Wer war Maria Montessori?

Montessoripädagogik in Biberach - Die Argumentation der BefürworterInnen

Am Montag, den 15. 07. wurde im Hauptausschuß des Biberacher Gemeinderates über die nähere Zukunft der Montessori - Pädagogik in der Stadt verhandelt. Herrn Fettbacks Vision von einer "pädagogischen Vielfalt" ist nur zu begrüßen. Den vielfältigen Bedürfnissen der Einwohner - hier der Eltern - nachzukommen, das ist Bürgernähe!

Schade aber, dass dieses Argument der "pädagogischen Vielfalt" dazu veranlasst, den Einzug dieser Pädagogik in weitere Einrichtungen auszubremsen. Da man ja schon vier Montessori-Gruppen in Biberach habe, sei diese Richtung gut abgedeckt, man habe ja auch andere gute pädagogische Richtungen, denen ebenso Raum zustünde. Doch welche, bitte? Der Namen von zwei weiteren pädagogischen Richtungen fiel. Mehr nicht! Und sind wir ehrlich: wird deren Vormarsch von der Verwaltung vorangetrieben? Praktisch gesehen also ein leeres Argument, so gut es theoretisch ist. In Zahlen: von insgesamt ca. 1300 Kindergartenplätzen sind rund 90 Montessori-Plätze. Bei aller Bemühung um Vielfalt können diese Zahlen kein Hinderungsgrund sein, neuen Plätzen zuzustimmen.

Die Wartelisten für diese Plätze sind die längsten der Biberacher Kindergärten. Diese Tatsache sollte für sich sprechen. Wie auch Gemeinderat Gutermann sagte: "Die Nachfrage bestimmt das Angebot." Wenn man diese Nachfrage befriedigen würde, gäbe es auch den sog. "Kindergartentourismus" nicht mehr.

Der Schlagwort "Kindergartentourismus" zog sich durch die gesamte Beratung. Ihm wurde eindeutig einen zu hohen Stellenwert beigemessen. Einige Gemeinderäte setzten sich sehr stark dafür ein, diese möglichen Folge nicht unangepasst stark zu gewichten. Denn wie gesagt, verliert sich der "Tourismus" von alleine, wenn die Nachfrage abgedeckt ist. Doch wurde alles von ihm abhängig gemacht. Der Umkehrschluss: Wenn in der Rissegger Steige das immense Bedürfnis nach Montessori nicht abgedeckt wird, wohin führt dann dieser Tourismus??

Montessori Pädagogik und Wohnortnähe müssen vereinbar sein. Das ist der Wunsch vieler betroffener Bürger, und auch Gemeinderäte aller Fraktionen haben sich stark dafür gemacht – teilweise sogar sehr vehement. Dann muss es doch auch einen Weg geben, diese zwei Dinge unbürokratisch zu lösen. Welches Argument spricht eigentlich dagegen, den bewährten Montessori-Gruppen in "5 Linden" eine dritte anzufügen?

Der gelassene Beitrag von Seiten der zuständigen Verwaltungsbehörde zur Situation in der Rissegger Steige ist: "Die Eltern in der Rissegger Steige müssen diese "Kröte" wohl schlucken, wenn sie keine Montessori-Pädagogik bekommen. Dafür sind sie wohnortnah versorgt."

Dieselbe Behörde hat sich auch nicht davor gescheut, den betroffenen Angestellten die Teilnahme an dieser Hauptausschußsitzung zu verwehren. Bürgernähe?

Nach dem Ergebnis dieser Sitzung stellt sich für Zuhörer die Frage: wer entscheidet denn nun wirklich in Biberach: der Gemeinderat oder doch die Verwaltung?

Und hier das, was Biberacher Eltern in Sachen Montessori zu sagen haben, deren Kinder bereits Montessori-Einrichtungen besuchen:

1) "Als wir unser erstes Kind in den Kindergarten gaben, suchten wir intensiv nach einer Form, die unseren Vorstellungen von Erziehung am meisten entspricht. Damals entschieden wir uns für Montessori. Diese Pädagogik holt jedes Kind dort ab, wo es steht. Es gibt auch in der Pädagogik Erscheinungen, die ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Montessori dagegen ist zeitlos. Trotz massiver Veränderungen innerhalb der Gesellschaft während der letzten 80 Jahre passen die Grundsätze dieser Richtung immer noch. Ebenso ist Montessori die Fortführung dessen, was ich Eltern von Babies in PEKiP-Kursen vermittle. Deshalb besucht auch unser viertes Kind eine Montessori-Einrichtung."

2) "Das Spielangebot, beispielsweise die "Übungen des täglichen Lebens" führt die Kinder zu mehr Selbständigkeit. Es ist immer wieder erstaunlich, welch ruhige Atmosphäre hier herrscht."

3) "Der Wunsch, meine Tochter in einen Montessori - Kindergarten zu schicken, hat sich nach meinem ersten Besuch im Montessori - Kinderhaus so bestätigt, dass ich auch gerne ein weiteres Jahr auf einen freien Platz gewartet hätte. Mir gefällt die Erziehung zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Die Kinder lernen Dinge aus dem täglichen Leben wie z. B. Kochen, Werken, Experimentieren mit Materialien sehr eigenständig.

Mir ist bei meiner Tochter aufgefallen, dass Vieles alleine erlernt wird ohne grosse Hilfe eines Erwachsenen - nur durch Beobachten anderer Kinder in der Gruppe. So zum Beispiel das Schuhe binden. Ich habe selbst als Erzieherin jahrelang in einem Kindergarten ohne Montessori - Pädagogik gearbeitet und konnte solche selbständigen Lernerfolge nicht wirklich feststellen.

Ich begrüsse, dass es durch die Montessori - Pädagogik eine Form der Erziehung gibt, die unseren Kindern einen Weg aufzeigt, wie sie ihr Wissen und ihre Lernfähigkeit ohne Druck entwickeln können."

4) "Am Schönsten im Montessori-Kinderhaus ist es für mich, zu erleben, wie jedem Kind eine Fülle an Liebe entgegengebracht wird. Hier wird die Offenheit, die Individualität des Kindes gesehen, gespürt und ihr nachgegangen."

5) "Meine Tochter hat durch die Montessori-Pädagogik einen privilegierten Bildungsstand, denn sie wird genau dort abgeholt, wo sie steht. Ebenso tut ihr die Ruhe gut. Ich denke, gerade für sehr lebendige Kinder sind Zeiten der Ruhe immens wichtig.

In der Montessori - Pädagogik finde ich auch Werte wieder, die mir in meiner Erziehung grundlegend sind:

  • Jedes Material ist nur einmal vorhanden. Wird es kaputt, wird es nicht einfach wieder ersetzt. Das Kind erlebt, dass eben nicht alles einfach nachgekauft wird.
  • Die strukturierte Ordnung.
  • Das zweckgemäße Benutzen der Dinge. Bsp: Ein Buch ist ein Buch und wird zum Lesen, Bilder anschauen benutzt, aber nicht zum Bauen. Will es bauen, dann nimmt es sich Baumaterial.

Außerdem hat meine Tochter hier die Möglichkeit, täglich eigenständig zu kochen oder zu backen, die sie auch weidlich nutzt. Sie ist 4 Jahre alt und schlägt selber Eier auf. Das schaffen einige meiner Schülerinnen in der 9. Klasse noch nicht."

6) "Jedes Kind ist individuell und darf es hier auch sein."

7) "Ich erlebe die Montessori-Pädagogik als realistischen Boden, auf dem Kinder Lebenstüchtigkeit entwickeln können. Hier kann Rüstzeug für`s Leben gesammelt werden. Auf verschiedenste Problemsituationen geht Montessori gezielt und heilsam ein. Als Heilpädagogin und Mutter von zwei Kindern sehe ich auch das Gegengewicht, das die Montessori-Pädagogik zu den gewaltigen Medieneinflüssen, denen Kinder ausgesetzt sind, darstellt. Die Prinzipien dieser Pädagogik bietet idealste Bedingungen um Randgruppen zu integrieren, und um Entwicklungsstörungen rechtzeitig aufzufangen. Mit Montessori lernen Kinder zu lernen!"

8) "Mir gefällt das auffallend einfache Konzept. Man nehme ein Kind und stelle ihm Arbeitsmaterialien aus den Bereichen Hören, Sehen, Fühlen, Reden, Erkennen vor. Das Kind sammelt Eindrücke aus eigener Kraft - da es neugierig ist - und vertieft die Erfahrung alleine oder mit seinen Freunden. Das Material steht immer an einem bestimmten Ort. Das Kind stellt einen Beziehung zur Ordnung her. Es lernt den Wert eines Materials zu schätzen, da es nur einmal zur Verfügung steht. Gemeinsame Gruppenerlebnisse bringen dem Kind Hilfsbereitschaft und Anteilnahme nahe.

Zur Umsetzung dieser Pädagogik benötigt man also nur einfühlsame ErzieherInnen, alltägliche Situationen, natürliche Materialien, Eltern und Kinder."

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