(Bild Copyright: http://www.adk.de/hugohaering/bio1.html )Häring, Hugo

Biberacher Architekt und nicht nur irgendeiner. "In the quiet and largely unsung work of Hugo Häring can be experienced the possibilities of a humane modern architecture to be shared by all" schrieb der Guardian anlässlich einer Häring-Ausstellung.

Hier ein paar Beispiele für das Wirken des Biberachers (Biberach, 1882 - Göppingen, 1958). Siehe auch den Eintrag in der Architekturdatenbank. Seine Arbeit (Guardian: "the quiet and largely unsung work of Hugo Häring") wird im Braith-Mali Museum gewürdigt. Und noch ein Zitat über "the forgotten genius" aus dem Guardian vom 5. Februar 2001: "While Europe's leading architects were designing concrete barracks, Hugo Häring was building fine, welcoming homes - for farmyard animals". Die ausführlichste Würdigung Härings, die wir im WWW gefunden haben, ist diese große PDF-Datei, die lange Zeit zum Laden braucht, deren Lektüre uns aber sehr lohnend erscheint: Der Ausstellungskatalog mit 53 Seiten Text und Bild unter dem Titel Hugo Häring and the Secret of Form.Ein weiterer wichtiger Häring-Link ist dieser.

Im Juli 2001 zeigte die Akademie der Künste in Berlin die Ausstellung "Hugo Häring - ArchitekturWenden" in Berlin über den Architekten Hugo Häring und Neue Bauen. Hier die Webseiten dazu. Und hier Details zu den von Häring enworfenen Bauten und Siedlungen.

Und dies schrieb man an der AdK über Häring: "Hugo Häring gehört zu den bedeutenden Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Idee eines ganz aus den Funktionen entwickelten "organhaften" Bauens ist ein originärer Beitrag zur Architektur der Moderne. Mit seinen plastisch bewegten Baukörpern vertrat Häring ein "neues" Bauen im Wortsinn, das die Konventionen der Überlieferung radikal in Frage stellt. Zugleich verschloß sich Häring der sogenannten "weißen" Moderne eines Le Corbusier und behauptete im Geflecht der Avantgarden eine eigenständige Position, die er als spezifisch deutsch imaginierte."

Häring und die Siemensstadt   Architektenvereinigung "Der Ring"

CIAM  Teilnehmer des CIAM Kongresses

 

Die Neue Zürcher Zeitung" berichtete am 17. Juli 2001 über die Ausstellung:

Neues Raumgefühl durch Kuhperspektive

Der Architekt Hugo Häring in einer Berliner Ausstellung

In den zwanziger Jahren gehörte Hugo Häring (1882-1958) neben Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius, Erich Mendelsohn, Martin Wagner, Bruno Taut und Hans Scharoun zur Avantgarde der deutschen Architekten und blieb unter ihnen doch der grosse Unbekannte. Der gebürtige Schwabe liess sich 1921 in Berlin nieder, wo er in der Folge an einer Reihe von wichtigen Projekten beteiligt war. Unter anderem schuf er neben Bruno Taut und Rudolf von Salvisberg einen Abschnitt der Waldsiedlung «Onkel Toms Hütte» (Berlin-Zehlendorf, 1926-31), die zum berühmten Beispiel eines im Stil der Neuen Sachlichkeit gehaltenen sozialen Siedlungsbaus wurde.

Theoretiker und moderner Mitstreiter

Häring begründete mit Mies und anderen die Architektenvereinigung «Der Ring», eine Art Sezession deutscher Architekten, die der modernen Bewegung im Land zu einem gemeinsamen Auftritt des «neuen Bauens» verhelfen wollte. Häring nahm an den massgeblichen städtebaulichen Diskussionen im Berlin der zwanziger Jahre teil. Sein bestechender, expressionistisch angehauchter Wettbewerbsentwurf für ein Hochhaus an der Friedrichstrasse (1922) gibt vielleicht am schönsten seine Vorstellung eines bewegten, irrational aus sich heraus entwickelten Raumes wieder; der Entwurf blieb unrealisiert. Häring war zeitlebens auch Theoretiker. Obschon er sein Hauptwerk, «Die Ausbildung des Geistes zur Arbeit an der Gestalt», nie publizieren konnte, war er mit der ästhetischen und architektonischen Diskussion seiner Zeit eng verbunden. Im Gegensatz zum künstlerischen Stilwillen seines Kollegen Peter Behrens forderte er die Zurücknahme der individuellen Handschrift beim Entwurf und propagierte eine Berücksichtigung der unterschiedlichsten Gestaltungskräfte. Darin liegt wohl auch der Grund für die schwer zu erfassende Heterogenität von Härings Werk.

Es ist das Verdienst einer Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin, Leben und Werk des Architekten in sorgfältiger Aufarbeitung des umfassenden Nachlasses vorzustellen und die historischen Bezüge herauszuarbeiten. Die Schau folgt wie ihr etwas nüchterner Titel «Hugo Häring - Architekt des Neuen Bauens» dem streng klassischen Aufbau einer Werkmonographie. Sie geht aus von den ästhetischen Vorbildern des Architekten, die den dynamisierten Begriff des Raums zum Thema machten: Auguste Rodins Plastik oder Ewald Matarés Biomorphismus. Dabei erschliesst die kritische Aufarbeitung nicht nur die spezifisch romantischen Wurzeln der Moderne in Deutschland. Sie macht auch die Problematik einer Überhöhung von Begriffen wie «organisch», «Volk» und «Rasse» deutlich, mit denen die Kunsttheorie jener Zeit auch arbeitete.

Häring setzte Le Corbusiers und Gropius' «Wohnmaschine» und der weissen Geometrie der klassischen Moderne seine Idee des organischen Bauens  entgegen, wobei er erklärtermassen «gegen das Prinzip Le Corbusier», nicht aber «gegen Le Corbusier» war. Das entspricht der heutigen Rezeption, der sich im Vergleich von «organhaftem Bauen» des einen mit der «architecture moderne» des anderen am Ende mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze aufdrängen. So finden beide Richtungen ihren Antrieb im Bestreben, jenseits der historisierenden Architektur des 19. Jahrhunderts ein eigenes Gestaltungsprinzip zu schaffen. Auch bauten sie beide auf die Funktion. Hinsichtlich ihrer ästhetischen Werte lagen sie freilich in unversöhnlichem Wettstreit.

Die beste Form im Stall

Häring suchte einen Weg, wenn man so will, zurück zur Natur: Sie sollte den Bauten ähnlich wie Pflanzen ihre Form zuweisen. Die Kunst musste sich umgekehrt in der Natur ihren Raum schaffen. So mystisch dieses baukünstlerische Bestreben klingt, so funktionalistisch gab es sich in der konkreten Umsetzung. Härings architektonisches Meisterwerk, die Gutsanlage Garkau (1922-1926) in Ostholstein, bettet sich harmonisch in die Landschaft ein und verbindet die Silos in perfekter Automatisierung mit dem Stall, so dass das Futter den Kühen von oben direkt vor die Nase serviert wurde. Wobei das Stallgebäude mit auskragenden Stützen und geschwungenen Decken in seiner Konstruktion tatsächlich organhaft anmutet, wie eine vermutlich El Lissitzky zuzuschreibende Fotomontage (1927) in Nachempfindung der Kuhperspektive zeigt. In einer Hommage an den berühmten Stall hängen in der Akademie der Künste Skizzen und Zeichnungen aufgespannt in schwebenden, im geselligen Gegenüber angeordneten Eisenkonstruktionen.

Häring entzerrte den Grundriss vom traditionellen Achsenraster und liess die Räume wuchern wie die Kartoffeln an einer Staude. Vom strengen Dreieck der Dachkonstruktion hielt er nichts und gestattete ihr ein Eigenleben in der Biegung der Form. Allerdings blieb der Verfechter der fliessenden Gestalt am Ende mehr der Tradition verhaftet als seine Zeitgenossen, die ihn mit kompromissloseren und radikaleren Ausführungen am Ende überflügelten. Das mag ein Grund dafür sein, warum Scharouns Berliner Philharmonie als Inbegriff des organischen Bauens ins allgemeine Bewusstsein eingegangen ist, während Härings Gut Garkau nur Kennern der Architekturgeschichte ein Begriff ist. Die sonst vorbildliche Schau zitiert zwar Scharouns Philharmonie herbei, den eingehenderen Vergleich bleibt sie allerdings schuldig. (Claudia Schwartz)"

Ein Häringsches Haus (das Hugo-Häring-Haus, Mettenberger Weg 17) wird derzeit in Biberach restauriert: Beschreibung: erbaut 1950 als Spätwerk des bekannten Biberacher Architekten Hugo Häring (modernes und organ. Bauen), wird derzeit in seinen Originalzustand zurückversetzt, mit original Hugo-Häring-Möbeln eingerichtet und dann als Museum zugänglich gemacht. Hier ein paar Aufnahmen des Gebäudes in der Renovierungsphase...

Hugo-Haering-Haus in Biberach.

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Hugo Häring bei Vivisimo.com          Suchwort Häring auf der Website der Akademie der Künste    Und die Hauptseite zu Häring bei der AdK

5. April 2004



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