St. Martins Chorknaben

Die Sänger gibt's jetzt schon in mehreren Generationen - und das ist keineswegs selbstverständlich. Nur zu oft bedeutet ein Pfarrerwechsel das Aus für den Chor, wenn der Neue sich nicht sonderlich für Musik oder Jugendarbeit (die machen auch Zeltlager und so) interessiert. In Biberach aber klappt das schon seit 40 Jahren - eine Ewigkeit in in der Chorzeitrechnung. Wir haben die Chorknaben sowieso ins Herz geschlossen, weil sie sich ohne Apostroph schreiben. Danke!

Mehr Hintergrund zu Biberachs boy group Nr. 1 hier.

Kürzlich feierte man das Jubiläum mit einem Konzert, das einer italienischen Nachtmusik alle Ehre gemacht hätte, so schön war die Freiluftatmo im Museumshof.

Die "Schwäbische" schrieb dazu folgenden Artikel, der uns doch recht gut gefiel:

40 Jahre St. Martins Chorknaben

Geglücktes Jubiläum mit Open Air Konzert

Die Wettergötter drohten, aber Respekt vor einer Biberacher Institution und wohl vor allem exzellente Musik ließen sie ihre Schleusen geschlossen halten: Die Biberacher St. Martins Chorknaben feierten ihr 40jähriges Jubiläum mit einem Freiluftkonzert im Museumshof.

Von unserem Mitarbeiter Dierk Andresen

BIBERACH - Es war schwül warm am Samstagabend und man musste bei einem Blick an den Himmel fürchten, dass ein Platzregen oder Gewitter das Konzert unterbrechen würde, das mit kleiner Verspätung begann. Die war nicht mangelnder Organisation geschuldet, sondern dem Andrang von Hunderten von Besuchern, die bis in die Museumsstraße hinaus Schlange standen, bevor sie vor dem Museumsbrunnen und der Bühne Platz nehmen konnten. Endlich aber begannen die St. Martins Chorknaben, die vorher schon, in Reih und Glied in der Kapelle aufgestellt, ihren Auftritt erwarteten, den Abend mit dem Lied "Freunde, die ihr seid gekommen". Der erste Genuss einer langen Reihe von Darbietungen mit fast vierzig Titeln, die Kirchliches und Poppiges, Modernes und Volkstümliches, Deutsches und Ausländisches trefflich mischten. Es war ein würdiges Konzert, aber eines, das nicht auf Humor verzichtete. Die a capella Gruppe Gehöröl etwa teilte das Publikum in drei Gruppen, die das Lied "The lion sleeps tonight" mit Dschungelgeräuschen, Papageienstimmen und Affenlauten begleiten mussten. Vorher befragte man das Publikum nach dem bekanntesten Liebeslied der "Comedian Harmonists". Der "kleine grüne Kaktus" war da natürlich falsch. Wer die Sombreros, die auf dem Braith-Mali Denkmal lagerten, rechtzeitig gesehen hatte, konnte erahnen, dass es sich um die "Schöne Isabella von Castilien" handeln musste. Aber ehrende und kompetente Unterstützung bei ihrer Feier erhielten die Chorknaben noch von mehreren anderen Gruppen wie dem Gospel Train, der Ars Vocalis, dem Bräschdleng a-capella-Chor und der Gospelgruppe Steinhausen.

Ein fast dreistündiger Abend mit reichlich verdientem Beifall lag hinter dem Publikum, als der Chor der Ehemaligen auftrat und sechs Lieder zum Besten gab. Schließlich bat Chorleiter Johannes Striegel alle Ehemaligen auf die Bühne, die nun kaum noch Platz ließ. Und dann wurde es still, als "Ische Cherubini" und "Mnogaia Leta" anrührend durch die Nacht klangen. Danach wieder lebhafter Applaus und "Zugabe!"-Rufe. Die wurden allerdings nicht erhört. Dafür stimmte man - und das Publikum erhob sich und sang wieder mit - etwas verfrüht das Schützenlied an, bevor es den Schlussapplaus gab, den auch der Gründer der Chorknaben, Pfarrer Paul Pfaff, aus dem Rollstuhl winkend entgegennahm. Ein gelungener musikalischer Festakt also, eine fröhliche, an Gesprächen,Wiedersehen und Erinnerungen reiche Feier und etwas schlicht schön und befriedigend Biberacherisches in warmer Sommernacht. Glücklich: Die Wolken hielten an diesem Abend. Wohl denen, die ihn geniessen durften.

 

19. Juni 2002.

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