Standort Biberach
Die Podiumsdiskussion zur Altstadtsanierung vom 20. Februar 2003 - von www.standortfaktor.de
 

Teilnehmer (von links):

Julius Ogertschnig, Baubürgermeister der Stadt Biberach - Gemeinderat Edmund Wiest (CDU) - Dr. Dietrich Kautt, Baubürgermeister a.D. und Stadtplaner - Gemeinderat Alfred Braig (FDP); Moderation: Dierk Andresen

War die Diskussion ein Erfolg?

Sie hat sich für die BesucherInnen gelohnt. Natürlich hätte man sich mehr BesucherInnen gewünscht, aber Musical in der Stadthalle, Faschingsfeste und Fußball im Fernsehen waren starke Konkurrenten. Von daher war der Besuch gut.

 

Gab es neue Einsichten?

Durchaus.

 

Zum Beispiel?

Dr. Kautt bestätigte: Dass mehr Stellplätze gebraucht werden, sei kein Thema, die Zunahmne des Verkehrs, die Fahrzeuge in Stehzeuge verwandele, seien bundeweit festzustellen.

Auch seien die Leerstände in den Innenstädten ein bundesbweites und kein spezifisch Biberacher Problem. Mit der Ansiedlung der großen Märkte in Warthausen, habe man sich aber auch Probleme selbst geschaffen.

 

Belebt Altstadtsanierung die Innenstädte?

Das muss man differenzierter sehen. Werden kleine Altbauwohnungen in größzügiger konzipierte renovierte Altstadtwohnungen umgewandelt, reduziert sich die Zahl der Bewohner. Nur wenn neu und verdichteter gebaut wird, wie in der Justin-Heinrich-Knecht Straße etwa, nimmt die Zahl der Innenstadtbewohner zu.

 

Was bewog die Gemeinderäte denn zu Ihrer Zustimmung?

Der Bedarf an Stellplätzen steigt. Gleichzeitig fallen Stellplätze weg, da wurde es natürlich als Glücksfall gesehen, dass man einen Investor fand, der hier investieren wollte.

 

Was ist mit den Fördergeldern?

Alfred Braig beklagte, dass von den 10 Millionen Euro Fördergeldern für die Altstadtsanierung nur 2 Millionen für private Sanierungen zur Verfügung stehen. Das sei zu wenig.

 

Ist der Einwand berechtigt?

 

Das ist Ansichtssache. Man kann natürlich auch umgekehrt argumentieren, dass Fördergelder vorrangig der Gemeinschaft zugute kommen sollen. Außerdem: Solche Subventionen können nie die Gesamtumbaukosten decken. Und wenn ein privater Hausbesitzer nicht das Geld oder den Wunsch hat, ein altes Gebäude zu sanieren, kann man ihn auch nicht zwingen. Daher sind das Kleeblatthaus am Markt oder auch das große alte Haus am Weberberg noch nicht saniert..

Und noch etwas ist zu bedenken: Der Hausbestand in der Altstadt Ost ist so alt nicht, von daher besteht dort auch weniger Sanierungsbedarf als er im Rest der Innenstadt einst bestand.

 

 

Noch nicht saniert: Haus am Weberberg:

Das Kleeblatthaus am Markt:

Werden Ärzte nicht ausbestehenden Praxen in der Innenstadt in ddas Dienstleistungshaus ziehen? Produziert das Dienstleistungshaus nicht also weitere Leerstände?

Das wird sicher zum Teil der Fall sein. Aber es ist nach Mehrheitsmeinung in Stadt und im Gemeinderat besser, die Ärzte ziehen in das zentrumsnahe Gemeinschaftshaus statt rauf zum Krankenhaus oder an den Stadtrand in die Waldseer Straße.

 

Wie heftig ist jetzt der Widerstand der FDP?
Die FDP ist nicht grundsätzlich gegen die Projekte Parkhaus oder Dienstleistzngshaus, sie meint nur, man hätte hier die Grundstücke zu Marktpreisen anbieten müssen und nicht subventioieren..
Und was sind Marktpreise?
Preise, zu denen sich Investoren finden lassen. Und das kann subventionierte Grundstücke mit einbeziehen, was aber hier nicht unbedingt der Fall war. Aber das ist Ansichtssache.
Warum gab es keine einzige Anfrage und keinen einzigen Einspruche der BürgerInnen gegen das Projekt als die Pläne auflagen?

Dr. Kautt berichtete aus Schorndorf von der Planung eines Radweges auf einem sehr breiten und wenig benutzten Bürgersteig. Der Gemeinderat hatte dem zugestimmt. Erst als es dann an die Umsetzung des Vorhabens ging, erhob sich riesige Empörung und es wurde der Stadt vorgeworfen, sie habe den GR nicht informiert.

Darauf zu hoffen, dass BürgerInnen sich rechtzeitig schlau machen, ist also wohl etwas blauäugig. Es funktioniert einfach nicht so. Modelle, die besser funktionieren, nimmt Weberberg.de gerne entgegen.

 

Und was hat an dem Abend die BürgerInnen am wenigsten überzeugt?

Geht man nach der Zahl und Heftigkeit der Fragen aus dem Publikum, dann war das wohl die Frage, wie die Zufahrt ins Parkhaus vom Eselsberg geregelt ist. Dort sahen Skeptiker allmorgendlich einen massiven Stau anwachsen, da die Parkhausabbieger heftigen Gegenverkehr kreuzen müssten.

 

Was stieß an dem Abend auf viel Interesse?
Die Webseiten von Standortfaktor.de, die per Laptop und Beamer vorgeführt wurden

Was freute die Veranstalter am meisten?

Dass trotz der Veranstaltungskonkurrenz interessiertes Publikum da und die Stimmung gut war und dass es durch ein brauchbares Konzept gelang, die Diskussionen straff und inhaltsreich zu führen. Und dass sich bestätigte: Ein Podium muss nicht immer ausgewogen sein. Weniger ist oft mehr.

 

Berichtete die Schwäbische über das Event?

Aber ja doch. Lesen Sie selbst, was am 24. 2.03 online zu lesen war:

Belebung der Innenstadt

Eine Premiere gab es jetzt im neuen "agenturhaus biberach": Mit einer Podiumsdiskussion zur Altstadtsanierung wurden die Räume auch als Veranstaltungsort eröffnet. Organisator und Moderator Dierk Andresen begrüßte als Fachleute Baubürgermeister Julius Ogertschnig, die Gemeinderäte Edmund Wiest (CDU) und Alfred Braig (FDP) sowie den früheren Stadtplaner Dr. Dieter Kautt. In Statements vertraten die Experten ihre Standpunkte. Wiest unterstrich, dass es für ihn wichtig sei, dass sich das Ärztehaus möglichst nah an der Innenstadt befinde, damit Patienten vor und nach ihrem Arztbesuch zur Fuß die Zentralstadt erreichen könnten. Ogertschnig meinte, dass durch das angegliederte Parkhaus die Innenstadt noch besser erreichbar werde. Positiv sei, dass für dieses Vorhaben ein Investor gefunden worden sei, der sich im großen Stil engagiere. Dr. Kautt stellte die Entwicklungen verschiedener Kommunen vor. Braig kritisierte die Leerstände, die durch die Verlagerung der Praxen in das Ärztehaus entstünden. In der Diskussion wiesen Besucher auf das verstärkte Verkehrsvolumen vor dem Parkhaus hin, das zu langen Rückstaus führen werde. Ogertschnig verwies auf die Nordwestumfahrung, die den Verkehr auch in diesem Bereich entlasten solle.