Wir
in Biberach (3)
Die
Fastenbrezelbäcker
Jedes
Jahr nach Weihnachten ist es soweit: Es gibt wieder Fastenbrezeln bei
Biberachs Bäckern. Aber Fastenbrezel ist nicht gleich Fastenbrezel.
Die besten, so weiß man als Biber, gibt es beim "Häringsbäck".
Und da ist es kein Wunder, dass den ganzen Tag über der Laden voll
ist und die Kunden schon mal bis auf die Straße hinaus anstehen,
um ganz frische, noch warme Brezeln zu kaufen. Von morgens früh
bis zum Ladenschluss. Für die Brezelbäcker in der Backstube
ist das Akkordarbeit, denn Stillstand gibt es keine Minute. (Fotos
auf dieser Seite: Andreas Reiner)
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Nein, wieviele
Brezeln es genau am Tag sind, wisse er nicht, lacht Manfred Häring,
"aber mehrere Tausend auf jeden Fall." Den ganzen Tag steht
er neben dem Ofen, fischt mit einem Sieb die Brezeln aus dem heißen
Wasserbad und arrangiert fünf von ihnen auf dem Schießerblatt
und schiebt, nein "schießt", wie der Fachausdruck heißt,
die Brezeln in den Ofen. Dann wieder fünf, und wieder fünf
und wieder fünf. Stundenlang, denn im Laden stehen schon mal über
20 Kunden und warten auf Nachschub. Die Legende sagt, dass ein Bäcker
einst vergaß, die Lauge für die Laugenbrezeln anzurichten
und den Teig einfach ins Wasser geworfen hat- die Geburtsstunde der
Fastenbrezel. Manfred Härings Handwerk hat Tradition. Bereits in
der neunten Generation wird das Rezept von Vater zu Sohn weitergereicht.
Und bald wird die nächste Generation am Backtrog stehen - Sohn
Markus macht derzeit eine Bäckerlehre.
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Brezeln
werden in mehreren Schritten hergestellt und das Tempo dabei ist keineswegs
gemütlich. Erst kommt der Teig in ein Gerät mit der Aufschrift
Mini Rex 400, das den Teig in Portionen von etwa 70 Gramm teilt. Die
kommen dann in eine weitere Maschine, die die Teigbollen zu Rollen formt.
Ständig müssen die Maschinen gefüttert, die fertigen
Rollen geleert werden. Der Rest ist Handarbeit. Wie am Schnürchen
rollen die Bäcker den Teig vier oder fünf mal bis er an beiden
Enden etwas dünner ist. Dann folgt ein gekonnter Handschwung, der
aus den Rollen eine Brezel formt, die vorsichtig auf ein Brett gelegt
wird. Kaum ist das Brett voll, wird es hinüber zum Wasserbad getragen.
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Morgens
um 3.30 Uhr beginnt die Arbeit. Dauerstress für gut drei Monate.
Aus dem Ofen kommen die Brezeln mit dem Großblattschießer
sofort in den Korb und fast im Minutentakt gehen sie dann in den Laden,
wo sie angefeuchtet, gesalzen und eingetütet werden.
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Der Biberacher
Peter Rieger schrieb im Jahre
2003 folgende Kolumne zum Thema
Faschdabrezga
Die erste isst der kleine Peter sofort. So oder ähnlich heißt es in
einer Werbung für Bonbons. Mir geht es so mit den Fastenbrezeln, ich
bringe immer eine weniger mit heim, als man mir auftrug, zu holen. Das
geht mir aber nicht alleine so, in der Fastenbrezelzeit kann man in
Biberach am helllichten Tage ziemlich viele Menschen mit einer solchen
Brezel im Gesicht erblicken. Bevor sie allerdings diejenige in demselbigen
platzieren, streifen die meisten das Salz ab. Das hat die angenehme
Nebenwirkung, dass der Bereich vor den Bäckereien von Schnee und Eis
nahezu frei sind, ohne dass die schlauen Brezelbieger gegen das Salzstreuverbot
verstoßen.
Als kultig
gilt in der Biberacher Szene, Fastenbrezeln einzufrieren und sie an
Schützen zu servieren. Dem nicht mehr hier wohnenden Biber kann man
übrigens, so man zur Gehässigkeit neigt, ähnliche Heimwehgefühle bescheren,
wie die Ortsabwesenheit an Schützendienstag verursachen kann - man muß
ihm nur das Bild einer Fastenbrezel per E-Mail übersenden (es wirkt,
ich habe es probiert...).
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Natürlich
gibt es bei den Brezeln gewaltige Unterschiede. Insider wissen, wo man
den Mercedes kauft, wobei andere Produzenten natürlich gerne für Reingeschmeckte
und Touristen tätig werden. Erfahrene Brezelkundler berichten übrigens,
dass die Brezeln, je nach Produzenten, von Jahr zu Jahr an Größe verloren
hätten. Neulich hörte ich in einer Bäckerei eine Frau giftig fragen:
Isch des a Faschdabrezg oder fascht a Brezg?
Fastenbrezeln
sind, soweit ich weiß, noch das einzige Lebensmittel für das gerne Schlange
gestanden wird. Ein Ungeduldiger konnte es letzthin nicht erwarten und
gab aus der hintersten Warteposition durch die ganze Bäckerei hindurch
ein Höchstgebot für Brezgenbruch ab, wobei dieses billige Teilgebäck
doch immer den kleinen Buben, denen die Nasenlöcher vor Hunger rauchten,
vorbehalten war. Hamsterkäufe haben übrigens keinen Sinn, die Dinger
müssen ofenfrisch sein, sonst sind sie lätschig, wie man hierzustadt
sagt.
Zum größten
annehmbaren Unfall kam es vor kurzem, als ich auf die Bäckerei zuging
und schon von weitem sah, dass niemand drin war. Die Bäckerin lachte
mir hinter ihrem vollen Korb mit den warmen Brezeln zu - und ich hatte
keinen Hunger...
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"Wir
in Biberach" (1):
Ein Fischemann, der Fleisch verkauft
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"Wir
in Biberach" (2):
Die Drei von der Stadthalle |