Podiumsdiskussion:„Aktionsbündnis Pressefreiheit“:

Umbach: Kein Einfluss von Politikern auf Personalentscheidungen


BIBERACH (hb) - Ein Kreis von Bürgerinnen und Bürgern sorgt sich anhaltend um die Pressefreiheit in Biberach und bemüht sich um eine breitere Medienpalette. Die SZ bleibt bei ihren Personalentscheidungen und arbeitet weiter an der Optimierung aller Lokalausgaben. Das ist, zusammengefasst, das Ergebnis einer Podiumsdiskussion des „Aktionsbündnisses Pressefreiheit“ am Dienstagabend im Komödienhaus.

„Ist die Schwäbische Zeitung noch glaubwürdig? Macht-Monopol-Missbrauch: Gefahren für die Pressefreiheit“, hieß das Thema der zweieinhalbstündigen, bisweilen leidenschaftlich geführten Diskussion vor und mit rund 150 Besuchern. Auf dem Podium: Karl Geibel, Deutscher Journalistenverband; Oberbürgermeister Thomas Fettback; Andrea Sülzle, Aktionsbündnis; Maria Hartel, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft für das Leben im Kreis Ravensburg und nach eigener Aussage „gläubige Katholikin und papsttreu“; Joachim Umbach, Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“. Moderator war Michael Hermann, Dozent für Medienwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Landrat Peter Schneider hatte kurzfristig abgesagt – zum Missvergnügen des Publikums. Gerhard Manthey (ver.di) fehlte wegen Krankheit.

    Schon die Eingangsrunde mit kurzen Stellungnahmen der Diskussionsteilnehmer machte die gegensätzlichen Positionen, die unterschiedlichen Sichtweisen und Bewertungen der Personalentscheidungen deutlich. Die SZ hatte sich bekanntlich von dem langjährigen Lokalchef Gunther Dahinten und von Kreisredakteur Roland Reck getrennt.

    Geibel bescheinigte dem Kreisredakteur saubere handwerkliche Arbeit abgeliefert und „objektiv, unabhängig und fair“ berichtet zu haben. Er wertete die betriebsbedingte Kündigung daher als vorgeschobenen Grund. Fettback wiederholte, dass er einen unbefangenen Journalismus, der für die Meinungsbildung von grundsätzlicher Bedeutung sei, in Biberach auf unabsehbare Zeit bedroht sehe. Sülzle beklagte, dass die SZ so spät über die Personalien berichtet habe („Es kann nicht sein, dass da etwas passiert und wir nichts davon erfahren“). Hartel beharrte darauf, dass ein Interview, das der Kreisredakteur mit ihr zur Praxis der Sozialbehörde des Landkreises geführt habe, Anlass für die Trennung gewesen sei.

    Anerkennung für seine Bereitschaft, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen, erhielt Umbach nicht nur vom Podium, sondern auch aus dem Publikum. Er warf den Initiatoren vor, die Veranstaltung ausschließlich auf Grund von Gerüchten und Unterstellungen über politische Einflussnahme und Machtdemonstration zusammenbekommen zu haben. Tatsachen seien bewusst vernachlässigt worden, wenn beispielsweise von „Entlassungen“ oder „Rausschmissen“ gesprochen werde. Ein Vorwurf, den Sülzle nicht stehen ließ: „Alles, was wir festgestellt haben, war richtig.“

    Mit Dahinten, so Umbach, sei inzwischen eine „einvernehmliche Lösung“ getroffen worden. Bestandteil der Vereinbarung sei, auf Wunsch Dahintens über die Gründe der Trennung nicht mehr öffentlich zu sprechen. Beide Personalentscheidungen hätten inhaltlich nichts miteinander zu tun. Grund für die betriebsbedingte Kündigung des Kreisredakteurs sei die „alarmierend schlechte wirtschaftliche Lage der Zeitungen“, die nie gekannte Einbrüche bei den Anzeigen – zu drei Vierteln die Einnahmequelle der Blätter – gebracht habe. Umbach verhehlte aber auch nicht, dass er Reck gravierende handwerkliche Fehler vorzuwerfen habe und „Kampagnenjournalismus – Artikel, die eine vorausbestimmte Tendenz haben.“ Er erinnerte an seinen Auftrag an die SZ-Redaktionen, einen kritischen, fairen Journalismus zu betreiben und stets auch die andere Seite zu hören. Die Forderung nach mehr Meinungsvielfalt sieht Umbach bereits als gesichert an: „Natürlich gibt es bei der SZ Leitplanken, aber dazwischen eine breite Autobahn.“

    Zu einem heftigen Wortwechsel kam es, als Umbach Fettback vorhielt, dass auch er selbst politischen Einfluss genommen habe, als er sich gegenüber einem Aufsichtsratsmitglied der SZ Biberach über die Lokalredaktion beschwert habe. Fettback räumte zwar den Vorgang ein, sagte aber, „Sie zitieren aus einem Gespräch, in das ich nur hineingezogen wurde.“ Fettback hatte vorher festgestellt, dass es wirklichkeitsfern sei, politischen Einfluss auf die Medien zu leugnen. Umbach räumte den ständigen Versuch politischer Parteien ein, auf die Medien Einfluss zu nehmen, versicherte aber erneut, es habe keinen Einfluss von Politikern auf die Personalentscheidungen gegeben. Initiatorinnen des Aktionsbündnisses sind neben Sülzle Hannegret Haas, Gabriele Kübler und Monika Steigmiller (Ummendorf), die Umbach eine Unterschriftenliste mit 1 288 Namen überreichte. Die Unterzeichner fordern eine Alternative zur SZ in Biberach.

• Was zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch nicht bekannt sein konnte: Das Arbeitsgericht Ulm hat am Mittwoch die betriebsbedingte Kündigung des Kreisredakteurs nach einem Vergleich für Recht erklärt. Reck scheidet damit zum 30. Juni aus der SZ-Redaktion aus.

            

 

© Schwaebische Zeitung 2002