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Leseprobe aus "Ausgehen in Oberschwaben - 50 Tipps für 100 schöne Stunden" von Achim Zepp und Dierk Andresen. Biberacher Verlagsdruckerei 2002, 12,80 Euro. Jetzt im Buchhandel.
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Finnegan’s Pub in Laupheim Die Beziehungen zwischen England und Irland waren im Laufe der Geschichte, sagen wir es einmal vorsichtig, nicht immer die freundlichsten. Aber in Laupheim vereinigen sich die Kulturen beider Länder aufs Trefflichste. Man steht auf Holzdielen im "Finnegan’s" und das ist nur eines der Elemente, die diesen Pub in Oberschwaben zu einem lohnenden Ziel machen. Es gibt noch mehr. Da ist der Platz auf dem Chesterfieldsofa vor dem Kamin, den der Wirt im Herbst zu flackern beginnen lässt. Mit richtigem Holz und richtigem Feuer, versteht sich. Das Sims schmücken Trockenblumen, darüber schafft ein großer Spiegel etwas mehr Raumgefühl. Da sind die alten Guinnessplakate und ein Gemälde aus dem 19 Jahrhundert mit einer Mutter, die neben ihrem spielenden Kind ebenfalls vor dem Kamin sitzt, in der Hand den letzten Brief ihres gefallenen Mannes. Aber es gibt noch mehr, das englisch-irischen Flair nach Oberschwaben bringt. Da ist das Irish Stew, das hier serviert wird, da ist das üppige englische Frühstück, das es jeden Sonntag gibt. und da sind natürlich die vielen Whiskeys und Whiskies. In Oberschwaben. Das verwundert und hat seine Geschichte. Die Liebe zu England, zu Schottland und Irland erwachte in dem Burgriedener Marc Wiezorrek bei einem Schüleraustausch in England. Es folgten Reisen und Besuche bei den Freunden, die er inzwischen gemacht hatte. Immer wieder. Und dann griff der Wirt, der in Laupheim bereits zwei Kneipen betrieben hatte zu, als die Stadtwirtschaft frei wurde. Das alte Gebäude und seine holzgetäfelten Räume kommen dem Pubambiente, das hier gepflegt wird, entgegen. Und gepflegt werden will hier einiges, denn immer mal wieder tauchen die Kontrolleure der Guinness-Brauerei auf, mit einer langen Liste von Kriterien, die erfüllt sein wollen, wenn man es zu einem Irish Pub of the Year bringen möchte. Die Prüfer haben Schnelligkeit und Freundlichkeit des Personal begutachtet, die Küche gesichtet, das Ambiente auf "Irishness" abgeklopft und natürlich Schaumkrone und Temperatur des dunklen Bieres gemessen. Das Finnegan’s, so zeigt uns der Wirt auf dem "Pub Spy Report" , erhält die volle Punktzahl in fast allen Kategorien. Das Finnegan’s ist für das Jahr 2002 nominiert. Marc Wiezorrek hat es also wohl geschafft, das, was ihn an den Pubs immer fasziniert hat, nämlich "die Lebensart da und dass dort Jung und Alt zusammenkommen, weil es für jeden etwas gibt", gekonnt in einem 120 Jahre alten oberschwäbischen Haus aufleben zu lassen, das früher Gastwirtschaft und Metzgerei zugleich war und von dessen Einrichtung nur der Wandbesatz und die Eckback übrig geblieben sind. Mehr als 40 verschiedene Malt-Whiskys und Whiskeys stehen griffbereit hinter der Theke und im hinteren Teil der Kneipe hat man die Qual der Wahl bei den Cocktails. Unter der Woche bekommt man hier auch Guinness, Kilkenny’s und die anderen Getränke des Hause. Aber Freitag und Sonntag ist die Cocktailbar Havana mit Palme und einer Lichtblasensäule ausschließlich für die Freunde der Mixgetränke reserviert, die hier von einer hübschen Karte mit Getränken in neun verschiedenen Kategorien auswählen können. Mittwochs und sonntags gibt es von 20-21 Uhr eine Happy Hour, dann kosten alle Cocktails gleich wenig. Kein Automat flimmert und piepst im "Finnegan’s", dafür aber steht ein stilechtes Dartboard für die Freunde des Pfeilspiels zur Verfügung. Gelegentlich gibt es Live-Konzerte und im Winter ließ Wiezorrek 16 Tonnen weiße Pracht für eine "Schneebar" im Biergarten ankarren. Aber noch einmal zum Essen. Irish Stew mit Lammfleisch gibt es einmal im Monat freitags. Das English Breakfast enthält baked beans, Rühr- oder Spiegelei, gebratenen Schinken, Champignons, Toast, Marmelade und – Konzession an das deutsche Umfeld – Thüringer Bratwurst. Dazu Tee oder Kaffee soviel man möchte. Gelegentlich gibt es auch Fish and Chips, zu den Standards der Speisekarte gehören neben Salaten, Baguettes und Chicken Wings vor allem die Jacket Potatoes, die Ofenkartooffeln, gefüllt mit Chili, Thunfisch, Pute oder anderem. Und wenn es sich um englische Kost handelt, stehen natürlich auch die passenden Soßen zur Verfügung. Gerne würde Marc Wiezorrek ständig Walker’s Crisps anbieten können, jene für den deutschen Gaumen mit ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen gewürzten Kartoffelchips, aber die sind im Import zu teuer und so gibt es die nur, wenn er mal wieder in England oder Schottland war oder wenn Freunde ihm welche mitbringen. Die Musik ist nur Hintergrund, die Gespräche der Gäste sollen nicht beeinträchtigt werden. Und die Gäste kommen häufiger als nicht von weit her. Das Gästebuch enthält kyrillische Schriftzeichen ebenso wie japanische. Ein Baron von Coeverden aus dem holländischen Deventer hat sich darin ebenso verewigt wie Gäste aus Brasilien, Kanada, Dänemark oder Südafrika. Die Kollegen von einer der nobleren Adressen im Landkreis Biberach, dem "Oberschwäbischen Hof" in Schwendi schreiben: "Wir empfehlen das Finnegan’s unseren Hausgästen weiter." Aber vielleicht freut sich Marc Wiezorrek besonders über den Eintrag jenes Briten, der lautet: "This will be a home from home". Empfehlung: Informationen: Telefon 07392/91 35 45 Öffnungszeiten: Samstags 17-02 Uhr Sonntags 10 bis 13 und 14 bis 01 Uhr.
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