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Franz, Philomena Nur Einzelne haben die Hölle, den "Paraimos" - so nennt man den Holocaust -, überlebt. Zu ihnen gehört Philomena Franz. Sie entstammt einer renommierten Musiker-Familie, ihr Großvater war Hofmusikant beim württembergischen König Wilhelm II. Als kleines Mädchen ist sie schon in der Stuttgarter Liederhalle, im Berliner Wintergarten und Pariser Lido aufgetreten. Die Nazis setzten dem ein Ende: Mit sechzehn wurde sie vom Schulbesuch ausgeschlossen, zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik eingesetzt. Von dort aus brachten sie SS-Leute 1943 - da war sie gerade 21 Jahre alt - in das Zigeunerlager Birkenau-Auschwitz. Das "Z" für Zigeuner und die Nummer 10 550 hat sie auf dem linken Unterarm eintätowiert. Zweimal ist sie dem Tode entronnen: Das erste Mal, nach ihrer Flucht aus Ravensbrück wurde sie zur Abschreckung für die anderen auf dem Appellhofplaz scheingehängt. Überlebt hat sie danach nur, weil ihr ein jüdischer Lagerarzt ab und zu ein Stückchen Brot in ihren Stehbunker zusteckte. Das zweite Mal - schon auf der Rampe zur Gaskammer - verdankte sie ihr Überleben dem Hinweis, dass sie Deutsche, deutsche Sinti sei und ihr Bruder an der Front. So durfte sie im Krematorium die Asche der Toten auf die Lastwagen schaufeln. Auch aus dem Lager in der Nähe von Wittenberg an der Elbe, wohin sie anschließend gebracht wurde, floh sie; lebte sieben Wochen lang bis Kriegsende versteckt in einem Haus, das "einem Uniformierten" gehörte. Ihre fünf Geschwister und ihre Eltern hat sie nicht wiedergesehen. Sie sind unter den 500 000 Sinti und Roma, die von den Nazis umgebracht wurden. Nach dem Krieg heiratete Philomena Franz. Sie hat 5 Kinder. Sie schrieb Zigeunermärchen und hält Vorlesungen in Schulen und Volkshochschulen. Einmal las sie auch schon an der VHS Biberach. Sie lebt in Rösrath bei Köln. Auf einer Webseite zu der Talkshow "Beckmann" der ARD heißt es: Nach den Vorlesungen (vor Schülern und Studenten) sei sie (Philomena Franz) schön häufiger gefragt worden, ob sie nicht ihre tätowierte Häftlingsnummer zeigen könne, was sie dann auch immer tue. Dann seien ihre Hörer immer fassungslos. Wie sie Menschen, die ihr so viel Leid angetan haben, je verzeihen könne? Ihre Antwort: "Wenn wir nicht verzeihen können, dann geben wir unseren Geist auf und unsere Tugend. Im Verzeihen liegt die Größe des Menschen. Wenn ich das nicht könnte, wäre ich nicht hier, und euch ginge etwas verloren." (*aus: Barbara Bönnemann: Rom heißt Mensch
- nicht Mensch zweiter Klasse) |