Dr. Verena Breitenbach

Möglicherweise das heißeste
Filmfestival des Jahres 2008 >>>

Mit der Einreichkategorie "Sex sells"

Im Herbst machte sie bundesweit Schlagzeilen, da ging nämlich ihre nachmittägliche Show bei ProSieben auf Sendung. Dass das ein Biberacher Thema ist, liegt daran, dass Frau Dr. Breitenbach einst Schülerin am Wieland-Gymnasium war. War anfangs noch von ärztlich-gynokologischem Ratgeber die Rede so stellte sich schnell heraus, dass es sich um eine der üblichen Talkshows mit Krawallelementen, gefaketen Stories oder Protagonisten und einer guten Dosis Sex handeln sollte. Zwei Redaktuere der preisgekrönten Biberacher Schülerzeitung "Die Funzel", nämlich Benjamin Kobitzsch und Uwe Horstmann, haben Frau Breitenbach in ihrer Sendung besucht. Was sie dabei erlebt haben, schildern sie in der Ausgabe 1/2003 der Funzel. Übrigens: Es gibt auch ein empfehlenswertes Online-Magazin gleichen Namens aber anderen Inhalts: www.funzel.de. Die Macher sind allerdings teilweise identisch.

Dr. Verena Breitenbach im April 2003 in Ulm zu Gast bei Radio Donau3FM
Fotos: Copyright www.weberberg.de (rechts) / Donau3FM (oben)

 

Dr. Verena Breitenbach - ab in die Glotze

Die S-Bahn S8 Richtung Flughafen München hält. Wir stehen an einem Bahnhofsprovisorium aus Brettern, Sperrholz, Spanplatten. Die orangenen Türen öffnen sich, kalte Luft schlägt uns entgegen. Wir lassen unseren Blick über eine Trabantenstadt der deutschen Fernsehindustrie schweifen: Ein Betonklotz neben dem anderen. Kühldampf steigt auf.
Vor uns steigen fünf Mädchen aus der Bahn, die dem neudeutschen Modewort «Girlies»  entsprechen. Während wir Ihnen Richtung ProSieben folgen, spekulieren wir, in welche Show sie wohl gehen werden. Wir legen uns auf Arabella fest und warten ab.
Eine große Glastür inmitten der grauen Betonwüste stellt sich uns in den Weg. Verdutzt versuchen wir die Tür zu öffnen, kein Erfolg. Schließlich bemerkt uns ein Sicherheitsbeamter in einem weißen Hemd. Er lässt uns ein und fragt: «Schauspieler oder Gäste?» «Presse.», antworten wir mit einem gewissen Trotz in der Stimme. Schließlich hatten wir einen rauschenden Empfang erwartet.
Mit verwundertem Gesicht verschwindet er in den hinteren Teil des Gebäudes. Zurück kommt er mit einer anderen Sicherheitsbeamtin, die sich  durch ein Headset als wichtige Person auszeichnet. Wieder erzählen wir unsere Geschichte von Diana Schardt, der Pressesprecherin, bei der wir angemeldet und auf die Gästeliste gesetzt sind. Wir werden aufgefordert, uns im Vorraum niederzusetzen und einen Moment zu warten.
Wir blicken um uns, entdecken am Nebentisch die fünf Girlies, rauchend. Hinter ihnen eine Studiotür, «Arabella». Wir wundern uns über Studio fünf und Studio acht - und wo sich die restlichen sechs verstecken. Um uns herum laufen schnatternde Girlies, ein Transvestit, gehüllt in rosa Plüsch, eine grüne Federboa und lila Lederstiefel bis zu den Hüften. Dazwischen wichtige und unwichtige Mitarbeiter, die wichtigen mit Headsets, die unwichtigen in blauen ProSieben-T-Shirts.
Die Sicherheitsbeamtin ist wieder da, wir spielen unseren Trumpf «Diana Schardt» aus. Sie hat uns den Namen des Aufnahmeleiters gegeben, damit können auch die Sicherheitsbeamten etwas anfangen. Wir werden also doch erwartet. Kurz darauf steht er vor uns, Patrick, mit der Pelzjacke.
Zeit für den Nachnamen bleibt keine, Zeit ist rar. Wir schütteln ihm die Hand und ernten dafür neidische Blicke von ungefähr zwei Fußballmannschaften Girlies. Wir folgen ihm die Treppe hinauf, unsere verschwitzten Hände auf den Alutreppengeländern. Patrick fängt an uns etwas zu erzählen, während wir noch die Treppe hochstolpern; er hat Übung darin, seine Zeit einzuteilen. Mit seiner Chipkarte gelangen wir durch die große Stahltür am Ende der Treppe.
Patrick führt uns durch einen langen Korridor, wir werden überschüttet mit Raumbezeichnungen. Wieder mit Chipkarte öffnet er die Tür zur Maske, darin zwei Frauen, untätig und rauchend. Die außerplanmäßige Pause irritiert sogar den Aufnahmeleiter. Verwundert fragt er nach, die beiden Maskenbildnerinnen sind längst mit den Schminkarbeiten fertig. Wir verlassen die beiden Hübschen und machen uns auf den Weg ins Studio.
Die Aufzeichnung einer Folge ist gerade zu Ende, wir hören Applaus. Mit schnellen Schritten eilt Frau Doktor an uns vorbei. «Was kommt jetzt, Krüppel mit 16?». Verdutzt schauen wir uns an.
Patrick hat keine Zeit mehr für uns. Auf einmal stehen wir wieder in der Eingangshalle. Hanife, ihres Zeichens Set-Aufnahmeleiterin, übernimmt uns, nachdem ihr zugesichert wird, dass wir auch über 16 sind. Während wir ihr ins Breitenbachstudio folgen fragen wir uns, was nun der Unterschied zwischen Aufnahmeleiter und Setaufnahmeleiter ist.
Das Studio ist erstaunlich klein und erstaunlich rot. Neben drei Reihen gepolsterter Klötze befinden sich im Studio nur Sperrholzwände. Wir wenden unseren Blick gen oben und blicken auf ein Meer von Scheinwerfern. Nur durch die Nummerierung, die bis 718 reicht, erhalten wir einen Eindruck von deren Anzahl.
Ein Paar in der ersten Reihe freut sich über die guten Plätze. Doch Hanife fordert sie mit bestimmtem Ton auf, aufzustehen und sich doch bitteschön einen anderen Platz zu suchen. Wir sitzen nun in der ersten Reihe, direkt im Blickfeld der Frontalkamera. Die bittere Gewissheit holt uns ein, dass wir nun bald für alle Fernsehzuschauer zu sehen sein werden. Panisch richten wir unsere Frisuren und versuchen, eine möglich entspannt wirkende Haltung anzunehmen. Sobald die Kamera läuft ist eine Änderung der Sitzposition unmöglich.

Plötzlich steht Hanife wieder hinter uns und bittet uns, etwas über unsere weißen Longsleeves zu ziehen. Mit hochrotem Kopf verlassen wir das Studio um in dicken, dunklen Pullovern zu unseren Plätzen zurückzukehren.
Die Dame schräg hinter uns spricht uns an. Sie hat bemerkt, dass wir bevorzugt behandelt werden und will wissen, wer wir sind. Wir erklären, dass wir von Frau Doktor Breitenbachs Schule sind.

Mai 2003

 

 

Die Dame wundert sich, dass Frau Breitenbach noch zur Schule geht. Wir fragen uns, in was für ein Publikum wir geraten sind, klären das Missverständnis auf. Man darf nicht durch Sprechen oder Flüstern auffallen.

Vorne an den Pulten wird eifrig geschminkt und geprobt. Für die beiden Laiendarsteller ist dies die erste und einzige Probe. Zwei Mitarbeiterinnen der Breitenbachredaktion versuchen den Darstellern ihre Gedankengänge zu verdeutlichen. Gleichzeitig bearbeitet die Maskenbildnerin hektisch die Gesichter der beiden. Aus dem Off erklingt von Zeit zu Zeit die Stimme der Regisseurin, die verzweifelt versucht, Tontest mit den Mikrofonen durchzuführen.
Applaus. Frau Doktor kommt ins Studio. Sie lächelt breit und freut sich über den Beifall. «Ihr seid ein tolles Publikum, echt spitze». Gespannte Stille, man hört nur das Rauschen der Klimaanlage. Zweimal muss der Einzug ins Studio mit dem «Krüppel» geübt werden, bis die Regisseurin sich zufrieden gibt. Die Aufzeichnung fängt an. Eine sanfte Frauenstimme schildert kurz den Sachverhalt, der uns die nächste halbe Stunde beschäftigen wird.
«Stopp, vielen Dank, hier müssen wir kurz unterbrechen.» Schienbeine können nicht reißen, auch wenn uns Joachim das gerne glauben machen möchte. Die Aufzeichnung beginnt ein zweites Mal. Wir fangen an zu schwitzen, hoffen auf weitere Unterbrechungen, um unsere unbequemen Sitzhaltungen korrigieren zu können. Doch die Regie geht nun über alle weiteren Fehler hinweg. Wir sitzen 25 Minuten still und angespannt im Studio bis Frau Doktor endlich mit ihrem Schlussplädoyer beginnt.
«Ich wünsche Ihnen alles Gute, vielen Dank.» Wieder Beifall. Sie verschwindet mit schnellen Schritten. Die Regisseurin dirigiert immer noch aus dem Off die Darsteller in verschiedene Positionen. Einer der Darsteller fragt neugierig, wo sich die Regisseurin eigentlich befindet. «Keine Ahnung, wir haben sie selbst noch nie zu Gesicht bekommen» antwortet einer der Kameramänner. Das Publikum lacht.
Eine Frau aus dem Publikum schaut gelangweilt nach oben. Der Fehler wird sofort geahndet, die körperlose Regisseurin droht ihr «fünf Euro Abzug» an. Wir fühlen uns noch unwohler und überlegen, ob wir nicht doch gezuckt haben. Orwell lässt grüßen.
Die Aufnahmen sind im Kasten, Hanife holt uns ab. Wir folgen ihr die Treppe hoch in die nächste Ebene, wo Regie und Technik ihre Heimat haben. Im Vorbeilaufen blättert sie ständig, ruft dem Tontechniker zu, wann er sich für die nächste Aufzeichnung bereit machen muss. Maske, Mikrofone, Publikum-einlass.
Hanife führt uns vor eine schwere, schalldichte Metalltür, das Licht «Raumsperre» leuchtet. Wir fühlen uns privilegiert, dürfen den Raum trotzdem betreten. Innen herrscht Halbdunkel, für Beleuchtung sorgt nur eine große Anzahl von Bildschirmen. Der Raum wird dominiert von mehreren riesigen Schaltkonsolen. Ein Meer von Knöpfchen und Schalterchen. In einem abgetrennten Bereich sitzt der Tontechniker. Er interessiert sich sehr für unsere Kamera, ist auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für seine Frau.
Wir fragen den Regieassistenten, ob wir ihn fotografieren dürfen. «Dass wir beim Fernsehen arbeiten, heißt noch nicht, dass wir auch vor die Kamera wollen», werden wir belehrt. Eine Aufnahme seines Rückens wird uns gestattet. Wir verlassen schnell die Regie und entdecken die restlichen Studios. Wir sind nur wenige Meter vom Entstehungsort von «Taff», «Sam» und «Talk, Talk, Talk» entfernt und dürfen leibhaftig hinter der Stahltüre stehen, hinter der gerade Taff live ausgestrahlt wird. Feierliche Stimmung.
Hinter der nächsten Tür tut sich wieder der altbekannte Redaktionsflur auf, wir werden gebeten, auf einem weißen Ledersofa Platz zu nehmen. Es riecht nach Kaffee, Schminke und Zigaretten. Die Pressereferentin von Frau Dr. Breitenbach kommt aus einer Tür, sie macht uns klar, dass wir maximal drei Minuten Zeit haben. Wir fangen an im Kopf unsere Fragen zu ordnen.
Dann kommt sie. Mit ihrem strahlenden Lächeln. Sie lässt sich neben uns auf dem Ledersofa nieder und hat drei Minuten nur für uns Zeit. Wir stellen hektisch unsere Fragen, bekommen knappe Standardantworten. Die Zeit am WG war schön. Biberach ist eine schöne Stadt. Moderieren ist schön. Arzt sein auch. Sie freut sich, dass wir da sind.
Sie verschwindet wieder in die Tür, gefolgt von der Pressereferentin. Verloren stehen wir im Flur. Hanife kommt aus einem der Seitenflure und bringt uns zurück ins Studio. Diesmal müssen zwei andere Zuschauer dran glauben, wir erhalten zwei neue Plätze. Die Fernsehmühle beginnt wieder zu mahlen. Die neuen Darsteller stehen nervös an ihren Pulten, Mut wird zugesprochen.
Das Publikum verstummt, Applaus erklingt.

Benjamin Kobitzsch und Uwe Horstmannn, die demnächst nach Hamburg reisen dürfen - auf Einladung des SPIEGEl, bei dem sie sich mit der Funzel beim Schülerzeitungswettbewerb offenbar erfolgreich beworben haben. Wie die beiden aussehen, sehen Sie hier.

Pressemeldung vom 2. April: : ProSieben nimmt "Dr. Verena Breitenbach" aus dem Programm / Die Personal Help Show läuft noch bis Anfang Mai München (ots) - ProSieben wird die Sendung "Dr. Verena Breitenbach" nicht fortsetzen - die letzte Folge wird am 5. Mai 2003 ausgestrahlt und das Nachfolge-Format in Kürze bekannt gegeben. Jobst Benthues, Unterhaltungschef und kommissarischer Leiter Day Time und Talk: "Wir haben die Sendung ‚Dr. Verena Breitenbach' seit Start im Oktober 2002 optimiert, aber leider nicht die ausreichende Akzeptanz beim Zuschauer erreichen können. Da Frau Dr. Breitenbach als Person aber stets hohe Sympathiewerte bei unseren Zuschauern genossen hat, würden wir uns sehr freuen, wenn sie ProSieben auch zukünftig mit ihrem medizinischen Fachwissen als Expertin zur Verfügung stünde."