 |
Das "Nebenbei"-Spiel
Der täglich in der Lokalausgabe der "Schwäbischen
Zeitung" erscheinenden Glosse mit dem Titel "Nebenbei"
verdanken die BiberacherInnen ein vergnügliches literarisches Kaffeehausspiel,
das schon für sehr viel Heiterkeit über Milchkaffees, Doppios
und Café Bailey's gesorgt hat.
Die Regeln sind leicht erklärt. Es gilt, ein "Nebenbei"
zu konzipieren. Dieses muss gänzlich ohne sprachlichen Witz und ohne
Originalität sein (Bonuspunkte für sprachliche Entgleisungen
wie Pleonasmen oder verkorkste Metaphern!) und darf sich nur auf ein gänzlich
langweiliges und zeitlos belanglosesThema beziehen. Das Schwierigste ist
jeweils der Abschluss: Der letzte Satz darf die Sache nicht abrunden,
es darf auch keineswegs eine gelungene Pointe am Ende stehen. Vielmehr
muss der Schlusssatz so im Nichts verpuffen, dass kurzzeitig eine völlige
Leere im Hirn des irritierten Lesers auftritt. Wie meisterlich die Schwäbische
dieses Spiel beherrscht, können sie mehrmals die Woche lesen. Ein
Beispiel:
Qualitätsdenken
Gartenwerkzeug hält ein ganzes Leben beginnt eine Kolumne.
Jemand kauft eine handgefertigte britische Schaufel für 40 Mark.
Um so größer der Ärger, als das Werkzeug aus dem Heimatland
des gepflegten Grüns eines Tages verschwunden ist. Der Ersatz aus
dem Gartencenter ist mit 19,80 auch nicht billig und eines Tages ebenfalls
unauffindbar. Es reicht: Diesmal muss das Billigprodukt aus dem Schnäppchenmarkt
her. Das knickt nach ein paar Tagen ab.
Man merkt: Sehr, sehr weit vom "Streiflicht"
der Süddeutschen Zeitung entfernt. Glossen zu den kleinen
Freuden und Ärgernissen des Alltagslebens schreibt in Biberach auch
Peter Rieger (siehe Bild). Sie erscheinen im "Nebenbei" und
im Magazin von regiofenster-bc.de
und lesen sich etwa so:
Hondsdanz en Konschdanz Jetzt koschded scho d`Hond ebbes uff
dr Fähre. Vermutlich wellet d`Konschdanzer it, dass Schwobahond Tretmina
uff ihre Drottwa verdoilet ond reglet des mit deam, was am Schwoba am
moischda weh duet, nemlich mit em Geldbeitel. D`Schdoigerong wird sei,
dass dia no d`Fiaß zehlet ond so an Hond s`Dopplede zahla mueß weil`r
vier Hoxa hot. Wenn i gehässig wär ond d`Hond liabr het, dät i mir en
Seehond zualega ond den da ganza Dag neba dr Fähre herschwemma lau. Do
hett i en Haufa Geld gschparet ond ab ond zua dät i des Hondle au en Richdong
Eulalia, odr wia dia Figur am Hafa hoißt, schwemma lau. Do dieft mei Hondle
gschwend us em Wasser - abr bloß zom Tretminavrdoila em Badischa ... Übrigens
- hand`r uf dr Fähre au en Baum pflanzet? I moi ja bloß, nix fier oguet.
Peter Rieger
Peter Rieger hat aber auch seine eigene
Website. Hier
der Link zu ihr.
Und manchmal schreibt der Hauptautor des
NeubürgerInnen-ABCs auch welche. Die sehen dann etwa
so aus.
19. Juni 2002
ABC-Home
|
 |