Biberach - 6. Juni 2003:Weberberg.de im Feuerwehreinsatz:
Gestern war es mal wieder soweit. Gegen 17 Uhr rasten mehrere
Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge stadtauswärts. Klang nach was
Größerem. Für unseren Mann auf dem Fahrrad, gerade
auf dem Rückweg vom Baggersee Ummendorf, war das Anlass, zur
Feuerwehr zu fahren, um zu schauen, was los ist. (Demnächst
gibt es ja kein Regiofenster mehr, da muss man sich schon mal wegen
Polizeiberichten und verwandter Meldungen schlau machen.)
Am Gebäude war alles ruhig, von hektischer Betriebsamkeit keine
Spur. Langsames Vortasten ins Gebäude. Dann saß da in
der Einsatzzentrale Daniel Orb (Bild oben). Der Mann hatte, wir
formulieren das mal flapsig, die Arschkarte gezogen. Wer als letzter
kommt, muss am Schreibtisch vor Fax, Computer, Telefon und Funkanlage
sitzen bleiben. Die anderen dürfen dahin, wo die Action ist.
Die anderen, das sind im Moment 20 Leute, soviel umfasst die Mannschaft
bei einem "kleinen Alarm". Und die rücken aus. Mit
vier Wagen: einem Rüstwagen mit Werkzeug, einem Tanklöschfahrzeug,
einem Verkehrssicherheitsfahrzeug und einem Einsatzleitwagen. Das
scheint viel Aufwand für das, was sich später in der Meldung,
die Schriftführer Florian Hofmann nach dem Einsatz für
die Feuerwehrwebsite
und die Presse schreiben wird, so liest: "Verkehrsunfall mit
Motorrad. Am frühen Donnerstagabend gegen 17:05 Uhr ereignete sich
ein Verkehrsunfall auf der Kreisstraße bei Rißegg - Halde auf Höhe
der Anschlussstelle Appendorf neben der B30. Ein PKW kollidierte
mit einem Motorrad im Bereich der Ausfahrt. Die Leitstelle alarmierte
daraufhin die Feuerwehr Biberach zur Absicherung der Einsatzstelle.
Der verletzte Motorradfahrer wurde durch den Rettungsdienst versorgt
und in ein Krankenhaus eingeliefert."
Dafür vier Fahrzeuge? Feuerwehrleute wissen
nie, was genau sie an einer Unfallstelle erwartet. Nach einem Unfall
erhalten sie allzu oft Angaben von schockierten Beteiligten, die
unklar sind. Dann schlecht ausgerüstet auszurücken, kann
Leben kosten. Also lieber immer gleich eine Nummer dicker. Und ein
Unfall auf der viel befahrenen B 30 ist immer heikel. Nach einer
Stunde sind die Männer zurück, geben Einsatzberichte ab,
die Daniel Orb in ein Formular einträgt und abheftet. Dann
erst einmal ein Spezi. Es ist schwülheiß an diesem Spätnachmittag,
einer öffnet das Fenster weit. Der Weberberg.de-Mann lässt
sich die Anlage erklären, informiert sich darüber, wie
Berichte verfasst und an die Presse verteilt werden. Meist schreibt
Florian Hofmann sie gleich nach dem Einsatz.
> Website: Freiwillige
Feuerwehr Biberach
|
Alles geht an die lokalen Printmedien, größere
Sachen auch ans Radio. Manchmal ist er nicht dabei und dann gibt
es auch keinen Bericht. Weberberg.de lässt sich mal probehalber
in den Verteiler aufnehmen. Kann man mal bei so einem Einsatz mitfahren
oder rechtzeitig informiert werden, wenn es akut ist, fragen wir
Daniel Orb. Der Feuerwehrmann reagiert reserviert. Irgendwie verständlich.
Wenn es hektisch wird in der Einsatzzentrale will man nicht von
Medienleuten nach den Dettails befragt werden und im Zweifelsfalle
kann ein Pressemann am Ort des Geschehens eher im Weg als nützlich
sein. Auch wenn die Freiwilligen Feuerwehren natürlich auch
gerne möchten, dass ihre Arbeit gewürdigt wird. Ihr Einsatz,
bei dem sie oft genug mitten aus dem Job oder dem Privatleben gerissen
werden. Bei Tage und bei Nacht, mitten in der Woche oder am Sonntag.
Dem Weberberg-Mann.spendiert man ein Spezi, das
er in der Hitze dankbar annimmt. Er macht sich Notizen, sieht endlich
sein Informationsbedürfnis vorerst gestillt und will sich gerade
auf den Weg machen, als es wieder Alarm gibt. Ein ganz anderer Fall.
Und wieder lassen wir Florian Hofmann zu Worte kommen. Er wird nach
dem Einstaz Folgendes schreiben: "Kind in Baum eingeklemmt.
Am 05.06.2003, gegen 18:23 Uhr ist ein Kind im Kutzbergerweg vom
Baum gefallen und wurde in einer Astgabel mit dem Bein eingeklemmt.
Die Feuerwehr befreite den Jungen aus seiner misslichen Lage mit
der Motorsäge. Der Rettungsdienst untersuchte den Jungen – es konnten
keine Verletzungen festgestellt werden. Der achtjährige Junge konnte
daraufhin mit seinen Eltern wieder nach Hause gehen." Dass
der Junge türkische Eltern hat und Furkan heißt, steht
nicht im Bericht. Dass seine Altersgefährten am Spelplatz neben
dem ein halber Wildkirschbaum abgesägt wurde, ihm dankbar sind,
auch nicht. Sie machten sich gleich über die Kirschen her.
.Auch dass jemand vom Roten Kreuz dem Weberberg-Mann verbieten wollte,
zu fotografieren, steht nicht im Bericht. Er hält sich an die
nüchternen Fakten, die das Wesentliche des Einsatzes festhalten.
eines Einsatzes am Donnerstagabend zwischen 18 und 19 Uhr, zu einer
Zeit also, an der andere Menschen auf dem Balkon oder der Terasse
den warmen Abend genießen, Grills anwerfen und das nächste
Bier aufmachen. Die Feuerwehrmänner aber müssen erst einmal
zurück zum Feuerwehrhaus, den Einsatzbericht abgeben, die Meldung
verfassen und dann gibt es vielleicht noch ein Spezi vor dem Heimweg,
wenn, ja wenn nicht schon wieder die Alarmglocke klingelt. .
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