Der Vorstand des FV Biberach bei der Pressekonferenz am 16. Dezember 2002 im FV Vereinsheim.
 
Ein provisorischer Bericht aus dem deutschen Vereinsleben
 

"Du lügst doch! Jetzt fängst du schon genauso an, wie die anderen!" Deutsches Vereinsleben ist immer wieder erbaulich, vor allem dann, wenn der offizielle Teil einer Veranstaltung vorüber ist. Der offizielle Teil war am 15. Dezember die Pressekonferenz zum Insolvenzantrag, den der Vorstand des FV Biberach gestellt hat. anwesend war fast die gesamte Biberacher Medienszene: SZ, SWR, Wochenblatt und Weberberg.de.

Warum der Insolvenzantrag als Befreiungsschlag für den Verein zu sehen ist, erläuterte zu Beginn der Veranstaltung (die oft eher Vereinsversammlung als Pressekonferenz war), Adrian Kutter, eines der Vorstandsmitglieder, die mit sofortiger Wirkung ihrer Ämter enthoben sind. Den neuen Vorstand setzt der Insolvenzverwalter ein. Wie der nun genau hieß, war vom Vorstand nicht zu erfahren. Wohl aber, dass er aus Neu-Ulm käme und zugesagt habe, den (finanziellen) Interessen der Spieler und der FV Jugend Vorrang einzuräumen. Adrian Kutter verlas eine mehrseitige Presseerklärung, die wir hier im Wortlaut wiedergeben.

Die Sorge, dass für den Verein jetzt nicht mehr eingekauft werden könne für Festle etc., (Wir backen einen Kuchen für die Kreismeisterschaft und der landet dann in Neu-Ulm.") konnte ausgeräumt werden. Alles läuft normal weiter. die Insolvenz betrifft eher die Vergangenheit.

SZ-Sportredakteur Rainer Schick nach dem offiziellen Teil im Gespräch mit den Spielern (von links) Joachim Schmidberger, Jörg Schadwinkel und Horst Holland.
 
Die Zukunft ist aber alles andere als sicher. Unklar war an dem Abend, wie lange die Verträge der Spieler laufen. Das ist enorm wichtig für die Jungs, denn wenn sie den Absprung verpassen, können sie erst wieder nach der Sommerpause auf dem grünen Rasen eines anderen Vereins auflaufen. Welche Verträge ihnen der Verein nun ausgestellt hat und ob die ordnungsgemäß an den WFV weitergeleitet worden seien, darüber debattierte man noch länger.

"Verarscht" war ein Wort, das im inoffiziellen Teil öfter fiel. Während der Pressekonferenz aber verbat sich Adrian Kutter die Frage des Weberberg.de-Sportredakteurs, ob sich ein junger Spieler, der (O-Ton Vorstand) "verheizt" würde, nach dem langen Hin und her um Insolvenz und Zahlungen verarscht fühlen könne.

Medienvertreter (v.l. Schick, Strohmaier, Gröner, Wagner) und Publikum auf der Pressekonferenz.

Wenn zwei Spitzenspieler gehen und ihnen noch einige folgen, gibt es bald keine spielfähige Mannschaft mehr. Und es kann natürlich so weit kommen, dass sich für diesen Fall der Fälle vorbeugend erst einmal alle abmelden. Und sich wieder anmelden, sobald der Weiterbestand der Mannschaft gesichert ist.

All dies ist sehr dünnes Eis. Ebenso dünn wie die hochmoralische Position zum Thema Schwarzgeld, die Adrian Kutter in seiner Rede vortrug. Der FV Biberach war zumindest in der Vergangenheit auf diesem Gebiet nicht unbedingt ein Kind von Traurigkeit. Und er wurde vom WFV-Bezirksvorsitzenden Karlheinz Maier auch gebeten, zu diesem Thema öffentlich eher zu schweigen.

Vorschläge zur Fusion mit Wacker und Türkspor kamen mehrfach. Gespräche dazu haben auch schon stattgefunden, Ergebnisse hat das alles noch nicht gezeitigt und so krebsen alle drei Mannschaften am Tabellenende herum.

Fazit: Für den Beobachter ein spannender Abend mit letztlich offenem Ende. Für die betroffenen Kicker eine weitere Etappe auf der Achterbahnfahrt, die die erste Saisonhälfte bisher für sie bedeutet hat.

Dierk Andresen, 16. Dezember 2002 für Weberberg.de