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Sex und Steuern in Oberschwaben: Eine typisch Biberacher Posse um den Nachtclub "Remise" Vergnügungssteuer. Jede/r kennt sie. Kaum eine/r weiß Genaues. Auch die "Remise" ist den meisten nicht aus eigener Ansicht bekannt. Weberberg,de nimmt Sie mit hin. Auf der Website der Stadt Schwerin erfahren wir mehr zum "Steuergegenstand", wie es die Juristen nennen:
Die Stadt Münster lässt uns wissen:
In Biberach gilt seit dem 1. Januar 2002 diese Satzung.in der es heißt (unsere Hervorhebungen):
Schön und gut: Auch Sex kann zur Sucht werden. Auch dieser Sucht durch Besteuerung Herr zu werden, kann eine Stadt versuchen, wenn sie denn möchte. Aber 15 Euro? Sind die Biberacher besonders gefährdet? Interessant, wie andere
Gemeinden im Kreis Biberach die Sache handhaben. Der Stadt am nächsten
liegt Warthausen. Dort erfreuen Damen, die (minimal bekleidet) auf Tischen
tanzen, die Gäste. In Biberach wären da die täglichen 15
Euro/10qm fällig und der Betreiber könnte seinen geräumigen
Laden dann sicher bald schließen. Die Gemeinde Warthausen aber verlangt
nichts. Das soll sich vielleicht ändern, lässt der dortige Gemeindeamtsrat
Maucher uns wissen. Man erwäge die Anpassung an die Steuern für
Tanz- und Discoveranstaltungen, derzeit 1,53 Euro. Auch in Laupheim, so
weiß er, wird für Sexdarbietungen keine Steuer erhoben. In
anderen Gemeinden des Kreises liegen die Sätze auch nicht höher
als die 1,5 Euro. Und im "Himmelreich des Barock", in Ochsenhausen,
dürften derzeit barocke Stripperinnen vergnügungssteuerfrei
tanzen bis zum Abwinken. Ein seriöser Betrieb kann sich eine solche Steuer nicht leisten und würde sich daher auch nicht in Biberach ansiedeln. Der Stadt entgehen dadurch Steuereinnahmen, denn der Betrieb würde nicht nur Vergnügungssteuer zahlen, sondern auch noch alle anderen gewerblichen Steuern. Aber Prüderie hat in Biberach offenbar Vorrang vor einer aufgeklärten Gewerbepolitik. Eine Provinzposse? Vielleicht. Aber eine, die den Standort Biberach in Verruf bringen könnte: Als Deutschlands Hauptstadt der Prüderie. "Wir sind halt in Oberschwaben und eine CDU-regierte Stadt," sagt Peter Bystron. Und damit hat er recht und unrecht zugleich, denn diese Satzung wurde von allen Fraktionen mitgetragen: von der SPD und den Freien Wählern, von der CDU, der FDP und den Grünen. Motto: Bitte keinen Sex, wir sind Biber! P.S.: Die Reaktionen von Gemeinderäten gegenüber unserem Redakteur, der Anfang Oktober 2002 in der Bürgerfragestunde des Gemeinderates mehr zur Vergnügungssteuer wissen wollte, waren in der Sitzungspause sehr interessant. Sie reichten von "Ich bin menschlich enttäuscht. Dass Sie so etwas Menschenverachtendes unterstützen." bis zu "Früher waren wir nach der Nachsitzung öfter in der Remise." und "Der Laden würde besser laufen, wenn die bessere Mädchen hätten." und "75% der Übernachtungen in BC sind Geschäftsreisende. Die brauchen das, wenn sie Heimweh haben." Und "Für eine Stadt dieser Größe wichtig. Sonst muss man ja nach Ulm fahren." Der OB wiederholte in der Fragestunde seine Argumente ("menschenverachtend", "frauenfeindlich"). Die bekommen etwas Absurdes, wenn man den zur familienfreundlichen Sendezeit ausgestrahlten Beitrag der SWR-Landesschau (Ende September) zum Thema sichtet. (Unser Striptease-Redakteur tat das stilgerecht auf der Leinwand der Remise.) Da strippen Frauen, schwenken Boas und anderes und robben in eindeutigen Posen über den Teppichboden der Remise. Kinder dürfen so etwas im Vorabendprogramm des SWR sehen, Biberachs Männern soll es möglichst verwehrt sein. Und das, so der OB, hat "mit Prüderei (sic!) nichs zu tun". |