FV Biberach e.V. Pressemitteilung & Konferenz 16.12.2002

Rückblick - Ist-Situation - Zukunft

Übernahme des Vereins unter neuer Vorstandschaft im Februar 1999

Vorstände:

Herr Kutter, Herr Straub, Herr Löbel und Herr Hermanutz. Das Amt des Vereinpräsidenten oblag fortgesetzt Herrn Karl Frey.

Die neue Crew stellte bei Amtsantritt eine Schuldenstand von ca. DM 260.000,- (€uro 133.000,-) fest.

Zielsetzung des Vereins:

mittelfristig, nach einem vierten Oberligaplatz in der Saison (1998/99), der Aufstieg in die Regionalliga. Dies war auch der ausdrückliche Wunsch unseres Präsidenten, Herr Karl Frey, der dies bis zu seinem Tode finanziell mitgetragen hat. Die Weichen hierfür waren gestellt, es wurden neue Sponsoren gefunden, die Planung eines VIP-Gebäudes, die Beschaffung eines Vereinsbusses u.a. festgelegt.

Unerwartete und nicht vorhersehbare Ereignisse, weiche die angedachte Zielsetzung erschwerten:

Noch vor dem ersten Heimspiel, am 14.08.99, verstarb plötzlich und unerwartet der Vereinspräsident Herr Karl Frey. Zu diesem Zeitpunkt war die Mannschaft verpflichtet, die Vertrage waren unterschrieben.

Eine starke finanzielle Belastung erfuhr den Verein, als in dieser Zeit die Besteuerung der " 630,- DM - Jobs" gesetzlich festgesetzt wurde. Unter diesem Gesichtspunkt waren ca. 30 Betreuer und 40 aktive Spieler abzurechnen.

Trotz diesen Widrigkeiten musste es, auch im Sinne und in Erfüllung der Wünsche des verstorbenen Vereinspräsidenten weitergehen, da geschlossene Vereinbarungen zu erfüllen waren. Aufgrund der vor erwähnten finanziellen Mehrbelastungen musste sich der Verein in der Winterpause von einigen Spielern trennen, was zum Abstieg aus der Oberliga in die Verbandliga für die Saison 1999/2000 führte.

An dieser Stelle muss ausdrücklich darauf verwiesen werden, dass dies nicht durch die Leistungen der Spieler verursacht wurde, sondern auf die Tatsache, dass dies am grünen Tisch, aufgrund der Situation:

Abstieg Karlsruhe von zweiter Bundesliga in die Regionalliga - zwingender Abstieg des Regionalisten Karlsruhe in die Oberliga.

Besetzung des letzen Tabellenplatzes in der Oberliga durch Karlsruhe.

Folge: Übernahme des sechsten Tabellenplatzes durch Karlsruhe und Verweis des FV Biberach in die Verbandsliga entschieden wurde.

Rückblick - Ist-Situation - Zukunft "FV Biberach e.V."

Erfüllung der geschlossenen Vereinbarungen, in Angriffnahme der gesetzten Ziele.

Trotz der Lücke, welche durch Herrn Karl Frey entstanden ist, mussten die geschlossenen Vereinbarungen erfüllt und das vormals angepeilte Ziel, Aufstieg in die Regionalliga erneut in Angriff genommen werden.

Die Saison 2000/2001

Mit viel Elan wurde das Ziel, den sofortigen Wiederaufstieg, welches auch aufgrund der Sponsorenvereinbarungen erforderlich war, angestrebt. Es wurde die Entscheidung getroffen hierzu eine teurere Mannschaft zu verpflichten und wie es im Sport so ist, wurde der Aufstieg nicht geschafft, sondern der Abstieg gerade verhindert.

Die Saison 2001/2002

Die Verbandsliga wurde mit der Zielsetzung des klaren Klassenerhaltes angegangen. Durch den gemeinsamen Einsatz aller Kräfte wurde dieses Ziel, die Sicherung eines Mittelplatzes, erreicht.

Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation: fehlende Zahlungen der Sponsoren trotz Werbung neuer Förderer, verstärkte Insolvenzen bei Geldgebern, Zinszahlungen, sowie der Tod und in der Folge die fehlenden Zahlungen des Vereinspräsidenten Herrn Karl Frey u.a. nahmen die Verbindlichkeiten stark zu.

Trotz vieler neuer Sponsoren, welche trotz der schlechten allgemeinen wirtschaftlichen Lage gewonnen werden konnten, hat sich die finanzielle Situation des Vereins in den vergangenen 3 Jahren nochmals deutlich verschlechtert. Vordringlich durch die fehlenden Zahlungen von unserem Gönner Herrn Karl Frey, dem laufenden Spielbetrieb, Zinsen und Zinseszinsen u.a. ist der Schuldenstand bis zum heutigen Tag auf ca. €uro 256.000,- (DM 500.000,-) angestiegen.

Derzeitige sportliche Situation/Entwicklung

Wissend einen Abstieg in Kauf nehmen zu müssen, wurde für die Saison 2002/2003 beschlossen, die Bezirksligamannschaft abzumelden und mit dieser Bezirksligamannschaft und einigen verbleibenden Spielern aus der alten Verbandsligamannschaft die Verbandsligarunde zu bestreiten.

Derzeitige wirtschaftliche Situation/Entwicklung

Durch die gesamtwirtschaftliche Situation (vornehmlich Insolvenzen bei Sponsoren) blieben Sponsorengelder aus mit denen fest gerechnet wurde und diese aus eigenen "Mitteln", da feste Kosten da waren, erbracht werden mussten, - was in der Folge zu weiteren Erhöhungen der Schuldensituation führte.

Parallel zu vor erwähnter Entwicklung wurde gegen Ende 1999 Kontakt mit der Brauerei Ott, Bad Schussenried aufgenommen. Ein Kontakt war notwendig, da ein Vertrag aus dem Jahre 1989 existiert, in dem die Brauerei Ott dem Verein ein zinsfreies Darlehen von Euro 256.000,- (DM 500.000,-), zweckgebunden für die Erbauung eines Vereinsheims gewährt hatte. Ferner gibt es in diesem Zusammenhang einen Pachtvertrag in dem der Verein der Brauerei Ott die Gaststätte mit Wohnung verpachtet.

Nach eingehender Prüfung dieser Vertrage mussten wir mit Entsetzen feststellen, welche vertraglichen Vereinbarungen in der Vergangenheit mit der Brauerei Ott getroffen wurden.

Dies waren:

Als "stattliche" Gegenleistung für die Gewährung des Darlehens erhielt demnach die Brauerei Ott alle Pachtzahlungen ab Gewährung des Darlehens, dies waren monatlich DM 4.400,- DM.

Rechnerisch wäre damit das Darlehen bereits im Mai 2001 getilgt gewesen. Tiefe Betroffenheit lieferte aber die Erkenntnis aus den Verträgen, - würde die Brauerei Ott auf Erfüllung der Verträge pochen, würde dies bis zum Ablauf der Verträge im Jahre 2014 einen Betrag von DM 1,200.000,- zuzüglich der Bierlieferungen zu vollen Preisen ohne Rückvergütung, seit Beginn des Vertrages (1989) in deren Kasse spülen.

Aufgrund dieser Konstellation wurde mit Hilfe der Stadtverwaltung und des Oberbürgermeisters Herrn Fettback versucht, die Brauerei Ott an einen Tisch zu bekommen, um in der Folge die, vorsichtig formuliert, sehr unglücklich geratenen Verträge "in die Gerade" zu rücken. Es wurde angedacht, unter Umstanden den Verkauf des Vereinsheims an die Brauerei Ott vorzunehmen. Trotz intensiver Versuche, durch Herrn Oberbürgermeister Fettback, Herrn Kutter und Herrn Straub mit Herrn Ott einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren sind diese kläglich gescheitert, da Herr Ott dies mit der Begründung "die Brauerei hat mit dem Verein nichts zu besprechen" abgelehnt hat. Aus der Position "Macht" heraus sieht Herr Ott keinen Handlungsbedarf, da er genau weiß, dass das Vereinsheim derzeit nicht zu veräußern ist, da ja die langen Pacht- und Bierlieferungsverträge zwischen ihm und dem Verein ohnehin bestehen.

Nach Prüfung der Verträge von Rechtsanwälten, gelangten diese zum Ergebnis, dass eine Anfechtbarkeit gegeben ist, nur wäre ein Prozess in der jetzigen Situation für den Verein unbezahlbar.

Auch eine erneute Anfrage bei Herrn Ott durch Herrn Kutter, konnte diesen nicht dazu bewegen, mit dem Vorstand des Vereins an einen Tisch zu sitzen, um eine Lösung in der misslichen Situation zu finden. Herr Ott meinte, der Verein solle ihm ein Angebot über den Verkauf des Vereinsheims unterbreiten und er werde in der Folge darüber nachdenken.

Von der Vorstandschaft wurde Herrn Ott das Vereinsheim in der Folge zum Preis von Euro 280.000,- angeboten, worauf dieser meinte, er werde sich nicht unter Druck setzen lassen und er würde sich vor allem keinen Preis diktieren lassen, wenn - dann bestimme er den Preis. Er kenne sich im Insolvenzrecht aus und würde in der Lage, in welcher sich der Verein jetzt befindet, wesentlich günstiger an dieses Vereinsheim kommen.

Eine Verkehrswertermittlung für das Vereinsheim vom November 2001 hat einen Verkehrswert gemittelt bei 847.000,- DM ergeben. So kann von einem überzogenen Angebot an die Brauerei Ott nicht gesprochen werden.

Um das Vereinsheim veräußern zu können und aus den Pachtverträgen herauszukommen, somit den Verein schuldenfrei zu stellen, ist die Anmeldung der Insolvenz notwendig, wobei vom Insolvenzverwalter die Verträge zu prüfen sind.

In den letzten Wochen haben Gespräche mit der Kreissparkasse Biberach, sowie mit dem Oberbürgermeister stattgefunden, um abschließend zu entscheiden, ob der Verein den Schritt der Insolvenz gehen wird, um einen Neubeginn bzw. die Fortführung des Vereins sicherzustellen. Dies wäre vor allem im Bereich der Jugendarbeit notwendig. Parallel wird geprüft, wie sich das auf die Spielklasse der Verbandsliga Mannschaft auswirken wird.

Die Vorstandschaft hat ausdrücklich darauf verzichtet, obwohl dies in anderen Vereinen so üblich ist, mit sogenanntem Handgeld (Schwarzgeld) zu agieren, da eigentlich bekannt sein sollte, dass Korruption und um nichts anderes handelt es sich hier, zum Verfall der gesamten Wirtschaft, wozu sich auch Vereine zählen dürfen, führt.

Es besteht der Verdacht, dass Ablösesummen, welche für Spieler die nach Au, Ravensburg und nach Laupheim gegangen sind, mit sogenannten Scheinverträgen bzw. Amateurverträgen, unterschlagen wurden.

Eine Lohnsteuerprüfung Anfang dieses Jahres hat bestätigt, dass die Vorstandschaft in dieser Beziehung ordentlich gearbeitet hat.

Die Vorstandschaft des FV Biberach sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, die erste und aktive Mannschaft so hochklassig wie möglich spielen zu sehen, sondern über Sport Werte zu vermitteln. Die Zukunft braucht immer eine Vergangenheit und Gegenwärtiges, korrekte Handhabung von Steuer- und Sozialrecht sind Ausgangswerte, um Grundlagen für eine neue Zukunft, unter Einbeziehung aller aktiv und passiv dem Verein nahestehender Firmen und Personen zu finden.

In allen Branchen, ob Fußball oder andere, war die letzten Jahre eine Entwicklung festzustellen, die fast ausschließlich nur in Richtung Profit lief und auf Grund vorhandener, aber auch neu abgeschlossener Verträge, auch in Bezug auf Dritte, zum heutigen Stand führte.

Ein Neuanfang ist unter Inanspruchnahme kompetenter Personen in Vorbereitung und wird, mit den Erkenntnissen aus der Vergangenheit, gemachte Fehler vermeiden helfen und der Zukunft des "FV Biberach e.V." unter veränderter wirtschaftlicher Entwicklung Rechnung tragen.

Die Vorstandschaft bedankt sich nochmals bei allen Mitgliedern und Gönnern, sowie Personen die nicht in diese Sparte fallen, wohl aber dem Verein wohlgesonnen sind, für das entgegengebrachte Vertrauen und ihre Mithilfe in der Vergangenheit und hofft diese als Mitstreiter bei einem Neubeginn an ihrer Seite zu finden.

Die Vorstandschaft ist selbstverständlich bereit, den Verein wieder auf gesunde Beine zu stellen. Dies ist jedoch rückblickend in der Analyse der Versäumnisse nur mit der Installierung entsprechender "controlling" Maßnahmen zu realisieren. Damit verbunden ist natürlich ein entsprechendes Personalkonzept.

Der Verein ist ferner nicht zu letzt auch auf die Mitarbeit aller öffentlicher Meinungsbildner angewiesen. Dazu gehört zu allererst die Stadt Biberach, ohne deren Unterstützung kein Neuanfang möglich sein wird.

gez.

Vorstandschaft FV Biberach e.V.

FV Biberach Kicker geschockt