Fußball 1 - 3

Fußball 1:

Fussball darf hier natürlich nicht fehlen. Aber wir sind noch nicht so weit mit einem vernüftigen Eintrag.. Wir bleiben aber am Ball. In der Zwischenzeit empfehlen wir die lokale Kinowerbung für den FV Biberach. Der Mann mit Bart, der beim Blick auf die Zuschauer groß raus kommt, heißt Eugen Schlachter, ist Erfinder und Organisator des "Politischen Aschermittwoch" und kandidierte bei der letzten Landtagswahl für die Grünen. Ihm fehlten 219 Stimmen zum Sieg.

Dass in dem Werbespot kein Trainer zu sehen ist, hat vermutlich einen einfachen Grund: Die Trainer des FV wechseln so häufig, dass keine Kamera sie erwischt.
In der Saison 2002/2003 tritt der FV mit der jüngsten Verbandsligamannschaft aller Zeiten an. Durchschnittsalter: 21 Jahre. Mehr hier.

Leider (?) gibt es auch in Biberach Fans des FC Bayern.

Hier noch ein Tipp: Vielleicht könnte man die Leistungsbereitschaft der Kicker vom FV Biberach erhöhen, wenn man ihnen nach jedem Spiel so ein paar Hunderter bar Kralle zusteckte. Anderswo im Kreis scheint das gang und gäbe zu sein. Wo genau wissen wir noch nicht. Kein Wunder: Bei der Recherche zu so einem heiklen Thema wird man schier verrückt. nächsten Update wissen wir wahrscheinlich schon mehr. Es gibt natürlich noch andere Sportarten, die sich mit runden Sachen befassen. Pétanque zum Beispiel. Der Pétanque Club Biberach bietet ja einige Infos zum Thema auf seiner Website.

Hier eine erste Orientierung über Freud und Leid im Auf- und Abstiegsdrama.

Sport, also die Welt von Nike etc., ist eh so eine Sache. Wie schrieb doch der SPIEGEL "Die Kehrseite der glamourösen Markenwelt sind (...) asiatische Sweatshops, in denen Arbeiter für 37 Pfennig Stundenlohn Schuhe für Nike zusammenkleben - elf Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Aufgrund dieser frühkapitalistischen Verhältnisse in den Freihandelszonen der Dritten Welt verlieren Fabrikarbeiter in den westlichen Industrieländern ihre Jobs." Mehr hier. Und wo wir schon mal beim Thema sind.....

 

Fußball 2:

"Jeder Kanzler kriegt den Bundestrainer, den er verdient!"
Autorenlesung im Kino:

"Fußball ist unser Leben"

Michael Pöppl, 1961 in Kempten/Allgäu geboren. Frühe Begeisterung für Theater und Fußball. Nach der WM 1978 von der Nationalmannschaft zurückgetreten. Studienabschluß mit einer Magisterarbeit über "Fußball in der deutschsprachigen Literatur". Größter sportlicher Erfolg: Mit Dortmund Championsleague-Sieger 1997. Immer noch Nationalmannschaftsskeptiker. Lebt als freier Journalist in Berlin.Michael Pöppl, Autor des Buches "Fußball ist unser Leben - Eine deutsche Leidenschaft" las am Donnerstag, 27. Juni um 20.30 Uhr im ‚Sternchen'. Da war Adrian Kutter, dem Biberacher Kinozampano und Vizepräsident des FV, ein besonderer Coup gelungen: Pünktlich vor dem Finale der Fußball Weltmeisterschaft präsentierte er den Autor des soeben im Aufbau Taschebuch Verlag erschienen Buches "Fußball ist unser Leben - eine deutsche Leidenschaft" zu einer multimedialen Lesung. Kutter hatte Wind bekommen, dass der gebürtige Allgäuer just Ende Juni in der Heimat weilt und zögerte nicht, ihn einzuladen. Michael Pöppl, bekennender Nationalmannschaftsskeptiker, beschreibt in seinem Erstlingswerk das Werden der deutschen Nachkriegsgesellschaft Hand in Hand mit dem Fußball: Vom "Fußball und internationaler Politik" in den fünfziger Jahren, der "Großen Koalition" in den Sechzigern, dem folgenden "Linken Mythos aus der Tiefe des Raumes", dem "Kanzler und seinem Kaiser" in den achtziger Jahren bis zur "Anpfiff, ran und Kirch Ära". Das neue Jahrtausend unter "Herr von Ribbeck" bis zur "Nationalmannschafts-Völlerei" bleibt in durchgängig pointierter Weise nicht ungestreift. Zudem verspricht der Autor, erste Gedanken zu einer Fortschreibung des Buches - angereichert um die WM 2002 - just in Biberach zu präsentieren!

Michael Pöppl: Fußball ist unser Leben. - Eine deutsche Leidenschaft
Broschur, 259 Seiten Seiten, Mit 35 Abbildungen 3-7466-8079-4 Erschienen bei: Aufbau Taschenbuch Verlag 8,50 € *) / 15,20 Sfr

Bei den Lesungen in Pöppls Wahlheimat Berlin blieb jüngst kein Fußballerauge trocken, als dazu Edi Fingers legendäre ORF-Reportage zur ‚Schmach von Cordoba' ("I werr' narriiiiieesch!") oder die stümperhaften Sangeskünste der deutschen Fußballheroen wie auch Franz Beckenbauers "Gute Freunde kann niemand trennen" ertönten. Und überhaupt: Was war das für ein Skandal, als die Hallers und Schnellingers in den Sechzigern Italienlegionäre wurden... Einem aalglatt geleckten Schwiegermuttertyp wie Hansi Müller hat (Fußball-) Deutschland das knapp 20 Jahre später verziehen - doch warum nur? "Für Fußballenthusiasten ein Muss", freut sich Kutter auf die Lesung von Michael Pöppl, der zuletzt in den Berliner Medien mit seiner These "Jeder Kanzler kriegt den Bundestrainer, den er verdient" von sich reden gemacht hat. Der Bewirtungserlös kam im übrigen der Jugendabteilung des FV Biberach zugute. Viel war das nicht, denn die Zuschauer erchienen gerade mal in Mannschaftsstärke. Überwiegend Frauen übrigens.

Fußball 3: "Fußballspieler" - Gemälde im Braith-Mali-Museum Biberach: Richard Bolkart (Biberach 1879 - Biberach 1942) Signiert unten rechts, undatiert, um 1925. Öl auf Leinwand auf Karton, 38 x 61 cm. Erworben aus Kemptener Kunsthandel.

1996 Im Jahr 1900 wird der Deutsche Fußballbund gegründet. Im selben Jahr formieren junge Männer in Biberach eine Mannschaft, die 1903 die Fußballabteilung der Turngemeinschaft Biberach bildet. Gespielt wird anfangs auf dem Lindele, später auf der sog. "Pflugwiese" (heute Wieland-Gymnasium). Hier findet auch das auf dem Bild dargestellte Spiel statt. Im Hintergrund rechts ist der Turm des Ulmer Tors zu erkennen, links das Gebäude der ehemaligen Brauerei Hecht. Bolkart hat das Spielgeschehen gleichmäßig über die Bildfläche verteilt - je vier Spieler stehen in Position. Sie haben untereinander kaum körperlichen Kontakt. Bolkart dokumentiert das Aufeinandertreffen zweier Mannschaften ohne Überhöhung als Spiel um einen Ball. Er steigert die Begegnung nicht zum Existenzkampf. Die Zuschauer bleiben Zuschauer. Fußball wird in den 1920er Jahren zum populärsten Mannschaftssport und Massensport und in Gemälden vielfach als quasi mythisches Ritual männlicher Körperkraft dargestellt. Es ist nicht genau auszumachen, in wessen Spielhälfte sich das Spiel bewegt. Zwar trägt der Torwart rechts das Trikot der Blauen, jedoch würden die Spieler in den gestreiften Trikots im Abseits stehen. All zu genau hat es der Maler nicht genommen, nicht nur im Strafraum, sondern auf dem gesamten Spielfeld fehlen die Markierungslinien. Dafür hat er die Spieler beider Mannschaften deutlich individualisiert. Gäbe es noch Zeitzeugen, vermutlich könnte mancher Spieler namentlich benannt werden. 1925 gründet sich der zweite Biberacher Fußballclub - der FC. Wacker. Die folgenden Jahre gelten als die Zeit der großen sportlichen Rivalität. Die Spieler des FC Wacker trugen ein helles Trikothemd, die der Turngemeinschaft waren lange Jahre gelb-schwarz gestreift. Vermutlich hat Bolkart das erste Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften Mitte der 1920er Jahre im Bild festgehalten.

Fußball 4:    
FV Biberach: "Schuss ins Herz"

BIBERACH, 26. Juni 2002: So knapp 300 000 Mark an Sponsorengeldern besorgte der FV-Vorstand im vergangenen Jahr. Gereicht hat das nicht, um den Verein zu entschulden. Und jetzt laufen ihm auch noch die Spieler weg. Auf 18 Kicker also muss der Verein in der nächsten Saison verzichten und erhält dadurch (gefüttert aus der A-Jugend) eine Mannschaft, bei der die Ältesten gerade mal 24 Jahre alt sind. (Durchschnittsalter 20,4!) Sichtlich angesäuert trug Vorstandsmitglied Adrian Kutter die lange Liste der Abspenstigen und Wortbrüchigen ("Ich bleibe beim FV Biberach") vor. Zwar gab es auch Spieler, die in die Oberliga aufrückten und andere, die wegen Bundeswehr oder Studium ihren Traingsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Aber einige von ihnen stehen nun im Team von Vereinen, die ihnen auch nicht gerade mehr Zeit lassen werden. "Sie können darüber denken, was Sie wollen," so Kutter, der appellierte: "Lasst uns an diese junge Mannschaft glauben!". Das hat sie wohl verdient, denn die Spieler kicken teilweise schon seit Jahren zusammen.

Überhaupt sind Verdienste zu erwähnen: Die von Heidi Münch etwa, die zu Recht sagte "Ich bin stolz auf unsere Jugend". Dass der Verein auf Heidi Münch wegen ihrer Jugendarbeit, von der ja auch das ganze Umland profitiert, stolz sein kann, steht außer Frage. Auch wenn es mit den Finanzen bei der Jugend nicht alles so glasklar ist, wie man es sich wünschen könnte. Auch hier apellierte der Vorstand, der schließlich haftbar gemacht werden kann für schräge Buchführung.

Die Schulden des Vereins kommen auch durch Sponsorenausfall und ein durch Regen ausgefallenes Radgassenfest, das dem Verein sonst 7000 Euro in die Kasse gespült hätte. Wieweit der Vorstand schlecht gewirtschaftet hat, war erst gegen später Gegenstand der Diskussion und auch wie schlecht es dem Verein schon zu Zeiten Karl Freys gegangen sei.

So jung soll der neue Verbandsliga-Kader des FV Biberach für 2002/2003 aussehen:

Robert Farkas

22

Matthias Grab

18

Wolfgang Schlaucher

19

Andreas Jäger

24

Josip Roncevic

19

Markus Weidenbach

19

Christian Bixenmann

19

Jörg Schadwinkel

24

Kani Stehle

22

Adnan Mundjehasic

19

Joachim Schmidberberg

19

Roman Fritschle

21

Michel Münch

22

Yihan Kocabyik

20

Christoph Blum

18

Jan Kundrath

22

Christian Blobel

20

Benjamin Mayer

19

Kutter, der von ihm damals geködert wurde mit der Aussage, viel Arbeit würde es für ihn nicht geben, er solle nur seine Kontakte für den Verein einsetzen, sieht inzwischen Beruf und Privatleben durch die aufreibende Vereinstätigkeit gefährdet. Der Filmfestspielmacher betonte, dass Ehrenämter eigentlich Ämter auf Zeit sein sollten, man dann aber doch oft beschimpft würde, wenn man ein solches Amt wieder aufgeben möchte.

Nicht nur Beschimpfungen, auch eine Ohrfeige gab es für Finanzmensch Löbel, den gerade mal 18 Stimmen als Vorstand entlasteten. Dass die Leitungstruppe sich allein gelassen fühlt, kann ein Außenstehender gut nachvollziehen. Immerhin war es den Mitgliedern oft schon zuviel der Mühe, die Hand zur Abstimmung zu heben. So summierten sich Ja/Nein/Enthaltung mal zu 52 Stimmen, dann zu 43 und beim dritten Mal wieder anders.

Und immer wieder ging's ums Geld. Ob ein Spieler "nur was für den Verein getan hat, wenn es Geld gab", ob ds zuviele Handaufhalter gebe, ob die gehenden Spieler, die noch Forderungen haben, mit einer Sammelklage Erfolg haben könnten, was ja leicht ist, wenn es sich um schriftlich Vereinbartes, und schwierig, wenn es sich (wie etwa bei manchen Vereinen) um zugesagtes Schwarzgeld handelt. Und dann noch wo diese und jene Spendengelder und T-Shirt Einnahmen hingeflossen sein, was die Leitung des Vereinsheims an Kosten hat, wenn sich 24 Spieler dort stundenlang treffen aber nur ein Mineralwasser verkauft wird usw. Deutsches Vereinsleben pur.

Vorstandsmitglied Thomas Maier gab zwar zu, dass wohl Fehler gemacht worden seien vom Vorstand aber beklagte, dass der für seine Arbeit auch nie Beifall bekommen habe. Dabei, so wiederum Löbel, habe man Bierbänke geschleppt, Kinderfasching organisiert und vieles mehr, was eigentlich nicht unbedingt Vorstandsaufgabe sein solte.

Es gab viele bittere Momente an diesem Abend, nicht nur als Kutter davon sprach, das Verhalten der Vereine, die dem FV die Spieler abwerbe sei niederträchtig. Nein, alte Rechnungen wurden aufgemacht ("Du hast das damals in die Zeitung gebracht!"), Namen von Bösewichtern wurden erst nicht genannt, dann aber doch und es wurde dann auch schon mal recht laut und heftig. Konsolidierung ist angesagt, da sei man auf dem richtigen Gleis. Immerhin. Wie die Jugend zum sparkurs beitragen soll und kann, muss aber noch diskutiert werden.

In einigen Wochen trifft man sich wieder. Vielleicht hat sich die Lage bis dahin beruhigt, haben sich Leute gefunden, die auch ohne ein dickes Konto in den Vorstand gehen, denn das, so Kutter, sei eine irrige Annahme, dass man als Vorstandsmitglied dann auch seine Privatschatulle öffnen müsse.

Hoffen wir also das Beste. Zumal auch für Biberachs Jugend. Denn hoffentlich haut man ihr nicht per Vereinsauflösung, die droht, wenn Apathie und mangelndes Engagement für den eigenen Verein keinen neuen Vorstand zustande bringen, per organisatorischer Blutgrätsche die bundesligawilligen Beine unter dem Leib weg.

Junge Truppe natürlich auch bei den TG-Handballer: Durchschnittsalter 22. Haben auch eine eigene Website. Diese hier.

7. September 2002


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