutiert in jeder freien Minute mit Freunden und Bekannten über sein langjähriges Herzensthema, die Infrastruktur.
Nicht immer sind die Gespräche fruchtbringend.

 

Die Biberacher Gastronomie blüht auf.
Allerdings lebt man eher von den auswärtigen Gästen.

Das Braith-Mali-Museum widmet sich dem Thema "Hölle" in einer großen Ausstellung.
Das Publikumsinteresse beim Eröffnungsvortrag von Dr. Uwe Degreif ist gewaltig.

Geheimtipps aus der Elendsszene sind heiß begehrt...

...und werden stets mit einem üppigen Tringeld belohnt.

 

Immer häufiger sieht man in der Stadt jetzt fröhliche Gesichter.
Besonders erfreulich: Auch die Jugend strahlt wieder!
Stadtverwaltung und BürgerInnen staunen sprachlos über den unerwartet großen Erfolg der Kampagne.
Die junge Generation, die sich und ihre Zukunftschancen schon fast aufgegeben hatte, schöpft mehr und mehr Mut. Im Religionsunterricht kann sie sich jetzt mit eigenen Erfahrungen beim Thema "Hölle" einbringen. Kein Wunder, dass die Beteiligung im Unterricht sehr rege wird.


"Ich weiß es: Hölle ist, wenn das Tweety zumacht!"

 

 

 

Das heimische Geldgewerbe springt auf
den Zug auf, will wieder Vertrauen bei
den Opfern der letzten Spekulationsblase
gewinnen. Geld für eine Werbeagentur hat man
natürlich auch dort nicht mehr. Handgestrickte
Werbeaktionen auf dem Wochenmarkt
müssen reichen!

 

Natürlich zeigt das krasse Elend sein Gesicht immer noch:
Im Landratsamt zum Beispiel muss an vielen Orten
nach wie vor improvisiert werden.

 

Aber die Biberacher gewinnen neues Selbstvertrauen.
Mit voller lokaler Kompetenz wird ein spezielles
"Elendsbier" gebraut.
(Letztlich nützt dies der Brauerei selbst aber nichts mehr.)

Wahnsinn! Das Konzept geht voll auf.
Immer mehr Touristen wollen das Elend an der Riß
mit eigenen Augen sehen.

Biberach darf wieder hoffen!

 

Einer privaten Website, die sich primär dem
Stadtmarketing widmet, gelingt es, das erste UFO anzulocken. Jetzt wissen es alle: Biberach hat es geschafft!
(Das Ganze beruht allerdings auf einem Missverständnis:
E.T.™, das neue Logo für den Biberacher ElendsTourismus,
wurde von den Außerirdischen falsch interpretiert.)

 

 

Aber Anerkennung bleibt nicht aus. Eigens aus Stuttgart
kommt ein Staatssekretär, um OB Fettback und einem
städtischen Mitarbeiter einen Preis des Innenministeriums
für Verdienste um den Fremdenverkehr in Oberschwaben
zu überreichen.

Unbeschreiblicher Jubel auf dem Marktplatz dann, als
Biberach zur "Elendshauptstadt 2003" der EU gewählt wird.

 

Was es noch nie gab, tritt ein:
Die BürgerInnen feiern ihren Gemeinderat!

Alles, alles wird jetzt gut!

E n d e

 

© Weberberg.de-Satirekompetenzteam 2002

Das war
"Stadt ohne Zukunft?"
von Weberberg.de
Lesen Sie auch unsere erste erschütternde Fotodokumentation:
"Was ist bloß los mit Biberach?"

Und jetzt gibt es die dritte Fotodokumentation:
"Coole Zeiten, Koma Zeiten".
Eine erschütternde Reportage aus Biberachs Jugendszene.