Juks & Jums

Die Jugendkunstschule und die Jugendmusikschule sorgen in trauter Eintracht dafür, dass es für die Biberacher Frauen nach wie vor heißt: KKK. Die Trias Küche, Kinder, Kirche ist mit dem Absterben der Frömmigkeit allerdings neu zu definieren: Küche, Kinder, Kraftfahrzeugfahrerin. Die Kids mit Terminkalender, die Fila oder Carhartt heißen, wollen chauffiert sein. Eben noch die Theaterwerkstatt, jetzt schon das Cellotraining. Politisch korrekt ist das Ganze nicht, weil unökologisch. Hausmusik und das Aufführen von Scharaden im Familienkreis sind aber irgendwie aus der Mode gekommen.

Also heißt es: Drive, Mutti, drive!

Die Leiterin der Jugendkunstschule, Marianne Nestle (rechts auf einem Bild von Ekke Leupolz), bekam im November einen mit 1000 Euro dotierten Ehrenamtspreis des Landkreises. Lesen sie hier, wofür:

"Mit Kunst beschäftigt sich unsere nächste Preisträgerin hauptberuflich. In ihrer Freizeit setzt sie sich für Kinder ein, die nicht zwingend einen unmittelbaren Zugang zur Kunst erhalten. Kunst ist für Sie nicht etwas elitäres, sondern Voraussetzung für ein gelungenes und erfülltes Leben. Aus dieser geistigen Grundhaltung heraus bietet sie Schülern der Mali Hauptschule mit Werkrealschule Biberach die Chance, neue, künstlerische Aspekte des Lebens kennen zu lernen, einen Blick für das Schöne und Wahre zu bekommen. Durch das Einstudieren und Vorstellen verschiedener Theaterstücke, von Bildhauerprojekten, Bühnenbildkursen und vielem mehr, fördert Sie junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Sie war Initiatorin und ist Leiterin der Jugendkunstschule Biberach. Für ihre ehrenamtliche Arbeit an der Mali-Schule Biberach gelingt es ihr immer wieder Partner aus der Jugendkunstschule für ihr ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Sie leistet hier wertvolle Überzeugungsarbeit. Für diesen uneigennützigen Einsatz für Kinder und Jugendliche in Biberach möchte die Jury Frau Marianne Nestle auszeichnen." !

Im Februar hieß es dann in der Lokalpresse: Mit Sack und Pack umgezogen ist die Biberacher Jugendkunstschule (Juks). Die Kurse - und zwar alle bis auf den tänzerischen Bereich - laufen jetzt im ehemaligen Haus Ritthaler in der Felsengartenstraße 9. Die Telefonnummer der Juks bleibt die selbe wie bisher, nämlich 5 1 5 06. Direkt beim Haus kann geparkt werden. Das neue Quartier ist allerdings nur eine Übergangslösung bis zum endgültigen Umzug ins Haus Nägele zum Schuljahr 2004. Vom 1. Januar bis 31. Dezember 2002 haben 1216 Schüler an Kursen der Juks teilgenommen.

Die Jugendkunstschule erhält jährlich 70.000 Euro von der Stadt, dazu noch einmal so 60-80.000 Euro von Sponsoren. Die Juks hat's nicht so mit dem Kostenmanagement und zahlt ihren Dozenten teils auch mehr. Daher sind die Kurse der Juks in der Produktion oft teuerer als die der VHS. Was auf die Stadt zukommt, wenn mal Sponsoren in größerem Umfange wegbrechen - man mag es sich nicht ausmalen.

 

Bald also neue Räume. Die Schwäbische Zeitung schrieb am 20. November 2002:

Neue Heimat für die Jugendkunstschule

BIBERACH - Die Jugendkunstschule soll bis Mitte 2004 im Nägele-Haus in der Hindenburgstraße eine neue Heimat bekommen. Auch die vhs wird dieses Haus mitnutzen.

Von unserer Redakteurin Gabi Ruf-Sprenger

Schon lange war die Jugendkunstschule auf der Suche nach geeigneten Räumen. Die Verwaltung ist in der Wielandstraße untergebracht, die Kurse finden derzeit an über 20 verschiedenen Orten statt. Bei der Suche nach einem Domizil wurde zunächst an die Stadtbierhalle auf dem Gigelberg gedacht. Doch als die Kostenschätzung für die not-wendigen Investitionen in Höhe von damals noch rund 2,6 Mark (Muss wohl Millionen Mark heißen - d. Redaktion) auf dem Tisch der Verwaltung und des Gemeinderates lagen, war schnell klar: Das wird zu teuer! Selbst für eine eingeschränkte Sanierung hätte die Sadt rund 1,5 Millionen Mark in die Hand nehmen müssen. Und der Bauausschuss erkannte, dass eine eingeschränkte Sanierung eben auch eine eingeschränkte Nutzung bedeutet hätte. Denn ohne eine gute Isolierung und eine entsprechende Heizung hätte die Halle vor allem im Winter nicht den Bedürfnissen der Jugendkunstschule entsprochen.

Der Gemeinderat entschied, der Stadtbierhalle nur eine kleine "Pinselsanierung" zukommen zu lassen. Allerdings waren sich Verwaltung und Gemeinderat darüber einig, dass der Jugendkunstschule - die ein überaus positives Image über die Stadtgrenze hinaus hat - bei der Suche nach geeigneten Räumen geholfen werden soll. Es wurde dabei neben anderen Gebäuden auch an den Roten Bau (das ehemalige Bürgerheim) in der Waldseer Straße gedacht. Allerdings, so erklärte Baubürger-meister Julius Ogertschnig, versuche die Stadt für den derzeit zurückgehenden Handel in der Innenstadt auf andere Art Lebendigkeit in die Stadt zu bringen. Der Blick fiel deshalb auf das leerstehende Nägele-Haus an der Hindenburgstraße, das so ungenutzt, wie es derzeit da steht, auf die von Süden her kommenden Besucher der Stadt nicht unbedingt einladend wirkt.

Die vorhandenen Räumlichkeiten im Nägele-Haus über vier Ebenen könnten den Bedarf der Jugendkunstschule voll abdecken, so der Gedanke der Verwaltung. Darüber hinaus wäre dort auch noch Platz für eine Nutzung durch die vhs. Die Verwaltung schlug diese Idee dem Gemeinderat vor, der darüber zunächst noch recht kontrovers diskutierte. Dabei ging es vor allem um die geringe Anzahl der Parkplätze rund um das Nägele-Haus. Letztlich überzeugte jedoch das Argument, die Eltern, die ihre Kinder in die Jugendkunstschule bringen, könnten in geringer Entfernung eine Stunde kostenfrei in der Viehmarkt-Tiefgarage parken - und vielleicht würden ja doch einige, während ihre Kinder die Kurse besuchen, nicht nach Hause fahren, sondern statt dessen in der Stadt Einkäufe erledigen oder zum Kaffeetrinken gehen. Der Gemeinderat stimmte schließlich dem von der Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule und der vhs erstellten Nutzungskonzept zu. Das Haus wurde zu einem "Erwerbspreis weit unter dem Schätzpreis" von der Firma Nägele gekauft, wie Baubürgermeister Ogertschnig sagt (über die Summe schweigt er sich aus, da Grundstücks- und Gebäudepreise stets nichtöffentlich sind).

Im Oktober wurde der Verkauf des Nägele-Hauses an die Stadt Biberach notariell beurkundet. Die Sanierungs- und Umbaukosten (neue Fenster, Heizung und Feuerschutz-maßnahmen) werden sich auf schätzungsweise 800 000 Euro belaufen, so Ogertschnig. Ein weiterer Vorteil dieses Gebäudes sei, dass es im "letzten Zipfel des Sanierungsbietes Ost" liege und damit der Grunderwerb zu 100 Prozent und die Sanierungskosten zu 50 Prozent förderfähig sind, da es sich um eine "Gemeindebedarfseinrichtung" handelt. Das heißt: Die Stadt muss somit voraussichtlich nur rund 560 000 Euro der Kosten tragen.

Damit die Jugendkunstschule schon möglichst bald ihr neues Domizil beziehen kann und auch die vhs wieder "etwas Luft" bekommt, werden zu Beginn des kommenden Jahres die Planung und die Umbauarbeiten vom Gemeinderat vergeben.

Wenn die Juksler fleißig sind, dürfen sie irgendwann auch mal Teil der Biberacher Kunstszene werden.

13. April 2004

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