Wir in Biberach (4)

Prof. Georg Winter

Er hat etwas sehr angenehm Unprofessorales, wenn man mit ihm spricht. Und je länger man mit ihm über das Thema "Kunst im öffentlichen Raum" redet, desto militanter scheint er zu werden.

Georg Winter ist in Biberach geboren, stammt aber eigentlich aus Ungarn. Und dort, nämlich in Budapest, lebt er, wenn er nicht in Stuttgart lebt oder sich nicht Projekten in Japan, Kapstadt, Detroit oder Polen widmet. Dass wir ihn an der Gebhard-Müller-Schule treffen, hat seinen guten Grund. Er ist einer von vier hiesigen Künstlern, die vom Landrat damit beauftragt sind, Kunst für die Schulneubauten des Beruflichen Schulzentrums des Kreises zu produzieren. Angereist für ein Gespräch mit Schulleitung, Schülern und Lehrern kam er aus Nürnberg, wo er den Lehrstuhl für "Kunst und öffentlichen Raum" innehat.

Winter aber bringt der Schule kein fertiges Kunstwerk. Das wäre ihm wohl zu langweilig. Er will die 1600 SchülerInnen an dieser, ihm aufgetragenen, Kunst beteiligen. "Was kann die Kunst bringen? Was ist sinnvoll? Was für ein Bild von der Gesellschaft kann sie vermitteln?" fragt er. Die Schüler werden also täglich mit der Kunst im Gebäude konfrontiert sein. Meist wohl selbst gemachter, denn Winter bevorzugt das Horizontalprinzip gegenüber dem Vertikalprinzip, bei dem Kunst von oben nach unten vermittelt wird.

Dass das funktionieren kann, hat bereits das erste Projekt bewiesen. Auf Anregung von Winter leitete die Stuttgarter Künstlerin Pia maria Martin ein einwöchiges Trickfilmprojekt, in dem SchülerInnen eigene Filme erstellten - Material für eine 2,40 x 1,80 Meter große Bildschirmwand, auf der im Foyer der Schule Filme und anderes Mediales laufen soll.

Die Beteiligung von Menschen ist ihm wichtig. Und das,

 

was landläufig unter "Kunst im öffentlichen Raum" läuft, eher ein Gräuel. "90% davon ist Schwachsinn," sagt er, und fährt fort: "Das hat zum Teil das Niveau von Stadtmöblierung und nicht mal das von Kunstgewerblichem. Es schadet oft eher der Architektur."

Auch an der Kunst in Biberach hat er wenig Gefallen und scherzt vom Sammeln von Geldspenden für Sprengstoff, mit dem man etwa die Figurengruppe hinter St. Martin beseitigen könnte.

Vorerst reist er zurück, aber er wird weiter KünstlerInnen für Workshops mit SchülerInnen nach Biberach vermitteln. Die TeilnehmerInnen des ersten Workshops hatten bereits viel Spaß.

Bei denen, die in diesem Schuljahr noch folgen werden, dürfte das auch so sein .

"Wir in Biberach" (1):
Ein Fischemann, der Fleisch verkauft

"Wir in Biberach" (2):
Die Drei von der Stadthalle

"Wir in Biberach" (3):
Die Fastenbrezelbäcker

Mehr über Georg Winter (DaimlerChrysler Collection)

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