Ausstellung: Jakob Bräckle und Zeitgenossen


8. Juni bis 8. September 2002

Die Ausstellung veranschaulichte, was Jakob Bräckle (1897-1987) und andere Künstler der Region in den 30er Jahren malten - welchen Motiven sie sich zuwandten, welche Bildformate sie wählten, welcher Stil dominierte." Jakob Bräckle ist einer der einflussreichsten oberschwäbischen Maler des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung stellte sein Werk in Beziehung zu den Weggefährten zwischen Stuttgart und Bodensee in einer Zeit zwischen Modernität und Vereinnahmung."

Wie eindrucksvoll eigenständig Bräckles Stil im Kontrast zu den Werken ist, die von der Kulturpolitik des NS-Regimes so geschätzt wurden, lässt sich gut feststellen bei einem Vergleich eines ähnlichen Motivs: Bauer mit Sense. Das Bild links hängt gleich neben der Tür zum Treppenhaus des Museums. (Bitte etwas Geduld beim Laden der Bilder.)

Links: Mittelteil des Triptychons"Kindheit, Ernte, Alter"(1936-37) von Adolf Hildenbrand,
rechts Jakob Bräckles "Der Schnitter" (1940). Die Farben sind in dieser Wiedergabe leicht verfälscht.

Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums zu besichtigen

Von der Eigenständigkeit des "Schollenmalers" - Bericht über den Eröffnungsvortrag

Die Ausstellung wurde eröffnet mit einem Vortrag von Dr. Uwe Degreif. Er begann ihn mit einer Befürchtung. Jener, die die Ausstellungsmacher nach dem Aufbau plagte: Ob nicht zu harmlos schön wäre, was hier zu sehen sei, Sonnenblumen etwa, aus einer Zeit, in der die Künstler auch Oberschwabens in persönliche Bedrängnis gerieten. Spätestens seit dem Januar 1934, mit der Schaffung der Reichskulturkammer, wurden Künstler in "entartete" (wie Ernst Ludwig Kirchner) und dem Regime genehme geteilt. Und Jakob Bräckle war zunächst genehm. In Biberach wurde er (nicht nur von der Hitlerjugend) als der heimatverbundene "Schollenmaler" schlechthin geschätzt. Seine Kunst ist "versinnbildlichter Nationalsozialismus" hieß es. In der Tat widmete sich Bräckle ganz dörflichen und bäuerlichen Motiven, von Großstadtkunst (Kubismus, Expressionismus) in seinen Werken aus der Zeit keine Spur. Oberschwaben war sein Thema, der Ruch der heimatlichen Erde.

Bräckle, so Degreif, verwahrte sich nicht gegen die ideologische Vereinnahmung, aber er schloss sich ihr nicht an. Und wie sehr seine Bilder vom damals Gängigen abwichen, sieht der Besucher gleich im Erdgeschoss. Der Mittelteil des Tryptichons "Kindheit, Ernte, Alter" von Adolf Hildenbrand zeigt heroische deutsche Menschen bei der Ernte. (Das Bild hing noch bis in die 60er Jahre in der Kreissparkasse.) Gleich daneben hängt das Ausstellungsplakat - Bräckles "Schnitter", ein Bild von einer Farbenfreude und Leichtigkeit, die - bei gleichem Thema - einen Unterschied ums Ganze ausmachen. Nichts Idealisiertes, nichts Monumentales. Bräckles Bilder blieben eher im kleinn Format und taugten schon deshalb nicht für die Propagandaausstellungen des Regimes. Ebensowenig seine nüchternen Bildtitel: "Getreide" etwa statt eines pathetischen "Korn der Erde".

Was hier gezeigt werde, so Degreif, sei überwiegend Kunst, die Bestand habe, vom Motiv, von der Art zu malen, von der Wahl der Farben. Die Bilder kämen hier ganz als Kunst zu ihrem Recht. Schon am Beginn der Ausstellung zeigen Sonnenblumenbilder, wie verschieden Künstler ein Motiv angehen können. Mit diesem Vortrag gelang Degreif ein Drahtseilakt: Er verschwieg nicht, wie gut die Malerei, die Motive, des aus Stuttgart in die dörfliche Welt von Winterreute zurückgekehrten Malers Bräckle in die Ideologie der Zeit passten. Aber gleichzeitig arbeitete er sorgfältig und liebevoll die Distanz, die Eigenständigkeit heraus, die Bräckles Werk trotz allem kennzeichnen und würdigte auch das Werk der vielen anderen Künstlerinnen und Künstler, die in der Ausstellung zu sehen sind. (D.A.)

Den Vortragstexte von Dr. Uwe Degreif finden Sie hier.

September 2003

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